Rückblick – Christliche Bergmette 23.12.2017

In der Apollonia-Kapelle Fraulautern fand am 23.12. die dritte Christliche Bergemette statt. Nach der Begrüßung der Besucher durch Pfarrer Rolf Dehm und Klaus Hiery sprach der Vorsitzende der Berg- und Hüttenvereine „St. Barbara“ Fraulautern und des Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten und Knappenvereine des Saarlandes ein Einfahrgebet. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer hielt die Bergpredigt. Nach dem Evangelium trug Roland Kiefer ein Gebet zur Ausfahrt vor. Es folgte die Verabschiedung ins neue Jahr durch Klaus Hiery. Die Bergmette endete mit dem Steigerlied und dem Auszug der Knappen.

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Generationenwechsel im französischen Honorarkonsulat

20.12.2017

Von: Sascha Schmidt

Weil der bisherige Amtsinhaber Michel Bouchon die Altersgrenze erreichte, schied er dieses Jahr aus dem Amt. Nachfolgerin ist
seine Tochter Myriam Bouchon. Eine Feierstunde im Empfangssaal des Rathauses bot Anlass zum Rückblick und für ein herzliches Willkommen.#

Deutsch-Französische Freundschaft und der Einsatz für ein vereintes Europa, Heimat, Jugend und Galette des Rois: Zu jedem Buchstaben im Alphabet fiel Bürgermeisterin Marion Jost eine Eigenschaft, ein Schlaglicht oder eine persönliche Anekdote ein zu Michel Bouchon. Acht Jahre lang war der Franzose, der mit seiner deutschen Frau Charlotte in Neuforweiler lebt, Honorarkonsul der Republik Frankreich für die Landkreise Saarlouis und Merzig-Wadern. Zahllosen Menschen half er in dieser Zeit, 500 Personen sprachen alleine im vergangen Jahr bei ihm vor. Als Honorarkonsul war es seine Aufgabe für sie Probleme zu lösen, die im deutsch-französischen Lebensalltag entstehen und dabei auch so manche, bislang unbekannte Hürde zu überwinden.

Von Anfang an, betonte Bouchon bei der Feierstunde im Rathaus, sei er bei seiner Aufgabe getragen gewesen „von dem Wunsch, hilfreich und nützlich zu sein, die Erwartungen und Sorgen all derer vor Augen, die bei uns vorsprachen und immer mit dem Anspruch dabei meinem Land zu dienen.“ Doch das praktizierte Selbstverständnis Bouchons reichte darüber weit hinaus: „Es geht auch darum, Frankreich zu repräsentieren und zu präsentieren, für Frankreich zu begeistern und die Freundschaft zu vertiefen, die unsere beiden Völker vereint. Es geht darum, der jungen Generation den europäischen Geist einzuhauchen, unsere Kultur lieben zu lernen und in der Stadt das französische Flair lebendig werden zu lassen, das ihr so gut zu Gesicht steht.“ Einen besonderen Dank richtete er an Odile und Claude Villeroy, die ihn seinerzeit „an diese ungewöhnliche, aber außerordentlich interessante Tätigkeit“ heranführten.

Weil Michel Bouchon im Sommer die Altersgrenze erreichte, schied er aus dem Amt des Honorarkonsuls. Auf ihn folgt seine Tochter Myriam Bouchon, die im Oktober offiziell ihr ‚Brevet‘ von der französischen Botschafterin Anne-Marie Descôtes überreicht bekam. „Es ist bei uns Ehrensache, Bürgern, die in Not geraten sind, Hilfe und Unterstützung zu gewährleisten“, sagte die 43-Jährige und machte damit klar, dass sie die Ideale ihres Vaters teilt und diese auch in Zukunft als Honorarkonsulin weiterführen wird. Ebenso sei es ihr ein besonderes Anliegen, kulturelle Aktivitäten mit deutsch-französischem Hintergrund zu unterstützen und anzuknüpfen an entsprechende Projekte, die sie bereits in ihrem Beruf als Lehrerin und in Kooperation mit Saarlouiser Schulen realisiert hat.

Das Büro des Honorarkonsulats befindet sich im Rathaus, Eingang Pavillonstraße, und ist immer dienstags in der Zeit von 14.30 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet.

Bild- und Textquelle: https://www.saarlouis.de/home/aktuelles/info/artikel/generationenwechsel-im-franzoesischen-honorarkonsulat/

Sascha Schmidt

Galakappensitzung, und Kinderkarneval des SKC „de Boules“ e.V.

In der Mehrzweckhalle Vogelsang geht es an Fastnachtsamstag, 10.02.2018, endlich wieder närrisch hoch her. Der Saarlouiser Kultur- und Carneval-Club (SKC) „de Boules“ e.V. veranstaltet ab 20.11 Uhr seine Galakappensitzung und präsentiert alles, was zu einem gelungenen Abend dazugehört: fetzige Tänze der SKC-Garden, Tanzmariechen und des Männerballetts, witzige Sketche und Büttenreden sowie stimmungsvollen Gesang. Der Kartenvorverkauf für diese Veranstaltung findet am Sonntag, 21.01.18 um 10.11 Uhr im Gasthaus „Zum Stadtkrug“, Schlächterstraße statt. Auch Restkarten sind dort erhältlich.

Mit Pauken und Trompeten und ganz viel „Alleh hopp“ startet die Jugendabteilung des SKC „de Boules“ e.V. an Fastnachtsonntag, 11.02.2018, ihren Kinderkarneval, zu dem alle kleinen und großen Narren recht herzlich eingeladen sind. Los geht’s um 15.11 Uhr mit einem bunten Programm in der Mehrzweckhalle Vogelsang. Neben den Tänzen der Garden und zahlreichen Spielen und werden die schönsten Kinderkostüme prämiert. Karten können an der Tageskasse erworben werden.

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DIE GESCHICHTE VON FM KOMPAKT

AUTOR: Josef Theobald

EINLEITUNG

Mitte der Achtziger Jahre erschienen verschiedene Hobbyzeit-
schriften zu den Themen "Free Radio" und "Privatradio". FM
KOMPAKT war damals eines dieser kleinen Printmedien. Denn
die offiziellen Medien behandelten derartige Themen nur am
Rande. Dadurch wurde FM KOMPAKT relativ schnell bekannt.   

VORWORT

Der Hintergrund von FM KOMPAKT liegt vor allem in der Rundfunk-
geschichte. Bis in die Achtziger Jahre war der öffentlich-rechtliche
Rundfunk weitgehend in der Präsentation rückständig geblieben.
Immer mehr Hörer z. B. lauschten den US-Soldatensendern. Durch
diesen Einfluss wuchs der Wunsch nach Alternativen. Ein weiterer
Einfluss kam durch die Seesender vor der 3-Meilen-Zone. Denn hier
hatten im Hintergrund Medienkonzerne aus den USA die Gelegenheit
erblickt, ihre Vorstellungen von Radio auch im westlichen Europa zu
verbreiten. Schon Anfang der Siebziger Jahre bekam die englische
Sprache in der alten Bundesrepublik wachsenden Einfluss auf das
Bildungswesen. Das vormals verbreitete altsprachliche Gymnasium
wurde allmählich durch neusprachliche Schulformen verdrängt.

Auch Leute wie Klaus Quirini, Jahrgang 1941, ein bestimmender
Akteur der Deutschen Discjockey Organisation (DDO), gegründet
1963, hatten einen gewaltigen Einfluss auf die Musikpräsentation
in den Diskotheken. Als z. B. das in der Schweiz realisierte See-
senderprojekt Radio Nordsee International (RNI) über den Äther
ging, war Quirini natürlich involviert. Denn auf deutschem Boden
waren qualifizierte Radiomoderatoren eher Mangelware.

Deshalb kamen die meisten fortschrittlichen Radiomoderatoren
sowohl aus der britischen als auch aus der US-Soldatensender-
szene (BFBS, AFN) oder aus dem Bereich der Diskotheken. Ei-
nige Radiostationen, wie Radio Luxemburg (RTL), rekrutierten ihr
Sprecherpersonal aus den genannten Bereichen. Vor allem Radio-
sender in den Grenzgebieten zu Deutschland griffen gerne auf der-
artige Personen zurück. Der deutsche Zweig von Radio R.V.N. z.B.
zeigte besondere Nähe zu einer ehemaligen Diskothek in Schmelz
im Landkreis Saarlouis.

Im Vorfeld der Zulassung privater Radiokanäle tummelten sich einige
Radiopiraten im Äther. Dies war also die große Zeit der Free-Radio-
Bewegung. Hier gab es entweder Piraten auf UKW oder man bediente
sich ausländischen Relais In Italien, in den Niederlanden oder in Irland.
Untereinander sah man sich eher als Konkurrenten. Nur in den wenig-
sten Fällen schloss man sich zusammen. Kapitalmäßig stand man in
vielen Fällen auf schwachen Füßen. Daher setzte man auf selbstloses
Engagement.

BEITRAG

Im Juli 1985, in der Hochzeit der Free-Radio-Bewegung, erschien ein
neues Printmedium, das in einem monatlichen Rhythmus mit FM-/KW-
und Kabelnews aufwartete und sich später FM KOMPAKT nannte. Der
Herausgeber hieß Thomas Kircher und stammte aus Heilbronn, der sich
hier durch die publizistische Arbeit von RADIO VICTORIA, der Kurzwellen-
musikstation, anregen ließ. Über drei Jahre hinweg erschien dort ein Fan-
Magazin, das damals in Sachen FREE RADIO seines Gleichen suchen
konnte. In den letzten Jahren waren beim FREE RADIO FANZINE neben
Roger Kirk auch Mathias Kropf und Jürgen Poppe redaktionell tätig gewesen.
Hinzu gesellte sich auch noch eine unterschiedliche Anzahl von wechselnden
Korrespondenten. Doch sollte Ende 1986 plötzlich und für alle unerwartet die
letzte Ausgabe dieser Publikation erscheinen. So entstand in diesem Bereich
eine wirkliche Lücke, die FMK in relativ kurzer Zeit aber schließen konnte.
Weiterhin fand ein reger Austausch mit anderen einschlägigen und noch
existierenden Fachmagazinen statt. Der Schwerpunkt der hier verbreiteten
Meldungen lag zunächst auf Südtirol, Baden-Württemberg und Bayern. Über
10 Jahre war man aktiv tätig. Nach einer mehrjährigen Pause ist man am 16.
März  2007 wieder im Internet als Webseite zurückgekehrt.

Als FM KOMPAKT wieder im Internet seinen Auftritt startete, war dieser
von ehrgeizigen Plänen begleitet worden. Da gab es Vorstellungen von
der Gründung einer Radioakademie, von Kooperationen mit bestehen-
den Radiostationen und von einer Tätigkeit in der Medienberatung. Ge-
blieben sind allerdings ein großes Mediennetzwerk, basierend auf Partnern
im Bereich des Internetradios und sehr zahlreichen Kontakten im deutsch-
sprachigen In- und Ausland, und erfolgreiche Freundschaftstreffen unter
dem Dach von FM KOMPAKT mit Exkursionen zu einigen Radiostationen
in Deutschland, in Österreich und in Südtirol. FM KOMPAKT wird heute
also ernst genommen. Jedoch hat sich die deutsche Rundfunklandschaft
stark verändert. Die kommerziellen Radiostationen verdienen heute das
meiste Geld mit der Verwertung der Rechte an ihren Medienerzeugnissen.
Das Radio selbst verkommt zu einer Gelddruckmaschine, wo hier mit dem
geringsten Einsatz der höchste Gewinn angestrebt wird. Dies erklärt die
steigende Anzahl schlecht gemachter Produktionen fast ohne jegliches
Niveau im Radioalltag.   

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ST. BARBARAFEIER IM VEREINSHAUS FRAULAUTERN

Am Sonntag, dem 3. Dezember 2017, veranstaltete der Berg- und Hüttenarbeiterverein im Vereins-
haus Fraulautern seine diesjährige St. Barbarafeier. Nach der Begrüßung durch Klaus Hiery sprach
Bürgermeisterin  Marion Jost  ihr Grußwort  im Namen der Kreisstadt Saarlouis. Der Höhepunkt der
Veranstaltung war die Ehrung langjähriger Mitglieder des Berg- und Hüttenarbeitervereines.
 

 

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FILMVORTRAG „EUROPAS NEUBEGINN“

Am Mittwoch, dem  29. November 2017, veranstaltete  der  RODENA Heimatkundeverein
einen Filmvortrag im Mehrgenerationenhaus  in der Konrad-Adenauer-Allee (Steinrausch)
zum Thema "Europas Neubeginn:  Johannes Hoffmann und das Saarland" anläßlich  des
Todes vor 50 Jahren. Der Dokumentarfilm  war von  Boris Penth. Produziert wurde dieser
von Barbara Wackernagel-Jacobs. Der Einführungsvortrag zum Film war von Rosa-Maria
Kiefer-Paulus. Im Anschluss  hatten  die Besucher  die Möglichkeit, sich zu äußern. Mehr
Bilder auch auf unserer Facebook-Seite unter diesem LINK:

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DIE BAHNSTRECKE „DILLINGEN (SAAR) – BOUZONVILLE“

AUTOR: Josef Theobald

DIE CHRONIK

31. 03. 1897      Reichsgesetz zum Bau und Betrieb der Strecke Dillingen
                          (Saar) – „neue Reichsgrenze“

01. 07. 1901      Aufnahme des Reise- und Güterverkehrs auf der Strecke
                          Dillingen (Saar) – Busendorf (Bouzonville), Betriebsführung:
                          Reichseisenbahn Elsass-Lothringen

1918 – 1935      Betriebsführung durch die Reichsbahndirektion Saarbrücken

1945                  Übernahme der Betriebsführung durch die Saarländischen
                          Eisenbahnen (SEB), ab 1951 durch die Eisenbahnen des
                          Saarlandes

Juni 1948          Wiederaufnahme des Zugverkehrs, Reiseverkehr nur zwischen
                          Dillingen (Saar) – Niedaltdorf

01. 01. 1957      Übernahme des Betriebes auf deutscher Seite durch die Deutsche
                          Bundesbahn (DB), auf französischer Seite von der SNCF

DIE DATEN

Kursbuchnummer (seit 1992)   687

Spurweite                                 1435 mm

Streckenlänge                           20,3 km

größte Neigung                         1 : 100

kleinster Bogenhalbmesser       300 m

Bahnhofsgebäude                     Siersburg, Hemmersdorf (Saar)

DIE DETAILS

Noch heute herrscht auf der in Dillingen beginnenden und in das französische
Bouzonville führenden Strecke ein reger Güterverkehr. Reisende werden auf
französischer Seite schon seit Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr be-
fördert. Die Deutsche Bahn betreibt den Abschnitt von Dillingen bis zum Hal-
tepunkt Niedaltdorf mit Dieseltriebfahrzeugen. Früher waren es noch Wende-
züge. Zwar gilt die Gesamtstrecke heute noch als Hauptbahn, aber ihr Neben-
bahncharakter ist unübersehbar.

Schon lange gibt es Bestrebungen, den Reiseverkehr auf deutscher Seite ein-
zustellen und den Güterverkehr über eine andere Strecke umzuleiten.

Durch die Eisenbahn erlebte das Saartal und hier besonders die Region
um Dillingen einen enormen Aufschwung. Der im Jahre 1858 angelegte
Bahnhof Dillingen erlangte durch den regen Berufsverkehr zur und von
der Hütte sowie durch den An- und Abtransport der Roh- und Fertigpro-
dukte dieses Werkes sehr schnell eine große Bedeutung. Frühzeitig er-
kannte man, dass für den ständig wachsenden Personen- und Güterver-
kehr weitere Bahnverbindungen geschaffen werden mussten. Dillingen
sollte sich zu dem bedeutendsten Bahnknoten zwischen Saarbrücken
und Trier entwickeln.

Um den Erznachschub über einen längeren Zeitraum zu sichern und
das Material auf direktem Weg wirtschaftlicher zu transportieren, wurde
der Bau einer Zweigbahn zwischen Dillingen und dem lothringischen
Busendorf (heute Bouzonville) beschlossen. Im Ergebnis des Krieges
von 1870/71 wurden Elsass und Lothringen an das Deutsche Reich
eingegliedert. Als Folge kaufte das Deutsche Reich die im französischen
Besitz befindlichen Bahnen, da sie zum Schutze der Westgrenze als
strategisch wichtig galten.

Um den Streckenbau durchführen zu können, beteiligte sich die Dillinger
Hütte mit 100.000 Mark an den Baukosten, die man insgesamt auf 9,5
Millionen Mark geschätzt hatte. Die Bezeichnung „Niedtalbahn“ für den
neuen Schienenstrang verdankt er dem Flusslauf der Nied. Die Nied ent-
springt im lothringischen Bellenberg und mündet in Rehlingen in die Saar.

Für den Bau der Bahnstrecke wurden der Reichsbahn vom deutschen Reichs-
tag Mittel in Höhe von 8.991.000 Mark bewilligt. Das restliche Geld brachten die
Interessenten Elsass-Lothringen mit 337.500 Mark, der Landkreis Saarlouis mit
224.000 Mark, die Dillinger Hütte mit 100.000 Mark und andere Interessenten
mit 11.500 Mark auf. Da die Dillinger Hütte auch ein Werk im lothringischen
Redingen besaß, erlangte die geplante Strecke für sie eine besondere Be-
deutung, konnten doch die Erztransporte aus Frankreich zur Saar wesentlich
verkürzt werden. Immerhin hatte man in diesem Zusammenhang eine Fracht-
ersparnis von 40.000 Mark pro Jahr errechnet.

Im Herbst 1897 wurde schließlich mit dem Bau der Niedtalbahn begonnen.
Gleichzeitig entstand ein Abzweiggleis von der Saartalbahn zwischen
Dillingen und Beckingen zu Niedstrecke, das allerdings nur militärischen
Zwecken diente. Über den im Volksmund als „totes Gleis“ bezeichneten
Abschnitt rollten bei Kriegsausbruch 1914 Truppentransporte in Richtung
Trier, ohne den Bahnhof Dillingen zu berühren. Die Arbeiten an der zu-
nächst zweigleisig ausgebauten Strecke von Dillingen bis Busendorf
konnten im Frühjahr 1901 abgeschlossen werden. Für die Aufschüttung
des Bahndamms wurden die Erdmassen aus dem Gelände rechts der
Straße zwischen Dillingen und Beckingen entnommen. So entstand hier
jenes „Baggerloch“, das auch heute noch diesen Namen trägt.

Bahnhöfe erhielten an der 20,3 km langen Strecke von Dillingen aus die
Anliegergemeinden Büren-Itzbach (Kilometer 15,3) und Kerprichhemmers-
dorf (Kilometer 10,9) auf deutschem Boden sowie Guerstling (Kilometer
6,5) und Filstroff (Kilometer 2,3) auf französischem Gebiet. Zwei Tunnels,
die 212 und 215 m lang sind, mussten auf französischer Seite errichtet
werden. Der eine Tunnel auf deutschem Boden entstand kurz vor der
Grenze, und zwar auf dem Abschnitt Kerprichhemmersdorf – Guerstling
unweit des Ortes Niedaltdorf. Beim Bau des 180 m langen Niedaltdorfer
Tunnels gab es große Probleme: eine instabile Plattform und fortwähren-
der Wassereinbruch. So musste die Röhre teilweise neu errichtet werden.
Hinzu kamen bis zur französischen Grenze zwei große Brückenbauwerke.
Zum einen wurde bei Dillingen auf einem ansteigenden Damm die Saar
überquert, zum andern bei Niedaltdorf ein Teil des tieferliegenden Ortes
mittels eines gemauerten Viadukts überbrückt.

Am 1. Juli 1901 wurde die Niedtalbahn feierlich eröffnet. Die Fortsetzung
der Strecke von Busendorf nach Metz konnte erst im Jahre 1908 fertig-
gestellt werden. Dadurch war eine neue, durchgehende und strategisch
wichtige Verbindung von der Saar nach Metz und Thionville geschaffen.
Nachdem schon im August 1901 die eingleisige Strecke von Dillingen
nach Primsweiler eingeweiht worden war, wurde das Saartal nun auch
mit dem Hochwald über die bereits bestehenden Strecken Lebach –
Primsweiler – Büschfeld – Nonnweiler – Türkismühle und Lebach –
Wemmetsweiler – Neunkirchen – Saarbrücken verbunden. Somit hatte
sich der Bahnhof Dillingen kurz nach der Jahrhundertwende zu einem
bedeutenden Bahnknotenpunkt mit lebhaftem Reise- und Güterverkehr
entwickelt. Durch den Bau der Niedtal- und der Primstalbahn war eine
Vergrößerung der bestehenden Bahnanlagen und des im Jahre 1858
errichteten Empfangsgebäudes dringend notwendig geworden. Da die
lothringischen Eisenbahnen ihre Züge mit eigenen Betriebsmitteln und
Personalkräften fuhren, wurden in Dillingen zudem eigene Aufenthalts-
räume und eine eigene Reparaturwerkstätte errichtet.

Auf diese Weise entstand auch das Bahnbetriebswerk Dillingen, das
sich an der westlichen Bahnhofsausfahrt Richtung Trier befand. Durch
die Stationierung der Lokomotiven und den Bau einer Wagenwerk-
stätte nahm der Dienstbetrieb einen großen Umfang an. Auf dem
Bahnhofsgelände existierten drei Stellwerke, wovon ein Stellwerk
ausschließlich den Rangierbetrieb sicherte.

Quelle:
GeraNova, Neben- und Schmalspurbahnen in Deutschland (einst und
jetzt), Saarland, Strecke: Dillingen – Bouzonville, Autor: Rainer Schedler,
die Seiten 1 – 10.

BILD
Ein Zug verläßt Hemmersdorf in Richtung Niedaltdorf (1995), GeraNova

 

Europas Neubeginn – Johannes Hoffmann und das Saarland

 

Europas Neubeginn  –  Johannes Hoffmann und das Saarland

29.11.2017 19:00 Uhr  Miteinander der Generationen

Konrad-Adenauer-Allee 138

 

Der Film erzählt von dieser Regierungszeit, in der er das Saarland als Kern eines neuen Europas etablieren wollt.

Auch von seiner Vision zu Europa und zur deutsch-französischen Aussöhnung.

– seiner Geburt 1890
– Schulzeit
– sein Einsatz im 1. Weltkrieg
– seine Zeit als Berichterstatter für mehrere Zeitungen
– seine Rückkehr 1929 mit Familie an die Saar
– seine Zeit als Chefradakteuer der katholischen Saarbrücker Landeszeitung.

Berichtet wird auch davon, dass er von vielen verkannt und von anderen als europäischer Visionär gesehen wurde,

als  umstrittenste Figur der jungen Saarländischen Geschichte. Der Film möchte dem Zuschauer einen unvoreingenommen Blick

auf die Geschichte von Johannes Hoffmann und  des Saarlandes gestatten.

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JohoPortraet mit quelle saar-nostalgie

AUSSTELLUNG „50 JAHRE STEINRAUSCH“

Am Sonntag, dem 19. November 2017, wurde im Mehrgenerationenhaus die Ausstellung
"50 Jahre Steinrausch" um 11.00 Uhr eröffnet. Nach der Eröffnung durch Jürgen Michael
Paschek sprach  die Bürgermeisterin Marion Jost ihr Grußwort. Anschließend konnte bis
18.00 Uhr  die vorbereitete Ausstellung  besichtigt werden. Mehr Bilder auch auf unserer
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50 JAHRE STEINRAUSCH

Zum Abschluss der 50-Jahrfeier des Stadtteils Steinrausch
veranstaltet die Ortsinteressengemeinschaft (OIG) eine Aus-
stellung im Mehrgenerationenhaus (Miteinander der Genera-
tionen), Konrad-Adenauer-Allee 138, Saarlouis-Steinrausch.
Alle die im Steinrausch angesiedelten Einrichtungen und Ver-
eine sind mit ihren vielseitigen Beiträgen auf den zugewiese-
nen Stellwänden vertreten. Mit dabei ist auch der RODENA
Heimatkundeverein aus Saarlouis-Roden. 
 
Alle Interessenten sind herzlich dazu eingeladen.
 
Die Ausstellung ist am Sonntag, dem 19. November 2017,
nach der Eröffnung um 11.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet.

DIE PREISTRÄGER

DIE PREISTRÄGER DES VOM SAARWALD-VEREIN AUSGESCHRIEBENEN
SAARLÄNDISCHEN HEIMATPREISES 2017 STEHEN NUN FEST.
 

IN DER KATEGORIE "EINZELPERSONEN"

Wolfram Herzog aus Neunkrichen

IN DER KATEGORIE "GRUPPEN"

Bohnentaler Selbermacher, ein interkommunales Dorfprojekt

SONDERPREIS "IMMIGRANTEN"

Comitato San Paolino aus Dillingen

HIER DER LINK:

https://www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/heimat/auch-eine-werkstatt-ist-heimat_aid-6817824

DER MARTINSTAG (MARTINI)

AUTOR: Josef Theobald

Der 11. November ist dem ehemaligen Bischof von Tours gewidmet.
Dieser Mann namens Martinus wurde um 316 in Ungarn geboren und
war von 371 bis 397 Bischof. Sein Todestag war der 8. November. Die
Totenmesse wurde am 11. November gehalten. [1]

Nach dem Militärdienst bei der berittenen kaiserlichen Leibgarde lebte
Martin zunächst als Einsiedler. 361 gründete er bei Poitiers das erste
Kloster des Abendlandes. Trotz der späteren Bischofswürde lebte er
in persönlicher Besitzlosigkeit und kümmerte sich um die Sorgen und
Nöte des einfachen Volkes, das ihn sehr verehrte. Seine demütige und
einfache Lebensweise machten ihn zu einem Gegner des Klerus, weil
dieser um seine Privilegien und Reichtümer fürchtete.

Der Frankenkönig Chlodwig (481-511) erklärte Martin, der als erster
Nichtmärtyrer als Heiliger verehrt wurde, zum Nationalheiligen und
zum Schutzherrn der fränkischen Könige, die nunmehr den Mantel
Martins in Schlachten mitführten. [3] St. Martin gilt bis heute in den
alten saarländischen Pfarreien als der 2. Schutzpatron. Der Grund
hierfür liegt in den alten Besitzrechten der Abtei Lubeln (Longeville)
in der Nähe von St. Avold.  

Warum Martin in der Sage mit einer Gans in Verbindung gebracht wird,
ist nicht ganz klar. Es sollen ihn Gänse verraten haben, als er sich vor
seiner Wahl zum Bischof verbarg. Nach einer Legende sollen ihn Gänse
bei einer Predigt gestört haben.

Schon vor der christlichen Legendenbildung feierten die Germanen im
Herbst ein Wotan geweihtes Fest. In einem norwegischen Runenkalen-
der ist dieser Tag mit einer Gans gekennzeichnet. Mit der Gans wurde
symbolisch der Sommer geschlachtet und mit dem Verzehr des knus-
prigen Bratens übertrug sich die Fruchtbarkeit des Sommers auf den
Menschen. [1]

Noch heute wird traditionell am Martinstag die „Martinsgans“ gegessen.
Bereits im Mittelalter wurden die Gänse vor dem Winter geschlachtet,
da der Platz in den Ställen knapp bemessen war. Zudem bot auch der
Gänsebraten die letzte Gelegenheit für ein ausgiebiges Festmahl vor
der damals üblichen vorweihnachtlichen Fastenzeit. [3]

Der Martinstag war nach der alten Einteilung des Jahres wahrschein-
lich der Monats- und Winteranfang. Das Sprichwort „St. Martin zündet
das Feuer an.“ ist auf die Zeit zu beziehen, in der die Stuben geheizt
werden, was früher ohne Ofen durch das Herdfeuer geschah. [2]

Mancherorts (z. B. im Hessischen) gab es ein Schlachtfest mit Wurst-
brühe, Sauerkraut und Würsten. Andernorts sind Sänger mit Laternen
von Haus zu Haus gezogen, haben Lieder gesungen und dafür Äpfel,
Nüsse oder anderes geschenkt bekommen.

Der Vorabend des 11. November eines jeden Jahres markierte in der
früheren Zeit überall und auf dem linken Rheinufer bis zur 1. Hälfte des
20. Jahrhunderts das Ende des bäuerlichen Pacht- und Ackerjahres. Ein
Teil des Gesindes (Knechte und Mägde) wurde entlassen, soweit es im
Winter nicht beschäftigt (und verköstigt) werden konnte. Die erneuten
Einstellungen sind dann an Mariä Lichtmess (2. Februar) erfolgt. Durch
die Entlassung der als Arbeitskräfte in den nächsten Monaten nicht mehr
gebrauchten Menschen konnte eben der winterliche Nahrungsengpass in
der Arbeitspause ohne die nicht unmittelbar notwendigen Esser leichter
überdauert werden. [1]

Das wohl bekannteste Brauchtum am Martinstag bzw. am Vorabend ist
der Laternenumzug. Die Spitze bildet ein als St. Martin bekleideter Mann,
der auf einem Pferd reitet und häufig von einer als Bettler verkleideten
Person begleitet wird. Ihnen folgen die Kinder mit Laternen und singen
Martinslieder. Am Ende des Umzugs wird die Legende von der Mantel-
teilung nachgespielt. Im Anschluss erhalten dann die Kinder noch die
typischen Martins-Backwaren, wie die „Stutenkerle“, „Martinshörnchen“
oder „Martinsbrezel“.

Der Martinsumzug ist Teil der Lichtsymbolik, die an Allerseelen beginnt
und bis Lichtmess andauert. Er hat inzwischen das traditionelle Martins-
feuer fast vollständig verdrängt, dessen Ursprung auf die germanische
Wintersonnenwendfeier und das Erntedankfest zurückgeht.

Bei den evangelischen Christen ist auch der Martinstag der Tauf- und
Namenstag von Martin Luther. [3]   

ANMERKUNGEN
[1] Hans-Peter Ebert, Festtage zum Nachlesen (Hintergründe zu Zeit-
     rechnung und Brauchtum), DRW-Verlag, Leinfelden-Echterdingen
     2001, Seiten 105/6.
[2] Montanus, Die deutschen Volksfeste,  Volksbräuche und deutscher
     Volksglaube  in  Sagen,  Märlein  und  Volksliedern, Nachdruck der
     Ausgabe von 1854 bei Georg Olms Verlag, Hildesheim-Zürich-New
     York 2006, Seite 55.       
[3] Die wichtigsten Feier- und Gedenktage (Religiöse und nationale
     Feiertage weltweit), Chronik Bertelsmann, Wissen Media Verlag,
     Gütersloh/München 2009, die Seiten 64 + 65.
 

KEINE „INTERNATIONALE“ MEHR ZUM SENDESCHLUSS

AUTOR: Josef Theobald

VORWORT

Im Juni 1978 stellt plötzlich RADIO PEKING das Abspielen
der "Internationale" ein. Seit Bestehen des Pekinger Aus-
landsdienstes 1950 hatten sämtliche Sendungen mit der
"Internationale" geschlossen. Jetzt wird zum Abschluss der
Programme eine kurze, aber typisch chinesische Musik ge-
sendet. (Quelle: "Kurzwellenjahr im Zeitraffer" in "kurzwelle
aktuell" von Hermann Jäger)

HERMANN JÄGER beobachtete die Sendungen aus China
seit 1939. Der englischsprachige Dienst von RADIO PEKING
war im Jahre 1952 ohne Rufzeichen auf der Frequenz 15.060
kHz zu empfangen. Während des Koreakrieges gab es auch
zweisprachige Berichte in Englisch und Französisch über die
Lage des Krieges in Korea. (Quelle: "In alten Logbüchern ge-
blättert" in "kurzwelle aktuell")

Erste deutschsprachige Sendungen gibt es erst seit dem 15.
April 1960. In Westdeutschland war die Situation für den Kreis
der Kommunisten schwierig geworden. Denn in der Hochphase
des Kalten Krieges wurde die KPD am 17. 08. 1956 verboten.
Hinzu gesellten sich auch verschiedene Einbrüche, wie im
Jahre 1956 die Auseinandersetzungen um das Erbe Stalins
(Geheimrede Chruschtschows auf dem XX. Parteitag der
KPdSU im Februar in Moskau) und die Ereignisse in Prag
im August 1968 (gewaltsame Niederschlagung des Prager
Frühlings). Dies bedeutete in der Praxis eine Spaltung der
kommunistischen Bewegung in eine prosowjetische und in
eine prochinesische / proalbanische Richtung. In Rotchina
z. B. hatte man im Gegensatz zum Sowjetblock trotz einiger
Vorbehalte das Erbe Stalins weiterhin hochgehalten und die
Vorgänge in der damaligen CSSR sehr scharf verurteilt. Im
Vergleich zur prosowjetischen Richtung, die sich am 25. 09.
1968 in Frankfurt (Main) erfolgreich zur DKP vereinigen kon-
nte, blieb die prochinesische Richtung eher ein versprengter
Haufen. In den Achtzigern bildete der studentische Zweig die
späteren unterschiedlichen K-Gruppen innerhalb der sich in
in Westdeutschland etablierenden grün-alternativen Bewe-
gung. Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes in der
Bundesrepublik hatten diese Mitte der Siebziger Jahre rund
15.000 Mitglieder.

BEITRAG

Die Sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts waren geprägt
einerseits durch die wirtschaftliche Prosperität und anderer-
seits durch eine wachsende militärische Bedrohung. Denn
beginnend mit der Kuba-Krise (damit verbunden die Span-
nungen an der Berliner Mauer), schließlich endend mit den
verheerenden kriegerischen Auseinandersetzungen in Süd-
ostasien (Stichwort: Vietnam-Krieg) und ebenfalls begleitend
von den damals schwelenden Konflikten an der chinesisch-
sowjetischen Grenze.

Besonders Rotchina litt damals unter der Rivalität beider
Supermächte USA und Sowjetunion. Mao Zedong wies
in einer Erklärung vom 20. Mai 1970 hin: „Die Gefahr ei-
nes neuen Weltkrieges bleibt immer noch bestehen, und
die Völker aller Länder müssen Vorbereitungen treffen.
Aber die Haupttendenz in der heutigen Welt ist Revolu-
tion.“ (Der X. Parteitag der KP Chinas -Dokumente-, die
Seite 33) Dabei bezog er sich auf Lenin, der feststellte:
„Ist der gegebene Krieg ein reaktionärer, imperialistischer
Krieg, d. h. ein Krieg, der von zwei Weltgruppen der im-
perialistischen, gewalttätigen, räuberischen, reaktionären
Bourgeoisie geführt wird, so wird jede Bourgeoisie (sogar
die eines kleinen Landes) zur Teilnehmerin am Raube,
und es ist meine Aufgabe, die Aufgabe eines Vertreters
des revolutionären Proletariats, die proletarische Welt-
revolution als einzige Rettung vor den Schrecken des
Weltgemetzels vorzubereiten.“ (W. I. Lenin, „Gegen den
Revisionismus“, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1959, Seite 422)  

Die Folgen des „kalten Krieges“ findet man auch in China.
Denn diese Angst vor einem Atomangriff auf der Seite der
Sowjetunion gebar in den Sechziger Jahren die Idee einer
„unterirdischen Stadt“ in Peking, die heute eine „Attraktion“
darstellt. Im unterirdischen Tunnellabyrinth empfangen z. B.
Restaurants und Hotels ihre Gäste. Manche Zugänge ver-
bergen sich unter Gleitböden in nahen Geschäften. (Viva
Guide, CHINA, RV-Verlag, Stuttgart 1995, Seite 67)
    
NACHTRAG

Im Juli 1978 erschien in der BEIJING RUNDSCHAU eine
dreiteilige Serie, verteilt auf zwei Ausgaben, mit dem Titel
"Ein Grundprinzip des Marxismus", die eine Erklärung für
den obigen Schritt bietet. Dieses Thema entsprang noch
dem kürzlich durchlebten Trauma der Kulturrevolution. So
gab es lediglich unter Berücksichtigung der propagierten
Erkenntnistheorie die Lösung, das Richtige vom Falschen
zu unterscheiden. Damit war man gefordert, jetzt an den
neuen historischen Bedingungen teilzuhaben, das in der
Praxis eine Weiterentwicklung der bisherigen Ideologie
bewirkte. (BR Nr. 28 + 29 vom 18./25. Juli 1978)

Auf Mao Zedong geht der Satz zurück: „Wir müssen auf
das Richtige bauen und dürfen nicht an das glauben, was
falsch ist, komme es aus alter oder aus der neueren Zeit.“
(Ausgewählte Werke, Band V, Beijing 1978, Seite 164)  

In Bezug auf den Export der chinesischen Revolution wurde
man später noch deutlicher. "Der Erfolg der Revolution in ei-
nem Land hängt davon ab, ob die konkreten Bedingungen
des betreffenden Landes reif sind und ob die Linie und die
Politik der kommunistischen Partei dieses Landes von den
eigenen Volksmassen unterstützt werden. Es versteht sich
von selbst, dass die Parteien der verschiedenen Länder sich
gegenseitig helfen sollen, aber jeder Zwang, jedes Diktat von
außen ist absolut unzulässig. Wer die eigenen Ansichten den
anderen aufzwingt und sich in die inneren Angelegenheiten der
Partei eines anderen Landes einmischt, kann der revolutionären
Sache des betreffenden Landes nur Rückschläge und Niederla-
gen zufügen." (CHINA UND DIE WELT, Band 3, Beijing 1983, S
eite 17)  Das war eine klare Absage. Damit waren jetzt jegliche
Hoffnungen in Richtung einer Neubelebung prochinesischer
Parteien begraben. Schon frühere Besuche entsprechender
Delegationen in Beijing sorgten für eine Ernüchterung, als
mögliche finanzielle Zuwendungen für den Parteiaufbau zur
Sprache kamen. Man sah eben hier für den westdeutschen
Raum kein Entwicklungspotenzial. So blieb nur der einzige
Weg, sich den Bündnisgrünen anzuschließen, bei denen es
in ökologischen Fragen durchaus Parallelen gab.  
      
Auch sorgten einige Veröffentlichungen in der Volksrepublik
China, z. B. über die chinesische Philosophie, für ein wohl
differenziertes Bild. Denn Mao verband in seinen Schriften
die traditionelle chinesische Sichtweise mit dem in Russland
entwickelten dialektischen und historischen Materialismus.
Typisch ist hier das dualistische Denken, wie es von Lao Zi
(Laotse) in China begründet wurde. Auch ist für den Asiaten
charakteristisch die in jedem Denkmodell fehlende Absolutheit.
Denn man sieht vorwiegend bei ihm das Relative in der Vielheit,
das auch seinen Verstand bestimmt.   
 
 

SCHEIDUNG VON SOZIALDEMOKRATEN UND PROTOMARXISTEN

AUTOR: Josef Theobald

VORWORT
Am 7. November 2017, vor genau 100 Jahren, brach in Russland die Große
Sozialistische Oktoberrevolution aus. Der Ablauf dieser Revolution war da-
mals lediglich in Russland denkbar. Durch Georgi Walentinowitsch Plecha-
now (1856-1918) kam der Marxismus nach Russland. Damals glaubte man
allerdings zunächst, dass die Arbeiter nur einen ökonomischen Kampf zu
kämpfen hätten. Allein den Intellektuellen im Bunde mit den Liberalen sei
die Politik zu überlassen. Erst unter Wladimir I. Lenin (1870-1924) faßten   
im russischen Großreich revolutionäre Ideen, wie der Klassenkampf, Fuss.
 
BEITRAG
Durch die Auseinandersetzungen von Karl Kautsky (1854-1938) und Eduard
Bernstein (1850-1932) mit den radikalen Linken in Russland unter W. I. Lenin
(1870-1924) wurde eine Scheidung mit den Sozialdemokaten in Deutschland
eingeleitet. Mit seiner Schrift „Marxismus und Revisionismus“ vom April 1908
sorgte Lenin dann für eine endgültige Trennung zwischen Sozialdemokraten
und Protomarxisten.
 
Die Ursachen der Trennung lagen in vier Punkten. Zum ersten verwarf der
sozialdemokratische Theoretiker Bernstein die Verelendungstheorie. Zum
zweiten erblickte er durch die wachsende Beschäftigung von Intellektuellen
in den neu entstehenden Betrieben in Deutschland einen neuen Mittelstand.
Zum dritten sah er in den Unternehmenskartellen zusehends Vorteile für die
äußeren Märkte durch die zunehmende Spekulation. Zum letzten verwies er
auf den wachsenden Einfluss der Arbeiterschaft auf die Politik durch die statt-
gefundenen Wahlen für den Reichstag. [1]
 
Ein weiterer strittiger Punkt war die historische Einordnung der Sozialdemokratie.
Durch E. Bernstein wird die Arbeiterbewegung von jetzt an als eine ursprünglich
liberale Bewegung gesehen. Am Beispiel Englands hatte schon F. Engels durch
die dortige Industrie, die Ausdehnung der Eisenbahnen, Ozeandampfer und auch
anderer Verkehrsmittel den Grund dafür gesehen, dass sich die Arbeiter in die Ab-
hängigkeit von den Liberalen gebracht hatten, bei denen sie den radikalen Flügel
bildeten. Dies hatte sich erst mit der Chartistenbewegung geändert. [2]   
 
Als ein weiteres Beispiel aus Deutschland kann der Bergarbeiterstreik von 1889
gelten, der durch die Intervention der liberalen Opposition im Reichstag beendet
werden konnte. [3]
 
Schon früher wurde darauf hingewiesen, dass sich die wirtschaftliche Lage im
Deutschland des 19. Jahrhunderts durch eine zunehmende Industrialisierung
erheblich verbesserte. Dazu kamen die veränderten Exportbedingungen in-
folge schon bestehender, durch Deutsche geführte Kontore in aller Welt.
 
Erst nach dem I. Weltkrieg schien es in Deutschland die Möglichkeit einer von
außen betriebenen Einflussnahme zu geben. Nach dem Bestehen der Gruppe
„Internationale“ [4] und der Gründung der KPD über den Weg einer Gründung
des Spartakusbundes [5] schien der Einfluss Moskaus zu wachsen. Unter J.
Stalin gab es während der Weimarer Republik den gewaltigen Versuch, trotz
linker wie rechter Abweichungen stärkste politische Kraft in Deutschland zu
werden. Doch ist man schließlich in der Realität an den deutschen National-
sozialisten gescheitert. Nach dem II. Weltkrieg war es der „kalte Krieg“, der
das Wiedererstehen kommunistischer Parteien erschwerte. Doch blieb der
Wunsch der früheren DDR-Politik nicht gering, auch in der Bundesrepublik
entsprechenden Einfluss zu haben. Dagegen blieb der Einfluss Rotchinas
und Albaniens mäßig, weil man hier nur ein halbherziges Interesse an den
Tag legte. In China während der Ära Deng Xiaopings gab es sogar lediglich
den politischen Willen, den Sozialismus chinesischer Prägung zu realisieren,
d. h. man war davon ausgegangen, dass das hier propagierte politische und
ökonomische System nicht ohne weiteres auf andere Länder zu übertragen
sei.  
   
ANMERKUNGEN
[1] W. I. Lenin, Werke, Band 4, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1955, die Seiten
     195 – 197.    
[2] Marx – Engels, Werke, Band 22, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1963, hier
     die Seiten 308 + 309.
[3] Marx – Engels, Über Deutschland und die deutsche Arbeiterbewegung,
     Band 3: Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, Dietz Verlag, Berlin-
     Ost 1980, Seite 694.
[4] Die Gruppe „Internationale“ wurde im Frühjahr 1915 mit einer Zeitschrift
     gleichen Namens gegründet. Sie wollte während des I. Weltkrieges den
     „Burgfrieden“ durchbrechen und stand für einige Friedensaktionen. Trotz
     ihrer mehrjährigen Tätigkeit gelang es ihr nicht, zur Vereinigung der inter-
     nationalen Linken beizutragen. Ihre Hauptvertreter waren Karl Liebknecht
     und Rosa Luxemburg. (W. I. Lenin, Über Deutschland und die deutsche
     Arbeiterbewegung, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1976, Seiten 414 + 446) In
     den späteren Jahren hatte Stalin der KPD kaum vertraut. Denn er hatte
     hier stets aufgrund ihrer sozialdemokratischen Traditionen eine rechte
     Gefahr unterstellt, von der die KPD noch lange nicht befreit war. (J. W.
     Stalin, Werke, Band 11, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1954, Seite 275)
[5] Die „Spartakusleute“ galten in der Sowjetunion als die einzige Gruppe
     in Deutschland, die wirklich gegen das Joch des Kapitalismus kämpfte.
     Diese Namensgebung geht auf den Helden „Spartakus“ in der Epoche
     des Römischen Reiches mit den größten Sklavenaufständen zurück.

     (W. I. Lenin, Werke, Band 29, Seite 472) Jene Hauptvertreter dieser
     Gruppe waren Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Nach dem Tod
     Stalins und der einsetzenden Entstalinisierung im Sowjetblock wurden
     beide offiziell rehabilitiert. In China und Albanien blieb die alte kritische
     Haltung gegenüber beiden Persönlichkeiten bestehen.
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