Am Samstag, dem 9. Juni 2018, besuchte eine Gruppe aus dem VHVS die Burg Bouillon in Belgien in einer engen Schleife des Flusses Semois. Unter Gottfried III. wurde zwischen 1050 und 1067 erstmals die Anlage zu einer regelrechten Burg ausgebaut. Unter dem Festungsbaumeister Sébastien Le prestre de Vauban wurde die Burg zu einer Festung ausgebaut, damit sie auch moderner Artillerie standhalten konnte.
MUNDART-ABEND „MIR SCHWÄTZEN PLATT“
Am Sonntag, dem 3. Juni 2018, veranstaltete der Verband der heimatkundlich-historischen Vereine in Saarlouis unter seinem Vorsitzenden Michael Hoen einen Mundart-Arbend im Festsaal des Theaters am Ring. Die Moderation hatte Herbert Germann. Neben den Auftritten der Mundartdichter Jean-Louis Kieffer, Karin Peter, Marianne Faust, Luise Luft und Harald Ley gab es ein Theaterstück mit dem Titel „Et Kragensknäppchen“ von der Ligeka aus Lisdorf.
DIE STUDENTENPROTESTE AB 1965 IN DER BRD
AUTOR: Josef Theobald
VORWORT
Die Studentenproteste in den Jahren 1965/66 bis 1968/69 werden allgemein
der Zeit der Außerparlamentarischen Opposition (APO) zugerechnet. Diese
war eine politische, locker organisierte Bewegung linkischer studentischer,
teils auch gewerkschaftlicher Gruppen, die versuchte, gesellschaftliche Ver-
änderungen durch provokative Protestaktionen durchzusetzen. Im Streit um
eine Hochschulreform, um die bestehende Pressekonzentration und wegen
der Notstandsgesetze verstand sich die APO als antiautoritäre Reformbewe-
gung. Der Hintergrund war damals die Große Koalition aus CDU/CSU und
SPD, bei der eine ernstzunehmende parlamentarische Opposition fehlte.
Demnach suchte die APO ihre Ziele auf alternativem Wege zu erreichen.
BEITRAG
In der Bundesrepublik Deutschland organisiert sich nach dem KPD-Verbot im
August 1956 die kommunistische Bewegung völlig neu. Besonders nach der
stetig einsetzenden Entstalinisierung in der Sowjetunion und den Ereignissen
in der tschechischen Hauptstadt Prag 1968 kam es plötzlich zu einer Spaltung.
Mit der geplanten Gründung der DKP im September 1968 ist es im Vorfeld im
August in Mannheim innerhalb des SDAJ (der Sozialistischen Deutschen Ar-
beiterjugend) zur Bildung einer oppositionellen Gruppe gekommen, die sich
letztendlich abspaltete. So gab es zwei unterschiedliche Gruppe. Die eine um
Ernst Aust in Hamburg und die andere um die REBELL-Gruppe in Mannheim
mit dem Ziel, wieder nach leninistischem Vorbild eine neue antirevisionistische
kommunistische Partei aufzubauen. Zu Anfang allerdings stand man der mehr-
heitlich kleinbürgerlich-antiautoritären Studentenbewegung der Jahre 1966/67
und später sehr skeptisch gegenüber. Doch in der Außenwirkung wurden diese
Studentengruppen durch ihre Aktionen in der Öffentlichkeit bekannter. Ihnen ka-
men die damals in Rotchina propagierten bildungspolitischen Bestrebungen sehr
entgegen. Doch sollte es in den Folgejahren zu vielen Reibungspunkten zwischen
den neu gegründeten KPD-Gruppierungen verschiedener Prägung kommen.
Im August 1964 erschien die dritte Fassung des „kostbaren roten Buches“ in der
Auflage von mehr als einer Milliarde Exemplaren, das seine Zusammenstellung
dem chinesischen Militär unter dem Verteidigungsminister Lin Biao verdankte.
Im April 1969 trat unter strenger Geheimhaltung in der chinesischen Hauptstadt
Beijing (Peking) der IX. Parteitag der KP Chinas zusammen, der die Prinzipien
der Kulturrevolution und die Rolle des Militärs als Schule für das Studium der
Mao-Zedong-Ideen bestätigen sollte. So wird Lin offiziell zum Nachfolger Maos
bestimmt. Mit ihm gelangen schließlich die einstigen Protagonisten aus der Zeit
der Kulturrevolution in die Machtapparate. Damit verbunden war eine massive
Propagierung der Ideale der Kulturrevolution, auch in den deutschsprachigen
Raum hinein.
Die Studenten hatten erst ab 1965 Zugang zu Schriften, die aus China in jenen
Jahren bezogen wurden. So wurden auch die Ideen verbreitet, die zu dieser Zeit
in den chinesischen Massenmedien zu finden waren. Ihnen fehlten aber frühere
Ausgaben der Schriften Maos, wie sie schon Mitte der Fünfziger Jahre in der ehe-
maligen DDR erhältlich waren. So hätte man hier früher Abweichungen entdecken
können und eine kritischere Sicht wäre möglich gewesen. Daher war die große Be-
geisterung für Mao Zedong allein vom damaligen Zeitgeist geprägt gewesen. Mehr-
bändige Ausgaben der Werke Maos in Deutsch gab es in China erst ab 1968. Ver-
einzelte Ausgaben waren schon seit den Fünfziger Jahren erschienen. Doch der
Durchbruch im Sinne einer überzeugenden Übersetzung, die auch größere Leser-
gruppen nach sich zog, war erst zu diesem Zeitpunkt erreicht. Allerdings waren die
späteren Ausgaben das Opfer einer erneut erfolgten Umarbeitung während der Zeit
der Erziehungsbewegung von 1963 gewesen. Es sollte der Eindruck entstehen, die
revolutionäre Sache in China habe ein ständiges Aufwärtsstreben ohne Hindernisse
erlebt. Die negativen Erscheinungen wurden entweder ausgeklammert oder in einer
heroisierenden Weise anders interpretiert.
In Norddeutschland bildete sich der Kommunistische Bund (KB) heraus, der eher
als undogmatisch zu bewerten ist und sich von den maoistischen Gruppen stark
abgrenzte.
Fast unbekannt ist die Tatsache, dass gerade durch die Verurteilung Stalins in
der Sowjetunion desorientierte kommunistische Gruppen die Ideen Maos offen
aufnahmen und folglich Mao in die Reihe der großen Marxisten-Leninisten stel-
len sollten. Den Rest besorgten schließlich die Ereignisse in Prag 1968, die in
der alten Bundesrepublik einen fruchtbaren Boden für die Verbreitung maoisti-
scher Ideen bereiteten. Plötzlich gab es in der Realität auch ein weiteres anti-
sowjetisches Lager innerhalb des westlichen Blockes.
Zur Zeit der Studentenproteste war sehr populär der Satz aus der Schrift Maos
„Über die neue Demokratie“: „Ohne Niederreißen gibt es keinen Aufbau, ohne
Eindämmen kein Fließen, ohne Stillstand keine Bewegung; …“ (Januar 1940)
Deshalb sind die Protestaktionen unter diesem Hintergrund verständlich. In der
Volksrepublik China sorgte dieser Satz für ein großes Chaos in allen Bereichen
des Landes. Aus diesem Grunde wurde nach dem Tode des 82-jährigen Mao
im September 1976 die seit 1966 andauernde Kulturrevolution nun für beendet
erklärt.
Das Resultat der Studentenproteste war die allmähliche rechtliche Verbesserung
der Stellung der Frau. Die Frau war nicht mehr „Haussklavin“ und allein auf das
Schlafzimmer, auf die Kinderstube und Küche beschränkt. Sie erhielt die volle
Freiheit der Ehescheidung, d. h. ihr erwuchsen keine Nachteile, wenn sie die
häusliche Wohnung verließ.
Gerade, was die Verhältnisse in der damaligen Sowjetunion anging, gab es im
Westen Deutschlands viele Illusionen. Denn nach einem Zeugnis sowjetischer
Literaten herrschten zu dieser Zeit in ihrem Land doppelzüngige Reden der In-
telligenz vor. Geprägt war man von innerer Zerrissenheit, die sich in einem zu-
nehmenden Zynismus, in sexuellen Ausschweifungen, in der Sehnsucht nach
dem Westen und im Studium außermarxistischer Philosophien niederschlug.
DER KLINGENDE LUDWIGSPARK
RODENER TAGE – 2. TAG
ERÖFFNUNG DER RODENER TAGE 2018
Am Freitag, dem 25. Mai 2018, wurden auf dem Marktplatz die diesjährigen
Rodener Tage eröffnet. Unter der Moderation von Hans Werner Strauß und
der Beteiligung der Gäste aus der Politik konnte das Festprogramm gestartet
werden. Schirmherren waren der OB Peter Demmer und die CDU-Generalse-
kretärin Annegret Kramp-Karrenbauer.
DER BRAUCH DES MAIBAUMES
AUTOR: Josef Theobald
Für das Jahr 1225 ist ein Maibaum im Aachener Raum beurkundet. Die
angebrachten grünen Reiser galten als Fruchtbarkeitssymbole. [1]
Nach einer aufgestellten Liste wurden die Jünglinge von einem Maigrafen
aufgerufen und nach der Liebsten befragt. Dann nennt ein anderer Maigraf
den Namen der zugeteilten Jungfrau. [2]
Tradition war, dass vom Verehrer seiner Liebsten in der Nacht zum 1. Mai
eine frisch austreibende Birke, geschmückt mit bunten Bändern, als „Mai-
baum“ vor die Haustür gestellt wurde.
Im Frühling oder Sommer waren die für die Tradition verwendeten Bäume
oft Laubbäume. Teilweise waren es sehr hohe Bäume, denen lediglich eine
kleine grüne Kronenspitze gelassen wurde. Unter der Baumkrone hing ein
mit bunten Streifen geschmückter Kranz oder es waren in der Krone bunte
Stoffstreifen eingeflochten. [1] Unter dem Gesang von Liedern wurde dieser
Baum aufgepflanzt. Am Maimorgen geht der Bursche zu dem ihm zugeteilten
Mädchen, trägt ihr in der Maisprache Sprüche und Grüße vor und empfängt
als Dank einen frischen Maiblumenstrauß. [2] Bei einem Tanz unter dem mit
Bändern geschmückten Maibaum konnten dann die Buben und Mädel „an-
bändeln“. [1]
Jeder Bursche holte sich seine Tänzerin in deren Hause ab, und mit der ihm
zugeteilten Jungfrau an der Hand trat der Jüngling zum Maireigen. Doch war
dieser mit der Abenddämmerung beendet. Vor der Dunkelheit musste jeder
Jüngling sein Maimädchen heimgebracht haben. [2]
Der mit dem Monat „Mai“ verbundene Begriff des „Maien“ geht auf die Maja,
der römischen Göttin des Wachstums im Frühling, zurück. Maja war in der
römischen Götterwelt die Tochter des für Felder und Wälder zuständigen
Gottes Faunus und die Frau von Vulcanus, dem Gott für das Feuer und
die Schmiedekunst. Maja stand Patin für den Monatsnamen „Mai“. [1]
rechnung und Brauchtum), DRW-Verlag, Leinfelden-Echterdingen
2001, die Seiten 79 – 83.
Volksglaube in Sagen, Märlein und Volksliedern, im Nachdruck der
Ausgabe von 1854 des Georg Olms Verlags, Hildesheim 2006, die
Seite 30.
AUFSTELLUNG DES MAIBAUMES
WO KARL MARX WIRKLICH IRRTE
AUTOR: Josef Theobald
In diesem Jahr wäre Karl Marx 200 Jahre alt geworden. Er lebte von 1818
bis 1883 und gilt bis heute als der geistige Kopf der Arbeiterbewegung des
19. Jahrhunderts. Auf ihn hauptsächlich geht der später propagierte wissen-
schaftliche Sozialismus zurück. In der Zeit des noch bestehenden kommuni-
stischen Blocks galt Marx als der Begründer des Marxismus-Leninismus.
Der aus jüdischen Verhältnissen stammende Marx hatte seine Stationen in
Köln, Paris, Brüssel und London. Sein Großvater Levy Marx (1743-1804)
war in den Städten Saarlouis und Trier als Rabbiner tätig gewesen. Dieser
stammte aus dem böhmischen Postelberg und trug den Namen Mordechai.
Sein Vater Heinrich Marx (1777-1838) konvertierte wegen seines beruflichen
Fortkommens zum evangelischen Glauben und war zuletzt als Justizrat in der
Stadt Trier, dem Sitz der preußischen Bezirksregierung, tätig. Eigentlich hatte
K. Marx eine Hochschullaufbahn angestrebt. Doch die damals judenfeindliche
Atmosphäre hatte dies vereitelt. So machte sich Marx einen Namen als Autor
und Redakteur verschiedener Zeitungen. Im Jahre 1864 war er federführend
an der „Internationalen Arbeiterassoziation“ (I. Internationale) beteiligt. Auch
arbeitete er Im Hintergrund an der Gründung einer Sozialdemokratischen Ar-
beiterpartei (SDAP – Eisenacher) in Deutschland. 1875 beobachtete er sehr
kritisch die Vereinigung in Gotha zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutsch-
lands (SAP).
In seinen späten Jahren behauptete Marx, die russische Gemeinde sei in
Europa die einzige noch organische, vorherrschende Form im Landleben
eines ungeheuren Reiches. Das Gemeineigentum an Grund und Boden
biete ihr deshalb die natürliche Basis der kollektiven Aneignung und ihr
historisches Milieu, die Gleichzeitigkeit mit der kapitalistischen Produktion,
bietet ihr fix und fertig dar die materiellen Bedingungen der in großem Maß-
stabe organisierten kollektiven Arbeit. [1]
Zunächst hatte Friedrich Engels diese Meinung in seiner Schrift „Soziales
aus Russland“ geteilt. Die in Westeuropa erstrebte Form des Sozialismus
würde zuerst in Russland eingeführt. Denn damals gab es ja in Russland
Persönlichkeiten, die vor allem das russische Volk sozusagen als das aus-
gewählte Volk des Sozialismus ansahen. Sie begründeten dies besonders
mit dem Gemeindeeigentum an Grund und Boden. [2]
Erst in seinen Spätwerken ging Engels auf Distanz dazu.
Im Nachwort von 1894 zu „Soziales aus Russland“ stellte er fest, dass die
russische Gemeinde zwar Hunderte von Jahren bestanden hatte. Es sei
aber aus ihr nie ein Antrieb hervorgegangen, um selbst eine höhere Form
des Gemeineigentums entwickeln zu können. Die russische Gemeinde
könne nur dann auf eine höhere Stufe gestellt werden, wenn zum einen
das westeuropäische Proletariat über die Bourgeoisie gesiegt und zum
anderen die gesellschaftliche Produktion die kapitalistische ersetzt hätte.
[3]
Wie ist es zu dieser Fehleinschätzung gekommen?
Es waren russische Publizisten im Ausland, wie A. I. Herzen, die ein der-
artiges Bild von der russischen Landgemeinde zeichneten. Lenin sprach
davon, dass dieser 1847 Russland verließ, das revolutionäre Volk nicht
gesehen und den Glauben an dieses Volk nie besaß. Herzen galt als der
Begründer des „russischen“ Sozialismus der „Volkstümlerrichtung“, etwa
mit einer sozial-liberalen Bewegung in Westeuropa vergleichbar. Damals
kämpften die revolutionären Bauern als Besitzer und Kleineigentümer für
die Beseitigung des gutsherrlichen Grundbesitzes bis zur Aufhebung des
Privateigentums am Grund und Boden. Herzen allerdings erblickte in der
Befreiung der Bauern mit Landzuteilung, im Grundbesitz der Dorfgemein-
den und in der bäuerlichen Idee vom „Recht auf Grund und Boden“ den
Sozialismus. [4]
Die Ausgewählten philosophischen Schriften A. I. Herzens (1812-1870)
wurden erstmals 1949 in der Sowjetunion in deutscher Übersetzung her-
ausgegeben. Herzen gibt hier einen Überblick über das feindliche Lager,
das dem offiziellen Russland gegenüberstand. Das waren allerdings nur
vereinzelte Kämpfer, die in den Kasematten eingesperrt, gefoltert, nach
Sibirien verschickt und durch neue Kämpfer ersetzt wurden. Das macht
wohl die russische Tradition, das Majorat, aus (Seite 513).
zur Dorfgemeinde als ein wesentlicher Hemmschuh heraus. So verweigerte
man in Russland dem Bauern den freien Zugang zur Fabrik. Der Bauer hatte
aufgrund der solidarischen Haftung und der Erschwerung des Austritts aus der
Dorfgemeinde nicht, wie in anderen westeuropäischen Ländern, die volle Frei-
heit, sich nun den für ihn vorteilhaftesten Unternehmer auszusuchen, während
es der Unternehmer glänzend verstand, hier den billigsten Arbeiter ausfindig zu
machen. [5]
ANMERKUNGEN
Seite 385.
Verlag, Berlin-Ost 1966, Seite 43.
Seiten 426/27.
Dietz Verlag, Berlin-Ost 1970, Seite 676/77.
539.
VORSTELLUNG „BEAUMARAISER GESCHICHTSBUCH“
DER WIDERSTREIT ZWISCHEN TRADITION UND IDEOLOGIE
AUTOR: Josef Theobald
Im September 1956 besuchte der Generalsekretär der Partei der Arbeit
Albaniens (PdAA) Enver Hoxha (1908-1985) anlässlich des VIII. Partei-
tages der KP Chinas die Volksrepublik China. Ihm viel direkt auf die Art,
wie die Chinesen mit ihren Kadern sprachen und sich ihnen gegenüber
benahmen. Klar erkennbar waren noch die Relikte der Vergangenheit,
als in China für viele Jahrhunderte die Absolutheit der chinesischen Kai-
ser, das feudale System, der Buddhismus und der Konfuzianismus vor-
herrschte. Dies hatte das chinesische Volk nicht nur in einer furchtbaren
wirtschaftlichen Rückständigkeit belassen, sondern auch in seiner Welt-
anschauung, in seinem Benehmen und in seiner Sprechweise einen er-
kennbar sklavischen, unterwürfigen Zug, blindes Vertrauen und widers-
pruchslosen Gehorsam gegenüber Autoritäten jeden Ranges verwurzeln
lassen. [1] Während der Großen Proletarischen Kulturrevolution (1966-
1976) war man zwar bemüht, diese Tendenzen zu bekämpfen, doch ist
in den letzten Jahrzehnten der Trend erkennbar, den alten traditionellen
Gegebenheiten neuen Raum zu schenken.
Hoxha studierte 1930 bis 1934 in Frankreich (Montpellier, Paris) und von
1934 bis 1936 in Brüssel (Belgien) Jura. In Brüssel wurde er Sekretär im
albanischen Konsulat. In Paris war er Mitarbeiter der dort erscheinenden
kommunistischen Tageszeitung „L’Humanité“. [2] So war Hoxha von den
Verhältnissen in Frankreich stark beeinflusst worden. Im Jahre 1789 brach
hier die Französische Revolution aus, die in Scharen die Adligen, Bischöfe
und Äbte und all jene kleinen Fürsten vertrieb. Französische revolutionäre
Armeen exportierten die Ideen von Freiheit und Gleichheit bis in das Inner-
ste von Deutschland, in das Rheinland. Eine Weiterführung dieser bürger-
lichen Revolution war die in Paris am 28. März 1871 ausgerufene „Pariser
Kommune“. Bedeutende Kommunisten, wie W. I. Lenin in Russland, sahen
sich in dieser Traditionslinie.
Was heute vielfach vergessen ist, bleibt die Tatsache, dass Saarlouis, an der
Ostgrenze zu Deutschland gelegen, ebenso eine Hochburg der Französischen
Revolution war. Angesichts der einsetzenden Expansion Preußens, geschützt
durch ein preußisch-britisches Bündnis, und des französischen Engagements
in Nordamerika kam es 1760 in Frankreich zur unvermeidlichen Katastrophe in
Bezug auf seine überseeischen Ambitionen. Sein Expeditionskorps im Norden
Amerikas musste vor den Briten kapitulieren, in Indien unterlagen seine Truppen
demselben Feind. Von dem einst weltweiten Kolonialbesitz, den abenteuerlustige
Franzosen seit eineinhalb Jahrhunderten erobert hatten, blieben nur noch Trüm-
mer übrig. Die Staatsfinanzen des Königreiches waren von neuem ruiniert. [3]
Da die militärische Festung in Saarlouis auch ein Wirtschaftsfaktor war, beka-
men umgehend die umliegenden Bauernhöfe, Gewerbebetriebe und Händler
die Folgen dieser Krise zu spüren. Dazu kam noch der sich rasch entwickelnde
Nationalismus. Dies bedeutete, dass es auf einmal zum guten Ton gehörte, sich
zunehmend als Deutsche zu fühlen. Begleitet war die Französische Revolution
von der Aufklärung. Erklärtes Ziel war hierbei, gegen Autoritätsglauben, Vorur-
teile und Bevormundung des Menschen anzugehen. Die Vernunft sollte jeden
Menschen zu selbstbewusstem Denken und selbstbestimmtem Handeln leiten.
Wenn man dies berücksichtigt, wird man die Distanz zu jeder Form von Unter-
würfigkeit verstehen müssen. Im Oktober 2009 wurde in der südbadischen Me-
tropole Freiburg (Breisgau) der Hörerclub von Radio China International (CRI)
gegründet. Hier sah man allerdings noch deutlich die Restspuren einer feudalen
Gesellschaft, die Unterwürfigkeit durch die Verbeugung gegenüber Vorgesetzten
und Funktionären der staatlichen Organe.
Nentori“, Tirana 1980, Seite 278.
von J. Jaurès als Organ der Französischen Sozialistischen Partei
gegründet. Bald nach der Spaltung der Sozialistischen Partei auf
dem Parteitag in Tours (Dezember 1920) und der Bildung der KP
Frankreichs wurde die Zeitung deren Organ.
bei Weltbild, die Seiten 362/63.
DER PALMSONNTAG
AUTOR: Josef Theobald
Der Name „Palmsonntag“ bezieht sich auf den Brauch, an diesem
Sonntag eine Prozession bis in die Nähe einer Auferstehungskirche
zu machen. Dabei werden Palmzweige und auf einer Bahre ein
Kreuz oder ein Evangelienbuch getragen. Palmen wurden schon
seit alters her als heilige Bäume verehrt, im Orient ehrte man sieg-
reiche Soldaten mit Palmzweigen. Das Christentum hat schließlich
die Palmzweige als Symbol des Lebens übernommen.
In Mitteleuropa wurden die Zweige durch Äste von Saalweiden,
Buchsbaum, Wacholder oder durch Haselzweige ersetzt. Im
Volksglauben gibt es zudem die Auffassung, dass die geweihten
Zweige eine magische Wirkung besitzen – sie schützen vor Bösem,
verhindern Krankheiten, Unwetter oder Ungeziefer im Haus. Glück
bringen sollen auch die ersten Frühlingsblumen, die man am Palm-
sonntag pflückt.
Die Palmzweige werden im darauf folgenden Jahr am Aschermitt-
woch verbrannt, um den Gläubigen mit der Asche ein Kreuz auf
die Stirn zu zeichnen.
Als historischen Bezug dient der feierliche Einzug Jesu auf einem
Esel in Jerusalem – ein Akt, der als bewusster Verzicht auf seine
königliche Macht gedeutet wird. In der Bibel wird davon berichtet,
wie das Volk dem Herrn einen begeisterten Empfang bereitete
und grüne Palmzweige vor ihm ausstreute (Matthäus 21,6-9).
Seit dem 8. Jahrhundert wird in Jerusalem dieser Einzug Jesu
mit feierlichen Prozessionen nachgestellt. [1]
Mit dem Palmsonntag beginnt eine Woche vor Ostern die Kar-
woche. In der sich der Prozession anschließenden Messfeier
wird erstmals in der Karwoche die Botschaft vom Leiden und
Sterben Jesu verkündet. [2]
nationale Feiertage weltweit), in Bertelsmann Chronik,
wissenmedia Verlag, Gütersloh/München 2009, Seite
24.
(A-Z), Das Handlexikon, Verlag Herder, Freiburg im
Breisgau 2009, Seite 189.
KOMMUNISTISCHE STANDARDWERKE AUS CHINA
AUTOR: Josef Theobald
fremdsprachige Literatur in Beijing (Peking) Werke des Marxismus-Leninis-
mus in deutscher Sprache herausgab. Dies war bis zu dem Jahre 1980 ein
Nebenzweig des Verlages gewesen. Schon im Jahre 1965 sind von Marx
und Engels das „Manifest der kommunistischen Partei“ und von J. W. Stalin
gebühren aufbringen. Anscheinend wurden diese bisher durch ein Kompen-
sationsgeschäft [1] mit dem chinesischen Volksverlag finanziert.
gegründet worden, dass auch die Bereiche sowjetische und osteuropäische
Literatur umfasste. [2]
dem Dietz Verlag in Berlin-Ost in der früheren DDR.
zunächst durch die Auslandsbuchhandlung „Guoji Shudian“ in Beijing (China)
ins Ausland verbracht. Mitte der Achtziger Jahre übernahm der Verlag „Neuer
Weg“ in Stuttgart (heute: Essen) den Vertrieb. Heute bedient man sich der ei-
gens dafür gegründeten Buchhandlung „People to People“ in Gelsenkirchen.
von Mao Zedong (Bände I bis IV) von einem Übersetzerteam an einer Päda-
gogischen Hochschule in der früheren DDR fertiggestellt. [3] Wegen des da-
maligen Vorwurfs des Revisionismus in China blieben die Stellenverweise
ohne konkrete Angabe. Vielfach waren hier noch Werksausgaben aus den
Fünfziger Jahren angesprochen. Der Band V, der 1978 in Deutsch erschien,
kann dagegen in der Volksrepublik China selbst übersetzt worden sein, da
die Germanistik in den Siebziger Jahren hier doch bedeutende Fortschritte
machte.
von Marx, Engels, Lenin und Stalin. Also das, was in der früheren DDR An-
fang der Sechziger Jahre begonnen wurde und in den Achtziger Jahren den
Abschluss fand. Wegen der Entstalinisierung ab 1956 blieben allerdings die
Werke Stalins davon ausgenommen. Der Band 13 erschien hier in dem Jahr
1955.
bersetzungsbüro für die Werke von Marx, Engels, Lenin und Stalin vom Zen-
tralkomitee (ZK) der KP Chinas eingesetzt. Zu den von diesem Büro in den
Jahren bis 1988 auf Chinesisch veröffentlichten Werke gehörten 49 Bände
zu den Gesammelten Werken von Marx und Engels. 4 Bände umfassten die
Ausgewählten Werke. Weiterhin wurden 39 Bände der Gesammelten Werke
von Lenin herausgegeben. Die Ausgewählten Werke umfassten 4 Bände. Die
Werke von Stalin wurden in 13 Bänden veröffentlicht.
Marx und Engels und der Gesammelten Werke von Lenin und Stalin geplant.
[4]
Werken Lenins ebenfalls 39 Bände. Bei den Ausgewählten Werken gab es je-
doch Unterschiede. Bei Marx und Engels gab es sowohl eine zweibändige als
auch eine sechsbändige Ausgabe. Bei Lenin gab es eine dreibändige und eine
sechsbändige Ausgabe.
Werke von Marx und Engels nach dem Muster der MEGA in Europa geplant.
Dazu wurden auch Mitarbeiter des deutschen Übersetzerteams aus der frü-
heren DDR eingeladen und ebenfalls eingebunden.
den sowjetischen Massenorganisationen herausgegeben, bis man dazu über-
ging, das sowjetische Verlagswesen zu zentralisieren. So gründete man 1939
den Verlag für fremdsprachige Literatur, der sich ab 1963 in Progress Verlag
umbenannte. Hier erschienen in den Siebziger und Achtziger Jahren einbän-
dige Ausgewählte Werke von Marx, Engels und Lenin.
agreement) werden in der Wirtschaft Handelsabschlüsse bezeichnet, bei
denen eine Ware oder Dienstleistung nicht ausschließlich mit Geld bezahlt
werden muss, sondern im Zuge eines Gegengeschäfts ganz oder teilweise
mit einer anderen Ware oder Dienstleistung beglichen wird.
Literatur, Beijing (China) 1985, die Seite 109.
früheren DDR gab. Denn der Verweis auf den Band 31 der Werke Lenins
war hier zu offensichtlich. Es gab hier eine frappierende Übereinstimmung
mit der 1959 neu übersetzten Ausgabe, die in der Ausgabe von 1961 ein-
fach übernommen wurde. Auch beim „Manifest der kommunistischen Par-
tei“ stimmt die Anmerkung (24) mit der Anmerkung (92) des Bandes „22“
der Marx-Engels-Werke überein.
teratur, Beijing (China) 1988, die Seite 143.
WAS BEDEUTET DER BEGRIFF „SOZIALIMPERIALISMUS“?
AUTOR: Josef Theobald
In einer Schrift W. I. Lenins von 1916 war zunächst genannt der Personenkreis
der „Sozialimperialisten“, die als Sozialisten in Worten und Imperialisten in der
Tat gekennzeichnet wurden. Sie gehen auf die Fabianer-Sozialisten in England
zurück, die sich ab 1884 aus der Fabian-Society herausgebildet hatten.
Zunächst standen die deutschen Sozialdemokraten im Verdacht, Sozialimperia-
listen zu sein. Später wurden andere sozialistische Parteien dazugerechnet.
Durch die politischen Vorgänge in England stand auch Ramsay MacDonald
(1866-1937) im Verdacht, ein Anhänger des „Fabianer-Sozialismus“ oder des
„Sozialimperialismus“ zu sein. 1919 erweiterte W. I. Lenin die Definition mit
den Worten „Hinüberwachsen des Opportunismus in den Imperialismus“. [1]
Der historische Hintergrund lag in der Zeit des I. Weltkrieges, als zunehmend
sozialistische Parteien in bürgerliche Regierungen eintraten. Obwohl sie in den
Kongressen der II. Sozialistischen Internationale stets ihre Einstellung zum Frie-
den beteuerten, stimmten sie in ihren Ländern den jeweiligen Rüstungsetats, die
ständig anwuchsen, zu.
Weiterhin bestimmend war die Ablenkung von den mit fortschreitender Industria-
lisierung entstehenden inneren Spannungen und Klassengegensätze nach aus-
sen. Darunter fasst man die tendierte oder tatsächlich vollzogene Bindung brei-
ter Volksschichten, besonders auch der Arbeiterschaft, an die bestehende poli-
tische und gesellschaftliche Ordnung. Dazu kommt die Beteiligung an den wirt-
schaftlichen Vorteilen imperialistischer Expansion. Im weitesten Sinne wirkt die
Systemstabilisierung angesichts imperialistischer Tendenzen im Hinblick auf die
wachsende Demokratisierung oder wegen der „sozialen Gefahr“. Auf sozialisti-
scher Seite wurde schon frühzeitig die Absicht herrschender Schichten erkannt,
durch imperialistische Tendenzen innere Spannungen nach außen abzuleiten.
Dabei griff man auf die Fiktion eines die Klasseninteressen übergreifenden, auf
äußere Machterhaltung und Expansion gerichteten Nationalinteresses zurück.
Dadurch sah man ein Mittel, dem Sozialismus ideologisch entgegenzuwirken.
[2]
Infolge der Niederschlagung des Prager Frühlings im August 1968 wurden die
damalig politisch Verantwortlichen in der Sowjetunion in den Publikationen der
Volksrepublik China ebenfalls „Sozialimperialisten“ genannt. Hier ging es um
die begrenzte Souveränität, die den sozialistischen Bruderländern eingeräumt
wurde (Breschnew-Doktrin). Unterwarf man sich ihr nicht, übte die Sowjetunion
eine „internationale Diktatur“ aus, d. h. eine Diktatur gegen die Völker anderer
Länder, um eine „sozialistische Gemeinschaft“ unter der Herrschaft des neuen
Zarenreiches, nämlich Kolonien des Sozialimperialismus zu bilden. Hierbei ver-
wies man auf die Zeit des I. Weltkrieges, insbesondere auf die Renegaten der II.
Internationale. [3]
Ramsay MacDonald nahm den I. Weltkrieg als vollendete Tatsache hin. Er ver-
schrieb sich gangbaren Wegen, wie der Krieg auf dem Verständigungsweg re-
lativ schnell und möglichst hypothekenfrei durch die Völker selbst beendet und
Bedingungen wie Inhalte einer dauerhaften Friedensordnung vereinbart werden
könnten.
MacDonald fürchtete die sich pazifistisch gebende extreme russische Linke unter
Lenin, weil sie die sozialistische Revolution öffentlich diskreditierte und damit der
Kriegspartei in die Hände arbeitete. Auch befürchtete er den Sieg Lenins und die
Aushandlung eines Separatfriedens mit dem dann triumphierenden deutschen Mi-
litarismus. Dies würde weitreichende europäische Neuordnungsvorstellungen, die
ein demokratisches Deutschland voraussetzten, unrealisierbar machen. [4]
en zu ihrer Geschichte), Kleine Vandenhoeck-Reihe, Göttingen 1973,
die Seiten 57/58.
Verlag für fremdsprachige Literatur, Beijing (China) 1969, die Seiten
101/2.
die „Demokratisierung“ des Deutschen Reiches – 1900-1918), Van-
denhoeck & Ruprecht, Göttingen 1994, die Seiten 124 + 189.
DAS ZITAT
Die Fabian-Society „predigte und praktizierte (den) Anschluss der Arbeiter
an die Liberalen…“ „Die Leute“ der Fabian-Society sind „eine Clique von
bürgerlichen ‚Sozialisten‘ gemischten Kalibers, vom Streber bis zum Ge-
fühlssozialisten und Philanthropen, einig nur in ihrer Angst vor der drohen-
den Herrschaft der Arbeiter.“ (Marx-Engels, Ausgewählte Briefe, Dietz Ver-
lag, Berlin-Ost 1953, die Seiten 539/40)
ABSCHLUSS DER PICOBELLO-AKTION IN SAARLOUIS
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