REISE IN DIE VERGANGENHEIT

AUTOR: Josef Theobald

Im Jahre 2015 besuchte ich mit früheren Absolventinnen der
Kinderpflegeschule die Propstey St. Josef in Taben-Rodt. Zu
jener Zeit war dieses Haus schon eine Jugendhilfeeinrichtung,
geführt von den Pallottinern.

Ich selbst war im Schuljahr 1967/68 dort. Es wurde damals
eine Empfehlung für das Gymnasium benötigt.

Die Erzieherinnen aus Beuel am Rhein wechselten nach den
Osterferien. Ihr Anerkennungsjahr endete zu diesem Zeitpunkt.
Erzieherinnen aus dem eigenen Haus übernahmen die Kinder-
betreuung.

In guter Erinnerung blieb die spätere Schwester Antonia. Wir
Jungs hatten sie öfters hochgenommen, weil Jesus Christus
schon mit vielen anderen Ordensschwestern liiert war. Doch
blieb sie ihrer Berufung treu.

Die Kinder sammelten Esskastanien, pflückten Heidelbeeren
und entfernten Birkenäste. Dies alles wurde in der eigenen
Küche verwertet.

Auch stellten Kinder aus dem Internat das Kinderprinzenpaar
für den stattfindenden Karnevalsumzug. Vor den Mauern des
Klosters war noch so viel Platz, dass Fahrgeschäfte aufgestellt
werden konnten. Im Jahre 2015 war die Bebauung der Kirch-
straße so fortgeschritten, dass hierfür kein Platz mehr da war.
In der Turnhalle liefen die Gemeinschaftsveranstaltungen ab.

Das Kloster war ein Selbstversorger. Man backte selbst Brot
und stellte die Butter selbst her. Die betriebene Landwirtschaft
versorgte das Kloster mit den benötigten Produkten.

Die Erziehungsmethoden waren dagegen grenzwertig. Typisch
für das Internat war das Treppenlaufen, wenn die Kinder zu laut
waren. Auch gab es hin und wieder Prügelstrafen.

Die Kinder schliefen in Etagenbetten. In einer Schulklasse waren
mehrere Schuljahrgänge untergebracht. Ausländischen Kindern
wurde ein Förderunterricht geboten. Die Schüler, die das Internat
verließen, wurden in die Skapulierbruderschaft aufgenommen.

In guter Erinnerung blieben mir Wanderungen durch die Gegenden
an der Saar. Einmal erreichten wir sogar Saarhölzbach. Oft waren
wir in der Michaelskapelle. Es gab ausgedehnte Indianerpfade. In
Hamm befand sich für Kinder ein idealer Abenteuerspielplatz.

DIE BEDEUTUNG VON OSTERN

AUTOR: Josef Theobald

An Ostern feiern die Christen die Auferstehung Jesu Christi. Es ist
das älteste und höchste Fest im Kirchenjahr. Ein liturgischer Höhe-
punkt ist die Feier der Osternacht zwischen Karsamstag und Oster-
sonntag. Das Osterfest ist aus dem jüdischen Passahfest (auch:
Pascha oder Pessach) hervorgegangen, an dem die Juden die
Befreiung der Israeliten aus Ägyptischer Gefangenschaft feiern.

Der Zeitpunkt der Osterfeier war nicht überall derselbe. In den rom-
orientierten Kirchen wurde das Fest stets am Sonntag gefeiert, und
zwar an dem Sonntag, der auf den 14. Nisan nach dem jüdischen
Kalender fiel und folgte, in der Annahme, dass der Herr an einem
Sonntag auferstand. In der Provinz Asia proconsularis aber hielt
man es, und zwar unter der Berufung auf den Apostel Johannes,
mit den Juden ohne Rücksicht auf den Wochentag stets am 14.
Nisan (Luna XIV), am Todestag des Herrn selbst, sofern er am
14. Nisan starb (Quartodecimanismus). Hier gab es eine Aus-
einandersetzung zwischen Polykarp von Smyrna mit dem Papst
Anicet in Rom. Zu einem Streit kam es aber unter Papst Viktor
(189-198). Viktor exkommunizierte zunächst die Anhänger des
Quartodecimanismus. Doch durch die Vermittlung des Irenäus
von Lyon war bald der Friede wiederhergestellt. Im Laufe des 3.
Jahrhunderts ließen schließlich die asiatischen Gemeinden, nur
wenige ausgenommen, von ihrem Sonderbrauch ab. [1]

Viele Sprachen haben den aramäischen Namen dieses jüdischen
Festes für das Osterfest übernommen. Der wohl älteste literarische
Beleg für Ostern findet sich beim Kirchenlehrer Beda Venerabilis
(647-735) mit „Eostro“. Aus dem griechischen „éos“ („Morgenröte“)
entstanden sowohl das englische Wort „Easter“ als auch die deutsche
Bezeichnung „Ostern“. Die Morgensonne steht symbolisch für den auf-
erstandenen Christus. Seit dem 1. Konzil von Nizäa (325) wird Ostern
am Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond gefeiert. Da die ortho-
doxe Kirche der Kalenderreform unter Papst Gregor XIII. im Jahre 1582
nicht folgte, feiern Ost und West zumeist an unterschiedlichen Tagen.

Im Zusammenhang mit Ostern gibt es zahlreiche Osterbräuche. Der
wohl bekannteste ist, bemalte Eier zu verschenken. [2] Hinzu kommen
populäre Festpraktiken. Dazu gehörten mittelalterliche Passions- und
Osterspiele, in denen biblische Erzählungen thematisiert wurden. Im
Spätmittelalter fand sich die Praxis des Ostergelächters, mit denen
die Gemeinde auf derbe Geschichten und Gesten in der Osterpredigt
reagierte. Die Segnung der Speisen (Osterbrot) und gemeinsames
Osteressen beschloss das vorangehende Fasten. Ostereier und
-hasen sind heute Insignien von Ostern als Kinderfest, sie nehmen
Bezug auf naturzeitliche Symbolik oder sind mit Elementen sozialer
Praxis verknüpft. So gelten etwa „Eier“ religionsgeschichtlich als
Fruchtbarkeitssymbole und versinnbildlichen im österlichen Kon-
text den Ursprungsort neuen Lebens. Sie fungieren zugleich als
besondere Nahrungsmittel für Kinder oder Wöchnerinnen und als
Abgaben des zu Ostern zu entrichtenden Zinses. Grundmotiv der
christlichen Ostersymbolik sind der Kontrast, Übergang und Weg
von Dunkelheit zu Licht. [3]

Bis zum 16. Jahrhundert wurden im Volksglauben die Ostereier
von ganz unterschiedlichen Tieren gebracht. In einigen Regionen
kamen sie beispielsweise vom Fuchs, in anderen vom Hahn, vom
Storch und vom Kuckuck. Spätestens ab dem 18. Jahrhundert ist
nur noch der Hase als Frühlingsbote und Ostersymbol bekannt.
Der Hase ist das Tier der Liebesgöttin Aphrodite sowie der ger-
manischen Erdgöttin Holda. Er ist aber nicht nur Götterbote, er
ist auch ein altes Zeichen für das Leben und für die Fruchtbar-
keit, da die Hasen im Frühjahr sehr vielen Jungen das Leben
schenken.

In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag oder in der darauf-
folgenden Nacht werden vielerorts Osterfeuer angezündet. Diesen
Brauch kannten schon die Germanen. Das Feuer sollte den Winter,
aber auch die Dämonen und Geister vertreiben. Darum wurden oft
Strohpuppen in der Mitte des Holzhaufens aufgestellt und verbrannt.
Bis heute wird der Brauch, am Ostersonntag Feuerräder einen Berg
herunterrollen zu lassen, gepflegt. Die brennenden Räder stellen ein
Bild der Sonne und des ewigen Lebens dar.

Seit Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. sind jährlich wiederkehrende
christliche Osterfeiern mit Gottesdiensten belegt. Diese wurden zu-
nächst als Versinnbildlichung des Übergangs vom Tod zum Leben
und damit der Auferstehung Jesu als nächtliche Eucharistie (als die
Vigilien) begangen. Seit dem 6. Jahrhundert kontinuierlich auf den
Karsamstagmorgen vorverlegt, gilt nun seit dem 16. Jahrhundert
der Gottesdienst am Ostersonntag als eigentliche Osterfeier; die
orthodoxen Kirchen haben die Nachtfeier bis heute als Hauptfest
beibehalten.

Nimmt man als Ursprung für das Osterfest das jüdische Pessach,
so ist bei dieser Feier ein Hirtenfest vorauszusetzen, an dem ein
Lamm geschlachtet wurde. Darauf wird auch die Verbreitung des
Osterlamms zurückgeführt. Denn im Christentum wurde das Oster-
lamm mit Christus gleichgesetzt (1. Korinther 5,7b). [4]

ANMERKUNGEN
[1] Bihlmeyer–Tüchle, Kirchengeschichte, Erster Teil:
Das christliche Altertum, 12., verbesserte und ergänzte
Auflage, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 1951, §
25,3.
[2] Manfred Becker-Huberti / Helmut Lota, KATHOLISCH A-Z,
das Handlexikon, Verlag Herder, Freiburg (Breisgau) 2009,
Seiten 186/87.
[3] Taschenlexikon „Religion und Theologie“, Band 3: O-Z,
Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2008, Seite 893.
[4] Die wichtigsten Feier- und Gedenktage (Religiöse und
nationale Feiertage weltweit), Bertelsmann Chronik, Wissen
Media Verlag, Gütersloh/München 2009, Seiten 32 + 33.

DER TAG „KARFREITAG“

AUTOR: Josef Theobald

„Karfreitag“ ist abgeleitet vom althochdeutschen „kara“, das „Trauer,
Wehklagen“ bedeutet. Im Kirchenjahr ist dies der Freitag vor Ostern.
Im Christentum gilt dieser Tag als Tag der Kreuzigung Jesu. Dieser
Tag wird als Fasttag und, im Zeichen der Trauer, in Stille und Besin-
nlichkeit begangen. Hier versammeln sich am Nachmittag des „Kar-
freitag“ die katholischen Christen zum Wortgottesdienst mit der Ver-
lesung der Passionsgeschichte, zur Kreuzverehrung (das mit einem
violetten Fastentuch bedeckte Kreuz wird enthüllt und mit dem Knie-
beugen verehrt) und zur anschließenden Kommunionfeier. In vielen
katholischen Gemeinden finden am Morgen des „Karfreitags“ Kreuz-
wegandachten statt. [1]

Auf Blumen und Kerzen als Schmuck auf dem Altar wird verzichtet,
die Orgel und die Glocken schweigen. In vielen Kirchen werden an
diesem Tag das Kreuz und der Altar mit einem schwarzen Tuch ver-
hängt.

Am Karfreitag werden noch heute verschiedene Brauchtümer ge-
pflegt. Christen essen an diesem Tag Fisch, weil der Fisch eines
der ältesten Symbole ist, mit dem sie sich zu erkennen geben. Das
Wort „Fisch“ heißt auf Griechisch „Ichthys“. Das sind die Anfangs-
buchstaben von „Jesus Christos Theos Yos Soter“, also in Deutsch:
„Jesus Christus, Gottes Sohn, Retter“.

Nach altem Volksglauben ist der Karfreitag aber nicht nur ein Un-
glücks-, sondern wegen des beginnenden Frühlings und des damit
verbundenen Neuanfangs auch ein Glückstag. Menschen, die an
diesem Tag sterben, werden selig.

Bereits seit dem 2. Jahrhundert wird der Karfreitag als Tag des
Gedenkens an die Kreuzigung Jesu begangen. In Jerusalem
feierte man schon im 3. Jahrhundert die ganze Heilige Woche,
indem man den durch Steine oder auch Kapellen markierten
historischen Passionsweg Jesu vom Haus des Pilatus bis zum
Kalvarienberg nachging.

Vorläufer der heutigen Kreuzwegandachten mit seinen 14 Stationen
entstanden seit dem 15. Jahrhundert besonders unter dem Einfluss
des Franziskanerordens. Um 1700 verlegte man den Kreuzweg auch
in das Innere der Kirchengebäude: Bilder an den Wänden hielten der
Gemeinde die Stationen des leidenden Gottessohns von seiner Ver-
urteilung bis zur Grablegung vor Augen.

Für die frühen Christen war der Weg Christi zum Kreuz jedoch weniger
ein Leidens- als ein Triumphweg. Er führte zum endgültigen Sieg über
den Tod; das Kreuz war das Siegeszeichen (1. Korinther 15,55-57).
Für den Bereich der evangelischen Kirche hat die Erlösung von den
Sünden durch den Kreuzestod zentrale Bedeutung für den Glauben.
Für die Katholiken ist jedoch das Osterfest – der Tag der Auferstehung –
der höchste kirchliche Feiertag. [2]

Das jüdische Passa oder Pessach ist ein Fest, das wegen des Mondka-
lenders je nach Jahr auf einen anderen Wochentag fallen kann. Zur Zeit
Jesu fiel das Passa auf den 15. Abib (Nisan). Der 14. Abib galt dagegen
als Rüsttag. Auf den Freitag fiel der 14. Abib nur im Jahre 33 n. Chr. In
der Diskussion sind auch andere Jahre, an denen Jesus Christus den
Tod am Kreuz erlitt. Fiele das Todesjahr auf das Jahr 31, so müsste
als Rüsttag der Mittwoch ins Auge gefasst werden. [3]

ANMERKUNGEN
[1] Manfred Becker-Huberti/Ulrich Lota, KATHOLISCH (A-Z),
Das
Handlexikon, Verlag Herder in Freiburg (Breisgau) 2009,
Seite
123.
[2] Die wichtigsten Feier- und Gedenktage (Religiöse und na-
tionale
Feiertage weltweit), Bertelsmann Chronik, Wissen Media
Verlag,
Gütersloh/München 2009, Seiten 26 + 27.
[3] Herman L. Hoe, Die Kreuzigung war nicht an einem Freitag,
Am
bassador College, Pasadena CA 1974, Seite 18.

DIE FASTENZEIT

AUTOR: Josef Theobald

Am Beispiel vom vierzigtägigen Fasten Jesu in der Wüste (Lukas
4,1-13) orientiert sich der christliche Fastenbrauch. So gelten die
40 Tage vor Ostern als dauernde Vorbereitung für dieses höchste
Fest im Kirchenjahr.

Die Fastenzeit beginnt mit Aschermittwoch und endet mit der Oster-
nacht, wobei die jeweiligen Sonntage keine Fasttage sind und des-
halb nicht mitgezählt werden.

Als äußeres Zeichen der Buße und Besinnung sollen die Gläubigen
in dieser Zeit Verzicht auf persönliche Annehmlichkeiten üben, nur
eine volle Mahlzeit pro Tag und zwei kleine Stärkungen zu sich neh-
men. An allen Freitagen gilt das Gebot der Abstinenz, der Enthaltung
von Fleischspeisen. Zwei Tage im Jahr sind Fast- und Abstinenztage
zugleich: Aschermittwoch und Karfreitag. [1]

Der Brauch des Fastens kam den im 2. und 3. Jahrhundert sich ver-
stärkenden asketischen Tendenzen entgegen.

Durchgehende Nahrungsaskese wurde vor allem im östlichen Mönch-
tum mit großer Strenge praktiziert. So soll die Nahrung des ägyptischen
Wüstenvaters Antonius nur aus Brot, Salz und Wasser bestanden ha-
ben. Ab dem 4. Jahrhundert bildeten sich allmählich die großen, auch
heute prägenden Fastenzeiten heraus. Im 7. Jahrhundert legte die west-
liche Kirche die Tage von Aschermittwoch bis Ostern unter Ausschluss
der Sonntage als Fastenzeit fest, während die östlichen Kirchen sieben
Wochen vor Ostern die Fastenzeit beginnen lassen, aber zusätzlich auch
den Samstag als Fastengebot ausnehmen. [2]

ANMERKUNGEN
[1] Manfred Becker-Huberti - Ulrich Lota, KATHOLISCH A – Z,
Das Handlexikon, Verlag Herder, Freiburg (Breisgau) 2009,
Seite 81.
[2] TASCHENLEXIKON RELIGION UND THEOLOGIE, Band 1: A-F,
Verlag Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2008, Seite 361.

DER INTERNATIONALE FRAUENTAG

AUTOR: Josef Theobald

In Europa war die deutsche Sozialistin Clara Zetkin (1857-1933)
federführend für die Frauenbewegung. Auf dem Internationalen
Sozialistenkongress in Stuttgart von 1907 wurde eine Resolution
über das Frauenwahlrecht einstimmig angenommen. Allerdings
sprach sich der Kongress dafür aus, dass die Arbeiterinnen den
Kampf um das Frauenwahlrecht nicht gemeinsam mit den bürger-
lich-konservativen Frauenrechtlerinnen führen sollten. Außerdem
erkannte der Kongress die Notwendigkeit der Vertretung der so-
zialistischen Prinzipien und ebenso im vollen Umfang die Gleich-
berechtigung von Männern und Frauen an. Auch dürften diese
Prinzipien nicht aus irgendwelchen Zweckmäßigkeitsgründen
geschmälert werden. [1]

Auf die Initiative Clara Zetkins hin beschloss die 2. Internationale
Sozialistische Frauenkonferenz am 27. August 1910 im dänischen
Kopenhagen die Einführung eines als Welttag jährlich zu begehen-
den Internationalen Frauentags. Hier kamen hundert Delegierte aus
17 europäischen Ländern zusammen und setzten sich gemeinsam
für die Fraueninteressen ein und machten die Ausbeutung und Un-
terdrückung der Frau zu einem politischen Thema. [2] Der geforderte
Frauentag sollte in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht
dienen und auch internationalen Charakter tragen. Dieser Beschluss
war ein Sieg der revolutionären Kräfte und ein wichtiger Schritt zum
internationalen Zusammenschluss und zur festen Einbeziehung der
proletarischen und fortschrittlichen Frauen in den Befreiungskampf
der Arbeiterklasse. [3]

Eine weitere Internationale Sozialistische Frauenkonferenz fand im
März 1915 in Bern statt. Sie wurde auf Anregung der Auslandsver-
tretrinnen der bolschewistischen Frauenorganisationen von Clara
Zetkin, der Sekretärin des Internationalen Sozialistischen Frauen-
büros einberufen. Wichtigster Tagesordnungspunkt war die inter-
nationale Friedensaktion der sozialistischen Frauen. [1]

Zu den zentralen Forderungen der Internationalen Sozialistischen
Frauenkonferenzen zählten neben dem Frauenwahlrecht der Acht-
stundentag, Gesetze zum Arbeitsschutz, ein ausreichender Schutz
von Müttern und Kindern, sowie die gleiche Entlohnung für gleiche
Arbeitsleistung.

Heute orientieren sich die Themen auf den Veranstaltungen und
Demonstrationen des Internationalen Frauentages an aktuellen
politischen Situationen. Im Mittelpunkt steht somit der Kampf
gegen die Frauendiskriminierung, etwa die Forderungen nach
Chancengleichheit und Gleichberechtigung auf dem Arbeits-
markt oder nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit.

1921 legte die 2. Kommunistische Frauenkonferenz in Moskau
den Gedenktag für die Rechte der Frauen auf den 8. März fest.
Denn am 8. März 1917 traten die Arbeiterinnen und Soldaten-
frauen eines armen Stadtviertels von St. Petersburg in einen
großen Streik, der sich wie ein Flächenbrand ausbreitete und
letztlich die „Februarrevolution“ auslöste, die den russischen
Zar zu Fall brachte. Mit dieser Datierung sollte der Kampf
aller ausgebeuteten und unterdrückten Frauen ein interna-
tionales Gewicht bekommen.

Heute ist der 8. März in den meisten Ländern der ehemaligen
Sowjetunion und in den sozialistischen Ländern wie Kuba ein
gesetzlicher Feiertag. In der Volksrepublik China haben die
Frauen nachmittags arbeitsfrei. Im Verlauf der Sechziger
Jahre erlangte in Deutschland der Internationale Frauentag
im Zuge der Frauenbewegung wieder mehr Aufmerksamkeit.
Seit 1977 ist dieser internationale Gedenktag auch von der
Generalversammlung der Vereinten Nationen anerkannt. [2]

ANMERKUNGEN
[1] W. I. Lenin, Über Deutschland und die deutsche
Arbeiterbewegung, 4. ergänzte und erweiterte Aufla-
ge, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1976, die Seiten 186
+ 744/45.
[2] Die wichtigsten Feier- und Gedenktage (Religiöse
und nationale Feiertage weltweit), Bertelsmann Chro-
nik, Wissen Media Verlag, Gütersloh/München 2009,
Seiten 205 + 206.
[3] KLEINES POLITISCHES WÖRTERBUCH, 4. Auflage, im
Dietz Verlag, Berlin-Ost 1983, Seite 428.

DIE FASTNACHT

AUTOR: Josef Theobald

Die Fastnacht ist ursprünglich der Abend vor Beginn der Fastenzeit.
Seit dem 15. Jahrhundert umfasst dies ebenfalls die ganze Woche
davor. So unterschiedlich das Fastnachtsbrauchtum (Verkleidungen,
Umzüge, Sitzungen, Repräsentationen wie Prinz Karneval), so auch
regional verschieden die Bezeichnungen für die „närrischen Tage“ in
ursprünglich katholischen Gegenden. Das Wort „Fastnacht“ (regional
auch: Fassenacht, Fasnacht, Fastelovend oder Fosenet) wird vor al-
lem in Mainz und Umgebung verwendet, in den schwäbisch-alemanni-
schen Gebieten ist vom „Fasnet“ die Rede. Vom Ausdruck „Fasching“
spricht man insbesondere im bayrisch-österreichischen Raum. Im Köl-
ner Raum wird dagegen „Karneval“ (oder „Fasteleer“) gefeiert. Die Aus-
legung, das Wort stamme vom Italienischen „carne vale“ und bedeute
„Fleisch, lebe wohl“, ist umstritten. Höhepunkte der Fastnachts- oder
Karnevalswoche sind der Donnerstag vor Aschermittwoch (Weiberfast-
nacht), Rosenmontag und der Veilchendienstag, an dem der Karneval
oft „feierlich“ zu Grabe getragen wird. Die Fastnacht gilt ja weltweit als
ein katholisches Phänomen, weil sie ein Schwellenfest zur Fastenzeit
nach katholischem Brauch ist. [1]

Eine historische Äquivalenz finden wir in der Römerzeit bei dem Fest
der „Saturnalia“, also ein Fest des altitalienischen Gottes „Saturnus“.
Die „Saturnalia“ erinnerten in ihrem Charakter an die Saturnia regna,
also an das goldene Zeitalter unter Saturnus, als es noch keine Klas-
sen und keinen Privatbesitz gab: der Unterschied zwischen Herren
und Sklaven war aufgehoben. Sklaven genossen ihre Freiheit, spei-
sten mit ihren Herren oder wurden von ihnen bedient. Die „Saturna-
lia“ trugen in ihrer Ausgelassenheit und Fröhlichkeit den Charakter
des Karnevals, man schenkte sich Kerzen und Tonfiguren; das be-
liebte Fest wurde bis zum Ausgang der Antike gefeiert. [2]

In Italien, vor allem in Neapel, Rom und Venedig, war der Karneval
besonders im 18. Jahrhundert populär. Er fand dann wieder über
Frankreich Einzug in Deutschland. In Vorbereitung auf die Fasten-
zeit wurde eine letzte Zeit des Sich-Auslebens erlaubt, in der sinn-
liche Genüsse und gewisse Ausschweifungen zugelassen waren.
Der erste Karnevalsumzug fand in Köln wieder im Jahre 1823 statt.
Die Stadt Köln wurde 1815 als Metropole der Rheinprovinz Teil des
Königreichs Preußen und hatte damit seinen Status als Freie Reichs-
stadt verloren. Nun wollten die Bürger wenigstens einmal im Jahr da-
ran erinnern, wie wohlhabend sie gewesen waren. So entstand der
Prinz Karneval, die Narrenkappen und die gesungenen Jubellieder
sollten Einigkeit aufzeigen.

Die Mainzer Fastnacht wurde stärker von französischen Einflüssen
geprägt, was man noch heute an den Karnevalsuniformen erkennen
kann. Der bekannte Narrhallamarsch war ursprünglich ein Spottlied
auf einen französischen General. [3]

ANMERKUNGEN
[1] Manfred Becker-Huberti / Ulrich Lota, KATHOLISCH A-Z
(Das
Handlexikon), Verlag Herder, Freiburg (Breisgau) 2009,
Seite
81.
[2] LEXIKON DER ANTIKE, Verlag Anaconda, Köln 2010, Seite
516.
[3] Die wichtigsten Gedenk- und Feiertage (Religiöse und
nationale
Feiertage weltweit), Chronik Bertelsmann, Wissen
Media Verlag,
Gütersloh/München 2009, Seite 21.

NEUJAHRSEMPFANG DES CDU STADTVERBANDES

Im Theater am Ring fand der diesjährige Neujahrsempfang des CDU
Stadtverbandes statt. Nach Begrüßung der Gäste durch Carsten Qui-
rin sprachen der Landtagsabgeordnete und CDU-Ortsverbandsvorsi-
tzende von Roden Marc Speicher und der Landtagsabgeordnete und
der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Raphael Schäfer. Hauptredner
des Abends war der Staatssekretär und Bevollmächtigte für Europa-
angelegenheiten Roland Theis.

NEUJAHRSEMPFANG DER FDP SAARLOUIS

Zu einem Neujahrsempfang lud die FDP Saarlouis in das Vereinshaus
Fraulautern  ein. Frau  Kirsten  Cortez  de
Lobao  begrüßte die Gäste.
Neben dem Bundestagsabgeord
neten Oliver Luksic sprach auch der
stellvertretende
Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki.

EIN WAPPEN FÜR DEN STADTTEIL RODEN

Bei dem 10. Geburtstag des Rodener Heimatkundevereines RODENA
präsentierte der Historiker Helmut Grein ein Rodener Wappens. Die-
ses Wappen wurde zwischenzeitlich von Helmut Grein in die Wap-
penrolle eingetragen und publiziert. Das symbolische Wappen
können Vereine, aber auch Privatleute oder Unternehmen, auf
Briefbögen oder sonstigen Schreiben nutzen, wodurch das Zuge-
hörigkeitsgefühl zu Roden gestärkt und eine identitätsstiftende
Außenwirkung erreicht wird.

Beschreibung des Wappens (Fassung der Blasonierung):
In gespaltenem und mit einem silber-blau gespaltenen Wellenbalken
belegten Schild oben rechts ein gestümmelter silberner Adler in Rot, 
oben links drei rote Ähren in Silber, unten rechts eine goldene Lilie
in Blau und unten links ein schwarzes vierspeichiges Zahnrad in Silber.

Rechts und links in der heraldischen Terminologie, also vom Schildträger
aus gesehene Deutung:

Der silberne gestümmelte Adler in Rot ist dem lothringischen Wappen ent-
nommen und steht für die lange Zugehörigkeit Rodens zum Herzogtum
Lothringen (bis 1718), die drei Ähren stehen für die landwirtschaft-
liche Tradition im Ort, die goldene Lilie in Blau steht für die Zugehö-
rigkeit Rodens zu Frankreich (1718-1815), das schwarze Zahnrad
in Silber steht für die Bedeutung Rodens im Rahmen der Industriali-
sierung, vor allem als Industriearbeiterwohnort in preußischer Zeit
(1815-1920), was sich vor allem in dem Anstieg der Bevölkerungszahl
ausdrückt.

Schwarz und Silber sind die Farben Preußens. Der silber-blau gespal-
tene Wellenbalken steht für die Bedeutung der Saar und den Saarüber-
gang für Roden.

NEUJAHRSEMPFANG DES OIV RODEN

Am Sonntag, dem 12. Januar 2020, fand im Karl-Thiel-Haus der
Neujahrsempfang des OIV Roden und die alljährliche Verlosung
der Glückssterne statt. Olaf Tiemann begrüßte die anwesenden
Gäste. Die Quartiersmanagerin Anna Richter stellte ihre Arbeit
vor. Der Hauptgewinn in der Tombola ging an eine Kundin aus
Saarlouis.

GLEICHBERECHTIGUNG UND GEGEGENSEITIGER NUTZEN

AUTOR: Josef Theobald

In der Diskussion um die Beteiligung an der „neuen“ Seidenstraßen-
initiative gibt es vor allem in westlichen Ländern einige Vorbehalte.
Es geht hier um die Gleichberechtigung in den gegenseitigen Bezie-
hungen und um die weitgehende Abhängigkeit bei diesem Projekt.

Mitte der Fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts propagierte die
Volksrepublik China die fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz.
Das vierte Prinzip war die „Gleichberechtigung und gegenseitiger
Nutzen“. [1]

In den Werken Stalins findet sich der Ausdruck „gegenseitiger Vor-
teil“. [2] Der Ausdruck wurde angesichts der nationalen Unabhängig-
keit Rumäniens hauptsächlicher Bestandteil seiner Außenpolitik.

In den ersten Jahrzehnten nach Gründung der Volksrepublik ging es
hauptsächlich um einen zwischenstaatlichen Handel, der sich auf Au-
genhöhe abspielte.

Im Chinesischen hat der Terminus „haochu“ die Bedeutung sowohl von
„Vorteil“ als auch von „Gewinn“. Der Terminus „lirùn“ dagegen hat die Be-
deutung von „Profit“ und „Gewinn“. [3] Erst in zweiter Linie geht es hier al-
so um einen Vorteil im altruistischen Sinne.

Während der Großen Proletarischen Kulturrevolution (1966-1976) galt die
These, dass beim Austausch der von beiderseitig benötigten Dingen die
Bedürfnisse und Möglichkeiten der beiden Seiten beachtet werden sollten,
was der Entwicklung ihrer Wirtschaft zugutekommt. [4]

Wenn man den Quellen glauben kann, soll es unter Li Xiannian (1909-1992)
zu Änderungen in der Handelspolitik gekommen sein. Anstatt der Priorität
der Hilfe standen die kommerziellen Interessen und die Machbarkeit der
Projekte im Vordergrund.

So müssen wir heute die zweifache Bedeutung des Terminus „Nutzen“ be-
trachten, wenn wir die aktuelle Problematik der Gleichberechtigung bewer-
ten wollen. Dies wird aber die Volksrepublik China langfristig von der Tat-
sache nicht abhalten können, die Partner im gemeinsamen Seidenstraßen-
projekt durch die faktische Marktbeherrschung mit Hilfe eines Schuldener-
lasses zu entlasten.

ANMERKUNGEN
[1] Der VIII. Parteitag der KP Chinas, Dokumente, Band
I, Verlag für fremdsprachige Literatur, Beijing 1956,
die Seiten 103/4.
[2] J. W. Stalin, Werke, Band 13, Dietz Verlag, Berlin-
Ost 1955, Seite 271.
[3] W. Fuchsenberger, CHINESISCH-DEUTSCHES UNIVERSALWÖR-
TERBUCH, 4. Nachdruck, Verlag für fremdsprachige Litera-
tur, Beijing (China) 2012, die Seiten 433 und 656.
[4] Dscheng Schi, KURZER ABRISS DER WIRTSCHAFT CHINAS,
Verlag für fremdsprachige Literatur, Beijing (China)
1974, Seite 53.

DIE NEUJAHRSEMPFÄNGE DER POLITISCHEN PARTEIEN

Traditionell zum Jahresanfang geben die politischen Parteien einen Neu-
jahrsempfang. Nachstehend  die  Eindrücke  vom Neujahrsempfang der
SPD Steinrausch und der CDU Steinrausch. Hauptredner waren Landrat
Patrik Lauer für die SPD und Marc Speicher MdL für die CDU.

DAS DREIKÖNIGSFEST

AUTOR: Josef Theobald

In der Volksfrömmigkeit des Mittelalters traten mehr und mehr die
Heiligen Drei Könige in den Mittelpunkt dieses Festtages, so dass
Epiphanie (die Erscheinung des Herrn) im deutschen Sprachraum
fast nur noch Dreikönigsfest genannt wird. [1]

Die „Heiligen Drei Könige“ sind eine jüngere Erfindung. Diese geht
auf Matthäus 2,1-12 zurück, wo Magier von Osten nach Jerusalem
ziehen, um den neugeborenen König der Judaier zu suchen, indem
sie seinem Stern folgten, um ihm zu huldigen. Nach Herodot waren
die Magier (griechisch „magos“) ein persischer Stamm mit priester-
lichen Funktionen, der sich auf die Erklärung von Phänomenen am
Himmel verstand (Sterndeuter). Bei den im Matthäus-Evangelium
erwähnten Magiern handelt es sich um weise Männer, die mit der
jüdischen Welt nicht vertraut waren. [2]

560 ist erstmals in einem Mosaik in Ravenna die Zahl „drei“ belegt
und sind deren Namen genannt: Kaspar, Melchior und Balthasar.
Um 800 – 900 wurde Balthasar dunkelhäutig. Allmählich wurde der
Tag zum missionarisch bedeutenden Feiertag umgestaltet, denn
erstmals beugten an diesem Tag nicht-jüdische „Heiden“ ihre Knie
vor Jesus.

Anscheinend lag hier ein armenisches Märchen zugrunde, das um
das Jahr 500 entstand und von der Kindheit Jesu berichtete, in der
drei Könige (Melkon aus Persien, Gaspar aus Indien und Baltassar
aus Arabien) eine Rolle spielten. In der Anlehnung an Psalm 72,10
hatten die Könige von Tharsis (die phönizische Kolonie „Tartessus“
in Spanien) und von den Inseln Gaben (Geschenke) gebracht. Die
Könige von Scheba (in Südarabien) und Saba (Äthiopien) schafften
den Tribut herbei. [3]

Diese oben genannten weit entfernt liegenden Gebiete wurden nicht
etwa erobert aufgrund persönlichen Machtstrebens, aus Verlangen
nach Weltruhm oder ähnlichen Gründen, sondern sie schlossen sich
der Herrschaft allein wegen des einzigartigen gerechten Regiments
König Salomos an. [4]

Die von den Weisen (Magiern) überbrachten Gaben waren Gold,
Weihrauch und Myrrhe. Nur für die wenigen Wohlhabenden aus
Palästina brachten Karawanen Gold. Für den Tempeldienst sind
notwendigerweise Weihrauch, der nur in Arabien zu finden war,
und Myrrhe eingeführt worden. [5]

Im Laufe der Zeit wurden die „drei Könige“ zu Schutzpatronen für
Reisende, Pilger und Gastwirte. Daher haben sich viele Gastwirt-
schaften entsprechende Namen gegeben: „Drei König“, „Krone“,
„Zur Krone“, „Zum Sternen“ und „Zum Mohren“.

Wie wenig wichtig Fakten für unser persönliches Empfinden gegen-
über solchen „Märchen“ sind, zeigen die „Sternsinger“, die alljährlich
als Caspar, Melchior und Balthasar von Haustür zu Haustür wandern,
welche für einen guten Zweck Geld sammeln und auch das Haus der
besuchten Spender segnen. Sie schreiben die Buchstaben C + M + B
über die Haustür. Diese Buchstaben sind eine lateinische Abkürzung
von „Christus Mansionem Beneficat“ und bedeuten: „Christus segne
das Haus“. [6]

ANMERKUNGEN
[1] Manfred Becker-Huberti / Ulrich Lota, KATHOLISCH
(A-Z),
Das Handlexikon, Verlag Herder, Freiburg (Breis-
gau) 2009,
Seite 65.
[2] Xavier Léon-Dufour, WÖRTERBUCH ZUM NEUEN TESTAMENT,
Kösel Verlag, München 1977, Seite 290.

[3] E. Kautzsch / A. Bertholet, DIE HEILIGE SCHRIFT DES
ALTEN
TESTAMENTS, Zweiter Band, Verlag von J.C.B. Mohr
(Paul Sie
beck), Tübingen 1923, Seite 197.
[4] BROCKHAUS, Kommentar zur Bibel (2), Wuppertal 1980,
Seite
599.
[5] Arye Ben-David, Talmudische Ökonomie (Die Wirtschaft
des jü
dischen Palästina zur Zeit der Mischna und des Tal-
mud), Band
I, Georg Olms Verlag, Hildesheim–New York 1974,
die Seiten
228/29.
[6] Hans-Peter Ebert, Festtage zum Nachlesen (Hintergründe
zu Zeit
rechnung und Brauchtum), DRW-Verlag, Leinfelden-Ech-
terdingen
2001, Seiten 49 – 51.
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