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DER MÜLLER

AUTORIN: Angelika Merkelbach-Pinck

VORWORT

In unregelmäßigen Abständen bringt hier der RODENA Heimatkunde-
verein Roden e. V. aus Saarlouis-Roden kurze Beiträge von Angelika
Merkelbach-Pinck (1885-1972), die aus dem Bitscher Land stammte
und die Sitten und Gebräuche in Ostlothringen in den Dreißiger Jah-
ren des letzten Jahrhunderts eingehend studierte.

BEITRAG

Der Müller war, wie der Gerber, mit seinem Handwerk auf das Wasser
angewiesen. Wo immer ein Bach im Waldtal rauschte, klapperte auch
eine Mühle, mintunter auch deren zwei. Viele lothringische Mühlen ver-
danken ihr Entstehen einer Klostergründung. Auch die Burgen hatten
ihre Mühlen. Der Mühlbach drehte die Schaufeln des Riesenrades, und
dieses setzte hinwiederum die schweren Mühlsteine in Bewegung. Man
brachte dem Müller das Getreide, je nach Bedarf, da sich das Getreide
auf dem Speicherboden leichter aufbewahren ließ als das Mehl. Der
Müller lieferte dann von Zeit zu Zeit auf einem Esel oder Pferd den
Stumpe Mehl und die Kleie seinen Kunden ab. Dabei ging es mit dem
Stumpenmiller nicht immer reibungslos ab, denn dem Bauern und der
Bäuerin genügte gewöhnlich der Stumpe und das Säckchen Kleie als
Ergebnis ihres großen Sackes voll Korn nicht. Darum stand der Müller
nicht immer im besten Ruf bezüglich der Redlichkeit. Heute noch gehen
gegen ihn spitzfindige Redensarten aus der alten Zeit um, oder er muss
selbst umgehen, weil seine Seele keine Ruhe findet.

Der Müller, der in seiner abgelegenen Mühle einsam lebte und vom frühen
Morgen an schwer arbeitete, war zumeist ein wortkarger, hagerer Mann,
den Kinder mit einer gewissen Scheu umgingen. Um die Mühle selbst, in
dem eng umwaldeten Tal, lag ein Geheimnisvolles, zuweilen ein Gruseln.

Neben der Getreidemühle hatte die alte Zeit ihre Ölmühlen, in denen Buch-
eckern, Nüsse, Raps in Haushalts- und Leuchtöl verarbeitet wurden.

QUELLENANGABE

BRAUCH UND SITTE IN OSTLOTHRINGEN von Angelika Merkelbach-
Pinck, Selbstverlag der Erwin von Steinbach-Stiftung, Frankfurt (Main)
1968, Seite 52.

ANMERKUNG

Was den Ruf des Müllers angeht, erinnere ich mich an meinen Großvater,
dem im heiratsfähigen Alter von seiner Mutter eindringlich geraten wurde,
von Müllers Töchtern die Finger weg zu lassen, da diese oft nicht auf die
Reinlichkeit achteten. So der Spruch: „Müllers Schwein, lass das sein.“          

 

RADIO BULGARIEN – EINE STIMME AUS DEM BALKAN

AUTOR: Josef Theobald

Deutschsendungen aus Bulgarien gibt es erst seit Ende der
Vierziger Jahre. Damals war RADIO BULGARIEN, zur Zeit
der kommunistischen Herrschaft, eine moskautreue Stimme.
[1]

Dies hat traditionelle Gründe. Schon im 19. Jahrhundert war
man im slawischen Raum davon überzeugt, dass nur den im
heiligen Moskau oder in der kaiserlichen Druckerei in St. Pe-
tersburg gefertigten Bibeln, Liturgien und Gebetbüchern eine
besondere Richtigkeit und Orthodoxie sowie ein Geruch von
Heiligkeit anhaftet. So haben die Bulgaren mehr Sympathien,
mehr Berührungspunkte, mehr Mittel des geistigen Verkehrs
mit den Russen als mit den römisch-katholischen Südslawen.
[2]

Alle hervorragenden Vertreter der bulgarischen nationalen
Befreiungsbewegung im 19. Jahrhundert waren heiße und
überzeugte Verfechter der russisch-bulgarischen Brüder-
schaft. Im russischen Brudervolk sah das bulgarische Volk,
besonders nach der Befreiung Bulgariens durch die russi-
schen Heere, seinen Befreier und eine große Stütze seiner
nationalen Existenz. [3]
 

In den Sechziger Jahren setzte in Bulgarien eine zaghafte Re-
formbewegung ein, bei der sich das Land insbesondere dem
Tourismus erschloss. In der Folge bemühte sich Bulgarien um
bessere Beziehungen zum westlichen Europa. [4] So wurde die
bulgarische Schwarzmeerküste auch für westdeutsche Touristen
geöffnet.  

Im November 1989 kam es in Bulgarien zu einer Wende in der
Innenpolitik. Die alte kommunistische Elite musste abtreten und
die Reformkräfte konnten innerhalb einer Sozialistischen Partei
noch für einige Jahre bestehen. 1999 begannen mit Bulgarien
die erfolgreichen Verhandlungen über einen EU-Beitritt. [5]

Seit den Achtziger Jahren strahlte RADIO BULGARIEN täglich
drei Deutschsendungen auf der Kurzwelle aus. So gab es eine
Morgen-, Nachmittag- und Abendsendung.  

Bei Empfangsberichten war bei RADIO BULGARIEN die Be-
sonderheit, dass diese mit einem Diplom verbunden waren.
Zunächst gab es das Bronze- und Silber-Diplom. Später ist
das Gold-Diplom hinzugekommen. Diese Diplome konnten
lediglich stufenweise erworben werden.  

Seit dem Mai 2004 unterhält RADIO BULGARIEN ein eigenes
Internetangebot. Im Februar 2012 stellte man die Ausstrahlung
der Sendungen auf Kurzwelle ein. Statt dessen setzt man auf
die Verbreitung über das Internet. [6]

ANMERKUNGEN
[1] kurzwelle aktuell, Autor: Hermann Jäger, Nr. 39/87, SOLDI-
     Verlag in Hamburg 90, Seite 18.
[2] Marx – Engels, Werke, Band 9, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1960,
     Seite 11.
[3] Georgi Dimitroff, Ausgewählte Schriften, Band 3, Dietz Verlag,
     Berlin-Ost 1958, Seite 224.  
[4] Isabella Ackerl, Die Staaten der Erde (Europa und Asien),
     Matrix Verlag, Wiesbaden 2007, Seite 32.
[5] BROCKHAUS, Weltgeschichte seit der Aufklärung, Leipzig
     – Mannheim 2006, Seiten 450 + 473.
[6] Quelle: WIKIPEDIA, Stichwort: RADIO BULGARIEN.
 

RADIO CANADA INTERNATIONAL AUS MONTREAL

AUTOR: Josef Theobald

Einer der Pioniere des Kurzwellendienstes in Kanada war Leonard
Brockington, der erste Vorsitzende der Canadian Broadcasting Cor-
poration (CBC), die im Jahre 1936 gegründet wurde. Als schließlich
im September 1942 das Parlament in Ottawa beschloss, einen Aus-
landsdienst der CBC ins Leben zu rufen, wurde er zum Berater des
damaligen Premierministers Mackenzie King ernannt. Am 25. Feb-
ruar 1945 trat dann Kanada offiziell jenen Ländern bei, die auf dem
Wege der Kurzwelle zur Welt sprachen.

Zweck des neuen Auslandsdienstes war, eine Verbindung mit den
in Europa stationierten kanadischen Truppen herzustellen und ein
besseres Verständnis unter den Völkern des vom Kriege zerrütteten
Kontinents zu fördern. Die Sendungen wurden zunächst in Englisch,
Französisch, Tschechisch und Deutsch ausgestrahlt. Nach Kriegs-
ende nahm der internationale Dienst mit der Ausdehnung auf neue
Zielgebiete in Europa, Lateinamerika, der Karibik und dem Südpa-
zifik eine neue Richtung ein.

In den folgenden Jahren erfuhr der Auslandsdienst RADIO CANADA
immer weitere Ausdehnungen: ein holländischer Dienst wurde im Mai
1945 aufgenommen. Im Juli 1946 folgten wöchentliche Sendungen in
Dänisch, Schwedisch und Norwegisch sowie ein Dienst für Australien.
1948 wurde mit wöchentlichen Sendungen nach Österreich und Italien
begonnen. Ein Finnland-Dienst schloss sich 1950 an. 1951 wurde der
russische Dienst ins Leben gerufen. 17 Monate später der urkrainische
und Sendungen in polnischer Sprache folgten ein Jahr später.

1961 wandte der Auslandsdienst seine Aufmerksamkeit einem neuen
Kontinent zu: Afrika. Tägliche Sendungen in Englisch und Französisch
wurden dort eingeführt, wobei Budget-Kürzungen leider die Einstellung
anderer Dienste erforderlich machten.

So war im darauffolgenden Jahr der Auslandsdienst RADIO CANADA
zwar kleiner aber besser geworden. Die Sendeanlagen in Sackville
wurden erweitert und verbessert. So bestand die Anlage 1991 aus fünf
modernen 250 Kilowatt-Sendern und drei 50 Kilowatt-Sendern. Gleich-
zeitig mit der offiziellen Inbetriebnahme der neuen Transmitter wurde
der Auslandsdienst RADIO CANADA in RADIO CANADA INTERNA-
TIONAL umbenannt. Im Juli 1972 zog RCI aus seinem langjährigen
Heim, dem alten Ford-Hotel an der Dorchesterstraße, in ein super-
modernes Funkhaus um und 1980 endgültig in ein eigenes Funk-
haus. [1]

Kanada hatte seine Deutschsendungen im Februar 1945 aufgenommen.
In den Vierziger und Fünfziger Jahren gab es hier täglich vier Deutsche
Programme – zwischen dem frühen Nachmittag und später Nacht. 1987
kam ein Programm von täglich 30 Minuten am frühen Abend. Mitbegrün-
der der Deutschsendungen war GERD PETER PICK, damals von RADIO
FRANKFURT nach Montreal geholt… Um dann für immer dort zu bleiben.
 
[2] Man unterhielt einen eigenen Kurzwellenklub und gab auch regelmäßig
erscheinende Bulletins heraus.

ANMERKUNGEN
[1] KURIER der ADDX e. V. Nr. 7/91, Seite 7.
[2] kurzwelle aktuell, Autor: Hermann Jäger, Heft 39/87, Seiten 18 + 19. 
         
NACHTRAG
Ein europäischer Online-Händler mit einer Zweigniederlassung in Berlin
erkannte vor einigen Jahren die Marktlücke der Country- und Western-
Mode in Deutschland und nahm entsprechende Produkte schwerpunkt-
mäßig in sein Sortiment zu annehmbaren Preisen auf.
 

 

RADIO HCJB – DIE JAHRE DER GRÜNDUNG DER DEUTSCHEN ABTEILUNG

AUTOR: Josef Theobald

Im Jahre 1953 gründeten in der Ukraine geborene Mennoniten die
Deutsche Abteilung von RADIO HCJB.

Wer sind diese Mennoniten?

Menno Simons (1496-1561), ein abtrünniger katholischer Priester
aus den Niederlanden, stieß 1536 zur Täuferbewegung und wurde
ein Jahr später Bischof seiner nach ihm benannten Gemeinschaft.
Sein Verdienst war es, den ehemals aggressiven Charakter dieser
Bewegung allmählich abzulegen und eine freikirchliche Alternative
unter dem Schutz toleranter Obrigkeiten ausleben zu dürfen, aber
in aller Abgeschiedenheit. [1] Da die Täufer sowohl für die Regieren-
den als auch für die großen Kirchen eine Gefahr wurden, sind auch
diese schnell im Nebel der Zeit verschwunden, bis sie wieder dann
als Hutterer (Glieder der Herrnhuter Brüdergemeinde) auftraten. Ab
1722 entstand auf dem Gut des Reichsgrafen von Zinzendorf im Ort
Berthelsdorf (Oberlausitz) durch die Aufnahme von Restmitgliedern
der alten böhmisch-mährischen Bruderunität die neue Gemeinschaft,
die Zuflucht „Herrnhut“ (unter des Herren Hut). Einen bedeutenderen
Einfluss übte der nachfolgende Bischof August Gottlieb Spangenberg
aus, indem jener als der zweite Gründer angesehen werden muss. In
dessen Zeit fällt die Ausweitung der Heidenmission, z. B. nach Grön-
land, Nord- und Südamerika, zu fast allen westindischen Inseln, ins
Kapland, nach Ostindien und Labrador. [2]

Ab 1789 zogen viele Mennoniten in mehreren Wellen in die Ukraine,
so dass es 1914 im russischen Reich etwa 100.000 Anhänger in den
zahlreichen, teils selbständigen Siedlungen gab. Angesichts ihrer ab-
weichenden Haltung zum Wehrdienst (Sie verweigerten in der Mehr-
zahl mutig den Dienst an der Waffe) und einer massiven Ausweitung
der atheistischen Propaganda in der Zeit Stalins waren sie wieder ge-
zwungen, in den Westen, nach Kanada, in die USA und in den Süden
Amerikas zu wandern. [3]

Die Zahl der Mennoniten sank in der Zwischenkriegszeit kontinuierlich,
nicht nur wegen der Militärdienstfrage, sondern, weil es sich bei ihnen
nicht um eine ausgesprochen missionarisch orientierte Gemeinschaft
handelte. Allein zwischen 1921 und 1928 sollten rund 20.000 Menno-
niten die Sowjetunion verlassen. [4]
 
In Lateinamerika entstanden größere Siedlungen. Bekannt sind heute
vor allem die Kolonien Menno, Neuland und Fernheim in Paraguay. In
anderen Teilen Südamerikas sind von Bedeutung die Mennonitensied-
lungen in Argentinien (Colonia del Norte, Colonia Pampa de los Gua-
nacos), Uruguay (El Ombú, Gartental, Delta, Colonia Nicolich) und in
Brasilien (Colonia Nova und Colonia Witmarsum). [5]
    
Zu den osteuropäischen Mennoniten zählte auch David Nachtigall, der,
aus Kanada kommend, mit seiner Frau Anna schließlich im Jahre 1953
die Deutsche Abteilung von RADIO HCJB gründen sollte. Schließlich im
Oktober 1964 wurden sie von Peter und Maria Hübert abgelöst. Das Ehe-
paar Hübert kam ebenfalls aus der Ukraine und floh unter Stalin nach Süd-
Brasilien. Sie sollten von 1964 bis 1989 das deutschsprachige Programm
von RADIO HCJB in seinen Facetten entscheidend prägen. Als ein gutes
Beispiel sei hier genannt die Sendung „3000 Meter über dem Meeresspie-
gel“. Dabei wurden sie unterstützt von Sally Schroeder und vom Ehepaar
Cornelius und Elfrieda Baltzer.  

Eine der herausragenden Lehren der Mennoniten ist die Kirchen- oder
Gemeindezucht. Ziel soll es dabei sein, dass hier der Ausgeschlossene
wieder zurechtkommt. Deswegen bleibt es Aufgabe der Gläubigen, ihn
durch Liebe und Barmherzigkeit zurückzugewinnen. [6]

Seit 1982 kamen immer mehr Mitarbeiter aus Deutschland, die aus dem
freikirchlichen Bereich zu RADIO HCJB stießen. Jene werden von einem
persönlichen Freundeskreis aus ihrer Heimat unterstützt.

Mehr Informationen über HCJB in Quito (Ecuador) erhalten Sie unter dem
folgenden LINK:

http://www.andenstimme.org

ANMERKUNGEN
[1] Theologen, Ketzer, Heilige (Kleines Personenlexikon zur Kirchen-
     geschichte), herausgegeben von Manfred Heim, Verlag C. H. Beck,
     München 2001. Seite 272; H-J Goertz, Die Täufer (Geschichte und
     Deutung), Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1988, Seite 41.
[2] Theologen, Ketzer, Heilige…, Seite 407; Lehrbuch der Kirchenge-
     schichte für Studierende von Johann Heinrich Kurtz, Vierzehnte
     Auflage, August Neumanns Verlag, Leipzig 1906, § 167,7-11.   
[3] Evangelisches Kirchenlexikon (EKL), Bd. 3/7. Seiten 358/59.
[4] Politik und Religion in der Sowjetunion (1917-1941), Harrassowitz
     Verlag, Wiesbaden 2001, Seite 149.
[5] Quelle: WIKIPEDIA, Stichwort: MENNONITEN.
[6] Jürgen Tibusek, Ein Glaube, viele Kirchen (Die christlichen Religions-
     gemeinschaften – Wer sie sind und was sie glauben), 2. aktualisierte
     und überarbeitete Auflage, Brunnen Verlag, Gießen 1996, Seite 275.  
 

DIE ANFÄNGE BEIM EVANGELIUMS-RUNDFUNK IN WETZLAR

AUTOR: Josef Theobald

Schon Mitte der Fünfziger Jahre gab es auf der Frequenz 9490
kHz religiöse Sendungen der „Stimme von Tanger“ in deutscher
Sprache unter dem Rufzeichen WTAN. Diese Station gilt heute
als Vorläufer-Sender von TRANS WORLD RADIO. Damals war
in der Zeit zwischen 20.45 und 21.15 Uhr eine Andacht und eine
Predigt mit Orgelmusik in Deutsch zu hören. Ab 21.16 Uhr gab es
eine Ansage in Jiddisch. [1]

Im Oktober 1959 wurde der Evangeliums-Rundfunk (kurz: ERF) als
Verein des deutschsprachigen Zweiges von TRANS WORLD RADIO
gegründet. Im Februar 1961 begannen die ersten Sendungen über
RADIO MONTE CARLO, einem kommerziellen Unternehmen, das
zu dieser Zeit die notwendigen technischen Anlagen besaß. Einige
der Sender stand ausschließlich dem TRANS WORLD RADIO, der
Schwesterorganisation des ERF, zur Verfügung, das ebenfalls für
den Sendebetrieb verantwortlich war.

Der Versand der Tonbänder nach Monaco wurde etwa zwei Wochen
vor dem jeweiligen Sendebeginn per Luftfracht vorgenommen. Wenn
jedoch anlässlich besonderer Veranstaltungen eine aktuelle Bericht-
erstattung erfolgen musste, wurden die Programme über gemietete
Tonleitungen der Post zur Sendestelle übertragen.

Die Empfangsqualität der Sendungen wurde mit Spezialempfängern
täglich überwacht. Erforderliche Frequenzänderungen beantragte der
ERF bei der Sendestation aufgrund von Empfangsprognosen der da-
maligen Deutschen Bundespost.

Seit seiner Gründung befindet sich die Zentrale mit Redaktion, Technik
und Verwaltung im hessischen Wetzlar. Im Mai 1971 bezog man einen
mit 1,2 Millionen DM veranschlagten Neubau in Wetzlar-Dalheim. Die
Mitarbeiterzahl betrug zu diesem Zeitpunkt 66.

Der ERF arbeitet als Teil der deutschen Evangelischen Allianz mit Men-
schen aus unterschiedlichen Kirchen und Gruppierungen zusammen, die
bewusst als Christen leben. Diese konfessionelle Vielfalt ist erwünscht, da
man kein Kirchensender sein will. Andererseits erfordert dieser Anspruch
aber einen Konsens über die vertretenen Lehren. Ebenso wie die Verkün-
der und die Mitglieder des Vereins, dem juristischen Träger des Missions-
werkes, kommen auch die festangestellten Mitarbeiter aus verschiedenen
Kirchen und Gemeinden. Viele Autoren erfüllen ihren Programmauftrag nur
ehrenamtlich. So kooperierten 1982 700 Verkünder mit dem ERF. Regel-
mäßig gibt es hier regional angelegte Arbeitskreise zum Erfahrungsaus-
tausch und zur Weiterbildung.

Der ERF stellt eine Rundfunkanstalt am Rande der deutschen Medienland-
schaft dar. Denn Lebenshilfe wird hier ganz groß geschrieben. In dem Jahre
1982 wurden nebenbei 100 Kliniken und Seniorenheime mit speziellen Ton-
bandprogrammen versorgt. Hier griff man bevorzugt auf Programme zurück,
die parallel auch im Radio liefen. Einige Justizvollzugsanstalten nahmen je-
nen Service ebenso in Anspruch. Außerdem bot man Sendungen für die aus-
ländischen Arbeitnehmer, und zwar in fünf Sprachen, sowie Sprachkurse für
ausländische Mitbürger an.

In den Achtziger Jahren unterhielt man ein Seelsorge-Kontaktnetz, das 1200
Personen umfasste. Hier bediente man sich der Brief- und Telefonseelsorge,
um Glaubens- und Lebenshilfe geben zu können. So erreichten die Seelsor-
geabteilung durchschnittlich 490 Zuschriften im Monat. Hier sind Pastoren,
Ärzte und Psychotherapeuten im ganzen Land tätig.

Weitblick und Engagement bestimmen die journalistische Arbeit. So stellte
man sich vielen Auseinandersetzungen, wie z. B. im Zusammenhang mit
der Ehescheidung, dem Jugendrecht und der Friedensdiskussion.

Das Abendprogramm um 20.30 Uhr enthielt Vorträge und Gespräche zu den
aktuellen Themen, Reportagen zu christlichen Veranstaltungen, Kommentare
zum Zeitgeschehen sowie Berichte aus Mission und Gemeinde. [2]

Dies alles war nur ein Querschnitt der Rundfunkarbeit des ERF. Heute vereint
man die Medien RADIO und FERNSEHEN. Dank moderner Technologien ist
es möglich, noch mehr Interessenten zu erreichen. So ist man als ehemaliger
kleiner Radiosender zu einem großen Medienkonzern gewachsen.      

ANMERKUNGEN
[1] kurzwelle aktuell, Autor: Hermann Jäger, In alten Logblättern geblättert (III).   
[2] SEIN NAME IST PROGRAMM – DER EVANGELIUMS-RUNDFUNK (ERF
     Wetzlar, eine Rundfunkanstalt mit besonderem Auftrag), KURIER der ADDX
     e. V. Nr. 21/1982, Seiten 10 – 12 / antenne (ERF) Nr. 9 vom September 89,
     Seiten 34 + 35.
 

DIE TEXTILINDUSTRIE NACH DER KULTURREVOLUTION

AUTOR: Josef Theobald

Seit Mitte der Fünfziger Jahre war Baumwollstoff in der Volksrepublik
China rationiert. Davon ausgenommen waren verschiedene Arten von
Textilien aus Baumwolle, die als Frottiertücher, Socken usw. auf den
Markt kamen. Es wurden außerdem Wollstoffe, Seide, Hanfstoffe und
die meisten Arten von Textilien aus Kunstfasern unbeschränkt verkauft.

Vor allem in den Jahren des Kulturrevolution (1966-1976) herrschte
wegen der propagierten ultralinken Ideen beim Angebot an Kleidung
Uniformität. Auch hatten die in der Textilindustrie tätigen Designer
keinen Mut, neue Muster und neue Arten von Stoffen zu entwerfen.
Die Folge davon war, dass mehrere Jahrzehnte lang auf dem Markt
nur immer dieselben Stoffe in denselben Farben zu kaufen waren,
vorwiegend Khaki, Gabardine, Kord und andere Baumwollstoffe in
Blau, Grau und Armeegrün.

Anfang und Mitte der Siebziger Jahre waren in der Volksrepublik
Polyesterstoffe, unter dem Handelsnamen Diolen und Mischfaser-
stoffe wie Dacron mit Baumwolle begehrt, seit Ende der Siebziger
Jahre jedoch Textilien aus mittellangen Chemiefasern und Wirk-
waren aus langen Polyesterfasern sowie Textilien aus Mischfaser-
stoffen (Polyester und Baumwolle) insbesondere Khaki. Anfang
der Siebziger Jahre standen die Kunden in den Warenhäusern
noch Schlange, um hier Khaki aus Mischfaserstoff zu kaufen.
Entsprechend den neuen Bedürfnissen waren Anfang der Acht-
ziger Jahre die Textilfabriken in der Lage, neue Mischfaserstoffe
zu entwerfen und herzustellen.

So hatten die alten Textilindustrie-Basen in Shanghai, Tianjin, Qing-
dao, Wuhan und im Süden der Provinzen Jiangsu bzw. Liaoning ein
neues Niveau erreicht. Die Hafenstadt Shanghai, das Zentrum der
chinesischen Textilindustrie, zählte Anfang der Achtziger Jahre mehr
als 400.000 Textilarbeiter und -techniker. In den 30 Jahren davor hatte
sich die Textilproduktion hier mehr als verfünffacht. Seit einigen Jahren
werden viele Textilarten von dort in mehr als hundert Länder und Gebiete
exportiert.

Im Bereich der chinesischen Chemiefaserindustrie entstand in den Sieb-
ziger Jahren eine große Anzahl von großen und mittelgroßen Vinylon-
und Polyakrylnitrilfaserfabriken sowie eine Anzahl von mittelgroßen und
kleinen Polyesterfaserfabriken. Die Produktion von Chemiefasern stieg
von 50.000 t im Jahre 1965 auf 440.000 t im Jahre 1980.

QUELLE
Chinas Wirtschaft, Reihe: DIE GROSSE MAUER, Artikel: „Kleidung für
eine Milliarde“, Herausgeber: China heute, Beijing (China) 1985, Seiten
120 – 127.
         

EUROPA-MATINEE IM VEREINSHAUS FRAULAUTERN

Zu  einer  Europa-Matinée  lud  am  Sonntag, dem  13.  März  2016, das  Saarländische
Ministerium für  Finanzen und Europa ein. Neben der Gastgeberin Helma Kuhn-Theis,
der Bevollmächtigten  für  Europaangelegenheiten, waren der  OB  Roland Henz, die
Frau Ministerpräsidentin  Annegret Kramp-Karrenbauer und der Kanzleramtsminister 
und  Bundesminister  für  besondere  Aufgaben, Peter Altmaier, durch ihre Referate
vertreten. Im Mittelpunkt der Matinée stand die neue  Frankreich-Strategie, d. h. die
Forderung nach einer Zweisprachigkeit (Deutsch/Französisch) sowohl in den Schulen 
als  auch  im   Bereich  des  Rundfunks. Mehr  Bilder auch auf unserer Facebook-Seite
unter diesem LINK:
Über ein "Gefällt mir" würden wir uns freuen.
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DER PURITANISCH-JÜDISCHE DIALOG IM 17. JAHRHUNDERT

AUTOR: Josef Theobald

Die Britisch-Israel-Theorie hatte ihren Ursprung im Dialog zwischen Juden und
Puritanern im 17. Jahrhundert, als es darum ging, eine endgültige Heimstatt für
jene Juden zu schaffen, die wegen ihres Glaubens Portugal verlassen mussten.
Die herausragende Persönlichkeit war in diesem Zusammenhang der Rabbiner
Manasseh ben Israel (1604-1657), der sich mit der Geschichte und Zukunft der
„zehn verlorenen Stämme Israels“ befasste. Nach dem Sieg der Puritaner und
der Cromwellschen Revolution kam es zu einer Annäherung. Denn man vertrat
den Standpunkt, dass in England auch wieder Juden leben müssten, bevor es
dazu käme, dass nach biblischer Ankündigung die Juden wieder in ihr ange-
stammtes Land ziehen könnten, um dort die Ankunft des Messias sowie die
Errichtung des ewigen Gottesreiches zu erwarten. Sowohl die wieder in der
Hauptstadt London ansässig gewordenen „Marranen“ als auch viele Christen
mittleren Europas lebten in jener Zeit im „messianischen Fieber“. (Paul Ger-
hard Aring, „Wage du, zu irren und zu träumen…“ Juden und Christen unter-
wegs, Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 1992, Seiten 133 – 150)

Aus jüdischen Quellen ergibt sich, dass der Sohn von Manasseh ben Israel
mit Namen "Samuel" sich so in seiner Disputation zu Oxford auszeichnete,
dass er mit Ehren überhäuft wurde. Denn dieser erhielt neben der philoso-
phischen auch die medizinische Doktorwürde. Die Wirksamkeit der ersten
jüdischen Einwanderer war in der Tat so gewaltig, dass sich in weniger als
acht Jahren nicht nur viele Juden niederlassen durften, sondern auch bald
mit dem Bau einer Synagoge in London begonnen wurde. (die Monatsschrift
für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, Zweiter Jahrgang, Leipzig
1853, Nachdruck bei OLMS 1969, Seite 134)

Diese Lehre hatten auswandernde Puritaner mit in die Neue Welt gebracht
und blieben bei einigen adventistischen Gruppen heimisch. Dies betraf na-
türlich auch andere Lehren, wie die Sabbatheiligung und die Leugnung der
Dreieinigkeit. Diverse Publikationen der Weltweiten Kirche Gottes selbst und
der hieraus entstandenen Splittergruppen, wie z. B. die Philadelphia Church
of God oder die Living Church of God, bestätigen dies. Hierbei ist stets da-
rauf hinzuweisen, dass es in den USA viele Freikirchen mit eigenen Sonder-
lehren gibt. Die gleichen Verhältnisse scheinen auch hier allmählich Eingang
zu finden. Als Beispiel verweise ich nur auf die dreifache Engelsbotschaft bei
den historischen Adventisten (Offenbarung 14).

NACHTRAG

Oliver Cromwell (1599-1658) und das ihm anhängende Herr erkämpften
im 17. Jahrhundert im britischen Königreich die Religionsfreiheit. Er und
seine Soldaten lasen vor und nach dem Kampfe die Bibel. Nur die großen
Heldengestalten des Alten Testaments, welche Gottesfurcht im Herzen
und das Schwert in der Hand hatten, konnten den Puritanern als Vorbild
dienen. In jedem Vers der biblischen Schriften Josua, Richter, Samuel
und Könige sahen sie ihre eigene Lage abgespiegelt, jeder Psalm schien
eigens für sie gedichtet zu sein. Die Vertiefung in die Geschichte, die Pro-
phezeiung und die Poesie des Alten Testaments, als Ausfluss göttlicher
Offenbarung, erzeugte in diesem Kreise den Gedanken, dass das Volk,
der Träger und Erzeuger aller dieser Herrlichkeit und Größe, besonders
bevorzugt und auserkoren sein müsse. Unter den Puritanern gab es da-
her ernstliche Bewunderer des „Volkes Gottes“. Cromwell träumte von
einer Versöhnung des Alten und Neuen Testaments, von einer innigen
Verbindung des jüdischen Gottesvolkes und der englisch-puritanischen
Gottesgemeinde. Dem jüdischen Volk sprach er sogar im tausendjährigen
Reich der Heiligen eine glänzende Stellung zu. (Heinrich Graetz, VOLKS-
TÜMLICHE GESCHICHTE DER JUDEN, Band II, Parkland Verlag, Köln
2000, die Seiten 732/33)

Die Ansiedlung der Juden in England ist auch wirklich gelungen. Davon
zeugt heute die Große Synagoge von London, die als die erste aschke-
nasische Synagoge, also als Synagoge mitteleuropäischer Juden, 1690
in London erbaut und 1722 neu errichtet wurde.

Ende der Neunziger Jahre hatte ich einmal Probleme mit einem Gemeinde-
leiter der Weltweiten Kirche Gottes in Darmstadt. Dieser kannte offenbar
diese Vorgeschichte nicht. Herbert W. Armstrong (1892-1986) baute auf
dem Fundament der Britisch-Israel-Theorie seine Lehren auf und gründete
in den Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts als bekannter Radioprediger
in den USA die Weltweite Kirche Gottes. Den neu entdeckten jüdischen
Festtagen gab er schließlich einen christlichen Sinn. Somit hat der da-
malige Leiter der Darmstädter Gemeinde seiner Kirche einen großen
Schaden zugefügt. Man kann eben nicht mit einer Brechstange alte
Glaubensvorstellungen von heute auf morgen radikal verändern.     

  

DIE FRAUENBEWEGUNG IN DEUTSCHLAND

AUTOR: Josef Theobald

Als früheste Vertreterin der radikalen Richtung in der deutschen Frauen-
bewegung gilt Hedwig Dohm (1831-1919), die schon 1873 das Frauen-
stimmrecht gefordert hatte. Im Jahre 1888 gründete Minna Cauer (1841
-1922) den Verein „Frauenwohl“, der damals eine radikale Richtung inner-
halb der bürgerlichen Frauenbewegung vertrat. Cauer schlug neue Wege
ein, mit denen sie in der Öffentlichkeit viel Aufsehen erregte. Schon in der
kürzesten Zeit entwickelte sich dieser Verein zu einem „Kampfverein“. In
der öffentlichen Diskussion bestritt er unter Hinweis auf die unbefriedigen-
den Zustände in Staat und Gesellschaft das Alleinbestimmungsrecht der
Männer.

Auf sozialdemokratischer Seite trat die proletarische Frauenbewegung
vor die Öffentlichkeit. Auf dem Gründungskongress der II. Internationale
im Juli 1889 in Paris hielt Clara Zetkin (1857-1933) ein Grundsatzreferat,
indem sie die Frauenfrage und die soziale Frage in einen Zusammenhang
stellte. Dabei machte sie vor allem die wirtschaftliche Abhängigkeit der
Frau vom Manne zum Thema. Weiterhin plädierte sie für einen gemein-
samen Kampf von Arbeiterinnen und Arbeitern gegen die Bourgeoisie.

Auf konservativer Seite kam es im März 1894 zu einem Dachverband
für die verschiedenen Frauenorganisationen im Deutschen Reich, der
sich „Bund deutscher Frauenvereine“ (BdF) nannte. Ihm schlossen sich
bis zum Jahresende 65 Verbände und Vereine mit insgesamt 50.000
Mitgliedern an. Die Idee zur Gründung eines nationalen Dachverbandes
kam aus den USA, wo seit 1891 der „National Council of Women“ be-
stand. Der Schwerpunkt der Mitgliedervereine im BdF lag sowohl in
der beruflichen als auch in der sozialen Arbeit. Die Hauptziele waren
eine bessere Ausbildung der Mädchen, die Einführung eines Frauen-
studiums sowie die Ausweitung und die Förderung der beruflichen
Möglichkeiten von Frauen. Zu den umstrittenen Fragen innerhalb
der deutschen Frauenbewegung zählte der Kampf für die politische
Gleichberechtigung. Ganz anders als in Großbritannien und in den
USA war dies für die Mehrheit der organisierten Frauen kein Thema,
sondern allenfalls ein Fernziel.

Im Oktober 1909 trat der Allgemeine Deutsche Frauenverein (ADF)
in Darmstadt zu seiner 25. Generalversammlung zusammen. Das
zentrale Thema war die Zulassung von Frauen  zu verantwortlichen
Verwaltungsämtern. Darüber hinaus dürften Frauen auch im Justiz-
wesen nicht länger diskriminiert werden. So müssten Gerichte end-
lich weibliche Schöffen und Geschworene zulassen. Außerdem er-
neuerte der ADF die Forderungen nach einer rechtlichen, politischen
und wirtschaftlichen Gleichstellung der Frau. Dazu zählten u. a. die
Gewährung des passiven und aktiven Wahlrechts sowie eine Ver-
kürzung der täglichen Arbeitszeit für Fabrikarbeiterinnen auf maxi-
mal 10 Stunden. Der ADF gehörte damals zum größten deutschen
Frauenverein. Vielen Frauen galt er leider als zu gemäßigt. Denn
spektakuläre oder gar gewalttätige Aktionen, wie bei den britischen
Suffragetten, lehnte der bürgerliche ADF ab. [1]
   
Der Internationale Frauentag als traditioneller Kampf- und Ehren-
tag am 8. März ging auf den Antrag von Clara Zetkin zurück, den
sie auf dem II. Internationalen Sozialistischen Frauenkongress in
Kopenhagen im August 1910 stellte. Dieser Frauentag sollte in
erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht dienen und
einen internationalen Charakter tragen. [2]   
 
Durch die sozialistische Revolution in Russland im November
1917 wurden dort die Rechte der Frauen im erheblichen Maße
gestärkt. Im Rahmen der Neuen Ökonomischen Politik (NÖP)
waren die Frauen plötzlich die geschätzten Arbeitskräfte. Man
erkannte ihre organisatorischen Talente. Durch die Schaffung
öffentlicher Einrichtungen, wie Speiseanstalten, Krippen und
Kindergärten, wurden die Frauen von der häuslichen Arbeit
entlastet. [3] Vor allem in den letzten Jahren des I. Weltkrieges
bildeten sich in Deutschland Arbeiter- und Soldatenräte heraus,
die sich aber in der Nachkriegszeit auf die Seite der deutschen
Sozialdemokratie schlugen. So konnten erstmals am 19. Januar
1919 Frauen ihr Stimmrecht zur Wahl der verfassungsgebenden
deutschen Nationalversammlung ausüben. [4]

Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland bekamen
die Frauen am 1. Juli 1958 durch das Gesetz über die Gleich-
berechtigung von Mann und Frau mehr bürgerliche Rechte. In
Fragen der Kindererziehung hatten nun die Frauen im Gegen-
satz zu früher, als die Männer noch das Recht der alleinigen
Entscheidung hatten, mehr Rechte. Allerdings blieb hier die
traditionelle Rollenverteilung weiterhin bestehen: Die Frau
kümmerte sich um Haushalt und Kindererziehung, der Mann
um den Unterhalt der Familie. [5]

Im Jahre 1970 legte eine Sachverständigenkommission Vorschläge
zu einer umfassenden Reform des Ehe- und Familienrechts in der
Bundesrepublik vor. Wegen der vorzeitigen Auflösung des Bundes-
tages 1972 wurde ein erster Entwurf schließlich 1973 im Bundestag
beraten. Die Beratungen zogen sich bis 1976 hin; am 14. Juni 1976
wurde das neue Gesetz verkündet. Am 1. Juli 1977 trat es in Kraft.
Dadurch hatte die Frau mehr wirtschaftliche Rechte. Sie konnte nun
ohne die Einwilligung ihres Ehemannes eine berufliche Tätigkeit aus-
üben. Die Haushaltsführung konnte nur im gegenseitigen Einvermeh-
men geregelt werden. Für die Führung des Haushaltes trug sie auch
die alleinige Verantwortung (§ 1356 BGB).  

ANMERKUNGEN
[1] Die große Chronik WELTGESCHICHTE, Band 14 (1871-1914),
     Wissen Media Verlag, Gütersloh/München 2008, hier die Seiten
     175, 185, 221 + 333.  
[2] KLEINES POLITISCHES WÖRTERBUCH, 4. Auflage, im Dietz
     Verlag, Berlin-Ost 1983, Seite 428.
[3] W. I. Lenin, Werke, Band 29, Dietz-Verlag, Berlin-Ost 1961, die
     Seiten 418 – 420.    
[4] Die große Chronik WELTGESCHICHTE, Band 15 (1914-1932),
     Wissen Media Verlag, Gütersloh/München 2008, die Seite 167.
[5] Die große Chronik WELTGESCHICHTE, Band 17 (1945-1961),
     Wissen Media Verlag, Gütersloh/München 2008, die Seite 306.

 
ANMERKUNG ZUM BEITRAGSBILD
Eine junge Frau aus dem sozialistischen Kollektiv im Waffenrock
der Sowjetarmee mit dem russischen Sturmgewehr AK-47.
Quelle: Hilfsaktion Märtyrerkirche e. V.  (HMK)

DIE APOKALYPTISCHEN VORSTELLUNGEN DER JEHOVAS ZEUGEN

AUTOR: Josef Theobald

In der zahlreichen Literatur der Jehovas Zeugen ist zu lesen, dass
im symbolischen Jahre 1914 nach dem Ende der Zeiten der Heiden
Jesus Christus zum König auf dem himmlischen Berg Zion inthroni-
siert worden sei und nach dem Frühjahr 1918 mit denen regieren
würde, die als 144.000 treue Nachfolger vereint auferweckt worden
seien, nachdem sie ihren irdischen Verlauf durch einen Opfertod
beendet hätten. Diese seien nunmehr geistige Wesen und nicht
Menschen aus Fleisch und Blut. [1]

Hier gibt es eine deutliche Parallele zum gelehrten „Heiligtum“ bei
den Siebenten-Tags-Adventisten, nach der Jesus Christus im Jahre
1844 in das Allerheiligste des himmlischen Heiligtums eingegangen
sei, um das Schlusswerk der Versöhnung, die Vorbereitung auf sein
Kommen, zu vollziehen. Damit verbunden war das Untersuchungs-
gericht. [2]

Derartige Dinge kann man immer behaupten, indem man Parallelen
zum Tempeldienst herstellt. Ob diese Praktiken allerdings auf die
Endzeit zu übertragen sind, bleibt fraglich. Denn wer will hier bei
der fehlenden Quellenlage das Gegenteil beweisen. Doch sollte
man wissen, dass die frühen Christen grundsätzlich ein reales
Kommen Jesu Christi erwarteten (1. Korinther 15,23-26). Das
vergeistigte Kommen stellt hierbei doch stets eine Flucht in das
Irreale dar. Trotzdem gibt es immer wieder eine Anzahl Gläubiger,
die an so etwas glaubt.

So schrieb Joseph Franklin Rutherford (1869-1942) im Wacht-Turm
vom 15. Januar 1923 auf der Seite 27: „Somit sehen wir, dass Gott
beabsichtigt, in dieser Zeit großer Not, ein Volk auf der Erde zu ha-
ben, das klar gekennzeichnet ist als getrennt und abgesondert von
allen anderen, als seine Zeugen hervortretend und furchtlos die Bot-
schaft hinausrufend: 'Das Reich der Himmel ist nahe gekommen.'“
Dabei fühlt man sich seit 1931 im Vokabular der Zeugen als eine
„große Volksmenge“ (Lutherübersetzung: „große Schar“), die den
abnehmenden Überrest der 144.000, der sich noch auf Erden be-
findet, unterstützt. Diese setzen sich folgerichtig aus Gott hingege-
benen gottesfürchtigen Menschen, den sogenannten Königreichs-
verkündigern, zusammen, die aus allen Nationen kommen. [3]

Um den entsprechenden Hintergrund zu verstehen, muss man das
12. Kapitel der Offenbarung kennen. Die adventistischen Gruppen
legen dieses Kapitel so aus, dass sie als „die wahre Kirche“ vom
Drachen (von Satan) verfolgt würden, indem dieser mit der Nach-
kommenschaft der einst gebärenden Frau Krieg führe. Nur in der
Wüste hätte sich diese Kirche entwickeln können. Lediglich diese
halte die Gebote Gottes und bewahre das Zeugnis Christi.

Nach katholischer Auffassung vermochte der Satan dem nunmehr
geborenen Sprössling des Weibes, d. h. dem Volk Gottes, nichts
anzuhaben, sondern er ist wohlgeborgen beim Vater. Auch das
Weib ist in Gottes Hut. Ihre übrigen Sprösslinge, „die die Gebote
Gottes halten“, werden nun freilich die doppelte Wut des Drachen
zu verspüren haben; allein der Ausgang der Ereignisse im und
am Himmel verbürgt auch ihnen einen ähnlichen Schlusserfolg.
[4]

Nach evangelischer Lehre ist auch für Satan unüberwindlich die
Gemeinde Jesu; denn seine Waffen verwunden sie nicht. Die Ur-
sache, weshalb die Verfolgung sie trifft, ist genau dieselbe wie die,
weshalb sie in Gottes Gnade steht, der Gehorsam gegen das gött-
liche Gebot, der sie unfähig zum Sündigen macht, und der Glaube
an Jesus, der sein Wort nicht vergessen und verwerfen kann. [5]

Dies sollte vorerst mal alles sein. Dabei habe ich versucht, deutlich
zu veranschaulichen, welche Irrwege es in der religiösen Praxis bei
den prophetischen oder apokalyptischen Anschauungen geben kann.

ANMERKUNGEN
[1] Babylon die Große ist gefallen! (Gottes Königreich herrscht!),
     Wachtturm-, Bibel- und Traktat-Gesellschaft, Wiesbaden 1965,
     Seiten 453 – 455.   
[2] Für die Gemeinde geschrieben (Ausgewählte Botschaften von
     Ellen G. White), Band 1, Advent-Verlag, Hamburg 1991, Seite
     132.
[3] wie [1]. jedoch die Seiten 460/61.
[4] Bonner Neues Testament, im Verlag von Peter Hanstein, Bonn
     1921, Band 3, Teil 3, Seite 248.
[5] Adolf Schlatter, Die Briefe und die Offenbarung des Johannes,
     Calwer Verlag, Stuttgart 1950, Seite 244.
 

DAS BIBELVERSTÄNDNIS CHRISTLICHER FREIKIRCHEN

AUTOR: Josef Thobald

Viele christliche Freikirchen oder Denominationen, früher unter der
Bezeichnung „Sekten“ bekannt, sind hauptsächlich dem christlichen
Fundamentalismus zuzuordnen. Dabei sei hier vor allem an jene
Gruppierungen gedacht, die den Sabbat als einzigen Ruhetag an-
erkennen. Hierbei unterscheiden wir die Adventisten des Siebenten
Tages und die einzelnen Gruppen, die aus der Weltweiten Kirche
Gottes unter Herbert W. Armstrong hervorgegangen sind. Dazu
zählen die Vereinte Kirche Gottes, die Living Church of God und
die Philadelphia Church of God. Die ersten beiden Kirchen sind
in Deutschland durch entsprechende Regionalbüros vertreten.
Als ein abgespaltener Zweig der adventistischen Bewegung
seien noch die in Deutschland agierenden Jehovas Zeugen
genannt.

Charakteristisch für alle ist die Kritik an der wissenschaftlichen
Disziplin im Bereich der Schriftenforschung. Man sieht hier den
Versuch, vom wahren Weg abzukommen. Man hält den im
Mittelalter praktizierten Glauben dann für legitim, wenn er
durch die Bibel abgedeckt ist. Man akzeptiert die Übernatür-
lichkeit der Person Jesu und möchte an diesem Mythos nicht
gerüttelt haben. Allein der Textus receptus wird anerkannt.
Auf den ersten Blick ist nichts gegen diese Meinung einzu-
wenden. Aber man sollte nicht außer Acht lassen, dass der
Hauptakteur in den vier Evangelien jüdischen Glaubens war.
Das wird nicht selten vergessen. So müsste die Forschung
eigentlich hier ansetzen. Stattdessen hat man bis in die
Sechziger Jesus als Gegner der jüdischen Religion be-
trachtet, obwohl seine Lehren oft sehr nahe an die rabbi-
nische Gelehrsamkeit seiner Zeit heranreichten. Das von
allen Christen gebetete „Vater unser“ hat einen jüdischen
Ursprung. Er kleidete und verhielt sich wie ein Jude aus
Galiläa, die oft den Anspruch erhoben, von allen Juden
die Vorbildlichsten zu sein. Von den Umständen seines
Auftritts wissen wir mehr, über sein Herkommen aller-
dings sehr wenig. Der Grund liegt darin, dass in den
ersten Jahrhunderten nie ein Interesse bestand, Jesus
in die Nähe des Judentums zu bringen. Dies hätte eine
Integration in den römischen Staat nachhaltig erschwert.

Alles in allem muss gesagt werden, dass die auffallend
in der Öffentlichkeit agierenden christlichen Freikirchen
trotz aller Bemühungen durch den Aufbau eigener Lehr-
einrichtungen eine kritische Auseinandersetzung mit den
propagierten Glaubensvorstellungen nicht zulassen. Doch
gilt der allgemeine Ausspruch: Glauben heißt nicht wissen.
Vereinzelt gibt es bei der Gemeinschaft der Siebenten-Tags-
Adventisten interne Querelen, da die Leitung nachhaltig ver-
sucht, ihre Lehren den Anforderungen der Ökumene anzu-
passen. So gibt es in der Praxis opponierende Gruppen, die
sich konsequent der Ökumene entziehen möchten und auch
eigene Versammlungsräume unterhalten.  

RODENA BESUCHT DIE EHEMALIGE GRUBE VELSEN

Im  Zuge  der Erweiterungen  der  Grube  Geislautern  wurde 1899 der
Rosselschacht  nördlich  von  Großrosseln  abgeteuft  und  eine  neue
Grube gegründet.1902 wurde der Ostschacht (später Ludwigsschacht) 
angehauen. 1907  wurde  sie  nach dem Oberberghauptmann Gustav
von Velsen (1847–1923) benannt und erhielt im selben Jahr einen An-
1913 und 1917 wurde  die Tagesanlage ausgebaut und um den Schacht
Gustav II erweitert, der 1915 ein  deutsches  Strebengerüst erhielt. Die
Gebäude der ehemaligen Grube liegen auf einer künstlich angelegten
Terrasse oberhalb des ehemaligen Grubenbahnhofs. Der erhaltene Teil
der Tagesanlagen  mit dem Förderturm von Schacht Gustav  II gilt  als
„hochkarätiges Ensemble“  des  saarländischen  Bergbaus  und  steht
unter  Denkmalschutz. Das  Gebäudeensemble der Grube ist das ein-
zige  fast vollständig erhaltene  aus der Ära  des preußischen Bergfis-
kus. Mehr Bilder auch auf unserer Facebook-Seite unter diesem LINK:
DSCI0001 DSCI0002 DSCI0005 DSCI0006 DSCI0010 DSCI0012DSCI0014