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Heimatgeschichte hautnah: Über 90 Gäste erleben Alfred Guldens Hoffmann-Porträt in Roden

ber 90 begeisterte Besucher machten den vergangenen Donnerstagabend im „Café mit Herz“ zu einem unvergesslichen Kulturereignis für die Region. Im Rahmen der etablierten „Rodena Veranstaltungsreihe“ – als Fortsetzung der erfolgreichen Termine vom 17.10. bis 29.10.2025 – luden Rodena, die vhs Saarlouis, das Quartiersmanagement Roden, die Stadtbibliothek Saarlouis und die Diakonie zu einem Abend ein, der tief in die saarländische Identität eintauchte.
Nach der Begrüßung der zahlreichen Gäste durch Rosa-Maria Kiefer-Paulus stand das zentrale Highlight des Abends auf dem Programm: die Vorführung der Dokumentation „Johannes Hoffmann im Porträt“. Gezeigt wurde das Werk von dem Regisseur selbst, Alfred Gulden.
Als Gulden den Film vor rund 40 Jahren für den Saarländischen Rundfunk (SR) realisierte, gab es kaum nennenswerte filmische Darstellungen über den oft umstrittenen ersten Ministerpräsidenten des Saarlandes. Für die Produktion konnte der Filmemacher damals exklusiv auf Materialien aus dem Familienarchiv der Familie Hoffmann zugreifen. Entstanden ist ein historisch aufschlussreiches Zeitdokument, das sowohl den Menschen als auch den politischen Visionär „JoHo“ beleuchtet – eine Persönlichkeit, deren Bewertung sich im Laufe der Jahrzehnte stark gewandelt hat. Der Film zog das Publikum von der ersten Minute an in seinen Bann und machte ein entscheidendes, emotionales Kapitel unserer Heimatgeschichte greifbar.
In einem packenden Vortrag berichtete Alfred Gulden zunächst von der Entstehung dieses besonderen Films. Im Anschluss begeisterte er die Anwesenden mit seinen Rodener Mundartvorträgen, die dem Abend eine ganz persönliche und vertraute Note verliehen.
Die anschließende Gesprächs- und Diskussionsrunde entwickelte sich schnell zu einem lebendigen Austausch. Die Besucher nutzten die Gelegenheit ausgiebig, um Fragen zu stellen, tiefer in die Thematik einzutauchen und eigene Erinnerungen an diese prägende Ära des Saarlandes zu teilen.
Den offiziellen Abschluss der Veranstaltung gestaltete Andreas Obster von der vhs Saarlouis. Er dankte allen Mitwirkenden und würdigte den großen Erfolg dieses starken Kooperationsprojekts. Das Ende des Programms läutete den gemütlichen Teil des Abends ein: Bei einem gemeinsamen Umtrunk mit Snacks blieb das Publikum noch lange beisammen, um die tiefen Eindrücke in geselliger Runde Revue passieren zu lassen.

Generationen verbinden: Ein bunter Bastelmorgen voller Lebensfreude

Am Dienstagmorgen erlebte die Victor’s Residenz in Roden einen ganz besonderen Besuch: Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 3 der Grundschule Römerbergschule und der Rodener Heimatkundeverein Rodena waren zu Gast, um gemeinsam mit den Seniorinnen und Senioren der Einrichtung kreativ zu werden.

Schon beim Eintreffen der Kinder war die Vorfreude spürbar. Nach einer herzlichen Begrüßung im vorbereiteten Gemeinschaftsraum fanden Jung und Alt schnell an den Basteltischen zusammen. Berührungsängste gab es keine – im Gegenteil: Schnell entwickelten sich die ersten lebhaften Gespräche zwischen den Generationen.

Unter dem Motto des kreativen Gestaltens wurde fleißig geschnitten, geklebt und gemalt. Während die Kinder mit ihrer unbeschwerten, fröhlichen Energie viel Leben und frischen Wind in die Runde brachten, standen die Senioren ihnen mit Geduld, Erfahrung und manch gutem Rat zur Seite. Es war ein faszinierendes Zusammenspiel: Kleine Hände halfen beim präzisen Ausschneiden, während die ältere Generation Geschichten aus ihrer eigenen Schulzeit zum Besten gab.

Besonders das herbstliche Motiv des Eichenblattes weckte bei den Senioren viele Erinnerungen an frühere Herbsttage, die sie gerne mit den Schülern teilten. Das gemeinsame Arbeiten schuf eine spürbar warme und harmonische Atmosphäre. Die Augen der Senioren leuchteten über den Besuch und die Lebendigkeit der Kinder.

Am Ende des Vormittags konnten alle Beteiligten stolz auf eine Vielzahl wunderschöner, selbstgemachter Kunstwerke blicken. Das Ergebnis dieser gelungenen Kooperation zwischen der Victor’s Residenz, den Kindern der Römerbergschule und dem Heimatkundeverein Rodena sind aber nicht nur die charmanten Papiermännchen, die nun als Dekoration die Zimmer der Bewohner schmücken. Es sind vor allem die wertvollen, gemeinsamen Momente im Herzen aller Beteiligten.

Dieser Dienstagmorgen hat einmal mehr gezeigt, wie wertvoll und bereichernd die Begegnung zwischen den Generationen für unsere Gemeinschaft ist.

Der Maiworms Hannes – Eine Erzählung aus der Nachkriegszeit von Walter Schmolenzky

Angeregt durch die vielen Presseberichte über das „Bundeshäuschen“ in Bonn, einem Getränke- und Zeitungskiosk aus den 1950-iger Jahren, den man inzwischen sogar unter Denkmalschutz gestellt hat, erinnerte ich mich daran, dass es in Roden einen ähnlichen Kiosk gab.

Das Holzbüdchen stand auf dem Bahnhofsvorplatz, und zwar an der Straßenbahnhaltestelle der Linie 1. Was das Bundeshäuschen für die Abgeordneten und Minister in Bonn war, die hier ihre Zeitungen und Tabakwaren kauften, war für die Rodener der Verkaufskiosk am Bahnhof. Zugegeben: Das Holzhäuschen mit dem Bundeshäuschen in Bonn zu vergleichen dürfte ein wenig weit hergeholt sein und ich räume gerne ein, dass es in Roden sicherlich bedeutendere Bauwerke gibt, über die es sich eher lohnen würde zu berichten. Dennoch möchte ich diesem kleinen Zeitungs- und Verkaufsstand aus den späten Nachkriegsjahren, insbesondere seinem Betreiber, einem Rodener Original, dem „Maiworms Hannes“, ein paar Zeilen widmen:

Das kleine, aus Restfarben weiß-blau gestrichene Holzbüdchen mit der farbigen Werbung für allerlei Süssigkeiten und den bunten Zeit- schriften, war für uns Kinder ein farbenfroher Anblick auf dem an- sonsten von Ruinen und grauen Wohnblocks umgebenen Bahn-hofsvorplatz. Oft umlagerten wir Kinder den Kiosk und betrachteten die bunten Auslagen hinter den kleinen Butzenscheiben, bis der Hannes es leid war und uns verscheuchte. Hochglanzmagazine der Schönen und Reichen, Illustrierte mit Aufnahmen ausländischer Schauspieler und Sportler zogen uns magisch an. Für uns Kinder und Jugendliche eine unerreichbare Welt. Unsere kleine Welt war die Welt der Süßigkeiten, der Meckos und Lollys, sowie die damaligen Comic`s: Akim, Sigurd, Tarzan, Phantom und die unsterbliche  Mickey Maus.

Obwohl der Hannes meist mürrisch und griesgrämig war, steckte er uns ab und an ein paar Guuzia (Bonbons) zu oder schenkte uns ein altes, abgegriffenes Comic-Heft. So ganz selbstlos tat es das alte Schlitzohr allerdings nicht. Er wusste nämlich genau, dass wir die wenigen Francs, die wir beim Altmaterialsammeln einnahmen, wieder bei ihm ausgaben. Mit einigen von uns hatte er ein Abkommen geschlossen  –  heute sagt man wohl „Deal“ dazu. Für Comics, die wir gelesen und sauber zurück gaben, erstattete er uns den halben Kaufpreis, um sie anschließend wieder zum vollen Preis zu verkaufen. Waren die abgegriffenen Hefte einfach nicht mehr zu verkaufen, dann verlieh er sie noch für ein paar Franc, bis sie schließlich auseinanderfielen. Nicht nur uns Kinder hatte er mit dieser Masche an sich gebunden; nein, auch Erwachsene gingen ihm auf den Leim.

Bei schönem Wetter saß der Hannes meist vor seinem Büdchen. Oft saßen ein paar Rentner auf ihren mitgebrachten Klappstühlen mit in der Runde. Dabei rauchten sie ihre Selbstgedrehten aus getrockneten Tabakblättern (Gewel s. unten!) und tranken dazu ihr Gläschen selbst gebrannten Schnaps. Ab und an spendierte der Hannes aus seinem Bestand eine nachtschwarze Originalzigarette der Marken: Puck und Rotfuchs oder seine  Hausmarke. Dies geschah nicht ohne Hinterge- danken:

Der alte Fuchs drehte nämlich auf einer eigens von ihm entwickelten Maschine aus dem minderwertigen Gewel, dem er eine Prise hoch- wertigen Tabaks beimischte, erstaunlich runde und fest gedrehte Zigaretten, die er unter der Hand als seine Hausmarke unter die Leute brachte. So war er, der Maiworms Hannes, ein Schlitzohr, ein Rodener Original.

Die Nachkriegsjahre neigten sich ihrem Ende zu und  der Hannes-bekam Konkurrenz. In der Bahnhofshalle wurde ein neuer Kiosk eröffnet und immer mehr Geschäfte führten Zeitschriften und Tabakwaren. Und eines Tages, fast über Nacht, waren der Hannes und sein buntes Holzbüdchen am Bahnhof verschwunden und mit beiden auch Stück Rodener Nachkriegsgeschichte.

Anmerkung:

„Gewel,“ Bezeichnung für selbst angepflanzten Tabak in der Nach- kriegszeit, der nach der Ernte in der Regel am Hausgiebel zum trocknen aufgehangen wurde. „Gewel,“ also abgeleitet von  Giebel und wohl von der gelben Farbe der Tabakblätter.

Bildquelle: LA Saarbrücken – so ähnlich sah der Bahnhofskiosk aus!

 

Nachruf

In tiefer Trauer nehmen wir Abschied von unserem geschätzten Vereinsmitglied Wolfgang Recktenwald, der im Alter von 90 Jahren von uns gegangen ist.
Wir verlieren nicht nur ein treues Mitglied, sondern auch einen wunderbaren Menschen und geschätzten Freund. Die Lücke, die erhinterlässt, wird nur schwer zu schließen sein. Wir werden das Andenken in Ehren halten und uns stets dankbar an die gemeinsamen Zeiten erinnern. Unser tiefes Mitgefühl und unsere Gedanken gelten in diesen schweren Stunden der Familie und allen Angehörigen.
In dankbarer Erinnerung,
Vorstand des Rodena Heimatkundeverein Roden e.V.

Damals, als es noch einen Kirchenschweizer in Roden gab!

Der Beruf des Kirchenschweizers, der seine Ursprünge im 17. und 18. Jahrhundert hatte, ist eng mit der Geschichte unserer Kirche verbunden. Ursprünglich waren diese Männer oft ehemalige Soldaten, die – bewaffnet mit Spießen, Hellebarden oder Lanzen – für Ruhe und Ordnung im Gotteshaus sorgten.
Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich das Aufgabenfeld: Vom rein funktionellen Sicherheitsdienst entwickelte sich das Amt zunehmend hin zu einer feierlichen Repräsentation. Dennoch blieb der Kirchenschweizer eine Respektsperson. Bis Mitte der 1960er Jahre war er aus dem Gemeindeleben nicht wegzudenken.
Besonders in Erinnerung bleibt seine imposante Erscheinung: Er trug einen schweren, leuchtend roten Rock, Kopfbedeckung und weiße Handschuhe. Sein wichtigstes Utensil war die goldene Hellebarde. Mit ihr verschaffte er sich bei feierlichen Einzügen oder Prozessionen Respekt; das rhythmische Stoßen des Stabes auf den Kirchenboden war ein unverkennbares Signal, das den Priestern den Weg bahnte und die Aufmerksamkeit der Gemeinde forderte.
Wer in unserer Kindheit in der Messe zu laut war oder sich nicht angemessen verhielt, bekam die Disziplin des Kirchenschweizers schnell zu spüren: Ein kurzes, bestimmtes Antippen mit der Hellebarde genügte, um für sofortige Stille zu sorgen.
Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil veränderten sich die Messfeiern grundlegend. Da der Priester fortan den Gläubigen zugewandt feierte, verlor das Amt des Kirchenschweizers nach und nach seine Funktion.

Die Klepperbuben

Das Ratschen (oder auch Klappern) ist ein Jahrhunderte alter christlicher Brauch, der vor allem in Süddeutschland, Österreich und Luxemburg gepflegt wird. Dabei ziehen meist Ministranten mit
Ab dem Abendmahl am Gründonnerstag verstummen die Orgeln und Kirchenglocken als Zeichen der Trauer über das Leiden und den Tod Jesu.
Nach einer verbreiteten Legende fliegen die Glocken über die Kartage nach Rom, um dort geweiht zu werden, und kehren erst in der Osternacht zurück.
Da die Glocken früher auch als „Uhr“ dienten, übernehmen die Ratschen deren Aufgabe und rufen die Gläubigen zum Gebet (z. B. zum Engel des Herrn) und zum Gottesdienst.
Die Ratschen sind hölzerne Lärminstrumente, bei denen ein elastisches Holzblatt über ein gezahntes Holzrad schnappt. Es gibt verschiedene Bauformen:
Handratschen: Kleine Modelle, die man im Kreis schwingt oder kurbelt.
Schubkarrenratschen: Große Instrumente, die vor dem Körper hergeschoben werden.
Turmratschen: Fest installierte, massive Holzinstrumente in Kirchtürmen, die oft mit Kurbeln bedient werden.
Meist ziehen Gruppen von Kindern und Jugendlichen (oft Ministranten) zu festen Zeiten – etwa morgens, mittags und abends – durch das Dorf. In vielen Regionen wird dabei ein kurzer Spruch aufgesagt, wie etwa:
Wir ratschen, wir ratschen den Englischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muss.
Als Dankeschön für ihren Dienst ziehen die „Ratschenkinder“ oft am Karsamstag von Haus zu Haus und sammeln kleine Spenden, Süßigkeiten oder Ostereier.

Karfreitag

Am Karfreitag steht für Christen weltweit die Welt einen Moment lang still. Es ist ein Tag, der von tiefer Symbolik, Stille und dem Gedenken an das Leiden und Sterben Jesu Christi geprägt ist.
Der Karfreitag ist der Höhepunkt der Karwoche. Nach biblischer Überlieferung wurde Jesus von Nazaret an diesem Tag in Jerusalem verurteilt, musste sein Kreuz selbst zum Hügel Golgatha tragen und wurde dort hingerichtet.
Im christlichen Glauben ist dieser Tod kein sinnloses Scheitern. Er wird als freiwilliges Opfer verstanden, mit dem Jesus die Schuld der Menschheit auf sich nahm, um eine Versöhnung zwischen Gott und den Menschen zu ermöglichen.
Das „Kar“ im Namen stammt vom althochdeutschen Wort chara ab, was Trauer oder Wehklage bedeutet. Es ist also wörtlich der „Tag der Trauer“.
In den Kirchen herrscht am Karfreitag eine ganz eigene, fast greifbare Atmosphäre. Viele Gottesdienste finden um 15:00 Uhr statt, da dies der Überlieferung nach die Stunde war, in der Jesus starb.
Die Kirchen sind oft schmucklos. Der Altar ist leer, die Glocken schweigen und die Orgel bleibt stumm. In Deutschland nimmt der Karfreitag eine Sonderstellung ein. Er ist als stiller Tag gesetzlich besonders geschützt:
In fast allen Bundesländern gelten Einschränkungen für öffentliche Veranstaltungen. Tanzabende, laute Sportevents oder bestimmte Filmvorführungen sind untersagt, um den ernsten Charakter des Tages zu wahren.
Es ist ein Tag, an dem das öffentliche Leben spürbar entschleunigt wird. Auch außerhalb der Kirche haben sich feste Bräuche etabliert:
Da der Karfreitag ein strenger Fastentag ist, wird traditionell kein Fleisch gegessen. Stattdessen gibt es in vielen Familien Fisch, da der Fisch ein uraltes Erkennungszeichen der Christen ist.
In manchen Regionen ziehen Kinder mit Holzratschen durch die Straßen, um die schweigenden Kirchenglocken zu ersetzen und die Gläubigen zu den Gebeten zu rufen.

Feierstunde zum 175. Geburtstag von Prof. Dr. Jakob Ecker in Lisdorf

Schon lange vor Beginn des Vortrags füllte sich das LisDORFhaus am Sonntagnachmittag mit erwartungsvollen Gästen.
Pünktlich um 16:00 Uhr eröffnete Georg Jungmann, Vorsitzender des Vereins für Heimatkunde Lisdorf, die Feierstunde zum 175. Geburtstag von Prof. Dr. Jakob Ecker. Harald Weiler nahm das Publikum anschließend mit auf eine faszinierende Reise durch das Leben des Mannes, der einer der bedeutendsten katholischen Bibelübersetzer seiner Zeit wurde.
Ein besonderes Highlight waren die im Saal ausgestellten Original-Bibeln. Der rund anderthalbstündige, packende Vortrag begeisterte die Besucher bis zur letzten Minute

Bildquelle: Heimatkundeverein Lisdorf

4. Advent

Liebe Mitglieder, liebe Freunde und Bekannte unseres Vereins,
Der 4. Advent lädt uns ein, kurz innezuhalten und unseren Blick auf das zu richten, was uns als Heimatkundeverein besonders wichtig ist: die Gemeinschaft, unsere gemeinsamen Wurzeln und die Verbundenheit mit unserer Heimat Roden.
Es sind Menschen wie ihr, die unsere Vereinsarbeit mit Leben füllen und dafür sorgen, dass unsere Geschichte nicht in Vergessenheit gerät.
Wir wünschen euch und euren Familien einen besinnlichen 4. Advent. Genießt die Ruhe im Kreis eurer Lieben und die Vorfreude auf das bevorstehende Weihnachtsfest.
Mit herzlichen Grüßen aus der Heimatkunde,
Euer Vorstand des Rodena Heimatkundeverein Roden e.V.
Bildquelle: Pixabay

Wenn der Himmel rot glüht: Der Duft der Engel in der Kindheit

Wer erinnert sich noch an jene Adventsabende, an denen die Welt in der Dämmerung versank? Draußen duftete es nach Holzfeuer, und eine klirrende Kälte lag in der Luft – doch am Horizont geschah alljährlich ein kleines Wunder: Der Winterhimmel erstrahlte in feurigem Rot.
Wenn wir das sahen, fragten wir unsere Eltern und Großeltern, die uns dann mit leiser Stimme erklärten: „Seht nur, der Himmel glüht! Dort backen die Engel Plätzchen für das Christkind.“ So verwandelte diese einfache Erzählung ein Naturschauspiel in reine Magie.
Es war eine Zeit, in der die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Märchen im flackernden Kerzenschein verschwammen. Unsere Welt war damals nicht kalt und nüchtern, sondern erfüllt von Geborgenheit und Vorfreude – eine Welt, in der Märchen wahr sein durften.
Der „Plätzchen-Himmel“ ist mehr als nur eine Kindheitserinnerung. Er ist ein Stück verlorener Poesie. Wenn wir heute in dieses rote Abendglühen blicken, zaubert es uns vielleicht ein stilles Lächeln ins Gesicht und schenkt uns für einen flüchtigen Moment wieder den Duft von Zimt und Vanille in der winterlichen Luft.

„lebendigen“ Adventskalender

Liebe Nachbarinnen und Nachbarn, liebe Gäste,
die festlichste Zeit des Jahres steht vor der Tür. Wir laden Sie herzlich ein, die Adventszeit auf eine ganz besondere, gemeinschaftliche Weise mit uns zu erleben.
In diesem Jahr verwandelt sich unsere Siedlung in einen einzigartigen, „lebendigen“ Adventskalender. An jedem der vier Adventssonntage öffnet sich ein neues, magisches Fenster in einem anderen Zuhause. Diese kleinen Oasen der Besinnlichkeit laden uns ein, innezuhalten, zusammenzukommen und gemeinsam die Vorfreude auf das Weihnachtsfest zu teilen.
Wie unser Kalender lebendig wird
Jede teilnehmende Familie hat mit viel Liebe zum Detail ihr Fenster gestaltet. Mit schwarzer Pappe und filigranen Scherenschnitten werden von innen beleuchtete Kunstwerke geschaffen. Gemeinsam bilden diese Fenster eine stimmungsvolle Lichterkette, die wie ein warmes Band der Gemeinschaft durch Nachbarschaft strahlt und uns durch die Adventszeit begleitet.

Jeder Sonntag steht unter einem eigenen Motto, das uns auf eine kleine Gedankenreise mitnimmt:
4. Advent: „…durch Gemeinschaft“
Am letzten Sonntag vor Heiligabend gipfelt unsere Reise in der Erkenntnis: Die wahre Kraft liegt in der Gemeinschaft. Zusammenhalt und Miteinander lassen uns erblühen und machen die Adventszeit erst richtig warm und besonders.
Seien Sie dabei!
Machen Sie einen Spaziergang durch die Rodener Siedlung und lassen Sie sich von den beleuchteten Fenstern verzaubern. Genießen Sie diese besinnliche Zeit des Miteinanders und der Vorfreude.
Wir treffen uns um : 16.30 Uhr 4. Advent, Wasserwerkstr. 36
Fam. Heger zum Glühweintrinken mit Weihnachtsmusik, Kinderpunsch und selbstgemachtem kostenlosen Gebäck!
Preis Glühweinbecher € 1,00
Kinderpunschbecher € 0,50
Wir freuen uns auf eine leuchtende und herzliche Adventszeit mit Ihnen!
Bildquelle: Pixabay

DIE LEGENDE VON DER CHRISTROSE

Vor Zeiten, als Unfrieden im Land, auf den Straßen und im Wald herrschte, lebte hoch im Norden, im Gebirge, im dichten Wald eine Räuberfamilie. Der Räubervater galt als friedlos, das heißt, er war eines Vergehens wegen aus der Gemeinschaft der Menschen ausgeschlossen worden – und seine ganze Familie mit ihm. Nun mussten sie alle in einer Höhle hausen, weit weg vom Licht, von Wärme, von der Gemeinschaft der Menschen. Der Räubervater überfiel die Reisenden, die trotz aller Angst nicht vermeiden konnten, durch diesen Wald zu reisen, die Räubermutter dagegen unternahm gemeinsam mit ihren fünf Räuberkinder immer wieder Raubzüge auf Höfen, Bauernhäusern und Weilern. Keiner wagte sich zu wehren, denn jeder fürchtete sie; hatte sie doch schon so manchen Stall, so manche Hütte und manches Wohnhaus angezündet, wenn man ihr die geforderten Gaben verweigert hatte.
So kam sie eines Tages zu einem Kloster und verlangte etwas zu essen für sich und ihre fünf Kinder. Der Türhüter reichte ihr durch ein kleines Schiebefenster hindurch sechs kleine runde Brote, eines für sie und eines für jedes Kind. Während die Räubermutter vor der Klosterpforte stand, liefen die Kinder umher. Da kam eines und zupfte die Mutter am Rock und gab ihr ein Zeichen mitzukommen. Durch eine Hintertür in der dicken Klostermauer, die der Gärtner vergessen hatte zu schließen gelangten sie in den Klostergarten. Der Abt, Johannes, war ein pflanzenkundiger Mann, der sich einen wunderbaren Garten errichtet hatte. Zu seiner und zur Freude seiner Mönche hatte er Blumen aus aller Welt gesammelt.
Und nun war es Hochsommer, die Zeit, in der die Pracht am größten war. Die Räubermutter nun ging hin und her, ließ ihren Blick die Beete hinauf und hinab gehen, schaute dort eine weiße Lilie an, dort den Efeu. Aber da wurde sie entdeckt, und nachdem es dem Gärtner nicht gelungen war, sie mit Worten zu verjagen, holte er einige seiner Mitbrüder zu Hilfe, kräftige, gestandene Männer, die dann auch versuchten die Räuberfamilie mit Drohungen und Gewalt zu vertreiben. Durch das Geschrei wurde schließlich der Abt angelockt, dem gar nicht gefiel, was er sah, vor allem nicht die Gewalt, die hier verübt wurde. Er war erstaunt, dass die gefürchtete Räubermutter hier nichts anderes tat, als seinen Garten zu bewundern und so kam er mit ihr ins Gespräch. Aber wie erstaunt war er, als sie im sagte:
„Als ich deinen Garten erblickt habe, schien es mir, als ob ich nie etwas Schöneres gesehen hätte, aber jetzt merke ich, dass er sich mit einem anderen Garten nicht messen kann, den ich kenne.“ Das nun konnte sich der Abt kaum vorstellen. Und so redeten sie hin und her, bis die Räubermutter schließlich sagte. „Mein Wald, so einsam und wild er ist, verwandelt sich jedes Jahr in der Christnacht in den schönsten Blumengarten, den ihr euch vorstellen könnt. Dort habe ich so herrliche Blumen geschaut, dass ich es nie gewagt hätte, meine Hand zu erheben um sie abzubrechen.“ Da verabredete der Abt mit der Räubermutter, dass er dieses Wunder selber schauen wolle. Er bat die Räubermutter, ihm in der Weihnachtszeit eines ihrer Kinder zu schicken, das ihm den Weg weise, dann wolle er rechtzeitig da sein. Und so ging der Sommer dem Ende zu. Eines Tages bekam der Abt Besuch von seinem Bischof, der ihm erzählte, der Räubervater habe ihn um einen Freibrief gebeten, damit er wieder in der Gemeinschaft der Menschen leben könne. Er wolle wieder ein ehrlicher Mann sein. Der Bischof nun meint, dass er doch einen solch bösen Menschen nicht auf ehrliche Bürger loslassen könne. Es sei wohl am besten, wenn dieser und seine Familie dort droben blieben. Der Abt aber erzählte ihm nun von dem Blumengarten im Wald und sagte: „Wenn diese Räuber nicht zu schlimm sind, Gottes Herrlichkeit zu sehen, können sie wohl auch nicht zu schlecht sein, um die Gnade der Menschen zu erfahren.“
So verabredeten der Bischof und der Abt, dass der Bischof den Freibrief ausstellen würde – wenn der Abt ihm eine Blume aus diesem Christnachtgarten der Räuber bringen würde. Dann kam die Weihnachtszeit. Die Räubermutter hatte die Verabredung nicht vergessen und schickte eines ihrer Kinder. So zog der Abt, nur begleitet von seinem Gärtnergehilfen, hinauf in den Wald. Der Abt war frohgemut und voller Erwartung des Wunderbaren, das da auf ihn wartete, das Herz seines Knechtes aber war von Angst erfüllt, Angst vor den Räubern, Angst um das Leben seines Abtes und um sich selbst.
Nach einem langen, beschwerlichen Ritt kamen sie zur Räuberhöhle, wo alles einsam, kalt, karg und schmutzig war. Keine Spur von Vorbereitung auf das Weihnachtsfest. Aber ein Feuer brannte, an dem die Reisenden sich wärmen und ausruhen konnten. Und schließlich sagte die Räubermutter: „Es ist Zeit, in den Wald zu gehen. Ich höre bis hierher, wie die Weihnachtsglocken läuten.“
Und so gingen sie ins Waldesdunkel und kaum hatte auch der Abt die Glocke von ferne gehört, zuckte ein Lichtstrahl durch den Wald; dann wurde es wieder dunkel, und wieder ein Licht und immer heller. Der Schnee verschwand vom Boden, ein grüner Teppich breitete sich aus, Farnkraut, Erika, Moos und schließlich Frühlingsblumen, Bachgemurmel, frisches Laub. Auch die Tiere erwachten aus Ruhe und Schlaf, zwitscherten und hüpften, als ob es Frühling wäre. Erdbeeren blühten und trugen gleich darauf Beeren; immer neue Wellen von Wärme und Licht erstreckten sich über den Wald. Und schließlich Blumen, eine herrlicher als die andere, so dass der Abt an seine Verabredung mit dem Bischof dachte und nicht wusste, welche der Herrlichkeiten die Allerschönste sei, die er wählen wollte. Der Abt meinte die Herrlichkeit des Himmels zu sehen und strahlte vor Seligkeit. Aber das Herz des Knechtes war immer noch voller Angst. Das kann nicht von Gott sein, so dachte er, bei diesen bösen Räubern, das kann nur Zauberei sein, die Macht des bösen Feindes hat alles und uns verhext. Und so schlug er mit der Hand nach einem der Vögel und rief: „Flieg zur Hölle, von wo du gekommen bist.“ Sogleich floh alles Licht und alle Wärme, die Tiere, die Blumen und alles Grün. Dunkelheit, Kälte und Starre überzog wieder die Erde – und der Abt sank zu Boden. Sein Knecht und die Räuberfamilie fanden ihn – tot auf der Schneedecke liegend. Der Knecht, der seinen Irrtum sogleich erkannt hatte, weinte bitterlich und sorgte dafür, dass der Abt abgeholt wurde. Als sie ihn nun im Kloster zum Begräbnis zurechtmachen wollten, sahen sie, dass die Hand des Abtes etwas umklammerte, ein paar weiße Wurzelknollen. Als der Knecht dies sah, nahm er die Knollen – und pflanzte sie in den Klostergarten. Er pflegte sie um seines Abtes willen und wartete, ob sie denn blühen würden. Er wartete lange. Der Frühling verging, der Sommer und auch der Herbst. Erst am Weihnachtsabend, als der Knecht zum Gedenken an seinen Abt in den Garten ging, sah er es: Aus dem Schnee heraus, üppige grüne Stängel und Blumen mit wunderschönen silberweißen Blüten. Als nun alle Mönche dieses Wunders gewahr wurden und erkannten, dass es wirklich die Pflanze war, die der Abt aus dem Weihnachtswundergarten mitgebracht hatten, berichteten sie dem Bischof von diesem Wunder. Da wurde der so bleich, als sei er einem Toten begegnet. Er erinnerte sich an die Abmachung, die er vor über einem Jahr mit dem Bischof getroffen hatte – und erließ den Freibrief für den Räubervater, der nun wieder unter den Menschen leben konnte; er, seine Frau und die fünf Kinder.
Man hat diese Pflanze „Christrose“ genannt; und jedes Jahr sprießt und blüht sie um die Weihnachtszeit, als könnte sie nie und nimmer vergessen, dass sie einmal in dem großen Weihnachtswundergarten gestanden hat.
Selma Lagerlöf
Bildquelle: Pixabay

Ein Funken Licht in der Adventszeit – Entdecken Sie unseren „Lebendigen Adventskalender“ auf der Rodener Siedlung

Liebe Nachbarinnen und Nachbarn, liebe Gäste,
die festlichste Zeit des Jahres steht vor der Tür. Wir laden Sie herzlich ein, die Adventszeit auf eine ganz besondere, gemeinschaftliche Weise mit uns zu erleben.
In diesem Jahr verwandelt sich unsere Siedlung in einen einzigartigen, „lebendigen“ Adventskalender. An jedem der vier Adventssonntage öffnet sich ein neues, magisches Fenster in einem anderen Zuhause. Diese kleinen Oasen der Besinnlichkeit laden uns ein, innezuhalten, zusammenzukommen und gemeinsam die Vorfreude auf das Weihnachtsfest zu teilen.
Wie unser Kalender lebendig wird
Jede teilnehmende Familie hat mit viel Liebe zum Detail ihr Fenster gestaltet. Mit schwarzer Pappe und filigranen Scherenschnitten werden von innen beleuchtete Kunstwerke geschaffen. Gemeinsam bilden diese Fenster eine stimmungsvolle Lichterkette, die wie ein warmes Band der Gemeinschaft durch Nachbarschaft strahlt und uns durch die Adventszeit begleitet.
Jeder Sonntag steht unter einem eigenen Motto, das uns auf eine kleine Gedankenreise mitnimmt:
3. Advent: „…etwas Großem werden“
Wir sehen nun das Samenkorn als kräftige Pflanze erblühen. Dieses Bild im dritten Fenster steht für Wachstum, Entfaltung und das immense Potenzial, das in jedem von uns steckt. Es erinnert uns daran, dass wir die Kraft haben, Großes zu erreichen und zu bewirken. Seien Sie dabei und lassen Sie sich verzaubern!
Wir laden Sie herzlich ein, durch die Rodener Siedlung zu spazieren und sich von den beleuchteten Fenstern verzaubern zu lassen. Genießen Sie diese besinnliche Zeit des Miteinanders und der Vorfreude.
Unser nächster Treffpunkt:
Wir treffen uns am 3. Advent, um 16:30 Uhr, bei Familie Kuner in der Wasserwerkstraße 38.
Lassen Sie uns gemeinsam die Gemütlichkeit genießen bei:
Glühwein für die Erwachsenen und Kinderpunsch für die Kleinen.
Weihnachtsmusik, die für die passende Stimmung sorgt.
Selbstgemachtes, kostenloses Gebäck.
Kostenbeitrag für die Becher:
Glühweinbecher: 1,00 €
Kinderpunschbecher: 0,50 €
Wir freuen uns auf eine leuchtende und herzliche Adventszeit mit Ihnen!
Bildquelle: G.C. auf Pixabay

Das zweite magische Fenster in der Wasserwerkstraße

Am zweiten Adventssonntag erfüllte ein ganz besonderer Zauber die Rodener Siedlung. Im Rahmen des „Lebendigen Adventskalenders“ öffnete sich im Herzen der Wasserwerkstraße das zweite von vier strahlenden Geheimnissen – liebevoll gestaltet und gastfreundlich empfangen von Familie Schmidt.
Fernab des vorweihnachtlichen Trubels bot dieses Fenster einen stillen Ort der Einkehr und Besinnung. Es lud dazu ein, innezuhalten und die stille, tiefe Magie des Advents zu spüren. Im Zentrum des Arrangements stand die zarte Illustration eines gekeimten Samenkorns. Sie erzählte auf poetische Weise, wie aus

unscheinbarem Beginn etwas Großes und Wunderbares erwachsen kann.

Der Nachmittag wurde begleitet von weihnachtlichen Klängen, und trotz des schlechten Wetters verbreiteten der würzige Duft von Glühwein und feines Gebäck eine durch und durch herzliche, festliche Stimmung. Es war ein stimmungsvoller zweiter Advent, reich an Begegnungen und Gesprächen, der alle dem Weihnachtsfest ein kleines Stück näherbrachte.