DIE RODENER MÜHLEN

AUTOR: Josef Theobald

Wie bei anderen Bachläufen in unserem Einzugsgebiet, wurde
auch der „Ellbach“ von den Anwohnern auf sehr vielfältige Art
und Weise genutzt. Dabei dominierte nicht die private, sondern
vor allem die wirtschaftliche Nutzung im regionalen Manufaktur-
wesen. Denn Wasser bedeutete und bedeutet immer auch Was-
serkraft und die Nutzung selbiger Wasserkraft, zur damaligen Zeit,
in Form von Mühlen. Denn durch sie konnten schwerste Arbeiten
wesentlich vereinfacht werden und, bezogen auf die reinen Pro-
duktionsziffern, eine weit größere Menge als bisher hergestellt
werden. Dabei kann man aufgrund der verschiedenen Mühltypen
den „Ellbach“ als einen historischen Indikator nutzen, der anzeigt,
welche wirtschaftlichen Faktoren einmal aufkamen, zum anderen
aber wann und wie sie zusammenhängen. Dominierten anfangs
die Getreidemühlen das Bild am „Ellbach“, ein deutlicher Hinweis
auf die eher agrarisch ausgerichtete Bevölkerung und dem primä-
ren Einkommensbereich der Mehlproduktion, so kamen seit 1734
neue Mühlen hinzu. Durch die französische Vorreiterrolle bei der
Lohgerbertechnik benötigten die Gerber natürlich noch eine Loh-
mühle, in der Eichenrinde und Lohepulver (ein Extrakt aus gerb-
stoffreichen Rinden, Blättern oder Holz von Eichen und Fichten)
gemahlen wurden. Und natürlich auch Holz. Letzteres wurde in
der Sägemühle geschnitten, ersteres in der Lohmühle hergestellt.
Doch mit der Lohgerberei und einem offensichtlichen Bedarf an
Gerber- und Kürschnerwaren blieb es natürlich nicht aus, dass
man sich ganz im Sinne des Manufakturwesens darum bemühte,
auch andere Produktionsvorgänge zu vereinfachen. Eine typische
und sicherlich nicht regional spezifische Entwicklung war die Saar-
Mühle, die anfangs als Walkmühle genutzt wurde. Auch die Ver-
schiebung der Primärproduktion des Gerbereiwesens von Frank-
reich weg in andere europäische Staaten, bis hin zu dem anglo-
amerikanischen Wirtschaftskrieg im Bereich der Schnellgerberei,
kann man an den Mühlen und damit indirekt am Mühlenbach er-
kennen. Ein geradezu ideales Beispiel stellt auch hier wieder die
Saar-Mühle dar. Einst als Walkmühle gegründet, vollzog sie den
Wandel zur Mehlmühle. Man kann also recht einfach schlussfol-
gern, dass hier keine technischen Defekte, fehlende Investitionen
oder eine Unterbrechung der Müllerlinie zum Wandel führten. Denn
dann hätte man sie einfach geschlossen. Sondern einfach der feh-
lende Bedarf, der einfach einen weiteren Betrieb im alten Stil für un-
sinnig und unrentabel erschienen ließ.

Spätestens seit 1800 war ein Ende der Mühlen eigentlich absehbar
und eng an das Schicksal der Gerber und Kürschner gekoppelt. Je
weniger denn deren Geschäft lief, desto weniger Lohe benötigten
diese, desto weniger wurde gewalkt, desto weniger Holz und Lohe
wurden verbraucht, desto weniger benötigte man also die Mühlen.
Doch was blieb den Betreibern für eine Alternative? Natürlich Mehl
mahlen, denn Bauern gab es ja weiterhin. Doch war das wirklich ei-
ne Alternative und wenn „Nein“ warum? Der Fortschritt bedingt auch
heute noch ein Zusammenrücken unserer Welt. Wir nennen es heu-
te einfach Globalisierung und oft wird dieser Begriff in einem Zug mit
einem „Schrecken der Globalisierung“ in Zusammenhang gebracht.
Damals bedeutete es schlicht, dass Saarwellingen und Roden sehr
nahe beieinanderlagen und durch den technischen Fortschritt noch
ein wenig näher rückten. Und der „Ellbach“ ist ein nun mal ein Bach
und kein Strom, der sich über hunderte von Kilometern hinzieht. Neun
Mühlen, mit gleicher Ausrichtung, auf so engem Raum bedeuteten ei-
ne fast unerträgliche Konkurrenzsituation. Und doch hätte es vielleicht
gut gehen können. Doch bescherte der Fortschritt noch ein weiteres
Problem. Die Verlagerung des bedeutendsten Wirtschaftsfaktors, weg
von der Agrarwirtschaft, hin zur Kohle- und Metallindustrie. Und dort
braucht man sicher auch Wasser, z. B. zur Kühlung, aber sicherlich
keine Mühlen. Ein typischer Rodener Bauer war zudem nie nur allein
ein Bauer. Er war Bauer und Bergmann oder, was wesentlich häufiger
vorkam, Bauer und Hüttenarbeiter. Dieser Ausdruck bezieht sich vor
allem auf die nah gelegene Dillinger Hütte. Doch wer nur noch in der
Zweitfunktion Bauer ist, baut lange nicht mehr so viel an, wie ein jener
Bauer, der dieser Tätigkeit ausschließlich nachgeht. Und so wurde es
immer stiller um die Mühlen, bis man zum Schluss neun defizitäre und
teils hoch verschuldete Betriebe zählte, die daher so nicht überlebens-
fähig gewesen wären. Die Lösung war recht einfach und schnell gefun-
den: Abfindungen und Schließungen. Denn die ansonsten so beliebte
Lösung im Agrarbereich, Subventionen zu gewähren, würde lediglich
ein bodenloses Loch aufreißen. Das war allen Beteiligten bewusst. So
gibt es in letzter Zeit andererseits die eine oder andere Initiative, zumin-
destens die Bausubstanz der Abels-Mühle zu bewahren, wobei man nun
aber heute vielleicht eher von den historischen Resten der Abels-Mühle
sprechen sollte, die noch in Form eines Silos bestehen. Inwieweit diese
Bemühungen aber Früchte tragen werden, bleibt abzuwarten.

Man unterscheidet folgende Mühlen:

– die Getreidemühlen (z. B. Abels-Mühle, Kreuz-Mühle, Quirinsmühle,
Schillesmühle, Saar-Mühle, Pittenmühle und Reqniersmühle),

– die Sägemühlen (z. B. Sägemühle an der Ortsgrenze zur Gemeinde
Saarwellingen),

– die Gerbereimühlen (z. B. Lohmühle, Saar-Mühle als Walkmühle). [1]

Die älteste urkundlich erwähnte Getreidemühle ist die Kirchen- oder
Abels-Mühle. In einer Urkunde vom Jahre 1593 gab die Abtei Tholey
die Kirchenmühle in Erbpacht an den damaligen Grundherrn von Ro-
den mit Namen Laudwein Bockenheimer. Diese Mühle wurde 1989
durch einen Brand vollkommen zerstört.

Die Schillesmühle wurde im Jahre 1767 erstmals urkundlich erwähnt.
Ihren Namen hatte sie von dem ehemaligen Besitzer Jakob Schille,
der das Bannmühlenrecht im Jahre 1769 ersteigert hatte. In preus-
sicher Zeit arbeitete sie hauptsächlich für das Proviantamt. Trotz
einer Modernisierung während des II. Weltkrieges wurde sie bei
Kriegsende zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Die erste Lohmühle in Roden wurde bereits im Jahre 1618 ur-
kundlich erwähnt, die von dem damaligen Grundherrn Wilhelm
Marzloff von Braubach verpachtet wurde. Wahrscheinlich hat
diese Lohmühle für die Wallerfanger Gerberindustrie gearbeitet.
Später wurde aus dieser Mühle eine Ziegelei, die im II. Weltkrieg
zerstört wurde.

Eine zweite Loh- oder Gerbmühle wurde im Jahre 1685 am Unter-
lauf des Ellbachs errichtet. Wahrscheinlich sollte diese den wohl
gesteigerten Bedarf an Lohe decken. Auch aus dieser Lohmühle
wurde im Jahre 1886 eine Ziegelei, die schließlich im Jahre 1976,
zehn Jahre nach ihrer Schließung, abgerissen wurde.

Auch die Saar-Mühle stammt wahrscheinlich aus der Mitte des
18. Jahrhunderts. Sie stand an der Mündung des Ellbachs in die
Saar. Im Jahre 1872 wurde sie umgebaut und modernisiert. Sie
brannte im Dezember 1927 ab und wurde nicht wieder aufgebaut.
[2]

ANMERKUNGEN
[1] Andreas Neumann, RODENA -Rodener Geschichte(n) 2008-,
2. Auflage 2009, erschienen im Eigenverlag von A. Neumann 
(Fa. CSW, Wadgassen), erstes Buch in der Reihe der Titel des 
RODENA Heimatkundevereines Roden e. V., Seiten 22 + 23.
[2] GESCHICHTE DER KREISSTADT SAARLOUIS, Band 6: Roden
(Traditionsbewusstes Dorf und moderner Stadtteil), Autor: Marc
Finkenberg, Herausgeber: Kreisstadt Saarlouis (1997), Seiten
81 + 82.