GLEICHBERECHTIGUNG UND GEGEGENSEITIGER NUTZEN

AUTOR: Josef Theobald

In der Diskussion um die Beteiligung an der „neuen“ Seidenstraßen-
initiative gibt es vor allem in westlichen Ländern einige Vorbehalte.
Es geht hier um die Gleichberechtigung in den gegenseitigen Bezie-
hungen und um die weitgehende Abhängigkeit bei diesem Projekt.

Mitte der Fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts propagierte die
Volksrepublik China die fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz.
Das vierte Prinzip war die „Gleichberechtigung und gegenseitiger
Nutzen“. [1]

In den Werken Stalins findet sich der Ausdruck „gegenseitiger Vor-
teil“. [2] Der Ausdruck wurde angesichts der nationalen Unabhängig-
keit Rumäniens hauptsächlicher Bestandteil seiner Außenpolitik.

In den ersten Jahrzehnten nach Gründung der Volksrepublik ging es
hauptsächlich um einen zwischenstaatlichen Handel, der sich auf Au-
genhöhe abspielte.

Im Chinesischen hat der Terminus „haochu“ die Bedeutung sowohl von
„Vorteil“ als auch von „Gewinn“. Der Terminus „lirùn“ dagegen hat die Be-
deutung von „Profit“ und „Gewinn“. [3] Erst in zweiter Linie geht es hier al-
so um einen Vorteil im altruistischen Sinne.

So müssen wir heute die zweifache Bedeutung des Terminus „Nutzen“ be-
trachten, wenn wir die aktuelle Problematik der Gleichberechtigung bewer-
ten wollen. Dies wird aber die Volksrepublik China langfristig von der Tat-
sache nicht abhalten können, die Partner im gemeinsamen Seidenstraßen-
projekt durch die faktische Marktbeherrschung mit Hilfe eines Schuldener-
lasses zu entlasten.

ANMERKUNGEN
[1] Der VIII. Parteitag der KP Chinas, Dokumente, Band
I, Verlag für fremdsprachige Literatur, Beijing 1956,
die Seiten 103/4.
[2] J. W. Stalin, Werke, Band 13, Dietz Verlag, Berlin-
Ost 1955, Seite 271.
[3] W. Fuchsenberger, CHINESISCH-DEUTSCHES UNIVERSALWÖR-
TERBUCH, 4. Nachdruck, Verlag für fremdsprachige Litera-
tur, Beijing (China) 2012, die Seiten 433 und 656.