DAS GEWERBE DER LEINEWEBER

AUTOR: Josef Theobald

Leinenweber verarbeiteten ursprünglich sowohl den gesponnenen Flachs
als auch Hanf zu Leinwand; seit etwa 1500 wurde Hanf hauptsächlich nur
noch für Haustuch, Sack- und Packleinwand, grobe Zeuge wie Segeltuch
und Seilwaren verwendet. Im Gegensatz zur Tuchmacherei (Wollweberei),
die sich doch meist als städtisches Handwerk etablierte, war dagegen die
Leinenweberei lange Zeit im ländlichen Raum als Heimgewerbe verbreitet
und wurde vielfach von hörigen Bauern und Tagelöhnern betrieben. Leinen-
weber war im Mittelalter ein hochgeschätztes Gewebe, aus dem nicht nur
Hemden und Bettzeug, sondern auch Kleider, Waffenröcke, Satteldecken,
Hutbezüge und Paniere verfertigt wurden. [1]

Das Gewerbe der Leinenweberei war ursprünglich ein Nebengewerbe der
Landwirtschaft. Doch mit der steigenden Mannigfaltigkeit und Kunstfertig-
keit der Produktion konnte das bisher betriebene Nebengewerbe nicht
mehr von denselben oder einzelnen Personen ausgeübt werden. So
sonderte sich das Handwerk vom Ackerbau. Mit der Spaltung der Pro-
duktion in zwei große Hauptzweige, Ackerbau und Handwerk, entsteht
die Produktion direkt für den Austausch, die Warenproduktion; mit ihr
der Handel, nicht nur im Innern und an den Stammesgrenzen, sondern
auch schon über See. [2]

Im 18. Jahrhundert nahm das Landhandwerk allgemein zu. Grund dafür
war in erster Linie die Notwendigkeit der Beschäftigung einer wachsen-
den Zahl von Menschen zwecks Bestreitung ihres Unterhalts durch den
Nebenerwerb oder den Übergang zu heimgewerblicher Produktion. Das
Einkommensniveau blieb aber nach wie vor gering. [3]

Die Voraussetzung für die Leineweberei ist der Flachsanbau. Hier bleibt
der größte Teil der Einkünfte entweder bei den Aufkäufern oder bei den
Verpächtern von Boden hängen. Die größeren Flachsaufkäufer richteten
Trockenräume und Pressen ein; sie dingten Arbeiter zum Sortieren und
Schwingen des Flachses. Dabei muss angeführt werden, dass die Bear-
beitung des Flachses besonders viel Arbeitskräfte erforderte. Dies führte
schließlich dazu, dass der Landwirt in der Winterzeit mehr beschäftigt war,
andererseits schaffte dies eine Nachfrage nach Lohnarbeit auf der Seite
der Gutsbesitzer und wohlhabenden Bauern, die Flachs anbauten. [4]

Typisch für den Vertrieb war hier das Verlagssystem. Dabei traten Kauf-
leute mit kleinen gewerblichen Produzenten in Verbindung. Somit blieb
die Produktion dezentral. Der Absatz der erzeugten Produkte sowie de-
ren Weiterverarbeitung ist zentral erfolgt. Zentral beschafft wurde auch
das Rohmaterial. Diese Entwicklung ergab sich aus der Notwendigkeit,
wachsende und entfernte Märkte zu versorgen.

Die Arbeitstechnik der Leineweberei wurde meist von den Eltern auf ihre
Kinder weitergegeben. Denn im Arbeitsprozess war Kinderarbeit Alltag.
Dadurch wurde eine Steigerung der Produktion erreicht. Diese Arbeits-
weise nennt man auch „proto-industrielle“ Familienwirtschaft, die in den
Zeiten schlechter Preise und geringen Absatzes gezwungenermaßen
und selbstverständlich zur Selbstausbeutung überging. Diese kleinen
gewerblichen Produzenten lebten in Häuslerhäusern auf bäuerlichem
Grund, zum Teil abgesetzt vom Dorf in eigenen Häusern (Hüttchen).
Wohnten sie in den Dörfern, gehörten sie allerdings nicht zur Dorf-
gemeinde. War die Produktion verlagsmäßig organisiert und wurden
vom Verleger Werkzeug und Rohstoffe gestellt, so näherte sich der
Status eines Heimarbeiters dem des lohnabhängigen Manufakturar-
beiters. In der Praxis ist es aber auch vorgekommen, dass ein ge-
werblicher Kleinproduzent doch zu bescheidenem Wohlstand und
zu der Stellung eines Zwischenmeisters im Verlagssystem gekom-
men ist. Zu einem Verleger selbst ist er oft kaum aufgestiegen.

In stadtfernen Gebieten, wo sich dieses Gewerbe verdichtete, hat
diese Bevölkerungsgruppe offensichtlich ein Eigenleben geführt.
Denn man heiratete vorwiegend untereinander und gründete je-
weils wieder eine Spinner- und Weberfamilie. [5]

Wie das Beispiel der oberösterreichischen Leinenindustrie zeigt, kon-
nte dieser Zweig an der inländischen Textilkonjunktur des späten 18.
Jahrhundert teilhaben, was durch die Freigabe der Leinenweberei auf
dem Lande 1755/73 begünstigt wurde. Der Aufschwung brach aber um
etwa 1800 auf einmal ab, wohl im Zusammenhang mit der plötzlich über-
mächtig gewordenen Konkurrenz der Baumwollindustrie, der die Leinen-
industrie wenig entgegenzusetzen hatte. Ebenfalls gingen während der
napoleonischen Zeit der Überseemarkt und das Westgeschäft zur Gänze
verloren. Leinen, einstmals das wichtigste nicht-landwirtschaftliche Export-
gut der Habsburgermonarchie, wurde im frühen 19. Jahrhundert fast nur
mehr für das Inland erzeugt, wenn es überhaupt auf den Markt kam. [6]
Schon Friedrich Engels wies in seinem Vorwort zur zweiten Auflage der
Schrift „Zur Wohnungsfrage“ darauf hin, dass die Leinenweberei zu der
Zeit, als sie für den Weltmarkt arbeitete, schon soweit durch die Steuern
und Feudallasten erdrückt wurde, dass sie den webenden Bauer nicht
über das sehr niedrige Niveau der übrigen Bauernschaft erhob. [7]

NACHTRAG

In Saarlouis-Roden haben wir eine Leineweberstraße zwischen der
Lindenstraße und der Ellbachstraße. So deutet heute alles darauf
hin, dass sich ursprünglich diese Straße in früheren Jahrhunderten
außerhalb der eigentlichen Besiedlung befand. Nach dem II. Welt-
krieg waren die hier befindlichen Häuser meist vollständig zerstört
und wurden schließlich in den Fünfziger Jahren im Stil der Wieder-
aufbaujahre neu errichtet. Das Haus mit der Nr. 7 hatte fast noch
den alten Stil der Häuslerhäuser. Nach einem erfolgten Umbau ist
der alte Baustil heute leider nur noch zu erahnen.

ANMERKUNGEN
[1] Quelle: WIKIPEDIA, Stichwort: Leinenweberei.
[2] Marx – Engels, Ausgewählte Werke in zwei Bänden,
Band II, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1966, Seite 287.
[3] Rudolf Vierhaus, Deutschland im Zeitalter des
Absolutismus (Deutsche Geschichte 6), 2. ergänzte
Auflage, Kleine Vandenhoeck-Reihe, Göttingen 1984, 
Seite 38.
[4] W. I. Lenin, Werke, Band 3: Die Entwicklung des
Kapitalismus in Russland, Dietz Verlag, Berlin-Ost
1956, Seiten 286/87.
[5] wie [3], jedoch die Seiten 39/40 und 69/70.
[6] Österreichische Geschichte, ÖKONOMIE UND POLITIK,
Autor: Roman Sandgruber, Verlag Ueberreuter, Wien 1995,
Seite 184.
[7] Marx – Engels, Ausgewählte Schriften in zwei Bänden,
Band I, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1966, die Seite 521.

 

DIE RODENER MÜHLEN

AUTOR: Josef Theobald

Wie bei anderen Bachläufen in unserem Einzugsgebiet, wurde
auch der „Ellbach“ von den Anwohnern auf sehr vielfältige Art
und Weise genutzt. Dabei dominierte nicht die private, sondern
vor allem die wirtschaftliche Nutzung im regionalen Manufaktur-
wesen. Denn Wasser bedeutete und bedeutet immer auch Was-
serkraft und die Nutzung selbiger Wasserkraft, zur damaligen Zeit,
in Form von Mühlen. Denn durch sie konnten schwerste Arbeiten
wesentlich vereinfacht werden und, bezogen auf die reinen Pro-
duktionsziffern, eine weit größere Menge als bisher hergestellt
werden. Dabei kann man aufgrund der verschiedenen Mühltypen
den „Ellbach“ als einen historischen Indikator nutzen, der anzeigt,
welche wirtschaftlichen Faktoren einmal aufkamen, zum anderen
aber wann und wie sie zusammenhängen. Dominierten anfangs
die Getreidemühlen das Bild am „Ellbach“, ein deutlicher Hinweis
auf die eher agrarisch ausgerichtete Bevölkerung und dem primä-
ren Einkommensbereich der Mehlproduktion, so kamen seit 1734
neue Mühlen hinzu. Durch die französische Vorreiterrolle bei der
Lohgerbertechnik benötigten die Gerber natürlich noch eine Loh-
mühle, in der Eichenrinde und Lohepulver (ein Extrakt aus gerb-
stoffreichen Rinden, Blättern oder Holz von Eichen und Fichten)
gemahlen wurden. Und natürlich auch Holz. Letzteres wurde in
der Sägemühle geschnitten, ersteres in der Lohmühle hergestellt.
Doch mit der Lohgerberei und einem offensichtlichen Bedarf an
Gerber- und Kürschnerwaren blieb es natürlich nicht aus, dass
man sich ganz im Sinne des Manufakturwesens darum bemühte,
auch andere Produktionsvorgänge zu vereinfachen. Eine typische
und sicherlich nicht regional spezifische Entwicklung war die Saar-
Mühle, die anfangs als Walkmühle genutzt wurde. Auch die Ver-
schiebung der Primärproduktion des Gerbereiwesens von Frank-
reich weg in andere europäische Staaten, bis hin zu dem anglo-
amerikanischen Wirtschaftskrieg im Bereich der Schnellgerberei,
kann man an den Mühlen und damit indirekt am Mühlenbach er-
kennen. Ein geradezu ideales Beispiel stellt auch hier wieder die
Saar-Mühle dar. Einst als Walkmühle gegründet, vollzog sie den
Wandel zur Mehlmühle. Man kann also recht einfach schlussfol-
gern, dass hier keine technischen Defekte, fehlende Investitionen
oder eine Unterbrechung der Müllerlinie zum Wandel führten. Denn
dann hätte man sie einfach geschlossen. Sondern einfach der feh-
lende Bedarf, der einfach einen weiteren Betrieb im alten Stil für un-
sinnig und unrentabel erschienen ließ.

Spätestens seit 1800 war ein Ende der Mühlen eigentlich absehbar
und eng an das Schicksal der Gerber und Kürschner gekoppelt. Je
weniger denn deren Geschäft lief, desto weniger Lohe benötigten
diese, desto weniger wurde gewalkt, desto weniger Holz und Lohe
wurden verbraucht, desto weniger benötigte man also die Mühlen.
Doch was blieb den Betreibern für eine Alternative? Natürlich Mehl
mahlen, denn Bauern gab es ja weiterhin. Doch war das wirklich ei-
ne Alternative und wenn „Nein“ warum? Der Fortschritt bedingt auch
heute noch ein Zusammenrücken unserer Welt. Wir nennen es heu-
te einfach Globalisierung und oft wird dieser Begriff in einem Zug mit
einem „Schrecken der Globalisierung“ in Zusammenhang gebracht.
Damals bedeutete es schlicht, dass Saarwellingen und Roden sehr
nahe beieinanderlagen und durch den technischen Fortschritt noch
ein wenig näher rückten. Und der „Ellbach“ ist ein nun mal ein Bach
und kein Strom, der sich über hunderte von Kilometern hinzieht. Neun
Mühlen, mit gleicher Ausrichtung, auf so engem Raum bedeuteten ei-
ne fast unerträgliche Konkurrenzsituation. Und doch hätte es vielleicht
gut gehen können. Doch bescherte der Fortschritt noch ein weiteres
Problem. Die Verlagerung des bedeutendsten Wirtschaftsfaktors, weg
von der Agrarwirtschaft, hin zur Kohle- und Metallindustrie. Und dort
braucht man sicher auch Wasser, z. B. zur Kühlung, aber sicherlich
keine Mühlen. Ein typischer Rodener Bauer war zudem nie nur allein
ein Bauer. Er war Bauer und Bergmann oder, was wesentlich häufiger
vorkam, Bauer und Hüttenarbeiter. Dieser Ausdruck bezieht sich vor
allem auf die nah gelegene Dillinger Hütte. Doch wer nur noch in der
Zweitfunktion Bauer ist, baut lange nicht mehr so viel an, wie ein jener
Bauer, der dieser Tätigkeit ausschließlich nachgeht. Und so wurde es
immer stiller um die Mühlen, bis man zum Schluss neun defizitäre und
teils hoch verschuldete Betriebe zählte, die daher so nicht überlebens-
fähig gewesen wären. Die Lösung war recht einfach und schnell gefun-
den: Abfindungen und Schließungen. Denn die ansonsten so beliebte
Lösung im Agrarbereich, Subventionen zu gewähren, würde lediglich
ein bodenloses Loch aufreißen. Das war allen Beteiligten bewusst. So
gibt es in letzter Zeit andererseits die eine oder andere Initiative, zumin-
destens die Bausubstanz der Abels-Mühle zu bewahren, wobei man nun
aber heute vielleicht eher von den historischen Resten der Abels-Mühle
sprechen sollte, die noch in Form eines Silos bestehen. Inwieweit diese
Bemühungen aber Früchte tragen werden, bleibt abzuwarten.

Man unterscheidet folgende Mühlen:

– die Getreidemühlen (z. B. Abels-Mühle, Kreuz-Mühle, Quirinsmühle,
Schillesmühle, Saar-Mühle, Pittenmühle und Reqniersmühle),

– die Sägemühlen (z. B. Sägemühle an der Ortsgrenze zur Gemeinde
Saarwellingen),

– die Gerbereimühlen (z. B. Lohmühle, Saar-Mühle als Walkmühle). [1]

Die älteste urkundlich erwähnte Getreidemühle ist die Kirchen- oder
Abels-Mühle. In einer Urkunde vom Jahre 1593 gab die Abtei Tholey
die Kirchenmühle in Erbpacht an den damaligen Grundherrn von Ro-
den mit Namen Laudwein Bockenheimer. Diese Mühle wurde 1989
durch einen Brand vollkommen zerstört.

Die Schillesmühle wurde im Jahre 1767 erstmals urkundlich erwähnt.
Ihren Namen hatte sie von dem ehemaligen Besitzer Jakob Schille,
der das Bannmühlenrecht im Jahre 1769 ersteigert hatte. In preus-
sicher Zeit arbeitete sie hauptsächlich für das Proviantamt. Trotz
einer Modernisierung während des II. Weltkrieges wurde sie bei
Kriegsende zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Die erste Lohmühle in Roden wurde bereits im Jahre 1618 ur-
kundlich erwähnt, die von dem damaligen Grundherrn Wilhelm
Marzloff von Braubach verpachtet wurde. Wahrscheinlich hat
diese Lohmühle für die Wallerfanger Gerberindustrie gearbeitet.
Später wurde aus dieser Mühle eine Ziegelei, die im II. Weltkrieg
zerstört wurde.

Eine zweite Loh- oder Gerbmühle wurde im Jahre 1685 am Unter-
lauf des Ellbachs errichtet. Wahrscheinlich sollte diese den wohl
gesteigerten Bedarf an Lohe decken. Auch aus dieser Lohmühle
wurde im Jahre 1886 eine Ziegelei, die schließlich im Jahre 1976,
zehn Jahre nach ihrer Schließung, abgerissen wurde.

Auch die Saar-Mühle stammt wahrscheinlich aus der Mitte des
18. Jahrhunderts. Sie stand an der Mündung des Ellbachs in die
Saar. Im Jahre 1872 wurde sie umgebaut und modernisiert. Sie
brannte im Dezember 1927 ab und wurde nicht wieder aufgebaut.
[2]

ANMERKUNGEN
[1] Andreas Neumann, RODENA -Rodener Geschichte(n) 2008-,
2. Auflage 2009, erschienen im Eigenverlag von A. Neumann
(Fa. CSW, Wadgassen), erstes Buch in der Reihe der Titel des
RODENA Heimatkundevereines Roden e. V., Seiten 22 + 23.
[2] GESCHICHTE DER KREISSTADT SAARLOUIS, Band 6: Roden
(Traditionsbewusstes Dorf und moderner Stadtteil), Autor: Marc
Finkenberg, Herausgeber: Kreisstadt Saarlouis (1997), Seiten
81 + 82.

DER AUSDRUCK „OBERHÖLLEN“

AUTOR: Josef Theobald

Der Begriff „Hölle“ kommt vom Althochdeutschen „hella“ und war als
diese Schreibweise im 9. Jahrhundert üblich. Über den Weg des Mit-
telhochdeutschen bzw. Mittelniederdeutschen wurde aus dem Termi-
nus „helle“ das heutige „Hölle“. Letzterer Ausdruck war allgemein seit
dem 17. Jahrhundert durch die Übernahme aus dem Niederhochdeut-
schen gebräuchlich.

Ursprünglich bezeichnet „Hölle“ „das Verbergende oder Verborgene“
und zielt schließlich auf den unterirdischen Aufenthalt der Toten. [1]

Der Ausdruck „Hölle“ entspricht dem griechischen „Hades“ (auch Aides,
Aidoneus), Dieser war der finstere König der Unterwelt, der bei der Ver-
teilung der Welt das modrige Schattenreich erhielt und unerbittlich und
mitleidlos über die Toten waltete. Da er den Toten keine Rückkehr aus
seinem Reich gestattete, war er bei den Menschen gefürchtet und ge-
hasst. Im späteren Altertum verstand man unter „Hades“ auch dessen
Reich, die Unterwelt selbst. [2]

Das hebräische Gegenstück „Scheol“ kann „Grab, Tod, unersättliches
Monster, Unterwelt und das Reich der Toten“ bedeuten.

Infolge der mittelalterlichen Mystik gewann der Begriff „Hölle“ eine an-
dere Bedeutung, nämlich im Sinne des „Höllenfeuers“ (griechisch „ge-
henna“) als Ableitung vom Hebräischen „gai-hinnom“, das in Deutsch
Tal „Hinnom“ bedeutet. In späterer Zeit war es ein Ort, an welchem
Abfälle und Kadaver verbrannt wurden. Mit „Gehenna“ wurden von
daher zwei Gedanken assoziiert: das Leiden der Geopferten sowie
Schmutz und Korruption. In der prophetischen Tradition gilt deshalb
„Gehenna“ als der Ort des Gerichts Gottes (Jer. 19,6ff). [3]

Abweichend dazu stellt der jüdische Mediziner und Religionsphilosoph
Salomon Ludwig Steinheim (1789-1866) fest, dass „Scheol“ „das For-
dern, das Leere, was zu verschlingen strebt, also die Höhle“ bezeich-
net. Damit widerspricht er der gängigen christlichen Theologie, indem
er hier „eine Behausung der bösen Geister“ verneint. Hinzu zählt er
auch die christliche Lehre von der „alles verschlingenden Wohnung
der Schrecken, der Qualen, des ewigen Feuers“. Auch könne man
„Scheol“ mit „Gruft“ übersetzen. Schließlich leitet er „Gehenna“ vom
hebräischen „Tophet“ ab, das von der Wurzel „Tuph“ abgeleitet ent-
sprechend „Dörren, Verbrennen“ bedeutet (vergl. Jeremia 34,2) und
somit mit „Brenntal“ zu übersetzen wäre. [4]

Damit wäre nun geklärt, dass mit den „Oberhöllen“ nur die „oberen
Gräber“ oder ein „Gräberfeld“ aus der Historie Rodens gemeint sein
können. Gehen wir jetzt vom Standort des alten Friedhofs auf dem
früheren Gelände der Gärtnerei der Geschwister Comtesse aus, so
ergibt sich eben diese Blickrichtung. Wie schon einmal angesprochen,
kann dies lediglich ein frühes Gräberfeld von Kelten sein. Dies war von
Anfang an der Standpunkt des RODENA Heimatkundevereins Roden
e. V. Denn bei den Römern dominierte meist die Bestattung durch die
Verbrennung und durch eine Beisetzung der Asche im Grab oder Co-
lumbarium, daneben gab es vereinzelt Sarkophag-Bestattungen, die
vor allem seit dem 2. Jahrhundert u. Z. überhand nehmen, hierdurch
die stattliche Zahl der Sarkophag-Plastiken der mittleren bis späteren
Kaiserzeit. [5] Auch bietet sich an dieser Stelle der Ort „Pachten“, das
römische „Contiomagus“, an.


ANMERKUNGEN
[1] Etymologisches Wörterbuch der Deutschen, EDITION KRAMER,
Akademie Verlag, Berlin 2010, Seite 552.
[2] LEXIKON DER ANTIKE, Anaconda Verlag, Köln 2010, Seite 223.
[3] MÜNCHENER THEOLOGISCHES WÖRTERBUCH ZUM NEUEN TESTAMENT,
Patmos Verlag, Düsseldorf 1997, Seiten 206 – 208.

[4] Die Offenbarung nach dem Lehrbegriff der Synagoge, der
Teil 4, im Nachdruck des Georg Olms Verlages, Hildesheim usw.
1986, die Seiten 473/74.
[5] wie [2], jedoch die Seite 92.

DER STEPHANUSTAG

AUTOR: Josef Theobald

Traditionell am 2. Weihnachtstag wird dem hl. Stephanus gedacht, der
in kirchlichen Kreisen als der erste christliche Märtyrer gilt.

Die Apostelgeschichte behandelt in seinem 6. Kapitel die hellenistische
Gemeinde, der sieben Diakone zugeteilt wurden. Die hier wohl heraus-
ragende Person war die des Stephanus (aus dem Griechischen „der mit
einem <Sieges->Kranz Geschmückte“).

Die Hellenisten waren gegen das jüdische Gesetz und gegen die Sitten
des Judentums. Als sogenannte „Griechlinge“ arbeiteten sie ingrimmig
gegen das Gesetz der Väter und gegen die altväterlichen Sitten. Ihre
Bestrebungen gingen dahin, das väterliche Gesetz ganz und gar abzu-
schaffen im Sinne einer Hellenisierung des jüdischen Volkes. [1] Damit
standen sie im Gegensatz zu den frommen Aßidäern (Chassidim).

In Apostelgeschichte 7,48 wendet sich Stephanus gegen den Jerusalemer
Tempel selbst, indem er ihn als etwas Handgemachtes bezeichnete. Dies
war sein Todesurteil. Der damals junge Saulus wurde vom Sanhedrin be-
auftragt, die Hinrichtung zu vollstrecken und auch den Rest der Gemeinde
durch eine große Verfolgung zu vernichten (8,1-3).

Im deutschsprachigen Raum ist die Meinung von Martin Dibelius (1883-1947)
vorherrschend, dass die in die Apostelgeschichte aufgenommene Rede nicht
zum ursprünglichen Bestand der Stephanusgeschichte gehöre, sondern vom
Verfasser der Apostelgeschichte her an dieser Stelle zu begreifen sei. [2]

Fest steht aber, dass die christliche Urgemeinde erstmals negativ durch das
Wirken der Hellenisten aufgefallen ist. Daher ist auf der Seite des jüdischen
Sanhedrin angenommen worden, hier handele sich um eine neue Richtung
im Judentum, die gegen den Tempel und das jüdische Gesetz auftrete.

Deshalb die im 9. Kapitel der Apostelgeschichte geschilderte anfängliche
Haltung des Saulus gegenüber der christlichen Gemeinde in Damaskus.
Mit Morddrohungen verfolgte er die dortige Gemeinde des „Weges“ (die
Verse 1 + 2). Hier ist wohl an eine besondere Richtung im Judentum zu
denken, die sich an der früheren Anawim-Bewegung orientierte. Saulus
war damals der Ursprung dieser Gemeinde völlig unbekannt, der höchst
wahrscheinlich im Jerusalemer Tempel zu suchen ist (6,7).

Der Bericht über den Stephanus soll die Botschaft vom Bruch des späteren
Christentums mit dem Judentum und dem Tempel vorbereitend überbringen.
Die historische Wahrheit hinter dieser Darstellung der Apostelgeschichte war
vermutlich der provokative Wutausbruch eines führenden Mitglieds der ersten
Christengemeinde, der dazu geführt hatte, dass sich plötzlich in jenen Tagen
die so leicht erregbare Menge in Jerusalem auf diesen Mann stürzte und ihn
lynchte. [3]

In der apokryphen Literatur des Neuen Testaments gibt es bezüglich des
Saulus (Paulus), dem eigentlichen Begründer des heutigen Christentums,
eine starke Kontroverse. Vor allem jüdischen Rabbinern ist die in seinen
Briefen festgehaltene Theologie äußerst suspekt, da er vor allem Jesus
Christus in den Mittelpunkt seiner Mission stellt und schließlich durch die
Herausstellung dessen Todes eine andere Lehre begründet, die in einen
Gegensatz zur bisher überlieferten jüdischen Anschauung zu bringen ist.

ANMERKUNGEN
[1] Heinrich Graetz, Volkstümliche Geschichte der Juden in
zwei Bänden, Parkland Verlag, Köln 2000, die Seite 339.
[2] Bonner Biblische Beiträge, DAS HEILSGESCHICHTLICHE CREDO
IN DEN REDEN DER APOSTELGESCHICHTE, Verfasser: Klaus Kliesch,
Peter Hanstein Verlag, Bonn 1975. Seite 11.
[3] Geza Vermes, ANNO DOMINI (Ein Who’s Who zu Jesu Zeiten),
Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 2008, die Seite 295)

DIE WELT DER KELTEN

AUTOR:: Josef Theobald

Einer der frühen Hochkulturen war die der Kelten. Die Griechen
nannten sie „Kelten“ oder „Galater“, die Römer „Gallier“ und wie
die Griechen „Kelten“. Sie selbst bezeichneten sich allerdings im
übertragenen Sinne als „die Tapferen“ und „die Erhabenen“.

Die ältere Kultur nennt man „Hallstatt-Kultur“ nach dem Fundort
im oberösterreichischen Salzkammergut. Hier waren Adlige oder
Fürstenpersönlichkeiten Träger dieser Kulturstufe. Die Kelten in
dieser Zeit lebten zwischen Burgund und Österreich. Sie ließen
sich aufwendig in großen Erdgrabhügeln beisetzen und lebten
in befestigten Höhensiedlungen.

Die spätere Kultur nennt man „La-Tène-Kultur“ nach dem Fundort
in der Schweiz am Westufer des Neuenburger Sees. Hier setzte
sich zwischen Ostfrankreich und Böhmen eine neue, nun latène-
zeitlich benannte Adelsschicht durch, deren Repräsentanten nicht
nur Männer, sondern auch Frauen, sein konnten. Vielleicht muss
man hier von einem Adelsgeschlecht sprechen, das sich um die
Personengruppen bildete, die der südlichen Hallstatt-Adelsschicht
entstammten und die eine neue wirtschaftliche Grundlage vor allem
in der gezielten Ausbeutung von Erzlagerstätten sahen. Denn in ei-
nigen Fällen liegen – heute noch erkennbar – zeitgleich befestigte
Höhensiedlungen, Adelsgräber und Erzlagerstätten recht nah bei-
einander, so dass man von einer Verbindung zueinander ausgehen
kann.

Die adligen Toten wurden im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. in meist
großen, auch exponiert gelegenen Erdhügeln beigesetzt und eben-
so mit dem modernen zweirädrigen Streitwagen mit Bronzegeschirr
und kostbaren Schmuck- und Trachtbestandteilen für das Jenseits
versehen. Aus einem Fürstengrab von Schwarzenbach (dem Orts-
teil von Nonnweiler im Kreis St. Wendel) kommt der meisterhafte
Goldblechbeschlag einer Schale, oder, eher wahrscheinlich eines
Trinkhorns oder eines Siebtrichters der 2. Hälfte des 5. Jahrhun-
derts v. Chr., der friesartig aneinander gereihte Ornamente zeigt.
Als Beispiel aus der Zeit um 400 v. Chr. sei ein fürstlicher Mann
aus dem Ort Weiskirchen (Landkreis Merzig-Wadern) genannt,
der mit kostbarem Gürtel- und Taschenschmuck, Fibeln und ei-
nem Prunkdolch als Zierwaffe beigesetzt worden war. Er trug die
für die Kelten charakteristische karierte Hose, die den klassischen
Völkern absolut fremd war. Ein Hals- und ein Armring stammten
aus einem keltischen Fürstinnengrab, das 1954 im saarländischen
Reinheim (Saarpfalz-Kreis) entdeckt wurden. Jene Schmuckstücke
werden auf die Zeit um 400 v. Chr. datiert.

In Wales, Nordschottland und Irland hat sich die keltische Sprache
bis heute erhalten. Der keltische Kunststil blieb bis ins Mittelalter be-
stehen. Im 1. Jahrhundert v. Chr. hatte sich auf den Britischen Inseln
ein eigenes keltisches Kunstempfinden ausgebildet, das unter dem
Einsatz des Zirkels die Gestaltung komplizierter Muster ermöglichte.

Die Schaffung der römischen Provinz „Gallia Narbonensis“ von den
östlichen Pyrenäen bis zum Westalpenrand und hinauf zum Genfer
See bedeutete das Ende zahlreicher befestigter einheimischer Hö-
hensiedlungen. Ihr mediterran geprägtes „Stadtbild“ mit geregeltem
Bebauungsplan, mit Straßen, Speichern und Zisternen, die Keramik
und die Verwendung der griechischen Schrift einerseits, die keltische
Art der Tracht und Bewaffnung andererseits, müssen im Laufe des 2.
Jahrhunderts v. Chr. nachhaltig auf die Anlegung ähnlicher Siedlungen
nordwärts davon gewirkt haben. Diese Siedlungen hatten aber ebenfalls
wie diese eine politisch-wirtschaftliche Mittelpunktsfunktion innerhalb ei-
ner Stammesgemeinschaft inne. Als Sitz der Verwaltung und der Rechts-
sprechung, als Ort des Stammesheiligtums boten sie Platz für handwerk-
liche Betriebe, waren Wohnsitz des Adels und Fluchtburg der umliegenden
Bevölkerung. Hier regierten die Könige oder adligen Häuptlinge, agierten
die Druiden und Krieger, arbeiteten privilegierte Handwerker, und es be-
stand noch genügend Raum für bäuerliche Tätigkeiten. Zusammen mit
dem umliegenden Einzugsgebiet stellten diese Oppida also in sich ge-
schlossene und voll funktionsfähige Siedlungseinheiten dar.

Doch auch diese Kultur ging bald wieder unter. Mittel- und nordeuro-
päische Barbarenstämme bildeten zusammen mit den Restkelten in
Mitteleuropa eine neue ethnische Gruppe, eben zu jener der Germa-
nen. Diese Stämme übernahmen exakt die gleiche historische Rolle,
die bis dahin die Kelten gespielt hatten. Germanen waren fortan An-
rainer der von den Römern getragenen hoch zivilisierten Mittelmeer-
welt, deren Grenzen – eben durch die Römer – inzwischen bis in den
mitteleuropäischen Raum vorgeschoben worden war.

Die Christianisierung der Kelten konnte deshalb so gut erfolgen, da
der soziologische Aufbau der Iro-Schotten dem der Kelten am Ober-
lauf der Donau entsprach. Hier wies die Herrschaftsstruktur eine Ver-
schmelzung blutsverwandter Gruppen auf, die von einer mächtigen
Familie beherrscht wurden, und die Kirchenorganisation folgte einem
ähnlichen Muster. Bedeutsam für die irische Kirche war die Rolle der
Frauen und die Gründung von Schwesternklöstern. Es gab aber auch
Doppelklöster, eines für Männer und eines für Frauen. Man teilte sich
hier eine Kirche, lebte nach denselben Regeln und unterstand der ge-
meinsamen Verantwortung durch eine Äbtissin und einen Bischofsabt.
Allerdings war dieser egalitäre Ansatz für Frauen nur von kurzer Dauer.

Hier im Gebiet der Saar spielte ein St. Wendelin oder ein Wendalinus
bei der Missionierung eine besondere Rolle. Dieser gilt in der 1. Hälfte
des 7. Jahrhunderts entweder als Stifter der Abtei Tholey oder als einer
der ersten „schottischen“ Äbte. Im Gefolge dieser herausragenden Per-
sönlichkeit tritt eine Nonne mit dem Namen „Oranna“ auf. Es gibt hier
Gelehrte, die da ein Geschwisterpaar sehen möchten. Dennoch zei-
gen die Umstände der frühen Klosterbildung, dass die keltische So-
zialstruktur förderlich für die Akzeptanz weiblicher Missionare war.
Mit dem wachsenden Einfluss der römischen Kirche kam auch ein
geändertes Frauenbild zu uns. Man favorisierte das Idealbild einer
unbefleckten oder unschuldigen Jungfrau, das aber im Judentum
keine Entsprechung hatte und eher im griechisch-römischen Um-
feld anzutreffen war.


QUELLENHINWEIS

Als Buchquellen wurden DIE GROSSE WELTGESCHICHTE,
Frühe Kulturen für Europa, erschienen in Lizenz BROCKHAUS
im Weltbild Verlag und das Buch von Christine Kinealy mit dem
Titel GESCHICHTE IRLANDS, das 2004 im Magnus Verlag in
Essen erschien, herangezogen.

WORTERKLÄRUNGEN

Ein „Druide“ ist ein keltischer Priester der heidnischen Zeit.

Das lateinische Wort „oppida“ ist der Plural des lateinischen
Substantivs „oppidum“ und bedeutet im Singular militärische
Befestigung und Verschanzung.

NACHTRAG

Welche Umstände begünstigten denn die Tatsache, dass es auf
keltischer Seite auch weibliche Fürsten gab? In den Werken des
Herrn Lenin aus Russland findet sich aber jedoch eine plausible
Erklärung:

„Es hat aber eine Zeit gegeben, da kein Staat existierte, da der
allgemeine Zusammenhalt, die Gesellschaft selbst, die Disziplin,
die Arbeitsordnung aufrechterhalten wurden durch die Macht der
Gewohnheit, der Traditionen, durch die Autorität oder Achtung,
die die Ältesten der Geschlechtsverbände oder die Frauen ge-
nossen, die zu dieser Zeit oftmals eine den Männern gleichbe-
rechtigte, ja nicht selten sogar höhere Stellung einnahmen, ei-
ne Zeit, da es keine besondere Kategorie von Menschen, keine
Spezialisten gab, um zu regieren.“ (Werke. Band 29, Dietz Ver-
lag, Berlin-Ost 1961, Seite 465)

BEITRAGSBILD
Das goldene Pferd von Reinheim

DAS KIRCHLICHE FEST ALLERHEILIGEN

AUTOR: Josef Theobald

Die Kelten feierten den Jahreswechsel in der Nacht zum 1. November.
Der Jahreswechsel wurde „Sam-Hain“ (= das Ende des Sommers) ge-
nannt. Sie gedachten dabei der toten Seelen. Zu diesem Fest sollen
große Feuer und das Opfern von Getreide und Tieren gehört haben.
Mit den Opfern sollten die Seelen der Verstorbenen besänftigt wer-
den.

Die Menschen im Römischen Reich sollen ebenfalls im Herbst ein
Fest in Erinnerung der Verstorbenen begangen haben, nämlich das
„Lemurenfest“. Lemuren waren die Seelen der Verstorbenen, welche
als Dämonen und Geister weiter die Lebenden begleiteten.

Die christliche Kirche assimilierte den vermutlich nicht auszurottenden
Brauch in einem Gedenktag für „alle heiligen Seelen“ = „Allerheiligen“.
Grundsätzlich gilt die gesamte christliche Gemeinschaft als heilig. Ver-
mutlich durch Übernahme einer um 150 v. Chr. im Judentum aufkom-
menden Märtyrer-Theologie (Märtyrer -griechisch- = Zeuge) haben
die mit dem Leben bezahlten Glaubenszeugen eine besondere heilige
Bedeutung erlangt. Jene, welche für ihr Zeugnis Folter, Verfolgung und
Entbehrung erlitten, werden „Bekenner“ genannt. [1]

„Allerheiligen“ ist in der katholischen Kirche das Sammelfest für alle
Heiligen am 1. November. Die Kirche gedenkt mit diesem Hochfest
nicht nur der vom Papst heiliggesprochenen Frauen und Männer,
sondern auch der vielen Menschen, die eher unspektakulär und
still ihren Glauben gelebt und ihr Christentum konsequent verwirk-
licht haben. [2]

Der älteste Beleg für diesen „Herrentag aller Heiligen“ findet sich im
4. Jahrhundert bei Johannes Chrysostomos. Er ist am Sonntag nach
Pfingsten datiert, da ursprünglich die Osterzeit mit dem Totengedenken
verknüpft war. Papst Bonifatius IV. weihte 609 das zuvor der heidnisch-
antiken Götterwelt zugeschriebene Pantheon in Rom der Jungfrau Maria
und allen Heiligen. Daraufhin wurde jedes Jahr am Freitag nach Ostern
den Heiligen gedacht.

In Irland entstand ab dem 8. Jahrhundert ein neuer Hintergrund für das
Heiligenfest: Der Zusammenhang mit Ostern verblasste allmählich, statt-
dessen rückte die sterbende Natur, durch die die ewige Welt der Heiligen
sichtbarer wird, in den Vordergrund. So wurde dort der 1. November der
neue Termin des Festes, zugleich Winterbeginn und Jahresanfang. Im
9. Jahrhundert brachten irische Missionare dieses Brauchtum auf den
Kontinent. Papst Gregor IV. dehnte den Gedächtnistag auf die ganze
Kirche aus. [3]

Nach dem Entstehen des Festes „Allerheiligen“ wurde das Fest im
Kloster und in der Kongregation von CLUNY unter dem Abt ODILO
(994-1048) als Totengedächtnis eifrig in Gebet und Opfer gepflegt.
Dies brachte eine Menge von Güterschenkungen ein. Daher wurde
das Kloster von CLUNY allmählich reich und mächtig. [4]

ANMERKUNGEN
[1] Hans-Peter Ebert, Festtage zum Nachlesen (Hintergründe
zu Zeitrechnung und Brauchtum), DRW-Verlag, Leinfelden-Ech-
teredingen 2001, Seiten 100 + 101.
[2] Manfred Becker-Huberti – Ulrich Lota, KATHOLISCH (A-Z),
Das Handlexikon, Verlag Herder, Freiburg (Breisgau) 2009,
Seite 15.
[3] Die wichtigsten Gedenk- und Feiertage (Religiöse und na-
tionale Feiertage weltweit), Chronik Bertelsmann, Wissen Me-
dia Verlag, Gütersloh/München 2009, Seiten 52 + 53.
[4] Bihlmeyer – Tüchle, Kirchengeschichte, Zweiter Teil: Das
Mittelalter, 12. Auflage, Verlag Ferdinand Schöningh, Pader-
born 1948, §§ 100,1 + 101,3.

DIE EINBINDUNG DER SAARSTRECKE IN DIE EIFEL- UND MOSELSTRECKE

AUTOR: Josef Theobald

Nach der Rückgliederung des Saarlandes in die
Bundesrepublik Deutschland zeigte sich, dass
bahntechnisch eine Einbindung in die Eifel- und
Moselstrecke notwendig wurde.

Zwei Bahnstrecken fuhren nach Köln. Die eine
Strecke ging über die Eifel. Die andere verlief
an der Mosel vorbei über Koblenz nach Köln.
Das bedeutete, dass in den Sechziger Jahren
leistungsstarke Diesellokomotiven eingesetzt
werden mussten, um die langen Distanzen zu
bewältigen. Mit den alten Dampflokomotiven
der Baureihe 38 war dies nicht zu schaffen.

Mit der Elektrifizierung 1973 gewann die Mo-
selstrecke immer mehr an Bedeutung. Durch
die Einführung des IC-Verkehrs von Koblenz
nach Köln wurde die Eifelstrecke immer mehr
abgehängt. Zwischen Trier und Koblenz verke-
hren heute Regionalexpresszüge (RE).

Die Elektrifizierung der Saarstrecke brachte
einen Gleichstand. Der Kölner Raum war nun
bald besser und schneller zu erreichen. Trier
gilt hier als ein Knotenpunkt.

Es gibt in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-West-
falen Überlegungen, auch die Eifelstrecke zu
elektrifizieren. Zumindest werden Teillösungen
diskutiert. Ob dies aber den langjährigen Rück-
stand wieder wettmachen kann, bleibt fraglich.
Einen Sinn hätte dies nur in einem touristischen
Konzept, das die Orte in der Eifel aufwertet.

BILD: zwei Diesellokomotiven der Baureihe
225 im Güterzugeinsatz

3. OKTOBER: TAG DER DEUTSCHEN EINHEIT

AUTOR: Josef Theobald

Der Wunsch nach deutscher Einheit wurde in West-
deutschland stets hochgehalten. Die sozial-liberale
Koalition unter Bundeskanzler Willy Brandt (1913-
1992) hatte lediglich normale völkerrechtliche Be-
ziehungen zur ehemaligen DDR angestrebt.

In der Regierungszeit von Bundeskanzler Helmut
Kohl (1930-2017) gelang die erstrebte Wiederver-
einigung. Kohl sah sich als Vollender der Einheit.

In der früheren DDR dagegen sah man den gegen-
wärtig existierenden sozialistichen Staat allein als
legitim an. Seit den Sechziger Jahren hatte man
eine deutsche Wiedervereinigung verworfen. Es
wurde zu einem Tabu-Thema.

Mit den wirtschaftlichen und finanziellen Schwierig-
keiten trieb man die DDR-Bevölkerung in die vor-
mals abgelehnte Wiedervereinigung.

Nach dem Beitrtt der früheren DDR zur Bundes-
republik Deutschland kam es am 3. Oktober 1990
zur gemeinsamen Wahl des Bundestages. Der in
der Bundesrepublik gefeierte 17. Juni wurde auf
den 3. Oktober verlegt. Seitdem ist der 17. Juni
nur noch ein Gedenktag an die Arbeiterunruhen
im Jahre 1953 in Ost-Berlin.

Die politische Lage der früheren DDR war durch
den bürokratischen Staatsmonopolkapitalismus
geprägt. Dazu kam eine weit verbreitete Korrup-
tion. Durch die Staatssicherheit politisch verfolgt
wurden Minderheiten, wie junge christliche Ge-
meinden, Umweltgruppen, Ausreisewillige und
Anhänger anderer kommunistischer Parteien.

Die wirtschaftliche Lage war sehr angespannt.
Die Subventionen des täglichen Lebens, wie
gedeckelte Mieten, günstige Energiekosten
und verbilligte Lebensmittelpreise, konnten
plötzlich durch die erzielten Steuereinnahmen
aus den Gewinnen der verstaatlichten Betriebe
(VEB) nicht mehr finanziert werden.

Der Export in die Länder des RGW ging zurück.
Die Sowjetunion verstand es, die festgesetzten
Verrechnungspreise zu ihren Gunsten zu ver-
ändern. Dadurch stiegen die Preise für Erdöl.

In der Periode der Perestroika (Reorganisation)
hatte die Sowjetunion erhebliche wirtschaftliche
Schwierigkeiten. Sie konnte ihre Abnahmever-
pflichtungen nicht mehr einhalten. Die DDR-
Betriebe produzierten nur noch auf Halde.

Nach der Wiedervereinigung wollten die Bürger
der ehemaligen DDR schnell die D-Mark haben.
Dies sorgte aber dafür, dass der Wert der DDR-
Betriebe erheblich absank. Denn die Mark der
DDR war etwa 2/3 weniger Wert. Auf diesem
Niveau hatte die frühere DDR produziert. So
war sie gegenüber anderen RGW-Staaten
konkurrenzfähig. Mit der Einführung der D-
Mark waren die neuen Bundesländer plötz-
lich nicht mehr in dieser Lage. Die Qualität
der Produkte, der vorhandene Investitions-
stau und die Kostensituation machten die
ehemaligen DDR-Betriebe nicht mehr wett-
bewerbsfähig. Dementsprechend sind sie
von der Treuhand abgewickelt worden.

110 JAHRE HAUPTBAHNHOF SAARLOUIS

AUTOR: Josef Theobald

Der erste Staatsbahnhof auf dem Territorium des heutigen
Saarlouis wurde im Zuge des Baus der Saarstrecke am 16.
Dezember 1858 in Fraulautern eröffnet. Saarlouis selbst war 
dadurch allerdings von Eisenbahnverkehr abgeschnitten, was
die wirtschaftliche Entwicklung behinderte, zumal die Stadt
durch die Desarmierung der Festungsanlagen seine Fläche
bedeutend vergrößerte. Wirtschaftlich wurde die Stadt hinter
die Nachbargemeinden Dillingen und Bous zurückgeworfen.
Dies führte zunächst zum Bau der Straßen- und Kleinbahnen
im Kreis Saarlouis. Außerdem setzte sich die Stadt für den
Neubau eines Bahnhofs ein und gemeindete den heutigen
Stadtteil Roden ein, um auf dessen Gebiet einen Bahnhof
zu errichten. Am 20. Dezember 1910 morgens gegen 5.00
Uhr lief der erste Zug der Deutschen Reichsbahn im neu
erbauten Staatsbahnhof Saarlouis ein. Während der Zeit
des Nationalsozialismus hieß der Bahnhof „Saarlautern“,
bevor er im November 1945 wieder in „Saarlouis“ umbe-
nannt wurde.

Vor dem Krieg wurde die Saarstrecke von Dampflokomotiven
befahren. Bekannt ist hier die preußische P8 (Baureihe 38).
Nach dem Krieg war diese Lok im D-Zugdienst eingesetzt.
Dazu gesellte sich die preußische T18 (Baureihe 78), die
im Nahverkehr eingesetzt war. Im Güterverkehr waren die
Kriegsloks (ab Baureihe 50) im Betrieb. In den Sechziger
Jahren wurde der Fuhrpark an höhere Geschwindigkeiten
angepasst. Im D-Zugverkehr waren Diesellokomotiven der
Baureihe 220 eingesetzt, die später von der Baureihe 218
abgelöst wurde. Im Nahverkehr wurden die noch einsatz-
fähigen Kriegsloks technisch überarbeitet. Sie erhielten
einen neuen Heizkessel, so dass ein Einsatz sowohl im
Personen- als auch im Güterverkehr möglich wurde. Mit
dem Sommerfahrplan 1972 wurde die Strecke nach Saar-
hölzbach im Nahverkehr von Elektroloks befahren. 1973
war auch die Strecke nach Trier elektrifiziert.

In den Hochzeiten des Bahnhofs beherbergte man neben
der Fahrkartenausgabe eine Gepäck- und Stückgutabfer-
tigung, eine Bahnhofsgaststätte und einen Bahnhofskiosk.
Im Seitentrakt war ein Abfertigungsschalter für Bundes-
bahnbedienstete untergebracht.

Seit 1897 betrieb die Stadt Saarlouis schon eine dampf-
betriebene Kleinbahn. Der älteste Abschnitt war die ab
Ende Juli 1897 betriebene Strecke zwischen Ensdorf
und Wallerfangen. 1906 gab es schon einen Abzweig
zum Staatsbahnhof Saarlouis. Später wurden die be-
triebenen Strecken elektrifiziert, um eine Integration
des Personenverkehrs in das Straßenbahnnetz zu
erreichen. Nach dem Krieg erlebte die Kleinbahn
eine kurze Hochphase. Das Straßenbahnnetz, das
10 Linien umfasste, ist in den Jahren 1953/60 still-
gelegt und auf Busbetrieb umgestellt worden. Als
letzte Strecke wurde 1964 die nach Creutzwald
(Bergwerk „La Houve“) stillgelegt.

Zum 31. 10. 1922 brachte der Kreis Saarlouis seine
Klein- und Straßenbahnen in das 1913 gegründete
Unternehmen „Kraft- und Verkehrswerke AG Saar-
louis“ (KRAVAG) ein. Dieser Firmenname wurde
zum 27. 09. 1940 in „Kreisverkehrsbetriebe Saar-
lautern AG“ geändert. Nach dem Ende des II. Welt-
kriegs änderte das Unternehmen seinen Namen
in „Kreisverkehrsbetriebe Saarlouis AG“.

Verwendete Literatur:
– Gerd Wolff, Deutsche Klein- und Privatbahnen,
Teil 4: Hessen/Rheinland-Pfalz/Saar, Verlag
Wolfgang Zeunert, Ausgabe 1975, die Seiten
49 – 53.
– Michael Kochems / Dieter Höltge, Straßen-
und Stadtbahnen in Deutschland, Band 12:
Rheinland-Pfalz/Sarland, EK-Verlag, Nach-
druck der Ausgabe 2011, Seiten 370 – 381.
– WIKIPEDIA, Stichwort: Eisenbahnen des
Saarlandes.
– Diverse Lok-Typen-Handbücher.

HOHE ZAHL VON FUHRLEUTEN IM KREISGEBIET

AUTOR: Josef Theobald

Im Jahre 1858 gab es im Kreisgebiet noch 118 selbständige
Fuhrleute mit 308 Pferden. Drei Jahre später, nach Eröffnung
des Eisenbahnbetriebes, waren es nur noch 24 mit 98 Pferden.
In diesem Zusammenhang muss darauf hingewiesen werden,
dass die Bauern mancher Dörfer zeitweise nur vom Frachtge-
schäft lebten. (Heimatkundliches Jahrbuch des Landkreises
Saarlouis 1966, Seite 453)

Die Gespanne bestanden meistens aus einem kleinen Pferd-
chen sogenannter Lothringer Race, welche beiläufig gesagt,
durch Herzog Stanislaus von Lothringen aus Polen eingeführt
waren. (Heimatkundliches Jahrbuch, Seite 470)

Das Polnische Pferd, mehr klein als groß, Kopf ziemlich gut
geformt, doch starke Ganaschen, meist hirschhälsig; hat ei-
nen starken geraden Rücken, starke, kurze Lenden, schöne
Croupe und einen gut angesetzten Schweif, stolpert leicht, ist
tückisch, aber sehr ausdauernd, daher für leichte Reiterei vor-
züglich tauglich. (Pierer’s Universal-Lexikon, die 4. Auflage,
1857 – 1865)

Die Dillinger Hütte war vor dem Eisenbahnbau gezwungen,
einen großen und recht kostspieligen Fuhr- und Schiffspark
zu unterhalten. Der Fuhrverkehr setzte wiederum eine An-
zahl Fuhrleute in Nahrung, und vom Schiffsbau und der Un-
terhaltung der Kähne lebten wiederum die Zimmerleute auf
den Saarwerften in Rehlingen, Wallerfangen, Hostenbach
und vor allem die in Fraulautern. (Heimatkundliches Jahr-
buch, Seite 423)

RODEN – EIN SPÄTER INDUSTRIESTANDORT

AUTOR: Josef Theobald

Im Gegensatz zum Stadtteil FRAULAUTERN war Roden bis
in das Zwanzigste Jahrhundert hinein meist landwirtschaftlich
geprägt. Zunächst hatten die Mühlenbetriebe und die Gerbe-
reien das Ortsbild bestimmt. Ein zarter Ansatz für eine indu-
strielle Entwicklung war die Dampfziegelei.

In Fraulautern profitierte man von der in der Napoleonischen
Zeit gewährten Gewerbefreiheit. Als ältestester Betrieb gilt
das 1813 gegründete Eisenwerk, heute die Fa. Nedschroef.

Ab dem Jahr 1890 erhöhte sich die Einwohnerzahl des Stadt-
teils RODEN auf Anhieb um 80 %. 1915 waren es 7.555 Ein-
wohner. Während einer kurzen Hausse-Phase nahm man viele
Arbeiter der Dillinger Hütte mit ihren Familien auf. Man betrach-
te hier einmal den Entwurf des Rodena Heimatkundevereins für
ein neues Wappen für Saarlouis-Roden.

Zum echten Industriestandort wird man erst 1919. Die Stadt
SAARLOUIS verkaufte an die Eigentümergesellschaft der
Dillinger Hütte 135 ha des Rodener Waldes und ca. 110 ha
des Gemeinde-Ackerlandes. Dort entstand später ein Walz-
und Röhrenwerk. 1965 verkaufte die Stadt 140 ha Land an
die Ford Werke. Im Juni 1970 begann die Produktion von
Personenwagen. Es wurde hauptsächlich für den Export
produziert. (Geschichte der Kreisstadt Saarlouis, Band 6,
Roden -Traditionelles Dorf und moderner Stadtteil, Seiten
152/53 + 236/37) Mit der Schaffung des Industriegebietes
Röderberg entstand ebenfalls ein weiteres Handels- und
Dienstleistungszentrum.

Mit der Einweihung des „Saarhafens Saarlouis-Dillingen“
im Juli 1988 war das Ziel der Anbindung an eine Wasser-
straße erreicht. Der Saarhafen, der zu über 90 % auf dem
Rodener Bann errichtet wurde, wird vor allem von der Dil-
linger Hütte genutzt, die neben einem direkten Gleis- und
Straßenanschluss auch über eine Förderbandanlage zum
neuen Saarhafen verfügt. Durch sein hohes Güteraufkom-
men ist der Saarhafen Saarlouis-Dillingen der mit Abstand
bedeutendste Umschlagplatz an der Saar. (Geschichte der
Kreisstadt Saarlouis, Seite 241).

Im mittelständischen Bereich existierte in der Ritsch die
Thüringer Thermometer- und Glasinstrumentenfabrik
Stürtz & Finkler OHG. Diese war spezialisiert auf dem
Gebiet der Blutmischpipetten und der Untersuchungs-
Instrumente, Aräometer, Metall-, Kontakt-, Industrie-,
Wirtschafts- und Einkochthermometer. Die früheren
Werksgebäude sind heute vermietet. (125 Jahre Mu-
sica Sacra, Kirchenchor „Cäcilia“, 1843 – 1968, Seite
73)

DIE BODENREFORM IN CHINA

AUTOR: Josef Theobald

Was die Bodenreform in China betrifft, gibt es zwei Augenzeugen-
berichte.

Der eine Bericht floss in einen Roman von Zhou Libo mit dem Titel
„Orkan“. Dieser erschien in zwei Fassungen. 1951 gab der Verlag
„Tribüne“ des FDGB in der früheren DDR eine Erstfassung heraus.
Es war eine Übersetzung aus dem Chinesischen von Yang En-lin
und Wofgang Müncke. 1979 wurde der Roman in China redaktio-
nell überarbeitet und durch ein Vorwort bzw. durch graphische Dar-
stellungen einzelner Szenen ergänzt. Der Autor Zhou Libo (1908-
1979) erhielt für sein Werk 1951 den Stalinpreis für Literatur. Im
Todesjahr erschien sein Bestseller erneut.

Der zweite Bericht erschien 1972 in der Edition Suhrkamp in zwei
Bänden. Der Autor war William Hinton. Dieser schrieb eine Doku-
mentation über die Revolution in einem chinesischen Dorf mit dem
Titel „Fanshen“. Hinton war 1948 ein Beobachter innerhalb eines
Arbeitsteams, das im Auftrag der Volksregierung und des Kreisko-
mittees der KP Chinas im Kreis Lucheng tätig war.

In den westlichen Medien wird die Bodenreform meist mit knapp
1,2 Millionen Hinrichtungen von Oktober 1949 bis Oktober 1950
in Verbindung gebracht. Der Kampf gegen die Banditen, Geheim-
agenten, örtlichen Despoten und anderen Konterrevolutionären
überschattete die Bodenreform (Mao Zedong, AW, Band V, die
Seite 28). Die KP Chinas hatte starke trotzkistische Wurzeln.
Deshalb waren die gestarteten Kampagnen nicht selten über-
zogen.

Die umfassende Bodenreform in den befreiten Gebieten bildete
eine bedeutende Grundlage für die Zerschlagung der Guomin-
dang-Truppen durch die Volksbefreiungsarmee. Nach der Kapi-
tulation Japans verstärkten sich die Forderungen der Bauern
nach Aufteilung des Bodens. Um diesen Forderungen zu ent-
sprechen, erließ die KP am 4. Mai 1946 ein Dekret, in der die
Partei die bisher durchgeführte Politik der Senkung von Pacht-
und Zinssätzen durch die Konfizierung des Bodenbesitzes der
Grundbesitzerklasse und dessen Aufteilung des Bodens an die
Bauern ablöste. Im September 1947 legte die KP Chinas das
„Grundsätzliche Programm für die chinesische Agrargesetzge-
bung“ vor. Der Boden sollte denjenigen zugeteilt werden, die
ihn auch bebauen. Damit löste man sich vom feudalen und
halbfeudalen System der Bodenbesitzverhältnisse. Dies löste
in den befreiten Gebieten eine breit aufgestellte Agrarrevolu-
tion aus. Etwa 100 Millionen Bauern erhielten Land. Das gab
den Bauern einen ungeheuren Auftrieb, sich aktiv am Befrei-
ungskrieg zu beteiligen oder ihn zu unterstützen. Das Hinter-
land wurde als Operationsbasis gestärkt. (Jan Bozan, Shao
Xunzheng und Hu Hua, Kurzer Abriss der chinesischen Ge-
schichte, 2. Auflage, Beijing 1982, Seite 258)

Während der Agrarrevolution verwendete man den Begriff
„fanshen“, das „sich umdrehen“ bedeutet. Eine weitere
Bedeutung wäre „etwas loswerden, sich (von etwas) e-
manzipieren“. Hinton geht noch weiter: „sich erheben,
das Joch der Grundherren abwerfen, zu Boden, Vieh,
Geräten und Häusern gelangen, den Aberglauben ab-
legen, die Gleichheit zwischen den Geschlechtern her-
stellen“.

Vor der Bodenreform hatten nicht nur der Landadel, die
Kompradoren und die Großbauern größeren Landbesitz,
sondern auch die Kirchen. Nach der Revolution von 1911
gründeten sie eigene Fördergesellschaften für in Not ge-
ratene Glaubensgenossen. Diese verliehen das Geld zu
sehr hohen Zinsraten, die monatlich bis zu 30 % betragen
konnten. Von ihren Überschüssen kaufte die Gesellschaft
Land und profitierte ebenfalls von der Zahlungsunfähigkeit
der Darlehensnehmer. Ende der Dreißiger Jahre besaß die
Gesellschaft 180 Mu (1 Mu = 1/15 ha) Land, nahm von den
25 Familien Pacht und von von weiteren 31 Familien Zinsen
ein. Damit verfügte sie über den größten Grundbesitz. Durch
die hohe Zinslast waren in Chanchuang von den 32 Familien
drei gezwungen, ihr ganzes Land zur Schuldentilgung zu ver-
kaufen. Weitere drei veräußerten ihre Häuser. In Einzelfällen
beschlagnahmte die Gesellschaft das Land. Die betroffenen
Familien mußten Söhne, Töchter und Zugtiere verkaufen, um
ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können. Die
Folge war eine Kampagne gegen die Kirche. Katholiken von
27 Dörfern und drei Kreisen kamen zusammen, um ihren Bi-
schof, mehrere ausländische Missionare und die Bedienste-
ten der Südkathedrale (das Herz des Katholizismus auf dem
Shangtang) anzuklagen. (Fanshen, Band 1, die Seiten 95/96
und 200)

In den diversen Dokumentationen der Westmedien sind bei
der Bodenreform und den Drangsalierungen eine größere
Menge Soldaten beteiligt. Das kann nur Ende der Vierziger
Jahre bzw. Anfang der Fünfziger Jahre gewesen sein. Denn
bis 1949 gab es noch den Befreiungskrieg und ab 1950 die
Abordnung nach Nordkorea. In Wirklichkeit gab es nur Ar-
beitstrupps mit fünf Mann, geführt von einem Hauptmann.
Diese wohnten bei den Bauern. (Orkan, Seite 21) Die Be-
freiung von den Verhältnissen des Halbkolonialismus und
Halbfeudalismus sollte von den Massen selbst ausgelöst
werden. Die vorhandenen Arbeitstrupps sollten hier nur
Anregungen und Hilfestellungen geben.

In der Praxis gingen Enteignungen oft zu weit, weil eine
funktionierende Abgrenzung von Groß- und Mittelbauern
fehlte. Dies führte dazu, dass beide in einen Topf gewor-
fen wurden. So mussten die Bauern, die ihr Eigentum
zu Unrecht verloren hatten, neu angesiedelt werden.
Auch gab es den Anspruch auf Wiedergutmachung.
Die KP Chinas verstand es mit der Zeit gut, nach um-
fangreichen Analysen und entsprechenden Schluss-
folgerungen die gemachten Fehler zu korrigieren.
(Fanshen, Band 2, die Seiten 312 + 383/84)

Begriffsklärung
Die Kompradoren arbeiteten entweder direkt für aus-
ländische Firmen oder eröffneten eigene Geschäfts-
und Warenhäuser, in denen sie die importierten Wa-
ren verkauften und Exportgüter für die Ausländer ein-
kauften.

DIE MENNONITEN AN DER SAAR

AUTOR: Josef Theobald

Die ehemals im Saarlouiser Kreisgebiet ansässigen Mennoniten
stammten aus der Schweiz. Im Regierungsbezirk Trier wurden
1846 140 Mennoniten gezählt. Sie zählten zu den Wiedertäufern
und waren viele Jahre Teil der Herrnhuter Gemeinde unter ihrem
Bischof, dem Grafen von Zinzendorf.

Die Mennoniten waren in der Landwirtschaft tätig, pachteten be-
sonders Höfe oder legten solche in leeren, ungünstigen Landge-
bieten an und kultivierten dieselben. Manche Neuerungen in der
Landwirtschaft, so der Kleeanbau, ist ihnen zu verdanken. Denn
sie verfügten in vielen Bereichen über Spezialkenntnisse. Formal
hatten die Mennoniten eine bessere Bildung, von der die benach-
barten Bauern profitierten. Viele von ihnen betrieben auch das
Müllergewerbe und die Linnenweberei.

Zur Ausübung ihrer religiösen Tätigkeiten waren die Mennoniten
zu Sippenverbänden zusammengeschlossen und unterstanden
einer straffen Kirchenorganisation. Sie hatten ein großes Gott-
vertrauen und unterzogen sich demnach einer streng kirchlichen
Disziplin. Heiraten fanden nur innerhalb ihrer Gemeinschaft statt.

Die Verbreitung der Mennoniten wuchs hauptsächlich in der nach
den napoleonischen Kriegen einsetzenden längeren Friedenszeit.
Waren es 1823/27 noch 20 Mennoniten, so stieg deren Zahl 1850
auf 73. Nach zahlreichen Schwankungen erreichte man 1868 die
Zahl 24. Im Jahre 1882 gab es nur noch eine Familie mit ihren fünf
Kindern, die von einer Witwe versorgt wurde. Sie bewirtschafteten
den Geisweiler Hof bei Schmelz-Außen.

Die Gründe für das Verschwinden liegt in der Verweigerung des
Dienstes an der Waffe. Mit der zunehmenden Mobilisierung von
Soldaten fiel die Lebensgrundlage für diese Sondergruppe weg.
Vermutlich zogen die Mennoniten in mehreren Wellen weiter in
die Ukraine, so dass es 1914 im russischen Reich etwa 100.000
Anhänger in den zahlreichen, teils selbständigen Siedlungen gab.

Anton Delges sind die meisten Informationen zu verdanken, der
im Heimatkundlichen Jahrbuch des Landkreises Saarlouis für das
Jahr 1966 (Seite 322) über die Mennoniten schrieb. Der Autor hat
diese lediglich durch andere Quellen ergänzt.

RADIO KOREA – das Alternativprogramm aus Fernost

AUTOR: Josef Theobald

Mit einem dreitägigen Sonderprogramm vom 1. bis 3. Mai 1981
eröffnet RADIO KOREA ein künftig tägliches Deutschprogramm.
Damit kamen aus drei Ländern in Fernost tägliche Sendungen in
deutscher Sprache. [1] Als nun die Sendungen der KBS begannen,
glaubte niemand so recht an ein alternatives Programm aus Fernost.
Einige Monate später war man doch angenehm überrascht über die
sehr flotte halbstündige Sendung mit Nachrichten, Kulturbeiträgen
und Informationen über das Zeitgeschehen.

Über den Süden Koreas wussten damals die Deutschen relativ
wenig. [2] Die südkoreanische Wirtschaft lag viele Jahre nach
dem Koreakrieg am Boden. 1972 haben Vertreter der koreani-
schen Behörden in Seoul südkoreanisch-japanische Minister-
verhandlungen mit den südkoreanischen Machthabern durch-
geführt. Sie vereinbarten ein „Abkommen über das Eigentums-
recht der Industrie“ zu schließen, wofür der südkoreanischen
Reaktion Wirtschaftshilfe gewährt wird. Unter der damaligen
Militärregierung setzte der wirtschaftliche Aufschwung ein. In
der Zeit der Militärregierungen waren allerdings Repressalien
gegen die eigene Bevölkerung keine Seltenheit. Mit der Zeit
wurde Südkorea ein moderner und exportorientierter Industrie-
staat. In den Achtziger und Anfang der Neunziger Jahre war
Südkorea neben Singapur, Hongkong und Taiwan einer der
vier „Tigerstaaten“ Ostasiens. Dank der guten Ausbildung
bildete sich eine junge Unternehmergeneration heraus, die
heute Großkonzerne dirigiert. Daher gehört heute der Süden
nun zu den 15 führenden Handelsnationen der Welt. [3]

Auch RADIO KOREA war bemüht, diese Informationslücke zu
schließen. So hieß es wörtlich: „Wir werden uns bemühen, das
Programm so zu gestalten, dass sie über Korea, die koreanische
Kultur und deren Mentalität mehr erfahren können.“

Das kleine Team der Deutschen Redaktion bestand damals aus
nur fünf Personen: 2 Damen und 3 Herren. Der Nachrichten- und
Kommentarsprecher war deutschstämmig. Alle anderen waren je-
doch Koreaner. [2] Der deutsche Kollege hieß Fabian von Klitzing,
der heute für den Bayerischen Rundfunk in München arbeitet.

Der Koreaner ist nicht nur gastfreundlich, sondern auch hörerfreund-
lich. So werden Vorschläge beachtet und bei Möglichkeit auch in die
Tat umgesetzt.

Die koreanische Denkweise ist auch heute noch unmittelbar mit den
Gegebenheiten der Natur verbunden. Da Korea einst ein Teil Chinas
war, spielt hier der konfuzianische Einfluss keine unwesentliche Rolle.

Überschattet ist die Realität von der Teilung Koreas, die sich am 38.
Breitengrad manifestiert. Daraus ergeben sich laufend Spannungen
an der Demarkationslinie. RADIO KOREA hat es sich aber zur Auf-
gabe gemacht, über die Ereignisse im Norden zu berichten. Für den
Hörer ist es aber schwer, den Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Eines
steht nur fest, dass der Norden Koreas bislang nur eingeschränkt re-
formfähig war. Ob dies künftig der Fall sein wird, wird sich aber noch
zeigen müssen.

Neben Beiträgen aus dem koreanischen Kulturleben und aus dem
Bereich der koreanischen Musik gab es 1981 ebenfalls einen Hörer-
briefkasten und ein Programm für Kurzwellenhörer am Sonntag. Hier
beschäftigte man sich sowohl mit den Empfangsberichten als auch mit
den eingesandten Hörerbriefen.

Wörtlich hieß es damals weiter: „Tradition und Fortschritt haben hier
in Korea eine wirkliche Einheit geformt, die eine Reise durch’s Land
zum ständig neuen Erlebnis werden lassen.“ So wirbt man für eine
Reise nach Korea. Für Deutsche ist Korea in maximal 22 Stunden
mit einem Flugzeug zu erreichen, über die Polarroute sogar in 17
Stunden. Deutsche brauchen kein Visum. Mit einem Reisepass
darf man sich bis 3 Monate als Tourist aufhalten. Der Fremde
wird als Gast behandelt und trifft überall auf freundliche Hilfs-
bereitschaft. Im traditionellen Landgasthaus kommt man direkt
mit der koreanischen Lebensweise in Kontakt. [2]

Heute nennt man sich KBS WORLD RADIO. Auf der Kurzwelle sendet
man heute in Deutsch von 20.00 – 21.00 Uhr (UTC) im 75-m-Europa-
band auf der Frequenz 3955 kHz über das britische Relais SKELTON.
Weiterhin ist das Programm über das Internet direkt von der deutschen
Webseite aus zu verfolgen. Ebenso bietet man die Möglichkeit des Ra-
dio Podcast an.

ANMERKUNGEN
[1] kurzwelle aktuell, Das Kurzwellenjahr im Zeitraffer,
Mai 1981.
[2] KURIER der ADDX, Nr. 15/1981, Seiten 7 + 8.
[3] Isabella Ackerl, Die Staaten der Erde (Europa und
Asien
), Matrix Verlag, Wiesbaden 2007, Seite 114.

160 JAHRE BERG- UND HÜTTENARBEITERVEREIN ST. BARBARA FRAULAUTERN

Im Rahmen seiner 160 Jahrfeier präsentierte der Berg- und Hütten-
arbeiterverein St. Barbara Fraulautern 1861 e. V. sein Jubiläums-
buch. Nach der Begrüßung der Gäste durch den Vorsitzenden Klaus
Hiery fand eine Lesung mit Pastor Rolf Dehm, Guido Fontaine und
dem Vorsitzenden des Berg- und Hüttenarbeitervereins Klaus Hiery
statt.

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