Damals – „Dienstleute im alten Saarlouis“

Vor langer Zeit sprach man von sterbenden Berufen. Wir haben uns die Zunft der Dienstmänner die auch Sackträger genannt wurden, herausgesucht. Dieser Beruf war eng mit unserer alten Stadt verbunden. Es wird unterschieden zwischen diesen Sackträger, ehrbaren Menschen und den notorischen Nichtstuern, den Eckenstehern.

Wir erinnern uns an die Sackträger – sie waren ehrliche Leute, von kräftiger Gestalt, etwas rauh, ein paar etwas grob – aber selbstbewusst. Sie standen an den Ecken des Marktes an der Deutschen und Französischen Straße und waren sehr hilfsbereit. Die Sackträger waren die „Dienstleute“ der kleinen Stadt. .Arbeiten wie Umzüge, Transporte, Kartoffeln einkellern, Kohlen in den Keller bringen, Besorgungen jeder Art gehörten zu ihrem Arbeitsbereich. Sie waren da wenn sie gebraucht wurden und erledigten dann sach- und fachgerecht ihre Arbeit. Besonderst gefragt waren die Dienstmänner an den Markttagen. Man hört nie etwas schlechtes über sie.

Unter den Dienstmännern gab es keinen Neid. Jeder von Ihnen hatte seine Kundschaft. .Die Großhändler ließen sie die Waggons entladen. Die Namen der Dienstmänner waren:

Damde – Sperling – Hähnchen – Hohe – Fougle – Latte Muth – Malsac – Asskocklemus – Memper Miller – Schneider – Thoma – der jengscht Muth.

Der Primus inter pares war „der dicke Damde“, ein breiter, stämmiger Mann. Trotz seines behäbigen Ganges besaß er genügend Autorität um bei einem größeren Einsatz von Sackträgern diese einzuteilen. Ihm wurden auch schwierige Arbeiten aufgetragen.

Damde war auch noch der Präsident des „Hämmelzpänzchen“. An Fasnachtsmontag und Dienstag sind diese Männer mit Frauenröcken maskiert und „met e Rido“ vor dem schwarzen Gesicht durch die Stadt gezogen und den „Hämmelspänzchen-Baal“ ankündigten sie als „de scheenste Baal of de Welt“. Damde sorgte für Ordnung beim „Hämmelspänzchen-Baal“ Die Besitzer des „Münchener Kindl“ Frau und Herr Först konnten sich auf ihn verlassen. Damde war der „Ballarrangeur“.

Der dicke Damde verkaufte nach der Ernte auch Zwiebeln an seine Kundschaft die mit den Lieferungen sehr zufrieden waren.

Die Männer ruhten sich im Sommer nach dem Essen auf den Kellertüren der Eckhäuser aus und schliefen den Schlaf der Gerechten. Wenn dann die Sonne einmal einem der Schläfer auf das Gesicht und die Hand brannte, sagte er wohl dem neben ihm stehenden Nachbar im Halbschlummer: „Leim er de Hand aus da Sonn!“ Andere Bewohner der Stadt diskutierten über die Tagesereignisse des „Städtchens“. Politik war damals nicht gefragt. Während der Arbeit priemten alle, hatten sie Ruhe „dämpten“ sie kurze Pfeifen.

Die Dienstmänner waren auch bei Beerdigungen gefragt. Sie trugen die Leiche in den Totenwagen und vom Totenwagen zum Grab. Damals gab es Beerdigungen der 1., 2., und 3. Klasse. Bei den Beerdigungen der 1. Klasse trugen sie schwarze Anzüge mit Zylinder.

In der 2. Klasse trugen die Dienstmänner einen schwarzen Rock und eine gewöhnlichen Hose. Bei Beerdigungen der 3. Klasse sah man schon an der Kleidung das dies die letzte Klasse war.

Die Männer gingen nach ihrer Arbeit in ihre Stammwirtschaften. Damals waren dies „bei de Bonne Günther“ onn „bei der Bernefeld“. Dort wurde wie auch bei allen besondert schweren Arbeiten „Lesler-Schnapes“, von der Branntweinbrennerei „Linslerhof“ getrunken. Der „Lesler-Schnaps“ hatte hohes Ansehen – es gab keinen Schnaps der besser war. Der Wirt hätte es nicht gewagt, den Männern anderen Schnaps auszuschenken.

Die Wirtschaft „Mamm Morant“ am Bahnhof hatte keinen „Lesler“ im Ausschank. Die Dienstmänner gingen dort nicht hin. Später kam der Schnaps von „Baluschel“ auf der dann von den Sackträgern getrunken wurde.

Den Preis für die Dienstleistungen musste man immer vorher abmachen – oder man das Nachsehen wie nachstehnden Geschichten entnehmen kann:

In einem Betrieb sollte eine Maschine, teilzerlegt, Gesamtgewicht 4.000 kg, entladen werden. Der Firmeninhaber bestellte den Sprecher der Dienstmänner und fragte diesen nach dem Preis. Dieser sah sich die Maschine und den Transportweg an und forderte für sich und seine Freunde 400,– RM. Dem Geschäftsführer war dieser Preis zu hoch und der Dienstmann sage: „Dann lad dir die Maschine selber ab – mir hann us Kraft (und er zeigte auf seine Armuskeln) net se verschenken“. Es wurde neu verhandelt und man einigte sich auf 250,– RM.

„Hähnchen“ wurde zur der Beamtenfamilie H. gerufen weil deren Hund krank war. Die Hausherrin sagte ihm sie habe gehört, er sei hundeverständig und habe schon manchen Hund gesund gemacht. Der Sachverständige (im Nebenberuf Hundefänger), sagte: „Genn mer de Hond ruhig for väerzehn Dag mit, dann es er kuriert“. Der Hund war völlig überfüttert und wenn er dort keine Kur gemacht hätte, wäre er bald eingegangen. Hähnchen nahm den Hund mit nach Hause und gab ihm nichts zu Fressen. Bellte der Hund ging der Hundearzt nicht sehr zart mit ihm um. Nach 14 Tage brachte er den Hund zur der Familie zurück die sich sehr bedankte und ihm 15,– RM in die Hand drückte. Im Kreise seiner Freunde erzählte „Hähnchen“, dass er en gudd Geschäft gemacht hat.

Das waren zwei Geschichten der letzten Vertreter einer Zunft – sie Leben alle nicht mehr und wenn die ältere Generation gestorben ist – und nichts aufgeschrieben ist, wird man nicht mehr von den Dienstmännern sprechen – und sie waren doch ein Stück der alten Stadt Saarlouis!

Quelle: Saar-Zeitung 1942

EINE FREIKIRCHLICHE GEMEINDE LÖST SICH AUF

AUTOR: Josef Theobald

Nach dem Tode von Herbert W. Armstrong (1892-1986) gab es
innerhalb der Weltweiten Kirche Gottes (WKG) sehr starke Ver-
änderungen. Zunächst wurden dessen Lehren verwässert. Das
Ziel der neuen Kirchenleitung, die aus russischen Einwanderern
bestand, war allerdings die Aufgabe der Lehren des Gründers
der Kirche. Man gab den Slogan heraus, dass die Christen unter
der Gnade Gottes stehen und deshalb nicht verpflichtet seien,
bestimmte Vorschriften der Kirche zu befolgen (Sabbat, Gottes
heilige Tage, Reinheit der Speisen usw.). Die Folge war daher
ein gewaltiger Mitgliederrückgang. Die Einnahmen der Kirche
brachen ein. Man war deshalb gezwungen, das Tafelsilber zu
verscherbeln (Auditorium, Universität). Letzter Akt war schließ-
lich der Verkauf der Rechte an den Schriften Herbert W. Arm-
strongs an die (Philadelphia) Posaune.

Ende der Neunziger Jahre wurde Carlheinz Hübner von dem
Verantwortlichen für Europa, Santiago Lange, als Leiter der
Gemeinde in Darmstadt eingesetzt. Darmstadt war zu dieser
Zeit ein Zentrum des Sabbatarismus in Westdeutschland. Im
Stadtteil Eberstadt befand sich das alte Medienzentrum der
Siebenten-Tags-Adventisten.

In der Kirche Gottes unter Andrew Dugger (1886-1975) war
die Ablehnung der Dreieinigkeitsglaubens eine zentrale Lehre.
Als Herbert W. Armstrong mit der Radioarbeit begann, hat er
diese und andere Lehren lediglich übernommen. In seinen
Schriften hat er diese Lehren nur weiterentwickelt.

Carlheinz Hübner wollte mit seiner resoluten Haltung die
Ablehnung des Dreieinigkeitsglaubens in der Gemeinde
Darmstadt unterbinden. Doch hatte dieser relativ wenig
Glück. Jahre später erfuhr der Autor, dass die Gemeinde
in Darmstadt nicht mehr existiert.

ANMERKUNG

Damals hatte sich der Autor intensiv mit der Sabbatarier-
szene beschäftigt. Aus diesem Grunde hatte er viele Jahre
Kontakt zu den diversen Gruppen in Darmstadt, Möckern-
Friedensau, Berlin, Bonn und Henley-in-Arden (UK). In
Großbritannien ist Herbert W. Armstrong immer noch hoch
im Kurs. Hier gibt es eine Campingplatz-Mission. Der ehe-
malige Leiter der WKG-Gemeinde in Darmstadt war aus
Eppelborn.

AM ASCHERMITTWOCH IST ALLES VORBEI

AUTOR: Josef Theobald

Seit dem 6. Jahrhundert bildet der Mittwoch vor dem sechsten
Sonntag vor Ostern den Auftakt zur österlichen Fastenzeit. [1]
An ihm soll nach Überlieferungen der Erzengel Luzifer aus dem
Himmel gestürzt worden sein. So vermied man in früherer Zeit,
neues Vieh in den Stall zu stellen, das Haus zu reinigen, das
Dorf zu verlassen oder den Wald zu betreten. [2]

Der Aschermittwoch (lateinisch: „Dies Cinerum“) erhielt seinen
Namen, weil in der Alten Kirche die Büßer an diesem Tag öffent-
lich mit Asche bestreut wurden. Nach der Einstellung der öffent-
lichen Buße lässt sich seit dem 10. Jahrhundert die Austeilung
des Aschenkreuzes an diesem Tag nachweisen. [1] Die Asche
steht seit jeher für Vergänglichkeit, Trauer und Buße.

Bis zum Hochmittelalter legten die Sünder an den Sonntagen
vor Ostern ein Bußgewand an und wurden mit Asche bestreut,
getreu dem Bibelzitat aus 1. Mose 3,19: „Bedenke Mensch, dass
du Staub bist und zum Staub zurückkehren wirst.“

Die Ostkirche kennt jedoch keinen Aschermittwoch, weil ihre
Fastenzeit bereits am Sonntagabend beginnt.

Die traditionelle Speise am Aschermittwoch ist der Hering, da
er gut mit dem Alkohol harmoniert, der meist an den vorherge-
henden Faschingstagen genossen wurde. [2] Ansonsten ist der
Aschermittwoch ein strenger Fast- und Abstinenztag. Fleisch
sollte an diesem Tag nicht gegessen werden. [1]

In der Politik hat sich die Tradition des „politischen Aschermitt-
woch“ eingebürgert, ein Tag, an dem sich gegnerische Parteien
auf Versammlungen zu einem heftigen Schlagabtausch treffen.
Ursprünglich stammt dieser Brauch aus Bayern, wo sich die
Bauern in Vilshofen an der Donau auf einem Rossmarkt trafen
und über Politik diskutierten. [2]

ANMERKUNGEN
[1] Becker-Huberti / Lota, KATHOLISCH A-Z, das Handlexikon,
Verlag Herder, Freiburg (Breisgau) 2009, Seite 26.
[2] Die wichtigsten Feier- und Gedenktage, Wissen Media Ver-
lag, Gütersloh/München 2009, die Seiten 22 + 23.

DER VALENTINSTAG

AUTOR:  Josef Theobald

Am Valentinstag gab es verschiedene Bräuche. In Frankreich
wurde in früheren Zeiten vor allem die Tradition der Liebes-
Lose gepflegt. In England entscheidet die erste Begegnung
am Morgen des Valentinstages darüber, wer der Valentin oder
die Valentine werden soll. In Deutschland sagte man, ein Mäd-
chen sähe in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar ihren Zu-
künftigen im Traum.

Besonders ausgeprägt sind die Valentin-Feierlichkeiten heute
in den USA. 1849 wurde hier die erste Grußkarte gedruckt, um
sie an diesem Tag einem geliebten Menschen zukommen zu
lassen. Inzwischen sind jedes Jahr zum 14. Februar rund eine
Million romantischer Postgrüße in den Staaten im Umlauf.

Die Tradition, am 14. Februar der Angebeteten Blumen zu
schenken, geht auf das Fest „Lupercalla“ zurück. Im antiken
Rom wurde damit der Göttin Juno als Schützerin von Ehe
und Familie gedacht. Die Männer und Frauen opferten der
Göttin Tiere und Getreidekuchen.

Ausgerechnet am 14. Februar ließ der römische Kaiser
Claudius im Jahre 269 n. Chr. den Bischof Valentin von
Terni hinrichten. Ihm ist vorgeworfen worden, Paare zu
trauen, die eigentlich nicht heiraten durften, entweder da
die Eltern nicht mit der Verbindung einverstanden waren
oder dass der Bräutigam ein Soldat oder ein Sklave und
ihm daher die Ehe somit verboten war. [1] Zur Bedrohung
wurde Bischof Valentin deshalb, weil er die verheirateten
jungen Männer vor dem Kriegsdienst bewahrte. [2] Aus
diesem Grunde machte die Obrigkeit mit Bischof Valen-
tin kurzen Prozess.

Die Gebeine des Märtyrers, der heute als Patron der
Liebenden verehrt wird, wurden im 18. Jahrhundert
von Italien nach Süddeutschland überführt und sind
noch heute in einem gläsernen Sarg in der Stadt-
pfarrkirche St. Michael im schwäbischen Krumbach
zu besichtigen. [1]

ANMERKUNGEN
[1] Die wichtigsten Feier- und Gedenktage, Wissen
Media Verlag, Gütersloh/München 2009, die Sei-
ten 18 + 19.
[2] Becker-Huberti / Lota, KATHOLISCH A-Z, das
Handlexikon, Freiburg (Breisgau) 2009, Seite
260.

 

ERINNERUNGEN AN ALTE ZEITEN

AUTOR: Josef Theobald

Als ich noch jung war, herrschte der “kalte
Krieg“ noch vor. Die politischen Blöcke ver-
suchten jeweils von ihren Vorzügen zu über-
zeugen.

Es gab deshalb zwei Formen von Radiosta-
tionen: BBC London und Radio Moskau als
Beispiel. Als Alternative galt Radio Peking.

Nun ist die Sowjetunion angesichts der real
bestehenden Widersprüche zusammenge-
brochen.

Zu nennen sind auch die neutralen Länder,
wie Brasilien. Der Mittlere Osten unterlag
seit den Sechziger Jahren dem starken
Einfluss Moskaus. Dazu gehört der Be-
freiungskampf der PLO, die den Links-
terrorismus nach Westdeutschland ein-
schleppte. Eine schlimme Zeit.

Eine Sonderstellung hatte Radio RSA
zur Zeit der Apartheit.

Auch gab es religiöse Stationen wie
Radio HCJB in Quito (Ecuador).

Heute haben sich die Zeiten stark ver-
ändert. Russland hat nach wie vor fak-
tisch ein Einparteiensystem. China zeigt
ein starkes Engagement im propagan-
distisch herausgestellten Seidenstras-
sen-Projekt. War nach den Reformen
zunächst der staatliche Anteil zurück-
gegangen, ist dieser Anteil wieder stark
angewachsen.

 

DIE TSCHECHEN IM SAARLAND

Tschechien war zunächst ein künstliches
Staatsgebilde, das damals aus dem Mosa-
ik der östereichisch-ungarrischen Doppel-
monarchchie geschnitten war. Eine beso-
ndere politische Rasse dominierte nicht.
Fröhlich jonglierten die bürgerlichen Jour-
nalisten mit den Böhmen, Mähren, Slowa-
ken und Sudetendeutschen.
 
1938 war die Tschechei Bestandteile einer
„Kleinen Entente“, bestehend aus Tschecho-
slowakei, Rumänien, Jugoslawien, die 1920
unter dem Einfluss Frankreichs und Groß-
entstand.
 
Gerade die Kleinbourgeoisie, die einen
bedeutenden Teil der Stadt-und Land
bevölkerung darstellt, bewahrte stets
einen alten, engen Nationalismus. Sie
neigte stets dazu, vom opportunistischen
und dogmatischen Reformismus der So-
zialdemokraten verführt zu werden.

DIE SCHULSITUATION IN DEN SECHZIGERN UND SPÄTER

AUTOR: Josef Theobald

Nach Ostern 1963 wurde der Autor eingeschult. Die Klassen-
größen waren mit denen heute nicht vergleichbar. Wegen des
Lehrermangels musste sogar eine Klasse zusammengelegt
werden, so dass die Klassengröße über 50 Schüler betrug.
Gemeint war die Grundschule Römerberg.

Ab 1967 war der Autor in der Heimvolksschule der Propstey
St. Josef in Taben-Rodt. Die Träger des Internats waren die
Karmelitinnen von der Göttlichen Liebe. 1990 wurde dieses
allerdings geschlossen. Die Pallottiner kauften das Anwesen.
Heute befindet sich dort eine Einrichtung der Jugendhilfe.

1968 wechselte er nun in das Kollegium Heiligenborn in Bous,
zunächst ein altsprachliches Gymnasium, dann mit neusprach-
lichem Zug. Geleitet wurde das Internat von den Redemptoristen.
Trotz der Aufnahme externer Schüler und der Erweiterung der
Klassenstufen musste das Internat 1979 schließen. Denn durch
die rückläufigen Schülerzahlen gab es finanzielle Schwierigkeiten.

Nach dem Berufsgrundbildungsjahr in Völklingen wechselte der
Autor zur Handelsschule in Saarlouis und hängte zwei Jahre der
dort angeschlossenen Höheren Handelsschule an. Dort wurde
ein hohes Bildungsniveau geboten. Die Absolventen konnten im
Anschluss an einem Wirtschaftsgymnasium das normale staat-
liche Abitur nachholen.

Leider wurde die Höhere Handelsschule als Modellklasse von
der Wirtschaft nicht angenommen, trotz zweier Fremdsprachen.
So kam schließlich in den Achtziger Jahren die Schließung.

Doch das erworbene Wissen war so groß, dass der Autor seine
Berufsausbildung mit der Durchschnittsnote 2,0 abschließen und
eine Zusatzqualifikation (AdA) erreichen konnte.

DER KATERTURM

AUTOR: Josef Theobald

In den Fünfziger Jahren gab es noch keinen Massentourismus
wie heute. Gefragt war lediglich die Naherholung am Stadtrand
(Katerturm, Sägemühle). Ein längerer Urlaub war nur im benach-
barten Frankreich möglich. Begehrt war vor allem Südfrankreich
(Nizza, Biarritz, Carcasonne).

Wir verdanken unseren Katerturm der XVI. Internationalen Cam-
ping-Rally, zu der sich 1955 zahlreiche Campingbegeisterte trafen.
Man wollte beim Camping Erholung in der Natur finden. Der Hunger
nach kollektiver Freizeitgestaltung wurde angesichts der Kriegsjahre
immer stärker.

Damals war der Stadtgarten noch sehr verwildert. Die Infrastruktur
musste erst geschaffen werden. Hier waren die meist ortsansässi-
gen drei Monate im Einsatz.

Vom 29. Juli bis 8. August fand die XVI. Internationale Rally
und der Kongress der F.I.C.C. (Fédération internationale de
Camping et de Caravaning) in Saarlouis statt. Es war die Zeit
der aufflammenden Europabewegung im Saarland. Mit 4.000 Teil-
nehmern aus aller Welt war die Veranstaltung ein voller Erfolg.

Heute steht der Katerturm noch. Die Nebengebäude wurden je-
doch abgerissen. Im Jahre 2008 wurden die Sanierungsarbeiten
am Katerturm abgeschlossen.

EINLADUNG ZUR MITGLIEDERVERSAMMLUNG

Rodena Heimatkundeverein Roden e.V.

Einladung zur Mitgliederversammlung

Unsere Mitgliederversammlung findet am Freitag, den 23.10.2020,
18.00 Uhr, im Miteinander der Generationen, Konrad Adenauer Allee
138, 66740 Saarlouis, statt.

Tagesordnung:
1. Begrüßung durch die Vorsitzende
2. Totenehrung
3. Feststellung der ordnungsgemäßen Einberufung und der Beschluss-
fähigkeit der Mitgliederversammlung
4. Bericht der 1. Vorsitzenden
5. Bericht des Kassenwartes
6. Bericht der Kassenprüfer
7. Entlastung des Vorstands
8. Wahl der Kassenprüfer
9. Veränderung im Vorstand
10. Änderung der Satzung: (Famlienbeitrag)
11. Verschiedenes

Anträge auf Ergänzungen der Tagesordnung müssen bis eine Woche
vor der Versammlung schriftlich beim Vorstand eingereicht werden,
damit der Vorstand sie noch auf die Tagesordnung setzen kann.

Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten.

Rodena Heimatkundeverein Roden e.V.
1. Vorsitzende Rosa-Maria Kiefer-Paulus

DIE WINTERSTRASSE FEIERT RODENER KIRMES

Trotz der Corona-Krise ließ es sich die IG Winterstraße nicht
nehmen, wenigstens angedeutet den Kirwenhannes auf- und
auch abzuhängen. Nachstehend die Bilder von der Abnahme
und dem anschließenden Leichenschmaus. 

Mehr Bilder auch auf unserer Facebook-Seite unter dem nach-
folgenden LINK:

https://www.facebook.com/RodenaHeimat?ref=hl

 

DIE BEDEUTUNG DES BEGRIFFES „RASSE“

AUTOR: Josef Theobald

Im Englischen verwendet man den Begriff „race“ und meint damit eine
Gruppe von Leuten mit gemeinsamen Vorfahren. Unterschieden werden
meist physikalische Eigenschaften, wie Haartyp, Farbe der Haut,  Statur
 usw. [1]

In der Forschung verneint man heute bezüglich der Rasse biologische
Differenzen und betont hauptsächlich kulturelle und soziale Unter-
schiede.

Friedrich Engels schrieb 1894 an W. Borgius in Breslau folgende Worte:
„Aber die Rasse ist selbst ein ökonomischer Faktor… die Menschen machen
ihre Geschichte selbst, aber in einem gegebenen, sie bedingenden Milieu,
auf Grundlage vorgefundener tatsächlicher Verhältnisse, unter denen die
ökonomischen… doch in letzter Instanz die entscheidenden sind und den
durchgehenden, allein zum Verständnis führenden roten Faden bilden.“ [2]

ANMERKUNGEN
[1] COLLINS CONCISE DICTIONARY, 4. Auflage 1999, Harper Collins
Publishers, Seite 1215.
[2] Marx – Engels, Werke, Band 39, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1968,
Seite 206.

8. MAI 1945: TAG DER BEDINGUNGSLOSEN KAPITULATION

AUTOR: Josef Theobald

Viele, die an den 8. Mai denken, verbinden diesen Tag mit der
Niederlage Nazideutschlands im II. Weltkrieg und mit der damit
verbundenen Befreiung der KZ-Häftlinge.

Doch war dieser Tag für viele Deutsche ein Tag heraufkommen-
der und zu bewältigender Probleme.

Nur ein Teil der Deutschen konnte von zu Hause aus die Amerika-
ner und Briten mit weißen Fahnen begrüßen.

Nicht wenige Deutsche lebten zum Zeitpunkt der Kapitulation gar
nicht zu Hause. Die Leute aus der Roten Zone wurden evakuiert.
Diese lebten verstreut im Reichsgebiet, wie im Harz, in Teilen Ba-
yerns, z. B. in Mittelfranken, und in Thüringen. Erst nach einer Ge-
nehmigung der amerikanischen Militärverwaltung durften sie wieder
in die Heimat, und zwar mit Pferdewagen auf vorgeschriebenen Rou-
ten. Waren sie endlich zu Hause, lebten sie in den Trümmern ihrer
Häuser, in den verbliebenen Kellern. Auch bauten sie notdürftige
Wohnungen. Doch die Gefahr für Seuchen war groß. Nicht wenige
Leute litten an einer Diphtherie. Dazu kam die Mangelwirtschaft. Es
gab wenig zu essen. Die Tauschwirtschaft blühte.

Da die schulische Bildung in den Evakuierungsorten unzureichend
war, schuf man spezielle Aufbauschulen, wo man z. B. den Real-
schulabschluss nachholen konnte.

Nachdem im Saarland die Amerikaner abrückten, kamen französische
Truppen z. T. aus verschiedenen Nationen (Frankreich, Marokko, Alge-
rien). Die Algerier blieben oft nach ihrer Entlassung hier, arbeiteten zu-
nächst im Bergbau und machten sich schließlich als Gastwirte selbstän-
dig. Die Franzosen empfand man in der Bevölkerung eher als Besatzer
als Befreier. Denn das Saarland galt seit den napoleonischen Kriegen
als Zankapfel zwischen Deutschland und Frankreich. Als Preis für die
Vereinigung der Westzonen zur Bundesrepublik hatte Frankreich die
Anerkennung des Saargebiets als französisches Protektorat durch die
anderen Westalliierten erreicht.

Die Westmächte wollten zunächst eine Umschichtung der öffentlichen
Verwaltung, bei dem die durch den Nationalsozialismus „Belasteten“
entfernt und ausgeschaltet würden. Diese Aktion verlief letztlich im
Sande. Sie erwies sich als ein falsch angelegtes und daher verfehltes
Unternehmen.

In der Sowjetunion hatte man die verstümmelten Kriegsinvaliden im
Kloster Valaam auf einer Insel isoliert. Man wollte die sowjetische Öf-
fentlichkeit nicht mit Kriegsbeschädigten schocken, die keine Beine
und Arme hatten und mit Prothesen unversorgt blieben. Man wollte
das Bild einer erfolgreichen Roten Armee vermitteln, die in ihren ei-
genen Reihen keine sichtbaren Opfer hatte. In Westdeutschland dage-
gen sah man Kriegsbeschädigte in speziell für sie konstruierten Fahr-
zeugen. Auch waren deren Einschränkungen unübersehbar.

Nach dem Krieg forderten viele Kriegsbeschädigte eine Verbesserung
ihrer Kriegsopferversorgung (Berufsschadensausglich, Ausgleichsrente).
Die Reigen sichtbarer Wahlgeschenke machte dies möglich. Die im letz-
ten Krieg ausgebombten Hausbesitzer forderten einen Lastenausgleich
(eine Entschädigung für den erlittenen Sachschaden). Die Leute fühlten
sich deshalb mehr als Opfer, denn als Täter. In den letzten Jahren hatte
sich allerdings die Stimmung verändert. Heute werden viele Opfer zu Tä-
tern erklärt.

In den letzten Jahren wurde von Spitzenpolitikern beim 8. Mai zunehmend
von einer Befreiung vom Nationalsozialismus gesprochen. Dies erinnert
sehr stark an die früheren Losungen im kommunistischen Machtbereich, in
denen die Befreiung der europäischen Völker von der Versklavung durch
die Sowjetunion propagiert wurde (Georgi Dimitroff, Ausgewählte Schrif-
ten, Band 3, Dietz Verlag, Seite 603). Den Westalliierten kommt zwar
großer Dank beim Wirtschaftsaufbau, bei der Organisierung einer unab-
hängigen Presse und beim Aufbau der Gewerkschaften zu. Doch knüpf-
te man vielfach an die Verhältnisse an, die vor dem Hitlerputsch be-
standen hatten. Auch stand im Vordergrund ein Bundesstaat. Es sollte
keine Machtansammlung in einer Hand geben dürfen.

Bei den Recherchen stützte sich der Autor auf die Doppelbroschüre „Die
Gesellschaft in der Bundesrepublik (Analysen)“ aus den Jahren 1970/71.
Was die Lage der Kriegsbeschädigten in der früheren Sowjetunion angeht,
bezog sich der Autor auf das „Lexikon der russischen Literatur des 20.
Jahrhunderts“ von Wolfgang Kasack.

RONAN O’RAHILLY VERSTORBEN

AUTOR: Josef Theobald

Am Montag, dem 20. April 2020, verstarb unerwartet Ronan 
O’Rahilly (1940-2020). O’Rahilly war ein irischer Millionärs-
sohn mit Ambitionen eines Plattenproduzenten. Der Musik-
markt in den Sechziger Jahren war allerdings stark regle-
mentiert. Den Markt teilten sich nur wenige Plattenfirmen
(EMI, DECCA) auf. O’Rahilly wollte seine unter Vertrag ste-
henden Musiker promoten. Nur wurde er von den Rundfunk-
anstalten boykottiert.

Da er über seinen Vater Verbindungen zu einer Schiffswerft
hatte, kam er auf die Idee, seetaugliche Schiffe für den Sende-
betrieb auf See umzurüsten. Die MV Caroline ankerte vor der
englischen Hafenstadt Harwich, so dass der Sendebetrieb am
27. 03. 1964 begann. Der Stationsname war Radio Caroline.

In Westdeutschland wurde Radio Caroline als Co-Produzent
der Sendung Beat-Club (18. – 46. Folge) mit Uschi Nerke un-
ter Mitwirkung von Dave Lee Travis bekannt, der seine Hör-
funkkarriere bei Radio Caroline begann.

Am 19. 08. 1983 begann das letzte Radioprojekt. Man sendete
auf der Mittelwelle auf 963 kHz mit einem 50-kW-Sender. Wegen
des verlorenen Kabeljaukrieges zwischen England und Island ist
O’Rahilly günstig an einen Schiffstrawler gekommen, den er in
MV Ross Revenge umtaufte. Der erste Einbruch kam, als kana-
dische Geldgeber ihre monatlichen Zahlungen einstellten, da sie
erste Zweifel am Seesenderprojekt hatten. Doch gelang es unter
Programmdirektor Blake Williams, ein neues Format und ein Jingle-
Paket durchzusetzen, das die Situation vorübergehend verbesserte.
Auch gewann dieser religiöse Sendezeitmieter und einen niederlän-
dischen Sprachdienstbetreiber. Am 15. Dezember 1984 nahm Radio
Monique International auf der Frequenz 963 kHz seinen Sendebetrieb
auf. Gekoppelt war dies mit einer Bankgarantie von 6 Monatsmieten.

Am 18. August 1989 kam der Anfang vom Ende auf See. Britische
und niederländische Schlepper tauchten auf, um die Sende- und
Studioeinrichtung zu demontieren. O’Rahilly hatte kein Geld mehr,
das Schiff wieder für den Sendebetrieb aufzurüsten. Nachdem er-
neut am 19. 11. 1990 die Ankerkette gebrochen war, wurde die
MV Ross Revenge nach Dover geschleppt. Das Schiff war aller-
dings nicht mehr seetüchtig. Mittlerweile hatte ein Förderkreis die
Finanzierung des Sendebetriebes übernommen. Man arbeitet heute
als legalen Sender.

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