Heimatgeschichte hautnah: Über 90 Gäste erleben Alfred Guldens Hoffmann-Porträt in Roden

ber 90 begeisterte Besucher machten den vergangenen Donnerstagabend im „Café mit Herz“ zu einem unvergesslichen Kulturereignis für die Region. Im Rahmen der etablierten „Rodena Veranstaltungsreihe“ – als Fortsetzung der erfolgreichen Termine vom 17.10. bis 29.10.2025 – luden Rodena, die vhs Saarlouis, das Quartiersmanagement Roden, die Stadtbibliothek Saarlouis und die Diakonie zu einem Abend ein, der tief in die saarländische Identität eintauchte.
Nach der Begrüßung der zahlreichen Gäste durch Rosa-Maria Kiefer-Paulus stand das zentrale Highlight des Abends auf dem Programm: die Vorführung der Dokumentation „Johannes Hoffmann im Porträt“. Gezeigt wurde das Werk von dem Regisseur selbst, Alfred Gulden.
Als Gulden den Film vor rund 40 Jahren für den Saarländischen Rundfunk (SR) realisierte, gab es kaum nennenswerte filmische Darstellungen über den oft umstrittenen ersten Ministerpräsidenten des Saarlandes. Für die Produktion konnte der Filmemacher damals exklusiv auf Materialien aus dem Familienarchiv der Familie Hoffmann zugreifen. Entstanden ist ein historisch aufschlussreiches Zeitdokument, das sowohl den Menschen als auch den politischen Visionär „JoHo“ beleuchtet – eine Persönlichkeit, deren Bewertung sich im Laufe der Jahrzehnte stark gewandelt hat. Der Film zog das Publikum von der ersten Minute an in seinen Bann und machte ein entscheidendes, emotionales Kapitel unserer Heimatgeschichte greifbar.
In einem packenden Vortrag berichtete Alfred Gulden zunächst von der Entstehung dieses besonderen Films. Im Anschluss begeisterte er die Anwesenden mit seinen Rodener Mundartvorträgen, die dem Abend eine ganz persönliche und vertraute Note verliehen.
Die anschließende Gesprächs- und Diskussionsrunde entwickelte sich schnell zu einem lebendigen Austausch. Die Besucher nutzten die Gelegenheit ausgiebig, um Fragen zu stellen, tiefer in die Thematik einzutauchen und eigene Erinnerungen an diese prägende Ära des Saarlandes zu teilen.
Den offiziellen Abschluss der Veranstaltung gestaltete Andreas Obster von der vhs Saarlouis. Er dankte allen Mitwirkenden und würdigte den großen Erfolg dieses starken Kooperationsprojekts. Das Ende des Programms läutete den gemütlichen Teil des Abends ein: Bei einem gemeinsamen Umtrunk mit Snacks blieb das Publikum noch lange beisammen, um die tiefen Eindrücke in geselliger Runde Revue passieren zu lassen.

Generationen verbinden: Ein bunter Bastelmorgen voller Lebensfreude

Am Dienstagmorgen erlebte die Victor’s Residenz in Roden einen ganz besonderen Besuch: Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 3 der Grundschule Römerbergschule und der Rodener Heimatkundeverein Rodena waren zu Gast, um gemeinsam mit den Seniorinnen und Senioren der Einrichtung kreativ zu werden.

Schon beim Eintreffen der Kinder war die Vorfreude spürbar. Nach einer herzlichen Begrüßung im vorbereiteten Gemeinschaftsraum fanden Jung und Alt schnell an den Basteltischen zusammen. Berührungsängste gab es keine – im Gegenteil: Schnell entwickelten sich die ersten lebhaften Gespräche zwischen den Generationen.

Unter dem Motto des kreativen Gestaltens wurde fleißig geschnitten, geklebt und gemalt. Während die Kinder mit ihrer unbeschwerten, fröhlichen Energie viel Leben und frischen Wind in die Runde brachten, standen die Senioren ihnen mit Geduld, Erfahrung und manch gutem Rat zur Seite. Es war ein faszinierendes Zusammenspiel: Kleine Hände halfen beim präzisen Ausschneiden, während die ältere Generation Geschichten aus ihrer eigenen Schulzeit zum Besten gab.

Besonders das herbstliche Motiv des Eichenblattes weckte bei den Senioren viele Erinnerungen an frühere Herbsttage, die sie gerne mit den Schülern teilten. Das gemeinsame Arbeiten schuf eine spürbar warme und harmonische Atmosphäre. Die Augen der Senioren leuchteten über den Besuch und die Lebendigkeit der Kinder.

Am Ende des Vormittags konnten alle Beteiligten stolz auf eine Vielzahl wunderschöner, selbstgemachter Kunstwerke blicken. Das Ergebnis dieser gelungenen Kooperation zwischen der Victor’s Residenz, den Kindern der Römerbergschule und dem Heimatkundeverein Rodena sind aber nicht nur die charmanten Papiermännchen, die nun als Dekoration die Zimmer der Bewohner schmücken. Es sind vor allem die wertvollen, gemeinsamen Momente im Herzen aller Beteiligten.

Dieser Dienstagmorgen hat einmal mehr gezeigt, wie wertvoll und bereichernd die Begegnung zwischen den Generationen für unsere Gemeinschaft ist.

Johannes Hoffmann im Porträt – Filmvorführung und Diskussion mit Alfred Gulden

Ein Stück saarländische Geschichte hautnah erleben!
Tauchen Sie ein in ein entscheidendes Kapitel unserer Heimat: Anlässlich des 70. Jahrestages der historischen Volksbefragung (23.10.1925) über das Saarstatut laden wir Sie zu einem ganz besonderen Abend ein.

Die Veranstaltung bildet die Fortsetzung der „Rodena Veranstaltungsreihe“ (17.10. – 29.10.2025).

Erleben Sie das einzigartige Filmporträt „JoHo Johannes Hoffmann“ von und mit dem bekannten saarländischen Autor und Regisseur Alfred Gulden. Nutzen Sie im Anschluss die seltene Gelegenheit, persönlich mit dem Filmemacher ins Gespräch zu kommen. Nach dem offiziellen Teil lassen wir den Abend gemütlich bei einem gemeinsamen Umtrunk ausklingen.

  • 📅 Wann: Donnerstag, 17. September 2026 | 18:00 Uhr
  • 📍 Wo: Donatuszentrum, Café „Herz und Hand“ (Saarlouis-Roden), Schulstr. 7
  • 🎟️ Eintritt: Kostenfrei!

Anmeldung & Informationen:
Zur besseren Planung der Plätze bitten wir um Anmeldung bis zum 11. September unter:

  • Kursnummer: 262-10022
  • Telefon (VHS Saarlouis): 06831/69890-30
  • E-Mail: vhs@saarlouis.de

Eine Veranstaltung des Rodena Heimatkundevereins Roden, der Diakonie, der VHS Saarlouis, der Quartiersmanagerin Roden und der Stadtbibliothek Saarlouis – mit freundlicher Genehmigung des Saarländischen Rundfunks.
(Filmbild: Alfred Gulden)

Der Maiworms Hannes – Eine Erzählung aus der Nachkriegszeit von Walter Schmolenzky

Angeregt durch die vielen Presseberichte über das „Bundeshäuschen“ in Bonn, einem Getränke- und Zeitungskiosk aus den 1950-iger Jahren, den man inzwischen sogar unter Denkmalschutz gestellt hat, erinnerte ich mich daran, dass es in Roden einen ähnlichen Kiosk gab.

Das Holzbüdchen stand auf dem Bahnhofsvorplatz, und zwar an der Straßenbahnhaltestelle der Linie 1. Was das Bundeshäuschen für die Abgeordneten und Minister in Bonn war, die hier ihre Zeitungen und Tabakwaren kauften, war für die Rodener der Verkaufskiosk am Bahnhof. Zugegeben: Das Holzhäuschen mit dem Bundeshäuschen in Bonn zu vergleichen dürfte ein wenig weit hergeholt sein und ich räume gerne ein, dass es in Roden sicherlich bedeutendere Bauwerke gibt, über die es sich eher lohnen würde zu berichten. Dennoch möchte ich diesem kleinen Zeitungs- und Verkaufsstand aus den späten Nachkriegsjahren, insbesondere seinem Betreiber, einem Rodener Original, dem „Maiworms Hannes“, ein paar Zeilen widmen:

Das kleine, aus Restfarben weiß-blau gestrichene Holzbüdchen mit der farbigen Werbung für allerlei Süssigkeiten und den bunten Zeit- schriften, war für uns Kinder ein farbenfroher Anblick auf dem an- sonsten von Ruinen und grauen Wohnblocks umgebenen Bahn-hofsvorplatz. Oft umlagerten wir Kinder den Kiosk und betrachteten die bunten Auslagen hinter den kleinen Butzenscheiben, bis der Hannes es leid war und uns verscheuchte. Hochglanzmagazine der Schönen und Reichen, Illustrierte mit Aufnahmen ausländischer Schauspieler und Sportler zogen uns magisch an. Für uns Kinder und Jugendliche eine unerreichbare Welt. Unsere kleine Welt war die Welt der Süßigkeiten, der Meckos und Lollys, sowie die damaligen Comic`s: Akim, Sigurd, Tarzan, Phantom und die unsterbliche  Mickey Maus.

Obwohl der Hannes meist mürrisch und griesgrämig war, steckte er uns ab und an ein paar Guuzia (Bonbons) zu oder schenkte uns ein altes, abgegriffenes Comic-Heft. So ganz selbstlos tat es das alte Schlitzohr allerdings nicht. Er wusste nämlich genau, dass wir die wenigen Francs, die wir beim Altmaterialsammeln einnahmen, wieder bei ihm ausgaben. Mit einigen von uns hatte er ein Abkommen geschlossen  –  heute sagt man wohl „Deal“ dazu. Für Comics, die wir gelesen und sauber zurück gaben, erstattete er uns den halben Kaufpreis, um sie anschließend wieder zum vollen Preis zu verkaufen. Waren die abgegriffenen Hefte einfach nicht mehr zu verkaufen, dann verlieh er sie noch für ein paar Franc, bis sie schließlich auseinanderfielen. Nicht nur uns Kinder hatte er mit dieser Masche an sich gebunden; nein, auch Erwachsene gingen ihm auf den Leim.

Bei schönem Wetter saß der Hannes meist vor seinem Büdchen. Oft saßen ein paar Rentner auf ihren mitgebrachten Klappstühlen mit in der Runde. Dabei rauchten sie ihre Selbstgedrehten aus getrockneten Tabakblättern (Gewel s. unten!) und tranken dazu ihr Gläschen selbst gebrannten Schnaps. Ab und an spendierte der Hannes aus seinem Bestand eine nachtschwarze Originalzigarette der Marken: Puck und Rotfuchs oder seine  Hausmarke. Dies geschah nicht ohne Hinterge- danken:

Der alte Fuchs drehte nämlich auf einer eigens von ihm entwickelten Maschine aus dem minderwertigen Gewel, dem er eine Prise hoch- wertigen Tabaks beimischte, erstaunlich runde und fest gedrehte Zigaretten, die er unter der Hand als seine Hausmarke unter die Leute brachte. So war er, der Maiworms Hannes, ein Schlitzohr, ein Rodener Original.

Die Nachkriegsjahre neigten sich ihrem Ende zu und  der Hannes-bekam Konkurrenz. In der Bahnhofshalle wurde ein neuer Kiosk eröffnet und immer mehr Geschäfte führten Zeitschriften und Tabakwaren. Und eines Tages, fast über Nacht, waren der Hannes und sein buntes Holzbüdchen am Bahnhof verschwunden und mit beiden auch Stück Rodener Nachkriegsgeschichte.

Anmerkung:

„Gewel,“ Bezeichnung für selbst angepflanzten Tabak in der Nach- kriegszeit, der nach der Ernte in der Regel am Hausgiebel zum trocknen aufgehangen wurde. „Gewel,“ also abgeleitet von  Giebel und wohl von der gelben Farbe der Tabakblätter.

Bildquelle: LA Saarbrücken – so ähnlich sah der Bahnhofskiosk aus!