Nachruf

In tiefer Trauer nehmen wir Abschied von unserem geschätzten Vereinsmitglied Wolfgang Recktenwald, der im Alter von 90 Jahren von uns gegangen ist.
Wir verlieren nicht nur ein treues Mitglied, sondern auch einen wunderbaren Menschen und geschätzten Freund. Die Lücke, die erhinterlässt, wird nur schwer zu schließen sein. Wir werden das Andenken in Ehren halten und uns stets dankbar an die gemeinsamen Zeiten erinnern. Unser tiefes Mitgefühl und unsere Gedanken gelten in diesen schweren Stunden der Familie und allen Angehörigen.
In dankbarer Erinnerung,
Vorstand des Rodena Heimatkundeverein Roden e.V.

Einschulung 1939: 1. Schuljahr an der Donatusschule Roden

Vor der Evakuierung begann das Schuljahr ganz normal nach den Osterferien im April 1939. Die Mädchen im Saarland feierten ihre Einschulung mit traditionellen Schultüten, trugen Schürzen über den Kleidern und lernten die Sütterlinschrift.
Im Laufe des Jahres wurde der Schulalltag jedoch zunehmend von den Vorbereitungen und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 überschattet.
Der Unterricht unterlag bereits stark der nationalsozialistischen Erziehung, und ab dem zehnten Lebensjahr war die Mitgliedschaft in Hitlerjugend oder Jungvolk prägend.
Der Unterricht legte bei Mädchen großen Wert auf Fächer wie Handarbeit, Hauswirtschaft, Rassenkunde und Turnen, um sie auf ihre spätere Rolle als Mutter vorzubereiten. Für ältere Mädchen ab 10 Jahren war die Mitgliedschaft im Jungmädelbund (Unterorganisation des Bundes Deutscher Mädel / BDM) ab März 1939 durch die „Jugenddienstpflicht“ gesetzlich verpflichtend. Die Erstklässlerinnen im Jahr 1939 waren dafür noch zu jung, wurden aber im Unterricht bereits darauf vorbereitet.
Durch die geografische Lage direkt an der französischen Grenze wurde das Saarland zur Frontzone. Unmittelbar mit dem Kriegsbeginn am 1. September 1939 wurde die Bevölkerung der sogenannten „Roten Zone“ evakuiert.
Die meisten Familien kamen per Zug nach Thüringen, Hessen, Franken oder Bayern.
Die Lehrerin des Jahrgangs 1939 an der Donatusschule war Fräulein Prümm. Die Bezeichnung „Fräulein“ war damals die absolut übliche, offizielle Anrede für unverheiratete Lehrerinnen Für viele der Mädchen, die im April 1939 eingeschult wurden, war Fräulein Prümm die prägende Bezugsperson der ersten Klasse. Sie leitete eines der Schuljahre, die durch die Evakuierung im September 1939 jäh zerrissen wurden.
Sie musste im Sommer 1939 den schwierigen Spagat meistern, den Erstklässlerinnen inmitten der politischen Gleichschaltung das Lesen und Schreiben beizubringen – und das genau in der Phase, in der die Sütterlinschrift auf staatliche Anweisung schrittweise zurückgedrängt wurde.
Als Roden im September 1939 geräumt wurde, teilte sie das Schicksal ihrer Schülerinnen. Für die saarländischen Erstklässlerinnen bedeutete dies, dass sie nach wenigen Monaten im Saarland plötzlich in mitteldeutschen Schulen saßen. Zeitzeugenberichte zeigen, dass die saarländischen Kinder wegen ihres Dialekts in den neuen Schulen oft ausgegrenzt und als „Sarfranzosen“ verspottet wurden.
Nach der Rückkehr aus der Evakuierung (ab Sommer 1940) führte Fräulein Prümm den Unterricht für die Mädchen in Roden fort.
Fräulein Prümm blieb der Donatusschule über sehr lange Zeit treu. Viele Rodenerinnen, die in den 1940er, 1950er oder sogar noch frühen 1960er Jahren dort zur Schule gingen, erinnern sich an sie als eine pflichtbewusste, strenge, aber oft auch sehr mütterliche Lehrerin des ersten Schuljahres.
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Vor unserer Haustüre, die Festungsstadt Saarlouis

Walter Schmolenzky

Über den Tellerrand:

Interessantes, nicht unbedingt Wissenswertes, über unsere Heimatstadt in ihren Anfängen:

Nach der Geschichtsschreibung soll wenige Monate nach der Grundsteinlegung am 5. Aug. 1680 zum Bau der Festungsstadt Saarlouis, am Himmel ein hell leuchtender „Komet“ vorbeigezogen sein, der sowohl die Arbeiter an der Festung, als auch die Bevölkerung in den umliegenden Dörfern, so auch im angrenzenden Roden, in Angst und Schrecken versetzte. [1]

Die meisten Menschen, insbesondere die einfachen Dorfbewohner, sahen in der Himmelserscheinung ein böses Omen, das ihnen und der neuen Stadt vermutlich nur Unheil, Krieg und Verderben bringen würde. Die bäuerliche Bevölkerung, die in dieser Zeit noch recht abergläubisch war, fürchtete um Krankheiten, Ernteschäden, Seuchen und um den Verlust des so wichtigen Viehes im Stall. Andere wiederum, allen voran die Planer und Befürworter der neuen Stadt, wollten in dem Kometen dagegen ein Zeichen des Himmels sehen, das der zukünftigen Festungsstadt und den umliegenden Dörfern nur Glück, Reichtum und ein langes Bestehen bescheren werde.

Viele Jahre später, die Stadt war nach ihrer Fertigstellung eine feste Größe unter den damaligen Festungsstädten und reihte sich ein in so bekannte Festen wie Longeville oder Montroyal. Die Garnisonsstadt war allerdings wenig beliebt. Viele Militärs, insbesondere in den höheren Rängen, sahen ihre Versetzung in die Festungsstadt als Strafe, gar als Verbannung an.

In Verruf geriet die Garnisonsstadt unter anderem durch die abstrusen Reiseaufzeichnungen des Koblenzer Autors und Verlegers Karl Baedeker, der in einem seiner Reisehandbücher um 1870 schrieb: „die Festungsstadt Saarlouis sei, ob ihrer Bewohner, in ihren Anfängen wohl mit französischen Sträflingen bevölkert worden.“ Ähnlich negativ äußerte sich auch Otto von Corvin, der als junger Leutnant in der Stadt stationiert war. In seinen „Erinnerungen“, die 1861 in Amsterdam veröffentlicht wurden, schrieb er: „Saarlouis ist eine Festung, die in frühen Jahren wohl mit Galeerensklaven bevölkert wurde und in ihren Mauern verruchte Frauenzimmer aus dem Pariser Palais Royal beheimatet “ [2]

Zum Eindruck einer rauen Garnisonsstadt dürfte auch die folgende verbürgte Einrichtung beigetragen haben: „Die Festungsstadt verfügte neben dem sonst üblichen Galgen und Pranger auf dem Paradeplatz (place dàrmes) über einen weiteren, ganz besonderen Pranger in Form eines hölzernen Pferdes mit einem sehr schneidenden Rücken, auf den man die des nachts in den Kasernen ertappten Freudenmädchen setzte und so zur Schau stellte.“ [3]

Das genaue Gegenteil einer kalten und gesichtslosen Festungsstadt zeichnet Dr. H. Prümm in seinem Aufsatz „Saarlouis“ über unsere Heimatstadt: [ 4]

Man stelle sich vor, so Prümm, ein Postreisender aus Lothringen erreicht in jenen Tagen die Felsberger Höhe. Zu seinen Füßen eine weite grüne Talaue, durchschnitten vom blauen Band der Saar und in der Mitte dieses herrlichen Tales gelegen, die „Freystadt und Festungsstadt Saarlouis.“ Unübersehbar der Glaciskranz, der die Festung lückenlos umschließt, die rasenbedecken Wälle und der auffallende Barockturm der Pfarrkirche:

So lag Saarlouis da
Sur la Saar, wie`n Citadelle
Couronnet wie en Kinniggin
Mit Batterien, Bäm on Magasin.

[1] Wikepedia:
Erst viele Jahre später ordnete der Astronom Halley den Himmelskörper, der in jenen Tagen nicht nur am Himmel über Saarlouis so viel Angst und Schrecken verbreitete, als einen alle 75- 77 Jahre periodisch wiederkehrenden Kometen ein, der heute als „Halleyscher Komet“ bezeichnet wird.

[2] Otto von Corvin bekannt als Offizier, Demokrat und Revolutionär sowie Autor des Buches „Pfaffenspiegel“.

[3] Baltzer – Histor. Notizen über die Stadt Saarlouis, Nachdruck: 1979, S. 134

[4] Dr. H. Prümm, „Saarlouis“. In „Das Saarland“ Heimatbuch von Fritz Kloevekorn 1924, S. 201