DIE TSCHECHEN IM SAARLAND

Tschechien war zunächst ein künstliches
Staatsgebilde, das damals aus dem Mosa-
ik der östereichisch-ungarrischen Doppel-
monarchchie geschnitten war. Eine beso-
ndere politische Rasse dominierte nicht.
Fröhlich jonglierten die bürgerlichen Jour-
nalisten mit den Böhmen, Mähren, Slowa-
ken und Sudetendeutschen.
 
1938 war die Tschechei Bestandteile einer
„Kleinen Entente“, bestehend aus Tschecho-
slowakei, Rumänien, Jugoslawien, die 1920
unter dem Einfluss Frankreichs und Groß-
entstand.
 
Gerade die Kleinbourgeoisie, die einen
bedeutenden Teil der Stadt-und Land
bevölkerung darstellt, bewahrte stets
einen alten, engen Nationalismus. Sie
neigte stets dazu, vom opportunistischen
und dogmatischen Reformismus der So-
zialdemokraten verführt zu werden.

DIE SCHULSITUATION IN DEN SECHZIGERN UND SPÄTER

AUTOR: Josef Theobald

Nach Ostern 1963 wurde der Autor eingeschult. Die Klassen-
größen waren mit denen heute nicht vergleichbar. Wegen des
Lehrermangels musste sogar eine Klasse zusammengelegt
werden, so dass die Klassengröße über 50 Schüler betrug.
Gemeint war die Grundschule Römerberg.

Ab 1967 war der Autor in der Heimvolksschule der Propstey
St. Josef in Taben-Rodt. Die Träger des Internats waren die
Karmelitinnen von der Göttlichen Liebe. 1990 wurde dieses
allerdings geschlossen. Die Pallottiner kauften das Anwesen.
Heute befindet sich dort eine Einrichtung der Jugendhilfe.

1968 wechselte er nun in das Kollegium Heiligenborn in Bous,
zunächst ein altsprachliches Gymnasium, dann mit neusprach-
lichem Zug. Geleitet wurde das Internat von den Redemptoristen.
Trotz der Aufnahme externer Schüler und der Erweiterung der
Klassenstufen musste das Internat 1979 schließen. Denn durch
die rückläufigen Schülerzahlen gab es finanzielle Schwierigkeiten.

Nach dem Berufsgrundbildungsjahr in Völklingen wechselte der
Autor zur Handelsschule in Saarlouis und hängte zwei Jahre der
dort angeschlossenen Höheren Handelsschule an. Dort wurde
ein hohes Bildungsniveau geboten. Die Absolventen konnten im
Anschluss an einem Wirtschaftsgymnasium das normale staat-
liche Abitur nachholen.

Leider wurde die Höhere Handelsschule als Modellklasse von
der Wirtschaft nicht angenommen, trotz zweier Fremdsprachen.
So kam schließlich in den Achtziger Jahren die Schließung.

Doch das erworbene Wissen war so groß, dass der Autor seine
Berufsausbildung mit der Durchschnittsnote 2,0 abschließen und
eine Zusatzqualifikation (AdA) erreichen konnte.

DER KATERTURM

AUTOR: Josef Theobald

In den Fünfziger Jahren gab es noch keinen Massentourismus
wie heute. Gefragt war lediglich die Naherholung am Stadtrand
(Katerturm, Sägemühle). Ein längerer Urlaub war nur im benach-
barten Frankreich möglich. Begehrt war vor allem Südfrankreich
(Nizza, Biarritz, Carcasonne).

Wir verdanken unseren Katerturm der XVI. Internationalen Cam-
ping-Rally, zu der sich 1955 zahlreiche Campingbegeisterte trafen.
Man wollte beim Camping Erholung in der Natur finden. Der Hunger
nach kollektiver Freizeitgestaltung wurde angesichts der Kriegsjahre
immer stärker.

Damals war der Stadtgarten noch sehr verwildert. Die Infrastruktur
musste erst geschaffen werden. Hier waren die meist ortsansässi-
gen drei Monate im Einsatz.

Vom 29. Juli bis 8. August fand die XVI. Internationale Rally
und der Kongress der F.I.C.C. (Fédération internationale de
Camping et de Caravaning) in Saarlouis statt. Es war die Zeit
der aufflammenden Europabewegung im Saarland. Mit 4.000 Teil-
nehmern aus aller Welt war die Veranstaltung ein voller Erfolg.

Heute steht der Katerturm noch. Die Nebengebäude wurden je-
doch abgerissen. Im Jahre 2008 wurden die Sanierungsarbeiten
am Katerturm abgeschlossen.

EINLADUNG ZUR MITGLIEDERVERSAMMLUNG

Rodena Heimatkundeverein Roden e.V.

Einladung zur Mitgliederversammlung

Unsere Mitgliederversammlung findet am Freitag, den 23.10.2020,
18.00 Uhr, im Miteinander der Generationen, Konrad Adenauer Allee
138, 66740 Saarlouis, statt.

Tagesordnung:
1. Begrüßung durch die Vorsitzende
2. Totenehrung
3. Feststellung der ordnungsgemäßen Einberufung und der Beschluss-
fähigkeit der Mitgliederversammlung
4. Bericht der 1. Vorsitzenden
5. Bericht des Kassenwartes
6. Bericht der Kassenprüfer
7. Entlastung des Vorstands
8. Wahl der Kassenprüfer
9. Veränderung im Vorstand
10. Änderung der Satzung: (Famlienbeitrag)
11. Verschiedenes

Anträge auf Ergänzungen der Tagesordnung müssen bis eine Woche
vor der Versammlung schriftlich beim Vorstand eingereicht werden,
damit der Vorstand sie noch auf die Tagesordnung setzen kann.

Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten.

Rodena Heimatkundeverein Roden e.V.
1. Vorsitzende Rosa-Maria Kiefer-Paulus

DIE WINTERSTRASSE FEIERT RODENER KIRMES

Trotz der Corona-Krise ließ es sich die IG Winterstraße nicht
nehmen, wenigstens angedeutet den Kirwenhannes auf- und
auch abzuhängen. Nachstehend die Bilder von der Abnahme
und dem anschließenden Leichenschmaus. 

Mehr Bilder auch auf unserer Facebook-Seite unter dem nach-
folgenden LINK:

https://www.facebook.com/RodenaHeimat?ref=hl

 

DIE BEDEUTUNG DES BEGRIFFES „RASSE“

AUTOR: Josef Theobald

Im Englischen verwendet man den Begriff „race“ und meint damit eine
Gruppe von Leuten mit gemeinsamen Vorfahren. Unterschieden werden
meist physikalische Eigenschaften, wie Haartyp, Farbe der Haut,  Statur
 usw. [1]

In der Forschung verneint man heute bezüglich der Rasse biologische
Differenzen und betont hauptsächlich kulturelle und soziale Unter-
schiede.

Friedrich Engels schrieb 1894 an W. Borgius in Breslau folgende Worte:
„Aber die Rasse ist selbst ein ökonomischer Faktor… die Menschen machen
ihre Geschichte selbst, aber in einem gegebenen, sie bedingenden Milieu,
auf Grundlage vorgefundener tatsächlicher Verhältnisse, unter denen die
ökonomischen… doch in letzter Instanz die entscheidenden sind und den
durchgehenden, allein zum Verständnis führenden roten Faden bilden.“ [2]

ANMERKUNGEN
[1] COLLINS CONCISE DICTIONARY, 4. Auflage 1999, Harper Collins
Publishers, Seite 1215.
[2] Marx – Engels, Werke, Band 39, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1968,
Seite 206.

8. MAI 1945: TAG DER BEDINGUNGSLOSEN KAPITULATION

AUTOR: Josef Theobald

Viele, die an den 8. Mai denken, verbinden diesen Tag mit der
Niederlage Nazideutschlands im II. Weltkrieg und mit der damit
verbundenen Befreiung der KZ-Häftlinge.

Doch war dieser Tag für viele Deutsche ein Tag heraufkommen-
der und zu bewältigender Probleme.

Nur ein Teil der Deutschen konnte von zu Hause aus die Amerika-
ner und Briten mit weißen Fahnen begrüßen.

Nicht wenige Deutsche lebten zum Zeitpunkt der Kapitulation gar
nicht zu Hause. Die Leute aus der Roten Zone wurden evakuiert.
Diese lebten verstreut im Reichsgebiet, wie im Harz, in Teilen Ba-
yerns, z. B. in Mittelfranken, und in Thüringen. Erst nach einer Ge-
nehmigung der amerikanischen Militärverwaltung durften sie wieder
in die Heimat, und zwar mit Pferdewagen auf vorgeschriebenen Rou-
ten. Waren sie endlich zu Hause, lebten sie in den Trümmern ihrer
Häuser, in den verbliebenen Kellern. Auch bauten sie notdürftige
Wohnungen. Doch die Gefahr für Seuchen war groß. Nicht wenige
Leute litten an einer Diphtherie. Dazu kam die Mangelwirtschaft. Es
gab wenig zu essen. Die Tauschwirtschaft blühte.

Da die schulische Bildung in den Evakuierungsorten unzureichend
war, schuf man spezielle Aufbauschulen, wo man z. B. den Real-
schulabschluss nachholen konnte.

Nachdem im Saarland die Amerikaner abrückten, kamen französische
Truppen z. T. aus verschiedenen Nationen (Frankreich, Marokko, Alge-
rien). Die Algerier blieben oft nach ihrer Entlassung hier, arbeiteten zu-
nächst im Bergbau und machten sich schließlich als Gastwirte selbstän-
dig. Die Franzosen empfand man in der Bevölkerung eher als Besatzer
als Befreier. Denn das Saarland galt seit den napoleonischen Kriegen
als Zankapfel zwischen Deutschland und Frankreich. Als Preis für die
Vereinigung der Westzonen zur Bundesrepublik hatte Frankreich die
Anerkennung des Saargebiets als französisches Protektorat durch die
anderen Westalliierten erreicht.

Die Westmächte wollten zunächst eine Umschichtung der öffentlichen
Verwaltung, bei dem die durch den Nationalsozialismus „Belasteten“
entfernt und ausgeschaltet würden. Diese Aktion verlief letztlich im
Sande. Sie erwies sich als ein falsch angelegtes und daher verfehltes
Unternehmen.

In der Sowjetunion hatte man die verstümmelten Kriegsinvaliden im
Kloster Valaam auf einer Insel isoliert. Man wollte die sowjetische Öf-
fentlichkeit nicht mit Kriegsbeschädigten schocken, die keine Beine
und Arme hatten und mit Prothesen unversorgt blieben. Man wollte
das Bild einer erfolgreichen Roten Armee vermitteln, die in ihren ei-
genen Reihen keine sichtbaren Opfer hatte. In Westdeutschland dage-
gen sah man Kriegsbeschädigte in speziell für sie konstruierten Fahr-
zeugen. Auch waren deren Einschränkungen unübersehbar.

Nach dem Krieg forderten viele Kriegsbeschädigte eine Verbesserung
ihrer Kriegsopferversorgung (Berufsschadensausglich, Ausgleichsrente).
Die Reigen sichtbarer Wahlgeschenke machte dies möglich. Die im letz-
ten Krieg ausgebombten Hausbesitzer forderten einen Lastenausgleich
(eine Entschädigung für den erlittenen Sachschaden). Die Leute fühlten
sich deshalb mehr als Opfer, denn als Täter. In den letzten Jahren hatte
sich allerdings die Stimmung verändert. Heute werden viele Opfer zu Tä-
tern erklärt.

In den letzten Jahren wurde von Spitzenpolitikern beim 8. Mai zunehmend
von einer Befreiung vom Nationalsozialismus gesprochen. Dies erinnert
sehr stark an die früheren Losungen im kommunistischen Machtbereich, in
denen die Befreiung der europäischen Völker von der Versklavung durch
die Sowjetunion propagiert wurde (Georgi Dimitroff, Ausgewählte Schrif-
ten, Band 3, Dietz Verlag, Seite 603). Den Westalliierten kommt zwar
großer Dank beim Wirtschaftsaufbau, bei der Organisierung einer unab-
hängigen Presse und beim Aufbau der Gewerkschaften zu. Doch knüpf-
te man vielfach an die Verhältnisse an, die vor dem Hitlerputsch be-
standen hatten. Auch stand im Vordergrund ein Bundesstaat. Es sollte
keine Machtansammlung in einer Hand geben dürfen.

Bei den Recherchen stützte sich der Autor auf die Doppelbroschüre „Die
Gesellschaft in der Bundesrepublik (Analysen)“ aus den Jahren 1970/71.
Was die Lage der Kriegsbeschädigten in der früheren Sowjetunion angeht,
bezog sich der Autor auf das „Lexikon der russischen Literatur des 20.
Jahrhunderts“ von Wolfgang Kasack.

RONAN O’RAHILLY VERSTORBEN

AUTOR: Josef Theobald

Am Montag, dem 20. April 2020, verstarb unerwartet Ronan 
O’Rahilly (1940-2020). O’Rahilly war ein irischer Millionärs-
sohn mit Ambitionen eines Plattenproduzenten. Der Musik-
markt in den Sechziger Jahren war allerdings stark regle-
mentiert. Den Markt teilten sich nur wenige Plattenfirmen
(EMI, DECCA) auf. O’Rahilly wollte seine unter Vertrag ste-
henden Musiker promoten. Nur wurde er von den Rundfunk-
anstalten boykottiert.

Da er über seinen Vater Verbindungen zu einer Schiffswerft
hatte, kam er auf die Idee, seetaugliche Schiffe für den Sende-
betrieb auf See umzurüsten. Die MV Caroline ankerte vor der
englischen Hafenstadt Harwich, so dass der Sendebetrieb am
27. 03. 1964 begann. Der Stationsname war Radio Caroline.

In Westdeutschland wurde Radio Caroline als Co-Produzent
der Sendung Beat-Club (18. – 46. Folge) mit Uschi Nerke un-
ter Mitwirkung von Dave Lee Travis bekannt, der seine Hör-
funkkarriere bei Radio Caroline begann.

Am 19. 08. 1983 begann das letzte Radioprojekt. Man sendete
auf der Mittelwelle auf 963 kHz mit einem 50-kW-Sender. Wegen
des verlorenen Kabeljaukrieges zwischen England und Island ist
O’Rahilly günstig an einen Schiffstrawler gekommen, den er in
MV Ross Revenge umtaufte. Der erste Einbruch kam, als kana-
dische Geldgeber ihre monatlichen Zahlungen einstellten, da sie
erste Zweifel am Seesenderprojekt hatten. Doch gelang es unter
Programmdirektor Blake Williams, ein neues Format und ein Jingle-
Paket durchzusetzen, das die Situation vorübergehend verbesserte.
Auch gewann dieser religiöse Sendezeitmieter und einen niederlän-
dischen Sprachdienstbetreiber. Am 15. Dezember 1984 nahm Radio
Monique International auf der Frequenz 963 kHz seinen Sendebetrieb
auf. Gekoppelt war dies mit einer Bankgarantie von 6 Monatsmieten.

Am 18. August 1989 kam der Anfang vom Ende auf See. Britische
und niederländische Schlepper tauchten auf, um die Sende- und
Studioeinrichtung zu demontieren. O’Rahilly hatte kein Geld mehr,
das Schiff wieder für den Sendebetrieb aufzurüsten. Nachdem er-
neut am 19. 11. 1990 die Ankerkette gebrochen war, wurde die
MV Ross Revenge nach Dover geschleppt. Das Schiff war aller-
dings nicht mehr seetüchtig. Mittlerweile hatte ein Förderkreis die
Finanzierung des Sendebetriebes übernommen. Man arbeitet heute
als legalen Sender.

REISE IN DIE VERGANGENHEIT

AUTOR: Josef Theobald

Im Jahre 2015 besuchte ich mit früheren Absolventinnen der
Kinderpflegeschule die Propstey St. Josef in Taben-Rodt. Zu
jener Zeit war dieses Haus schon eine Jugendhilfeeinrichtung,
geführt von den Pallottinern.

Ich selbst war im Schuljahr 1967/68 dort. Es wurde damals
eine Empfehlung für das Gymnasium benötigt.

Die Erzieherinnen aus Beuel am Rhein wechselten nach den
Osterferien. Ihr Anerkennungsjahr endete zu diesem Zeitpunkt.
Erzieherinnen aus dem eigenen Haus übernahmen die Kinder-
betreuung.

In guter Erinnerung blieb die spätere Schwester Antonia. Wir
Jungs hatten sie öfters hochgenommen, weil Jesus Christus
schon mit vielen anderen Ordensschwestern liiert war. Doch
blieb sie ihrer Berufung treu.

Die Kinder sammelten Esskastanien, pflückten Heidelbeeren
und entfernten Birkenäste. Dies alles wurde in der eigenen
Küche verwertet.

Auch stellten Kinder aus dem Internat das Kinderprinzenpaar
für den stattfindenden Karnevalsumzug. Vor den Mauern des
Klosters war noch so viel Platz, dass Fahrgeschäfte aufgestellt
werden konnten. Im Jahre 2015 war die Bebauung der Kirch-
straße so fortgeschritten, dass hierfür kein Platz mehr da war.
In der Turnhalle liefen die Gemeinschaftsveranstaltungen ab.

Das Kloster war ein Selbstversorger. Man backte selbst Brot
und stellte die Butter selbst her. Die betriebene Landwirtschaft
versorgte das Kloster mit den benötigten Produkten.

Die Erziehungsmethoden waren dagegen grenzwertig. Typisch
für das Internat war das Treppenlaufen, wenn die Kinder zu laut
waren. Auch gab es hin und wieder Prügelstrafen.

Die Kinder schliefen in Etagenbetten. In einer Schulklasse waren
mehrere Schuljahrgänge untergebracht. Ausländischen Kindern
wurde ein Förderunterricht geboten. Die Schüler, die das Internat
verließen, wurden in die Skapulierbruderschaft aufgenommen.

In guter Erinnerung blieben mir Wanderungen durch die Gegenden
an der Saar. Einmal erreichten wir sogar Saarhölzbach. Oft waren
wir in der Michaelskapelle. Es gab ausgedehnte Indianerpfade. In
Hamm befand sich für Kinder ein idealer Abenteuerspielplatz.

DIE BEDEUTUNG VON OSTERN

AUTOR: Josef Theobald

An Ostern feiern die Christen die Auferstehung Jesu Christi. Es ist
das älteste und höchste Fest im Kirchenjahr. Ein liturgischer Höhe-
punkt ist die Feier der Osternacht zwischen Karsamstag und Oster-
sonntag. Das Osterfest ist aus dem jüdischen Passahfest (auch:
Pascha oder Pessach) hervorgegangen, an dem die Juden die
Befreiung der Israeliten aus Ägyptischer Gefangenschaft feiern.

Der Zeitpunkt der Osterfeier war nicht überall derselbe. In den rom-
orientierten Kirchen wurde das Fest stets am Sonntag gefeiert, und
zwar an dem Sonntag, der auf den 14. Nisan nach dem jüdischen
Kalender fiel und folgte, in der Annahme, dass der Herr an einem
Sonntag auferstand. In der Provinz Asia proconsularis aber hielt
man es, und zwar unter der Berufung auf den Apostel Johannes,
mit den Juden ohne Rücksicht auf den Wochentag stets am 14.
Nisan (Luna XIV), am Todestag des Herrn selbst, sofern er am
14. Nisan starb (Quartodecimanismus). Hier gab es eine Aus-
einandersetzung zwischen Polykarp von Smyrna mit dem Papst
Anicet in Rom. Zu einem Streit kam es aber unter Papst Viktor
(189-198). Viktor exkommunizierte zunächst die Anhänger des
Quartodecimanismus. Doch durch die Vermittlung des Irenäus
von Lyon war bald der Friede wiederhergestellt. Im Laufe des 3.
Jahrhunderts ließen schließlich die asiatischen Gemeinden, nur
wenige ausgenommen, von ihrem Sonderbrauch ab. [1]

Viele Sprachen haben den aramäischen Namen dieses jüdischen
Festes für das Osterfest übernommen. Der wohl älteste literarische
Beleg für Ostern findet sich beim Kirchenlehrer Beda Venerabilis
(647-735) mit „Eostro“. Aus dem griechischen „éos“ („Morgenröte“)
entstanden sowohl das englische Wort „Easter“ als auch die deutsche
Bezeichnung „Ostern“. Die Morgensonne steht symbolisch für den auf-
erstandenen Christus. Seit dem 1. Konzil von Nizäa (325) wird Ostern
am Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond gefeiert. Da die ortho-
doxe Kirche der Kalenderreform unter Papst Gregor XIII. im Jahre 1582
nicht folgte, feiern Ost und West zumeist an unterschiedlichen Tagen.

Im Zusammenhang mit Ostern gibt es zahlreiche Osterbräuche. Der
wohl bekannteste ist, bemalte Eier zu verschenken. [2] Hinzu kommen
populäre Festpraktiken. Dazu gehörten mittelalterliche Passions- und
Osterspiele, in denen biblische Erzählungen thematisiert wurden. Im
Spätmittelalter fand sich die Praxis des Ostergelächters, mit denen
die Gemeinde auf derbe Geschichten und Gesten in der Osterpredigt
reagierte. Die Segnung der Speisen (Osterbrot) und gemeinsames
Osteressen beschloss das vorangehende Fasten. Ostereier und
-hasen sind heute Insignien von Ostern als Kinderfest, sie nehmen
Bezug auf naturzeitliche Symbolik oder sind mit Elementen sozialer
Praxis verknüpft. So gelten etwa „Eier“ religionsgeschichtlich als
Fruchtbarkeitssymbole und versinnbildlichen im österlichen Kon-
text den Ursprungsort neuen Lebens. Sie fungieren zugleich als
besondere Nahrungsmittel für Kinder oder Wöchnerinnen und als
Abgaben des zu Ostern zu entrichtenden Zinses. Grundmotiv der
christlichen Ostersymbolik sind der Kontrast, Übergang und Weg
von Dunkelheit zu Licht. [3]

Bis zum 16. Jahrhundert wurden im Volksglauben die Ostereier
von ganz unterschiedlichen Tieren gebracht. In einigen Regionen
kamen sie beispielsweise vom Fuchs, in anderen vom Hahn, vom
Storch und vom Kuckuck. Spätestens ab dem 18. Jahrhundert ist
nur noch der Hase als Frühlingsbote und Ostersymbol bekannt.
Der Hase ist das Tier der Liebesgöttin Aphrodite sowie der ger-
manischen Erdgöttin Holda. Er ist aber nicht nur Götterbote, er
ist auch ein altes Zeichen für das Leben und für die Fruchtbar-
keit, da die Hasen im Frühjahr sehr vielen Jungen das Leben
schenken.

In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag oder in der darauf-
folgenden Nacht werden vielerorts Osterfeuer angezündet. Diesen
Brauch kannten schon die Germanen. Das Feuer sollte den Winter,
aber auch die Dämonen und Geister vertreiben. Darum wurden oft
Strohpuppen in der Mitte des Holzhaufens aufgestellt und verbrannt.
Bis heute wird der Brauch, am Ostersonntag Feuerräder einen Berg
herunterrollen zu lassen, gepflegt. Die brennenden Räder stellen ein
Bild der Sonne und des ewigen Lebens dar.

Seit Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. sind jährlich wiederkehrende
christliche Osterfeiern mit Gottesdiensten belegt. Diese wurden zu-
nächst als Versinnbildlichung des Übergangs vom Tod zum Leben
und damit der Auferstehung Jesu als nächtliche Eucharistie (als die
Vigilien) begangen. Seit dem 6. Jahrhundert kontinuierlich auf den
Karsamstagmorgen vorverlegt, gilt nun seit dem 16. Jahrhundert
der Gottesdienst am Ostersonntag als eigentliche Osterfeier; die
orthodoxen Kirchen haben die Nachtfeier bis heute als Hauptfest
beibehalten.

Nimmt man als Ursprung für das Osterfest das jüdische Pessach,
so ist bei dieser Feier ein Hirtenfest vorauszusetzen, an dem ein
Lamm geschlachtet wurde. Darauf wird auch die Verbreitung des
Osterlamms zurückgeführt. Denn im Christentum wurde das Oster-
lamm mit Christus gleichgesetzt (1. Korinther 5,7b). [4]

ANMERKUNGEN
[1] Bihlmeyer–Tüchle, Kirchengeschichte, Erster Teil:
Das christliche Altertum, 12., verbesserte und ergänzte
Auflage, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 1951, §
25,3.
[2] Manfred Becker-Huberti / Helmut Lota, KATHOLISCH A-Z,
das Handlexikon, Verlag Herder, Freiburg (Breisgau) 2009,
Seiten 186/87.
[3] Taschenlexikon „Religion und Theologie“, Band 3: O-Z,
Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2008, Seite 893.
[4] Die wichtigsten Feier- und Gedenktage (Religiöse und
nationale Feiertage weltweit), Bertelsmann Chronik, Wissen
Media Verlag, Gütersloh/München 2009, Seiten 32 + 33.

DER TAG „KARFREITAG“

AUTOR: Josef Theobald

„Karfreitag“ ist abgeleitet vom althochdeutschen „kara“, das „Trauer,
Wehklagen“ bedeutet. Im Kirchenjahr ist dies der Freitag vor Ostern.
Im Christentum gilt dieser Tag als Tag der Kreuzigung Jesu. Dieser
Tag wird als Fasttag und, im Zeichen der Trauer, in Stille und Besin-
nlichkeit begangen. Hier versammeln sich am Nachmittag des „Kar-
freitag“ die katholischen Christen zum Wortgottesdienst mit der Ver-
lesung der Passionsgeschichte, zur Kreuzverehrung (das mit einem
violetten Fastentuch bedeckte Kreuz wird enthüllt und mit dem Knie-
beugen verehrt) und zur anschließenden Kommunionfeier. In vielen
katholischen Gemeinden finden am Morgen des „Karfreitags“ Kreuz-
wegandachten statt. [1]

Auf Blumen und Kerzen als Schmuck auf dem Altar wird verzichtet,
die Orgel und die Glocken schweigen. In vielen Kirchen werden an
diesem Tag das Kreuz und der Altar mit einem schwarzen Tuch ver-
hängt.

Am Karfreitag werden noch heute verschiedene Brauchtümer ge-
pflegt. Christen essen an diesem Tag Fisch, weil der Fisch eines
der ältesten Symbole ist, mit dem sie sich zu erkennen geben. Das
Wort „Fisch“ heißt auf Griechisch „Ichthys“. Das sind die Anfangs-
buchstaben von „Jesus Christos Theos Yos Soter“, also in Deutsch:
„Jesus Christus, Gottes Sohn, Retter“.

Nach altem Volksglauben ist der Karfreitag aber nicht nur ein Un-
glücks-, sondern wegen des beginnenden Frühlings und des damit
verbundenen Neuanfangs auch ein Glückstag. Menschen, die an
diesem Tag sterben, werden selig.

Bereits seit dem 2. Jahrhundert wird der Karfreitag als Tag des
Gedenkens an die Kreuzigung Jesu begangen. In Jerusalem
feierte man schon im 3. Jahrhundert die ganze Heilige Woche,
indem man den durch Steine oder auch Kapellen markierten
historischen Passionsweg Jesu vom Haus des Pilatus bis zum
Kalvarienberg nachging.

Vorläufer der heutigen Kreuzwegandachten mit seinen 14 Stationen
entstanden seit dem 15. Jahrhundert besonders unter dem Einfluss
des Franziskanerordens. Um 1700 verlegte man den Kreuzweg auch
in das Innere der Kirchengebäude: Bilder an den Wänden hielten der
Gemeinde die Stationen des leidenden Gottessohns von seiner Ver-
urteilung bis zur Grablegung vor Augen.

Für die frühen Christen war der Weg Christi zum Kreuz jedoch weniger
ein Leidens- als ein Triumphweg. Er führte zum endgültigen Sieg über
den Tod; das Kreuz war das Siegeszeichen (1. Korinther 15,55-57).
Für den Bereich der evangelischen Kirche hat die Erlösung von den
Sünden durch den Kreuzestod zentrale Bedeutung für den Glauben.
Für die Katholiken ist jedoch das Osterfest – der Tag der Auferstehung –
der höchste kirchliche Feiertag. [2]

Das jüdische Passa oder Pessach ist ein Fest, das wegen des Mondka-
lenders je nach Jahr auf einen anderen Wochentag fallen kann. Zur Zeit
Jesu fiel das Passa auf den 15. Abib (Nisan). Der 14. Abib galt dagegen
als Rüsttag. Auf den Freitag fiel der 14. Abib nur im Jahre 33 n. Chr. In
der Diskussion sind auch andere Jahre, an denen Jesus Christus den
Tod am Kreuz erlitt. Fiele das Todesjahr auf das Jahr 31, so müsste
als Rüsttag der Mittwoch ins Auge gefasst werden. [3]

ANMERKUNGEN
[1] Manfred Becker-Huberti/Ulrich Lota, KATHOLISCH (A-Z),
Das
Handlexikon, Verlag Herder in Freiburg (Breisgau) 2009,
Seite
123.
[2] Die wichtigsten Feier- und Gedenktage (Religiöse und na-
tionale
Feiertage weltweit), Bertelsmann Chronik, Wissen Media
Verlag,
Gütersloh/München 2009, Seiten 26 + 27.
[3] Herman L. Hoe, Die Kreuzigung war nicht an einem Freitag,
Am
bassador College, Pasadena CA 1974, Seite 18.

DIE FASTENZEIT

AUTOR: Josef Theobald

Am Beispiel vom vierzigtägigen Fasten Jesu in der Wüste (Lukas
4,1-13) orientiert sich der christliche Fastenbrauch. So gelten die
40 Tage vor Ostern als dauernde Vorbereitung für dieses höchste
Fest im Kirchenjahr.

Die Fastenzeit beginnt mit Aschermittwoch und endet mit der Oster-
nacht, wobei die jeweiligen Sonntage keine Fasttage sind und des-
halb nicht mitgezählt werden.

Als äußeres Zeichen der Buße und Besinnung sollen die Gläubigen
in dieser Zeit Verzicht auf persönliche Annehmlichkeiten üben, nur
eine volle Mahlzeit pro Tag und zwei kleine Stärkungen zu sich neh-
men. An allen Freitagen gilt das Gebot der Abstinenz, der Enthaltung
von Fleischspeisen. Zwei Tage im Jahr sind Fast- und Abstinenztage
zugleich: Aschermittwoch und Karfreitag. [1]

Der Brauch des Fastens kam den im 2. und 3. Jahrhundert sich ver-
stärkenden asketischen Tendenzen entgegen.

Durchgehende Nahrungsaskese wurde vor allem im östlichen Mönch-
tum mit großer Strenge praktiziert. So soll die Nahrung des ägyptischen
Wüstenvaters Antonius nur aus Brot, Salz und Wasser bestanden ha-
ben. Ab dem 4. Jahrhundert bildeten sich allmählich die großen, auch
heute prägenden Fastenzeiten heraus. Im 7. Jahrhundert legte die west-
liche Kirche die Tage von Aschermittwoch bis Ostern unter Ausschluss
der Sonntage als Fastenzeit fest, während die östlichen Kirchen sieben
Wochen vor Ostern die Fastenzeit beginnen lassen, aber zusätzlich auch
den Samstag als Fastengebot ausnehmen. [2]

ANMERKUNGEN
[1] Manfred Becker-Huberti - Ulrich Lota, KATHOLISCH A – Z,
Das Handlexikon, Verlag Herder, Freiburg (Breisgau) 2009,
Seite 81.
[2] TASCHENLEXIKON RELIGION UND THEOLOGIE, Band 1: A-F,
Verlag Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2008, Seite 361.

DER INTERNATIONALE FRAUENTAG

AUTOR: Josef Theobald

In Europa war die deutsche Sozialistin Clara Zetkin (1857-1933)
federführend für die Frauenbewegung. Auf dem Internationalen
Sozialistenkongress in Stuttgart von 1907 wurde eine Resolution
über das Frauenwahlrecht einstimmig angenommen. Allerdings
sprach sich der Kongress dafür aus, dass die Arbeiterinnen den
Kampf um das Frauenwahlrecht nicht gemeinsam mit den bürger-
lich-konservativen Frauenrechtlerinnen führen sollten. Außerdem
erkannte der Kongress die Notwendigkeit der Vertretung der so-
zialistischen Prinzipien und ebenso im vollen Umfang die Gleich-
berechtigung von Männern und Frauen an. Auch dürften diese
Prinzipien nicht aus irgendwelchen Zweckmäßigkeitsgründen
geschmälert werden. [1]

Auf die Initiative Clara Zetkins hin beschloss die 2. Internationale
Sozialistische Frauenkonferenz am 27. August 1910 im dänischen
Kopenhagen die Einführung eines als Welttag jährlich zu begehen-
den Internationalen Frauentags. Hier kamen hundert Delegierte aus
17 europäischen Ländern zusammen und setzten sich gemeinsam
für die Fraueninteressen ein und machten die Ausbeutung und Un-
terdrückung der Frau zu einem politischen Thema. [2] Der geforderte
Frauentag sollte in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht
dienen und auch internationalen Charakter tragen. Dieser Beschluss
war ein Sieg der revolutionären Kräfte und ein wichtiger Schritt zum
internationalen Zusammenschluss und zur festen Einbeziehung der
proletarischen und fortschrittlichen Frauen in den Befreiungskampf
der Arbeiterklasse. [3]

Eine weitere Internationale Sozialistische Frauenkonferenz fand im
März 1915 in Bern statt. Sie wurde auf Anregung der Auslandsver-
tretrinnen der bolschewistischen Frauenorganisationen von Clara
Zetkin, der Sekretärin des Internationalen Sozialistischen Frauen-
büros einberufen. Wichtigster Tagesordnungspunkt war die inter-
nationale Friedensaktion der sozialistischen Frauen. [1]

Zu den zentralen Forderungen der Internationalen Sozialistischen
Frauenkonferenzen zählten neben dem Frauenwahlrecht der Acht-
stundentag, Gesetze zum Arbeitsschutz, ein ausreichender Schutz
von Müttern und Kindern, sowie die gleiche Entlohnung für gleiche
Arbeitsleistung.

Heute orientieren sich die Themen auf den Veranstaltungen und
Demonstrationen des Internationalen Frauentages an aktuellen
politischen Situationen. Im Mittelpunkt steht somit der Kampf
gegen die Frauendiskriminierung, etwa die Forderungen nach
Chancengleichheit und Gleichberechtigung auf dem Arbeits-
markt oder nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit.

1921 legte die 2. Kommunistische Frauenkonferenz in Moskau
den Gedenktag für die Rechte der Frauen auf den 8. März fest.
Denn am 8. März 1917 traten die Arbeiterinnen und Soldaten-
frauen eines armen Stadtviertels von St. Petersburg in einen
großen Streik, der sich wie ein Flächenbrand ausbreitete und
letztlich die „Februarrevolution“ auslöste, die den russischen
Zar zu Fall brachte. Mit dieser Datierung sollte der Kampf
aller ausgebeuteten und unterdrückten Frauen ein interna-
tionales Gewicht bekommen.

Heute ist der 8. März in den meisten Ländern der ehemaligen
Sowjetunion und in den sozialistischen Ländern wie Kuba ein
gesetzlicher Feiertag. In der Volksrepublik China haben die
Frauen nachmittags arbeitsfrei. Im Verlauf der Sechziger
Jahre erlangte in Deutschland der Internationale Frauentag
im Zuge der Frauenbewegung wieder mehr Aufmerksamkeit.
Seit 1977 ist dieser internationale Gedenktag auch von der
Generalversammlung der Vereinten Nationen anerkannt. [2]

ANMERKUNGEN
[1] W. I. Lenin, Über Deutschland und die deutsche
Arbeiterbewegung, 4. ergänzte und erweiterte Aufla-
ge, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1976, die Seiten 186
+ 744/45.
[2] Die wichtigsten Feier- und Gedenktage (Religiöse
und nationale Feiertage weltweit), Bertelsmann Chro-
nik, Wissen Media Verlag, Gütersloh/München 2009,
Seiten 205 + 206.
[3] KLEINES POLITISCHES WÖRTERBUCH, 4. Auflage, im
Dietz Verlag, Berlin-Ost 1983, Seite 428.

DIE FASTNACHT

AUTOR: Josef Theobald

Die Fastnacht ist ursprünglich der Abend vor Beginn der Fastenzeit.
Seit dem 15. Jahrhundert umfasst dies ebenfalls die ganze Woche
davor. So unterschiedlich das Fastnachtsbrauchtum (Verkleidungen,
Umzüge, Sitzungen, Repräsentationen wie Prinz Karneval), so auch
regional verschieden die Bezeichnungen für die „närrischen Tage“ in
ursprünglich katholischen Gegenden. Das Wort „Fastnacht“ (regional
auch: Fassenacht, Fasnacht, Fastelovend oder Fosenet) wird vor al-
lem in Mainz und Umgebung verwendet, in den schwäbisch-alemanni-
schen Gebieten ist vom „Fasnet“ die Rede. Vom Ausdruck „Fasching“
spricht man insbesondere im bayrisch-österreichischen Raum. Im Köl-
ner Raum wird dagegen „Karneval“ (oder „Fasteleer“) gefeiert. Die Aus-
legung, das Wort stamme vom Italienischen „carne vale“ und bedeute
„Fleisch, lebe wohl“, ist umstritten. Höhepunkte der Fastnachts- oder
Karnevalswoche sind der Donnerstag vor Aschermittwoch (Weiberfast-
nacht), Rosenmontag und der Veilchendienstag, an dem der Karneval
oft „feierlich“ zu Grabe getragen wird. Die Fastnacht gilt ja weltweit als
ein katholisches Phänomen, weil sie ein Schwellenfest zur Fastenzeit
nach katholischem Brauch ist. [1]

Eine historische Äquivalenz finden wir in der Römerzeit bei dem Fest
der „Saturnalia“, also ein Fest des altitalienischen Gottes „Saturnus“.
Die „Saturnalia“ erinnerten in ihrem Charakter an die Saturnia regna,
also an das goldene Zeitalter unter Saturnus, als es noch keine Klas-
sen und keinen Privatbesitz gab: der Unterschied zwischen Herren
und Sklaven war aufgehoben. Sklaven genossen ihre Freiheit, spei-
sten mit ihren Herren oder wurden von ihnen bedient. Die „Saturna-
lia“ trugen in ihrer Ausgelassenheit und Fröhlichkeit den Charakter
des Karnevals, man schenkte sich Kerzen und Tonfiguren; das be-
liebte Fest wurde bis zum Ausgang der Antike gefeiert. [2]

In Italien, vor allem in Neapel, Rom und Venedig, war der Karneval
besonders im 18. Jahrhundert populär. Er fand dann wieder über
Frankreich Einzug in Deutschland. In Vorbereitung auf die Fasten-
zeit wurde eine letzte Zeit des Sich-Auslebens erlaubt, in der sinn-
liche Genüsse und gewisse Ausschweifungen zugelassen waren.
Der erste Karnevalsumzug fand in Köln wieder im Jahre 1823 statt.
Die Stadt Köln wurde 1815 als Metropole der Rheinprovinz Teil des
Königreichs Preußen und hatte damit seinen Status als Freie Reichs-
stadt verloren. Nun wollten die Bürger wenigstens einmal im Jahr da-
ran erinnern, wie wohlhabend sie gewesen waren. So entstand der
Prinz Karneval, die Narrenkappen und die gesungenen Jubellieder
sollten Einigkeit aufzeigen.

Die Mainzer Fastnacht wurde stärker von französischen Einflüssen
geprägt, was man noch heute an den Karnevalsuniformen erkennen
kann. Der bekannte Narrhallamarsch war ursprünglich ein Spottlied
auf einen französischen General. [3]

ANMERKUNGEN
[1] Manfred Becker-Huberti / Ulrich Lota, KATHOLISCH A-Z
(Das
Handlexikon), Verlag Herder, Freiburg (Breisgau) 2009,
Seite
81.
[2] LEXIKON DER ANTIKE, Verlag Anaconda, Köln 2010, Seite
516.
[3] Die wichtigsten Gedenk- und Feiertage (Religiöse und
nationale
Feiertage weltweit), Chronik Bertelsmann, Wissen
Media Verlag,
Gütersloh/München 2009, Seite 21.

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner