RODEN – EIN SPÄTER INDUSTRIESTANDORT

AUTOR: Josef Theobald

Im Gegensatz zum Stadtteil FRAULAUTERN war Roden bis
in das Zwanzigste Jahrhundert hinein meist landwirtschaftlich
geprägt. Zunächst hatten die Mühlenbetriebe und die Gerbe-
reien das Ortsbild bestimmt. Ein zarter Ansatz für eine indu-
strielle Entwicklung war die Dampfziegelei.

In Fraulautern profitierte man von der in der Napoleonischen
Zeit gewährten Gewerbefreiheit. Als ältestester Betrieb gilt
das 1813 gegründete Eisenwerk, heute die Fa. Nedschroef.

Ab dem Jahr 1890 erhöhte sich die Einwohnerzahl des Stadt-
teils RODEN auf Anhieb um 80 %. 1915 waren es 7.555 Ein-
wohner. Während einer kurzen Hausse-Phase nahm man viele
Arbeiter der Dillinger Hütte mit ihren Familien auf. Man betrach-
te hier einmal den Entwurf des Rodena Heimatkundevereins für
ein neues Wappen für Saarlouis-Roden.

Zum echten Industriestandort wird man erst 1919. Die Stadt
SAARLOUIS verkaufte an die Eigentümergesellschaft der
Dillinger Hütte 135 ha des Rodener Waldes und ca. 110 ha
des Gemeinde-Ackerlandes. Dort entstand später ein Walz-
und Röhrenwerk. 1965 verkaufte die Stadt 140 ha Land an
die Ford Werke. Im Juni 1970 begann die Produktion von
Personenwagen. Es wurde hauptsächlich für den Export
produziert. (Geschichte der Kreisstadt Saarlouis, Band 6,
Roden -Traditionelles Dorf und moderner Stadtteil, Seiten
152/53 + 236/37) Mit der Schaffung des Industriegebietes
Röderberg entstand ebenfalls ein weiteres Handels- und
Dienstleistungszentrum.

Mit der Einweihung des „Saarhafens Saarlouis-Dillingen“
im Juli 1988 war das Ziel der Anbindung an eine Wasser-
straße erreicht. Der Saarhafen, der zu über 90 % auf dem
Rodener Bann errichtet wurde, wird vor allem von der Dil-
linger Hütte genutzt, die neben einem direkten Gleis- und
Straßenanschluss auch über eine Förderbandanlage zum
neuen Saarhafen verfügt. Durch sein hohes Güteraufkom-
men ist der Saarhafen Saarlouis-Dillingen der mit Abstand
bedeutendste Umschlagplatz an der Saar. (Geschichte der
Kreisstadt Saarlouis, Seite 241).

Im mittelständischen Bereich existierte in der Ritsch die
Thüringer Thermometer- und Glasinstrumentenfabrik
Stürtz & Finkler OHG. Diese war spezialisiert auf dem
Gebiet der Blutmischpipetten und der Untersuchungs-
Instrumente, Aräometer, Metall-, Kontakt-, Industrie-,
Wirtschafts- und Einkochthermometer. Die früheren
Werksgebäude sind heute vermietet. (125 Jahre Mu-
sica Sacra, Kirchenchor „Cäcilia“, 1843 – 1968, Seite
73)