DIE ADVENTSZEIT

Adventskalender aus einem dünnen Blätt mit 24 BildernAdventskranzAdventssingenBedeutung des Wortes „Advent“Konzil von Trient: vierwöchige Adeventszeit Liturgiereform durch Papst Gregor dem Großen Siegeszug des Adventskranzes Weihnachtsbäckerei

Der Terminus „Advent“ kommt vom lateinischen „adventus“ und bedeutet „Ankunft“ und meint in diesem Zusammenhang die Vorbereitungszeit auf das Fest der Geburt Christi (Weihnachten). Die Adventszeit umfasst die vier Wochen vor dem Weihnachtsfest. Mit dem ersten Adventssonntag beginnt das Kirchenjahr.

Gebräuchlich ist in dieser Zeit der „Adventskranz“, ein geflochtener Kranz aus grünen Zweigen mit vier Kerzen, die nach und nach an den Adventssonntagen entzündet werden. Der Kranz steht für den Erdkreis, der auf die Erlösung wartet; die Kerzen symbolisieren das Licht, das zunimmt, je näher die Geburt des Erlösers Jesus Christus rückt. [1]

Einer der frühen Adventskränze ist der von J. H. Wichern (1808-1881), der in dem von ihm gegründeten „Rauhen Haus“ bei Hamburg seit etwa 1850 hing. Dieser große Kranz hatte 24 Kerzen, die täglich angezündet wurden, bis am 24. Dezember alle Kerzen brannten. Das „Rauhe Haus“ war eine Erziehungsanstalt (für jugendliche Straftäter) und die Keimzelle der Inneren Mission in der evangelischen Kirche. Zunächst ließ Johann Wichern vom ersten Sonntag im Advent an kontinuierlich eine große weiße Kerze auf den von der Decke hängenden runden hölzernen Reifen und an den Werktagen kleine rote Kerzen dazwischen stellen. Nach 1860 wurde der ursprünglich für die Kerzen verwendete Kronleuchter mit Tannenzweigen verziert, womit der Adventskranz geboren war. [2] Ab 1925 hat dieser Adventskranz, allerdings mit nur noch vier Kerzen, auch seinen Einzug in die katholische Kirche genommen. [3]

Noch vor der Liturgiereform durch Papst Gregor dem Großen kam in der römischen Kirche der Advent als Vorfeier von Weihnachten auf, also vier Wochen bzw. Sonntage umfassend. Auch der Orient (Syrien, Ägypten) kannte eine 3 bis 4 wöchentliche Vorbereitungszeit. [4]

Der genannte Papst Gregor I. (um 540-604) vereinheitlichte die Adventszeit auf vier Wochen. Fällt der Heilige Abend auf einen Sonntag, ist dies zugleich der 4. Advent. Sonst verlängert sich diese Zeit vom 4. Advent bis zum Heiligen Abend. Beim Aachener Konzil wird die Regel im Jahr 825 in Deutschland verbindlich eingeführt. [5] Erst die dem Konzil von Trient (Tridentinum, 1545-1563) folgenden Liturgiebücher schrieben den Advent gesamtkirchlich vierwöchig vor; bis heute hält Mailand (Milano) an einem sechswöchigen Advent fest. [3]

Möglicherweise hatte in Deutschland die Begeisterung für die Natur der „bündischen Jugend“ (um 1910) den Siegeszug des Adventskranzes gefördert. Jedenfalls ging der Adventskranz von Norddeutschland aus und war nur in evangelischen Familien gebräuchlich. Eine Untersuchung im Umfeld von Tübingen aus dem Jahre 1928 zeigte, dass dieser Kranz in protestantischen Orten über Pfarrer, Lehrer und kirchliche Vereine in die Familien zumindest bei den Wohlhabenden eingekehrt ist.

Der erste Adventskalender ging bei der in München ansässigen „Reichholdschen Druckerei“ im Herbst 1908 in Druck. Hier war Gerhard Lang, aus einer kinderreichen Pfarrersfamilie im württembergischen Maulbronn stammend, am 29. Februar 1908 als Teilhaber eingestiegen. Jener wurde zuerst „Weihnachtskalender“ genannt. Er bestand aus einem dünnen Blatt mit 24 Bildern und aus einem starken Untergrundkarton mit einem Steindruck. Auf der Vorderseite dieses Kartons waren die 24 Felder mit Zahlen und Texten versehen. Die Kinder lasen den Text des Feldes und schnitten täglich eines der dazugehörigen Bilder aus dem Blatt aus, um es auf den Karton zu kleben. Am 24. Dezember war schließlich der Bilderbogen vollständig. Die jetzt zugeklebten Verse der Vorderseite waren auch auf dieRückseite des Kartons gedruckt. [5]

Zur Einstimmung auf die bevorstehende Weihnachtszeit findet in einigen Regionen das traditionelle Adventssingen statt. Zur Vorweihnachtszeit gehört die Weihnachtsbäckerei mit Lebkuchen, Spekulatius und Christstollen, der seit dem Jahr 1329 bekannt ist. Ihre Tradition haben ebenfalls die Weihnachtsmärkte, die vielerorts zur Adventszeit stattfinden. Der älteste deutsche Weihnachtsmarkt ist der Dresdner Striezelmarkt – bekannt nach dem traditionellen Stollengebäck – der bereits 1434 erwähnt wurde. [3]

ANMERKUNG
[1] Manfred Becker-Huberti/Ulrich Lota, KATHOLISCH (A-Z),

Ein Handlexikon, Verlag Herder, Freiburg (Breisgau) 2009,

Seite 14.

[2] Hans-Peter Ebert, Festtage zum Nachlesen (Hintergründe

zu Zeitrechnung und Brauchtum), DRW-Verlag, Leinfelden-Echterdingen 2001, Seite 110.

[3] Die wichtigsten Gedenk- und Feiertage (Religiöse und nationale Feiertage weltweit), Chronik Bertelsmann, Wissen Media Verlag, Gütersloh/München 2009, Seiten 68 + 69.

[4] KIRCHENGESCHICHTE von Karl Bihlmeyer und Hermann Tüchle,

Erster Teil: Das christliche Altertum, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 1951, § 69,2.

[5] wie [2], jedoch die Seiten 108, 111/12.

gescheiterte Weimarer Republik *J. Theobald

Über die gescheiterte Weimarer Republik ist schon relativ viel geschrieben worden. Doch eines scheint
richtig zu sein, dass zwischen der Basis (der breiten Öffentlichkeit) und dem Überbau (der Weimarer Koalition) offenbar kein recht harmonisches Verhältnis bestand.  

Zunächst fegt die Novemberrevolution des Jahres 1918 in Deutschland die wilhelminische Ordnung hinweg. Arbeiter- und Soldatenräte gehen für die Republik auf die Straßen.  

Aufständische Matrosen des 3. Geschwaders wählten im norddeutschen Kiel einen Soldatenrat, der die Macht in der Stadt übernimmt. Die Forderungen des Soldatenrates, die von SPD und USPD unterstützt werden, leiten im Vorfeld die Revolution im Deutschen Reich ein. Zunächst ging es ausschließlich um eine Milderung der militärischen Disziplin und um eine Rücknahme von Befehlen. Doch zu einem späteren Zeitpunkt hat sich diese Militärrevolte zu einer revolutionären Bewegung entwickelt, die sich auch im Süden ausbreitete und damit weite Teile der Bevölkerung erfasste. Nach dem Beispiel der Bildung von Soldatenräten gründete die Arbeiterschaft in den Industriebetrieben ebenfalls Arbeiterräte, die sich mit den Soldaten verbündeten. Arbeiter- und Soldatenräte übernehmen die Exekutivgewalt, d. h. sie treten an die Stelle der örtlichen militärischen Generalkommandos. In der Praxis be- sitzen diese aber kein eigenständiges Konzept für eine Umgestaltung des Staates, befürworten jedoch die Zusammenarbeit zwischen der Mehrheits-SPD und der USPD. Die politische Führung in den Orten, die von den Räten beherrscht werden, liegt in der Hand von Parteiorganisationen beider sozialdemokratischer Parteien. Zunächst ruft Kurt Eisner, Vorsitzender der Münchner USPD, im Bayerischen Landtag am 7. November 1918 den republikanischen „Freien Volksstaat Bayern“ aus. Weiterhin wird am 9. November 1918 die Reichshauptstadt von der Revolution erfasst. Die Arbeiter- und Soldatenräte dort stellen aber ihre bewaffnete Macht den Mehrheits-Sozialdemokraten zur Verfügung. Damit ist jetzt der Machtkampf zwischen der Mehrheits-SPD und dem äußersten linken Flügel, der USPD, bezüglich der Führung der revolutionären Erhebung und die zukünftige Gestaltung des deutschen Staates entschieden.

 Im Reichstag geht um 14.00 Uhr die Nachricht ein, Wilhelm II. sei bereit, als deutscher Kaiser abzudanken. Der Reichskanzler Max von Baden ernennt den sozialdemokratischen Politiker Friedrich Ebert zum Kanzler und tritt zurück. Von einem Balkon des Reichstags ruft dann ein Abgeordneter der Mehrheits-SPD mit Namen Philipp Scheidemann um 14.00 Uhr die deutsche Republik aus. [1]  

Die Lage in Deutschland war aber zu dieser Zeit äußerst schwierig. So herrschte Hunger, ein Millionenheer musste in die Heimat zurückgeführt und die Soldaten in das zivile Leben integriert werden. Die Wirtschaft war durch den beendeten I. Weltkrieg völlig ruiniert, die Staatsfinanzen waren zerrüttet. Hinzu kamen die Belastungen durch die harten Bedingungen des Versailler Friedensvertrages und die mentalen Folgen einer von weiten Teilen der Bevölkerung nicht erwarteten Niederlage.  

Nach der Ausrufung der deutschen Republik übernahm zunächst ein „Rat der Volksbeauftragten“ aus je drei Vertretern von Mehrheits-SPD und USPD die Regierungsge- schäfte. Gut zwei Monate später, am 19. Januar 1919, fanden die Wahlen zur verfassungsgebenden Nationalversammlung statt. Am 14. August 1919 trat die neue Verfassung in Kraft. In der neuen parlamentarischen Republik amtierte seit Februar 1919 als erster Reichspräsident der Sozialdemokrat Friedrich Ebert.  

Zwar hatten bei den Wahlen zur Nationalversammlung die SPD, das Zentrum und die als liberal geltende Deutsche Demokratische Partei (DDP) einen überwältigenden Wahl-sieg errungen. So kamen sie gemeinsam auf 76,1 % der Stimmen. Doch angesichts der wirtschaftlichen wie sozialen Lage, der Anfeindungen, der die Republik von links wie rechts ausgesetzt war, sowie der bestandenen außenpolitischen Belastungen war dieser Erfolg nicht zu wiederholen.  

Schon bei der ersten Wahl zum neuen Reichstag vom 6. Juni 1920 erlitten die Parteien der so genannten Weimarer Koalition eine schwere Niederlage. Sie erreichten nur noch 48 % der Stimmen. Die beiden republikfeindlichen Lager von links und rechts erzielten dagegen hohe Zugewinne. Stabile Koalitionen ließen sich daher von nun an kaum noch bilden, die für die Weimarer Republik so typischen häufigen Regierungswechsel waren die Folge.  

Zu den Schwierigkeiten der Regierungsbildung traten bis 1923 eine Serie von gewalttätigen Unruhen und Umsturz- versuche in verschiedenen Teilen des Reiches. Genannt sei hier zunächst der kommunistische „Spartakusaufstand“ mit Straßenkämpfen in Berlin im Januar 1919. Erwähnt sei hier auch auf rechter Seite der im März 1920 ausbrechende Aufstand der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) mit den Vertretern Wolfgang Kapp und General von Lüttwitz in der Reichshauptstadt Berlin. Letzterer Aufstand war so gewaltig, dass die Reichsregierung aus der Hauptstadt fliehen musste. Im März 1920 kam es im Ruhrgebiet sowie in Thüringen und Sachsen zu Kämpfen zwischen den sozialistischen und kom- munistischen Einheiten auf der einen Seite und den rechten Freikorps bzw. der Reichswehr auf der anderen Seite.  

Besonders schlimm war es im Krisenjahr 1923. Von Sachsen aus plante die KPD einen reichsweiten kommunistischen Umsturz, der allerdings nur in Hamburg durch Kämpfe seine heiße Phase erlebte. Am 9. November 1923 versuchten Adolf Hitler und Erich Ludendorff in München von der äußersten Rechten aus einen Umsturz zu erzwingen. Dazu kamen schließlich die politisch motivierten Mordanschläge auf den früheren Finanzminister Matthias Erzberger (26. August 1921) und den amtierenden Reichsaußenminister Walther Rathenau (24. Juni 1922). Beide fielen rechtsradikalen Attentätern zum Opfer.  

Dass sich die Unruhen nicht zum Bürgerkrieg ausweiteten oder dass das Reich nicht auseinanderbrach, lag nicht zuletzt daran, dass sich schon in der Anfangsphase der Republik in wichtigen Bereichen gemäßigte Kräfte durchsetzen konnten und die neue Regierung manchen Kompromiss mit den Repräsentanten des alten Deutschland einging. Also waren in den ersten Monaten nach dem verlorenen Krieg diejenigen Personen, die das Ziel einer parlamentarischen Republik verfochten, gegenüber den Kräften, die eine Räterepublik nach sowjetischem Vorbild anstrebten, eindeutig in der Überzahl. Schon im November 1918 hatte F. Ebert eine Loyalitätsbekundung der Armeeführung gegenüber der neuen Regierung erreichen können. Dabei hatte er sowohl die Unterstützung bei der Aufrechterhaltung der mi- litärischen Disziplin als auch die Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des „Bolschewismus“ zugesagt.  

In der Großindustrie kam es am 15. November 1918 innerhalb der „Zentralarbeitsgemeinschaft“ zu einer Vereinbarung mit den Gewerkschaften, in der auch wichtige Arbeitnehmerrechte festgeschrieben werden konnten. Dadurch sollte eine soziale Konfrontation im Zuge der revolutionären Entwicklungen verhindert werden. [2]

Auf kommunistischer Seite vertrat man die Meinung, dass in Deutschland der Parlamentarismus politisch noch nicht erledigt sei, dass die Beteiligung an den Parlamentswahlen und am Kampf auf der Parlamentstribüne für die Partei des re- volutionären Proletariats unbedingte Pflicht sei, gerade um die rückständigen Schichten ihrer Klasse zu erziehen, gerade um die unentwickelte, geduckte, unwissende Masse auf dem Lande aufzurütteln und aufzuklären. [3] Doch in der Praxis hat man die Landbevölkerung kaum erreicht.     

Erst in den Jahren nach 1923 kam es zu einer relativen Stabilisierung der Republik. Wie die Ereignisse ab 1929 aber zeigten, konnte von einer wirklichen Konsolidierung nicht die Rede sein. So war die Zahl jener Gruppen klein geblieben, die den neuen Staat und seine Staatsform bejahten, ihm die Lösung der anstehenden Probleme zutrauten und auch bereit waren, ihn aktiv zu unterstützen. Mit dem Einsetzen der Weltwirtschaftskrise, die schwere wirt- schaftliche und soziale Erschütterungen brachte, bekamen die radikalen Parteien enormen Zulauf. Vor allem im mehr rechten Spektrum konnte sich die von Adolf Hitler geführte NSDAP etablieren. Denn viele Menschen suchten nach einfachen und klaren Lösungen der vielen Probleme, mit denen Deutschland in der Zwischenkriegszeit zu kämpfen hatte. So galt die NSDAP als unverbraucht, der man am ehesten die Beseitigung der Schwierigkeiten zutraute. Doch war dies der Anfang vom Ende, da die NSDAP später nach für sie günstigen Wahlen immer mehr zur Macht griff. Nach dem „Ermächtigungsgesetz“ vom 24. März 1933 war ihr Weg frei zur alleinigen Macht. Denn jetzt konnte Hitler ohne das Parlament und ohne den Reichspräsidenten die für ihn notwendig erachteten Gesetze erlassen. Allein die SPD stimmte gegen das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“. Die KPD stand in Deutschland vor ihrer Zerschlagung. [4]  

Bei den Kommunisten standen die Politiker der SPD in der ständigen Kritik. So machte der Begriff „die Scheidemänner“ hier immer mehr die Runde. Denn diese setzten auf den Berufsparlamentarismus. Die Gegner seien von ihnen als Anarchisten verschrien. Die Sozialdemokraten vom Schlage Scheidemanns fühlten sich allerdings von den Sowjets angewidert. Allein vom wohlanständigen bürgerlichen Parlament fühlten sie sich angezogen. Denn in den Augen der Kommunisten galt Philipp Scheidemann (1865-1939) als einer der Führer des extrem rechten, opportunistischen Flügels der SPD. Während der Novemberrevolution von 1918 sei dieser ein Inspirator der übelsten Agitation gegen den Spartakusbund gewesen. [5]

 NACHTRAG  

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten kam das Ende der Weimarer Republik. Die ehemals freien Gewerkschaften wurden verboten. An deren Stelle trat die Deutsche Arbeitsfront (DAF). Dem Parlamentarismus wurde ein Ende gesetzt. Die nationale Wirtschaft bekam autarke Strukturen. Gegenüber jüdischen Minderheiten ist eine systematische Vernichtungspolitik betrieben worden. Der durch die Weltwirtschaftskrise hervorgerufenen hohen Arbeitslosigkeit ist man dadurch begegnet, dass man im „Dritten Reich“ hier einen Sektor öffentlicher Beschäftigung, wie den „Reichsarbeitsdienst“ (RAD), ins Leben gerufen hat.  

ANMERKUNGEN

Fotoquelle: Vorwärts.de

 [1] Die große Chronik Weltgeschichte, Band 15, Wissen Media Verlag, Gütersloh/München 2008, die Seiten 160/61.             

 [2] BROCKHAUS, Weltgeschichte seit der Aufklärung, Leipzig-Mannheim 2006, Seiten 214/15.  

[3] W. I. Lenin, WERKE, Band 31, Dietz Verlag, Berlin- Ost 1983, Seite 44.   

 [4] wie [2], jedoch die Seiten 215/16, 257/58.  

[5] W. I. Lenin, Ausgewählte Werke in einem Band, Verlag PROGRESS, Moskau 1986, Seiten 320, 470 + 847.

FRIEDRICH EBERT (REICHSPRÄSIDENT, 1919-1925) -Quelle: Bundesarchiv

Gründung neuer Dachverband

 
Am 05.11.2022 wurde im Wachlokal des Lauterer Artillerie Korps ein Dachverband für die Karnevalsgesellschaten Saarlouis gegründet. Nach Begrüßung der Anwesenden durch Michael Schleich und Festlegung der Anzahl der stimmberechtigten Teilnehmer*innen wurde Oberbürgermeister Peter Demmer als Versammlungsleiter gewählt. Nach Genehmigung der Tagesordnung, Aussprache über die Gründung des Dachverbandes, Beratung und Verabschiedung einer Satzung wurde das Präsidium gewählt.
 
Als Präsident wurde Michael Schleich, Vizepräsident und zuständig für Finanzen Markus Krampl, Vizepräsident für Brauchtum Hans-Günter Optenhöfel, Vizepräsident Verwaltung Christian Demmer, Vizepräsident Jugend Ramona Kammer-Symanneh, Kassenprüfer Hans-Werner Dillschneider und Petra Schwarze gewählt. Danach stimmte die Versammlung über den Namen des Dachverbandes ab.
Der Name des neuen Dachverbandes lautet Saarlouiser Narrenrunde.

Weltkindertag – © Rodena Heimatkundeverein e.V.

Blumentraum –  Bastelei für Klein und Groß mit Betty

Aktionswochen zum Weltkindertag

„Gemeinsam für Kinderrechte“

Donnerstag, den 01.09.2022 findet im Donatuszentrum, Schulst. 7, Raum 3 VHS, 66740 Roden, von 14.00 – 16.00 Uhr Blumenbasteln mit Betty statt.

Die Teilnehmer werden mit selbstgebackten Muffins belohnt.

Anmeldung bis spätesten 25.08.2022 unter den Telefonnummern:   0176 465 12 841 oder 0162 460 86 59 Rodena Heimatkundever

1988 Saarlouis in Zahlen

Geographische Lage:

Zentrum (Großer Markt) 6° 45′ östliche Länge und 49° – 19′ nördlicher Breite

Höchster  Punkt: Geißberg im Stadtteil Lisdorf 263,3 m über Meereshöhe

Gesamtfläche: 4324 Hekktar

Bevölkerung: (Stand 31. 12. 1987:)

Innenstadt         6978

Roden  8654

Fraulautern        7878

Lisdorf  3202

Beaumarais        4025

Picard   1091

Neuforweiler    1643

Steinrausch

Einwohner insgesamt: 37 542

davon Ausländer  2540 

Straßennetz:    

Gesamtlänge 186,7 Kilometer  

Sportanlagen:  

1 Hallenbad, 2 Freibäder,  13 Sport­ und Turnhallen, 5 Mehrzweckhallen, 8 Hartsportplätze, ein Rasenplatz, 3 Leichtathletikanlagen,  5 Tennisanlagen, 3 Tennishallen, 3 Schießsportanlagen, ein Bogenschießplatz, eine Rollschuhbahn, eine Reithalle, ein Boule­ Platz, eine Minigolf-Anlage.

Gewerbebetriebe:

222 Einzelhandelsbetriebe, 58 Großhandelsunternehmen, 80 Baugewerbe treibende, 49 Versicherungsvertretungen, 41 Immobilienkaufleute, 44 Elektrobetriebe, 66 Handelsvertretungen, 4 Ingenieur- und Architekturbetriebe, 15 Banken, 31 Maschinenbaubetriebe, Stahlbauunternehmen, 646 sonstige Dienstleistungsbetriebe (alle Angaben nach Unterlagen der Stadtverwaltung)

Quelle: Saarbrücker Zeitung 1988

 

1988 Saarlouis in Zahlen

Geographische Lage:

Zentrum (Großer Markt) 6° 45′ östliche Länge und 49° – 19′ nördlicher Breite

Höchster  Punkt: Geißberg im Stadtteil Lisdorf 263,3 m über Meereshöhe

Gesamtfläche: 4324 Hekktar

Bevölkerung: (Stand 31. 12. 1987:)

Innenstadt         6978

Roden  8654

Fraulautern        7878

Lisdorf  3202

Beaumarais        4025

Picard   1091

Neuforweiler    1643

Steinrausch

Einwohner insgesamt: 37 542

davon Ausländer  2540 

Straßennetz:    

Gesamtlänge 186,7 Kilometer  

Sportanlagen:  

1 Hallenbad, 2 Freibäder,  13 Sport­ und Turnhallen, 5 Mehrzweckhallen, 8 Hartsportplätze, ein Rasenplatz, 3 Leichtathletikanlagen,  5 Tennisanlagen, 3 Tennishallen, 3 Schießsportanlagen, ein Bogenschießplatz, eine Rollschuhbahn, eine Reithalle, ein Boule­ Platz, eine Minigolf-Anlage.

Gewerbebetriebe:

222 Einzelhandelsbetriebe, 58 Großhandelsunternehmen, 80 Baugewerbe treibende, 49 Versicherungsvertretungen, 41 Immobilienkaufleute, 44 Elektrobetriebe, 66 Handelsvertretungen, 4 Ingenieur- und Architekturbetriebe, 15 Banken, 31 Maschinenbaubetriebe, Stahlbauunternehmen, 646 sonstige Dienstleistungsbetriebe (alle Angaben nach Unterlagen der Stadtverwaltung)

Quelle: Saarbrücker Zeitung 1988

AUTOBIOGRAPHIE

AUTOR: Josef Theobbald

Am 6. Juli 1956 wurde ich geboren. 1963 wurde ich eingeschult.
Mein Klassenlehrer war Elmar Hein. 1/2 Jahr war ich ich Hörstein
(Unterfranken). Danach 4 Jahre in den Ordensinternaten Taben-
Rodt und Bous. Von 1972 bis 1976 war ich in der Handels- bzw.
Höheren Handelsschule in Saarlouis. Wegen meiner Behinderung
machte ich meine Berufsausbildung im Berufsförderungswerk Hei-
delberg.

1983 ist mein Großvater gestorben, bei dem ich ab 1960 wohnte.
Meine Tante und meine Anverwandten hatten mir leider das Wohn-
haus nicht gegönnt und jahrelang mich mit Pflichtteilsprozesssen
übezogen. Meine Tante hatte 1989 ihr Elternhaus übernommen.
Ich zog neben ihr altes Haus.

Von 1982 bis 1985 studierte ich an der Fachhochschule des Saar-
landes (HTW Saar) Betriebswirtschaft. 1985 wurde ich Mitglied im
Ortsvorstand des Sozialverbandes VdK und dadurch Mitarbeiter in
der Landesgeschäftsstelle in Saarbrücken.Dort war ich auch über
25 beschäftigt.

Durch mein Kurzwellenhobby bin ich in den Achtziger Jahren in die
Free-Radio-Szene gerutscht und arbeitete für RADIO VICTORIA, der
legendäre Kurzwellenmusikstation 1983-1985, als Zuträger kleiner
Beiträge, die im Free-Radio-Fanzine veröffentlicht wurden. Kurze
Zeit übernahm ich auch eine Rubrik im Radio-Kurier der ADDX e. V.

Dann schloss ich mich FM-KOMPAKT an (Gründer. THOMAS KIR-
CHER aus Heilbronn). Leider musste ich diese Arbeit wegen der
Verlegung meiner Arbeitszeit um 1 Stunde aufgeben. Nach Fei-
erabend fehlte wirklich die Zeit.

Schon während meines Studiums war ich Mitglied der Redaktion der
RENAISSANCE, einer Studentenzeitschrift.

Heute kenne ich GERD THIEL von ehemals RADIO FORUM in Forbach.
Dieser betreibt heute das Internet-Radio PMP1 und verkauft produziert
Rundfunk- und TV-Werbung (http://www.promediaplan.de.) u. a. für den
SR, Radio Salu.

Meine Interessensgebiete waren stets der Kurzwelllenempfang, die
Kirchengeschichte, chrisristliche und jüdische Theologie bzw. die So-
zialismusgeschichte. In den Siebziger Jahren war ich stark geprägt
z. B. von Radio HCJB und der Stimme der Hoffung (Voice of Hope).
Deshalb verfüge ich über ein breites Spektrum an Wisssen, das ich
von nun an in den Beiträgen für den RODENA Heimatkundeverein
einsetzen konnte. In den Achtziger Jahren erschienen zunehmend
auch jüdische Buchtitel. Das war eine ideale Grundlage für den Hei-
matkundeverein. Dort wurde ich als Schriftführer nachgewählt und
bin jetzt nun über 10 Jahre dabei.

DIE BEDEUTUNG DES ELLBACHS

AUTOR: Josef Theobald

VORWORT

Gemachte Entdeckungen in den Siebziger Jahren sorgen heute für
einigen Wirbel. Es geht um die alte Ortsbezeichnung RODONUM.
Damit eng verbunden ist endlich die leidige Diskussion um den ur-
sprünglichen Ortsnamen von RODEN.

Ich kann aber Professor Thomas Gergen aus RODEN wohl in weiten
Teilen zustimmen, wenn er ausführt:

„Natürlich besteht bei ‚Roden‘ auch der Anklang an die Farbe ‚rot‘.
In Flurnamen taucht rot, ahd., mhd., mnd., in diesem Sinne auf, so
etwa wird um 1325 ein Flurname by deme rodin steyne = beim roten
Stein überliefert. In Roden gibt es die roten Sandfelsen östlich der
Bergstraße bzw. am Park, in Richtung Dillingen die ‚Sandkaul‘. Der
Sandkaulberg (Roterberg) hatte eine Bergspitze, wo über lange Zeit
hin Kies und Sand abgetragen wurden. In Roden gab es früher zahl-
reiche Kiesgräber und Bauunternehmungen sowie eine Backstein-
und Ziegelfabrik. Zweifellos trägt der ‚Röderberg‘ als Flurname die
Farbe ‚rot‘ in sich; der Name dürfte allerdings erst im Mittelalter ent-
standen sein. Der Bach- und Siedlungsname für Roden ist indes vor-
germanisch respektive keltischen Ursprungs.“ [Roden, Rodenerbach,
Ellbach (Zur Problematik von Entstehung, Kontinuität und landesrecht-
licher Grundlage der Orts- und Gewässernamen)]

So vermute ich bei dem Namen „Rodonum“ im militärischen Sinne
eine keltische Befestigung oder Verschanzung. Da zu dieser Zeit
die gallo-römische Kultur weit verbreitet war, ist dies der wohl ur-
sprüngliche Name von RODEN. Doch hat die lateinische Sprache
im Laufe der Jahrhunderte einige Veränderungen durchgemacht,
insbesondere bei der Änderung von Vokalen. Demnach scheint
gesichert, dass der heutige Ortsnamen fränkischen Ursprungs
ist. Denn bei den Franken lebte die römische Kultur weiter fort.
Nicht umsonst waren viele Franken in römischen Diensten.

BEITRAG

Vor der Urbarmachung des RODENER Bannes war das heutige
Siedlungsgebiet ein Auwald oder ein Feucht-Biotop. Hier gab es
einen Lebensraum, der von einer Lebensgemeinschaft oder von
einer bestimmten Organismenart besiedelt war. Somit können wir
heute hier von einem frühen Ökosystem sprechen. [1]

So gibt dieser Auwald RODEN seinen eigentlichen Namen. RODEN
ist eine Ableitung vom keltischen „roudo-„, das dem deutschen Wort
„rot“ entspricht. [2] Neben der Farbe „rot“ hat dieser Terminus auch
die Bedeutung von „Roth“ (Rode), das auf dichtes Gebüsch, Unter-
holz oder auf einen Wildzaun hindeutet. Sonst ist an eine Rodung
oder an ein gerodetes Gebiet (althochdeutsch: „rod“) zu denken. [3]

Seinen Namen hat der ELLBACH von den Erlen- oder Ellernbäumen
(norddeutsch) am Bachufer. Im Singular trägt diese Baumart den bo-
tanischen Namen „alnus“.

Vor der Begradigung des Bachbettes in den Siebziger Jahren im
Rahmen des Hochwasserschutzes konnte man hier auch noch
von einem natürlichen und idyllischen Bachlauf sprechen, der
allerdings regelmäßig im Frühjahr durch die Gefahr häufiger
Überschwemmungen betroffen war. So hatten nicht wenige
Häuser Wasser im Keller, außer die jeweiligen Hauseigentümer
hatten die Bachufer vorher künstlich mit Schutt oder Sand höher
gelegt. Durch die höheren Böschungen und die Schutzmauern
sank allerdings der Grundwasserspiegel erheblich, was Risse
an den Giebeln einiger Häuser mit sich brachte. Schließlich in
den Achtziger Jahren fanden hier von der Bundesanstalt für
Wasserbau in Karlsruhe durchgeführte Bohrungen statt.

Am ELLBACH finden sich seit dem 16. Jahrhundert erste
Mühlenbetriebe, wie die Kirchen- oder Abelsmühle (1593).
Infolge des in RODEN betriebenen Gerberhandwerks ist
bereits für das Jahr 1618 eine Lohmühle nachweisbar. Im
Jahr 1685 wurde am Unterlauf des Baches eine zweite Loh-
oder Gerbmühle errichtet. Als Hintergrund hierfür stand offen-
bar ein gesteigerter Bedarf an Lohe-Material. Im Jahre 1886
wich sie wieder einer Ziegelei, die schließlich aber 1976 ab-
gerissen wurde (Ziegelei Diete). Die spätere Böttler-Mühle
wurde wahrscheinlich um das Jahr 1750 gebaut und hatte
im Laufe der Zeit verschiedene Besitzer. Anfang der Acht-
ziger Jahre mussten die Gebäude dieser Mühle einer Neu-
bausiedlung weichen. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts
entstand am Zufluss in die Saar die Saarmühle, die 1872
umgebaut und modernisiert wurde. 1927 ist allerdings die
Mühle bis auf die Grundmauern niedergebrannt und nicht
wieder aufgebaut worden. Die wohl bekannteste Mühle ist
die seit 1767 überlieferte Schillesmühle (Mühle des Jakob
Schille). In der preußischen Zeit arbeitete sie hauptsächlich
für das Proviantamt. Nach dem I. Weltkrieg verlor sie ihren
Absatzmarkt und ging fast gänzlich ein. Eine kurze Blütezeit
erlebte sie während des II. Weltkrieges, als sie modernisiert
und technisch erneuert wurde. Durch die Kriegswirren wurde
die Mühle allerdings wieder zerstört.

Als im Jahre 1866 in RODEN nun eine verheerende Cholera-
Epidemie auftrat (Ursache war mangelnde Hygiene), besann
man sich auf die Reinigungswirkung des Wassers und baute
vor der Eingemeindung nach Saarlouis (1907) ein Wasserwerk
am Oberlauf des ELLBACHs mit dem Anschluss eines Systems
von Kanal- und Wasserversorgungsanlagen, dessen Überreste
man heute noch betrachten kann. [4]

NACHTRAG

Im Laufe der nachchristlichen Jahrhunderte ist die Befestigung
„Rodonum“ aufgegeben worden und die Ortsmitte auf den heu-
tigen Marktplatz verlegt worden. Frühere Ausgrabungen beleg-
ten unter der alten Pfarrkirche eine römische Kultstätte. Wie wir
wissen, wurden solche Gebäude in unseren Regionen nicht ab-
gerissen, sondern als Monumente aus der Vorzeit erhalten. Die
Kultstätten, die als Tempel direkt den Göttern gewidmet waren,
wurden hier ab dem siebten Jahrhundert der Verlassenheit an-
heimgegeben. Nachdem diese Relikte aus früherer Zeit doch
verfielen, ging man daran, die bestehenden Fundamente wie-
der durch Gebäude mit christlicher Symbolik auferstehen zu
lassen. [5]

ANMERKUNGEN
[1] Meyers Lexikon der Naturwissenschaften, Meyers LEXI-
KONVERLAG, Mannheim 2008, Seite 81.
[2] Bernhard Maier, Kleines Lexikon der Namen und Wörter
keltischen Ursprungs, Verlag C. H. Beck, 3. Auflage 2010,
Seiten 102/3.
[3] Historisches Siedlungsnamensbuch der Pfalz, Verlag der
Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften,
Speyer 1991, Seiten 401 + 394.
[4] Geschichte der Kreisstadt Saarlouis, Band 6: Roden
(Traditionsbewusstes Dorf und moderner Stadtteil), Autor:
Marc Finkenberg, Herausgeber: Kreisstadt Saarlouis (1997),
die Seiten 81, 82 + 124.
[5] Hartmann Grisar, Geschichte Roms und die Päpste im Mit-
tel
alter, Erster Band: „Rom beim Ausgang der antiken Welt“,
im Nachdruck des Georg Olms Verlages, Hildesheim usw. 1985,
Textnummern 11 + 12.

KATHARINA KEST – DIE LETZTE SCHLOSSHERRIN IN DILLINGEN

AUTOR: Josef Theobald

In einem Prolog zu einer saarländischen Sage heißt es: „Die Fürstin
Katharina von Nassau-Saarbrücken, als welche sie in Saarbrücken
vollkommen anerkannt und tituliert worden ist, der das Volk den po-
pulären Namen des ‚Gänsegretel’s von Fechingen‘ gegeben hat, war
von einfacher, ja dörflicher Herkunft und stammte aus der Familie Kest
(Köst) von Fechingen. In ihrer Jugend war ihr von einer Zigeunerin ge-
weissagt worden, dass sie einmal einen Witwer heiraten würde, der sie
zur ersten Frau im Lande machen würde.“ [1]

Nachdem die Burg in Dillingen mehrmals den Besitzer wechselte, erwarb
1798 Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken für 225.000,– Franken das
Schloss und ließ dieses nach den Plänen seines Baumeisters Balthasar
Wilhelm Stengel von dem Werkmeister Johann Adam Knipper wiederher-
stellen, die Herrschaft zum Herzogtum erheben und schenkte es seiner
zweiten Frau, der Katharina Margarethe Kest von Fechingen, seit 1783
Reichsgräfin von Ottweiler. [2]

In der Historie der Grafen und Fürsten von Nassau-Saarbrücken steht
Fürst Ludwig (1768-1793) in der Bedeutung hinter seinem Vater Fürst
Wilhelm Heinrich. Er habe sich in der Hauptsache darauf beschränkt,
das spielerische Dasein eines Rokokofürsten zu genießen, sich an
Jagd, Theater und Soldatenspielerei ergötzend und das Regieren
im wesentlichen seinen Räten überlassend. Während seiner Zeit
wurde die Arrondierung der Grafschaft Saarbrücken weitergeführt.
Auch war Fürst Ludwig der letzte regierende Herrscher. Vor den
Wirren der Französischen Revolution fliehend, starb dieser am
2. März 1794 in Aschaffenburg. [3]

Die Beliebtheit, die also dem Fürsten Ludwig fehlte, brachte die
zweite Frau Katharina Margarethe Kest mit. Georg Baltzer hat
in seinem Buch „Historische Notizen über die Stadt Saarlouis
und deren unmittelbare Umgegend“ eine kleine Biographie
angefügt: „Sie war geboren zu Fechingen am 1. März 1757,
stammte aus armer und niederer Familie, hatte späterhin ei-
nige Bildung erhalten und wusste sich in höheren Kreisen mit
solchem Anstand zu benehmen, dass ihr früherer Stand nicht
bemerkbar war. Katharina zeigte viele Bescheidenheit und Gut-
mütigkeit in ihrem Charakter, mischte sich nicht in Regierungs-
angelegenheiten und suchte nur dem Fürsten zu leben. Bereits
im Jahre 1781 versicherte der Fürst für seine mit ihr erzeugten
Kinder eine Summe von 70,000 Gulden auf der Rentkammer zu
Saarbrücken, wovon sie alljährlich die Zinsen mit 3500 Gulden
zu beziehen hatte und schenkte ihr in der Folge die Herrschaft
Dillingen, die zwar in der Revolutionszeit sequestiert, aber wie-
der zurückgegeben und von ihr verkauft wurde. Die Verhältnisse
ihrer sieben Kinder übergehen wir, da die Söhne ohne Nachkom-
men verstorben sind; sie führten den Titel: Herzöge von Dillingen
und Reichsgrafen von Ottweiler. Katharina selbst starb zu Mann-
heim am 11. Dezember 1829 in ihrem 72. Lebensjahr.“ [4]
Wie kam es zu dieser Heirat? Man kann heute nur darüber
spekulieren. Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken gehörte
als Freimaurer der St. Heinrichs-Loge in Saarbrücken an und
muss daher als ein freisinniger Herrscher gegolten haben, bei
dem es kaum gesellschaftliche Schranken gegeben hat. Er ließ
sich in seiner Regierung weitgehend von dem Gedankengut der
Aufklärung bestimmen und gehörte noch weiteren Logen an. [5]
Vielleicht war es daher die einfache Art von Katharina, die ihn an
diese Person band. Sie war eben eine für damalige Verhältnisse
außergewöhnliche Frau.

Dadurch, dass Wilhelm Marzloff von Braubach, Patron zu Dillingen
und Wallerfangen, Rat des Herzogs von Lothringen, Präsident der
Assisen zu Wallerfangen und Gouverneur der Festung Wallerfangen,
seit 1591 auch als Grundherr von Roden gelten kann, ist das Schick-
sal mit der Burg in Dillingen eng verknüpft. So hat die alte Familien-
tradition überlebt, dass Vorfahren von mir im Dienst der Herzogin
standen und daher eine Parzelle des Anwesens auf dem Gelände
des alten Rodener Schlosses zu Wohnzwecken geschenkt bekamen,
wie Herzogin Katharina von Dillingen auch 1806 (1808) ihren Besitz
(1600 Morgen Wald und 400 Morgen Gärten, Äcker und Wiesen) an
die Dillinger Hütte zu Wohnzwecken verkaufte. [6]

Heute ergibt sich die Schwierigkeit, diese Schenkung nachzuweisen.
Einen Anhaltspunkt gäbe das Katasterwesen. Nach Recherchen im
Internet ergäbe sich für Frankreich in der fraglichen Periode folgende
Entwicklung:

„Auf Grund des Gesetzes vom 15. September 1807, welches der
Ursprung des französischen Parzellenkatasters ist, arbeitete eine
Kommission von neun Mitgliedern unter dem Vorsitz des Mathe-
matikers Delambre, ständigem Sekretär der Akademie der Wissen-
schaften, die Grundsätze aus, nach denen das Parzellenkataster
ausgeführt werden sollte und die zum Edikt vom 27. Januar 1808
führten. Dem Edikt, welches die Grundsätze genehmigte, folgte die
dazu gehörige Generalinstruktion vom 20. April 1808. Die zur Aus-
führung der Arbeiten ergangenen Gesetze, Verordnungen und In-
struktionen wurden vom Finanzminister im Jahre 1811 als „Receuil
méthodique des Lois, décrets, règlements, instrucrions et décisions
sur la Cadastre de la France; approuvé par le ministre des finances“
(Es war eine Umarbeitung der fünf Bände der „Collection des lois sur
le Cadastre de France“) herausgegeben, einem Werk, an dem zwölf
Generalinspektoren des Katasters mitwirkten, mit nicht weniger als
1’444 Artikeln auf rund 400 Seiten, aus dem einzelne Bestimmungen
wörtlich, andere verbessert in die Anweisung VIII vom 25. Oktober
1881 übernommen worden sind.

Nach dem Receuil méthodique wurden die Arbeiten bis zum Jahre
1813 fortgesetzt. Der Wert war unterschiedlich, am besten im Rhein-
und Moseldepartement und an der Saar.“ (nach Helmuth von Strombeck,
Hamburg)

So müssten erfolgversprechende Nachforschungen in Nancy, also in
der Hauptstadt der Region Lothringen, erfolgen.

Was die Bewirtschaftung ihrer Grundherrschaft angeht,
gingen einige
Grundherren dazu über, diese an kapital-
kräftige Herren zu verpachten,
die meist die großen
Flächen kommerziell ausbeuteten und dafür sehr
hohe
Abgaben, 1/3 bis die Hälfte der Ernte, entrichteten.
Also kamen
kleine Bauern als Pächter kaum in Frage.
[7] Während der Jahre der
Französischen Revolution
verpachtete der Staat die unter Sequester
stehenden
Grundherrschaften. [8]

ANMERKUNGEN
[1] Karl Lohmeyer, Die Sagen der Saar von ihren Quellen bis zur
Mündung, Minerva-Verlag Thinnes & Nolte, Nachdruck, Saarbrücken
1989, Seite 145.
[2] Geschichtliche Landeskunde des Saarlandes, Band 1, Minerva-
Verlag Thinnes & Nolte, Saarbrücken 1978, Seite 150.
[3] Geschichtliche Landeskunde des Saarlandes, Band 2, Selbst-
verlag des Historischen Vereins für die Saargegend e. V., Saar-
brücken 1977, Seite 313/14.
[4] Nachdruck der Ausgabe von 1865, Queißer Buchhandels- und
Verlagsgesellschaft, Dillingen 1979, Anhang: Seite 151.
[5] wie [2], Anmerkung zur Bildtafel „Abb. 42“. Freimaurer m.:
Angehöriger einer übernationalen Gemeinschaft mit humanitärer
Zielstellung (18. Jh.). Der in England gegründete Geheimbund
bedient sich der Symbole und Bräuche mittelalterlicher Bauhüt-
ten, aus denen sich der Name herleitet, engl. freemason, frz.
franc-macon… (Etymologisches Wörterbuch der Deutschen, EDITION
KRÄMER, Akademie Verlag GmbH, Berlin 2010, Seite 372)
[6] wie [2], jedoch die Seite 149/50.
[7] DER ADEL VOR DER REVOLUTION, Eberhard Weis, Der französische
Adel im 18. Jahrhundert, Kleine Vandenhoeck-Reihe, Göttingen 1971,
Seite 36. „Albert Soboul … beziffert an Hand einer Anzahl neuerer
Einzelforschungen die Belastung durch die grundherrschaftlichen
Abgaben für die Bauern auf etwa 2 bis 20 % des Reinertrages der
Ernte, zu denen jedoch noch der Kirchenzehent, die Steuern und
die, allerdings meist niedrigen, Umlagen für die Gemeinde kamen.“
(Seite 40)
[8] Georg Baltzer, Historische Notizen über die Stadt Saarlouis
und deren unmittelbare Umgegend, Nachdruck der Ausgabe von 1865,
Queißer Buchhandels- und Verlagsgesellschaft, Dillingen 1979, An-
hang: Seite 152.

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