AUFSTELLUNG DES MAIBAUMES

Unter der Beteiligung der Rodener Vereine wurde am Montag, dem 30. April 2018, mit Unterstützung des
THW erstmals ein gemeinsamer Maibaum aufgestellt. Die Veranstaltung war umrahmt mit musikalischen
Beiträgen und von einem Mundartvortrag. Mehr Bilder auch auf unserer FB-Seite unter diesem LINK:
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WO KARL MARX WIRKLICH IRRTE

AUTOR: Josef Theobald

In diesem Jahr wäre Karl Marx 200 Jahre alt geworden. Er lebte von 1818
bis 1883 und gilt bis heute als der geistige Kopf der Arbeiterbewegung des
19. Jahrhunderts. Auf ihn hauptsächlich geht der später propagierte wissen-
schaftliche Sozialismus zurück. In der Zeit des noch bestehenden kommuni-
stischen Blocks galt Marx als der Begründer des Marxismus-Leninismus.

Der aus jüdischen Verhältnissen stammende Marx hatte seine Stationen in
Köln, Paris, Brüssel und London. Sein Großvater Levy Marx (1743-1804)
war in den Städten Saarlouis und Trier als Rabbiner tätig gewesen. Dieser
stammte aus dem böhmischen Postelberg und trug den Namen Mordechai.
Sein Vater Heinrich Marx (1777-1838) konvertierte wegen seines beruflichen
Fortkommens zum evangelischen Glauben und war zuletzt als Justizrat in der
Stadt Trier, dem Sitz der preußischen Bezirksregierung, tätig. Eigentlich hatte
K. Marx eine Hochschullaufbahn angestrebt. Doch die damals judenfeindliche
Atmosphäre hatte dies vereitelt. So machte sich Marx einen Namen als Autor
und Redakteur verschiedener Zeitungen. Im Jahre 1864 war er federführend
an der „Internationalen Arbeiterassoziation“ (I. Internationale) beteiligt. Auch
arbeitete er Im Hintergrund an der Gründung einer Sozialdemokratischen Ar-
beiterpartei (SDAP – Eisenacher) in Deutschland. 1875 beobachtete er sehr
kritisch die Vereinigung in Gotha zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutsch-
lands (SAP).
    
In seinen späten Jahren behauptete Marx, die russische Gemeinde sei in
Europa die einzige noch organische, vorherrschende Form im Landleben
eines ungeheuren Reiches. Das Gemeineigentum an Grund und Boden
biete ihr deshalb die natürliche Basis der kollektiven Aneignung und ihr
historisches Milieu, die Gleichzeitigkeit mit der kapitalistischen Produktion,
bietet ihr fix und fertig dar die materiellen Bedingungen der in großem Maß-
stabe organisierten kollektiven Arbeit. [1]

Zunächst hatte Friedrich Engels diese Meinung in seiner Schrift „Soziales
aus Russland“ geteilt. Die in Westeuropa erstrebte Form des Sozialismus
würde zuerst in Russland eingeführt. Denn damals gab es ja in Russland
Persönlichkeiten, die vor allem das russische Volk sozusagen als das aus-
gewählte Volk des Sozialismus ansahen. Sie begründeten dies besonders
mit dem Gemeindeeigentum an Grund und Boden. [2]

Erst in seinen Spätwerken ging Engels auf Distanz dazu.

Im Nachwort von 1894 zu „Soziales aus Russland“ stellte er fest, dass die
russische Gemeinde zwar Hunderte von Jahren bestanden hatte. Es sei
aber aus ihr nie ein Antrieb hervorgegangen, um selbst eine höhere Form
des Gemeineigentums entwickeln zu können. Die russische Gemeinde
könne nur dann auf eine höhere Stufe gestellt werden, wenn zum einen
das westeuropäische Proletariat über die Bourgeoisie gesiegt und zum
anderen die gesellschaftliche Produktion die kapitalistische ersetzt hätte.
[3]

Wie ist es zu dieser Fehleinschätzung gekommen?

Es waren russische Publizisten im Ausland, wie A. I. Herzen, die ein der-
artiges Bild von der russischen Landgemeinde zeichneten. Lenin sprach
davon, dass dieser 1847 Russland verließ, das revolutionäre Volk nicht
gesehen und den Glauben an dieses Volk nie besaß. Herzen galt als der
Begründer des „russischen“ Sozialismus der „Volkstümlerrichtung“, etwa
mit einer sozial-liberalen Bewegung in Westeuropa vergleichbar. Damals
kämpften die revolutionären Bauern als Besitzer und Kleineigentümer für
die Beseitigung des gutsherrlichen Grundbesitzes bis zur Aufhebung des
Privateigentums am Grund und Boden. Herzen allerdings erblickte in der
Befreiung der Bauern mit Landzuteilung, im Grundbesitz der Dorfgemein-
den und in der bäuerlichen Idee vom „Recht auf Grund und Boden“ den
Sozialismus. [4]  

Die Ausgewählten philosophischen Schriften A. I. Herzens (1812-1870)
wurden erstmals 1949 in der Sowjetunion in deutscher Übersetzung her-
ausgegeben. Herzen gibt hier einen Überblick über das feindliche Lager,
das dem offiziellen Russland gegenüberstand. Das waren allerdings nur
vereinzelte Kämpfer, die in den Kasematten eingesperrt, gefoltert, nach
Sibirien verschickt und durch neue Kämpfer ersetzt wurden. Das macht
wohl die russische Tradition, das Majorat, aus (Seite 513).

Infolge der Industrialisierung Russlands stellte sich zunehmend die Bindung
zur Dorfgemeinde als ein wesentlicher Hemmschuh heraus. So verweigerte
man in Russland dem Bauern den freien Zugang zur Fabrik. Der Bauer hatte
aufgrund der solidarischen Haftung und der Erschwerung des Austritts aus der
Dorfgemeinde nicht, wie in anderen westeuropäischen Ländern, die volle Frei-
heit, sich nun den für ihn vorteilhaftesten Unternehmer auszusuchen, während
es der Unternehmer glänzend verstand, hier den billigsten Arbeiter ausfindig zu
machen. [5]
 
ANMERKUNGEN
[1] Marx – Engels, Werke, Band 19, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1962, die
     Seite 385.
[2] Marx – Engels, Ausgewählte Werke in zwei Bänden, Band II, Dietz
     Verlag, Berlin-Ost 1966, Seite 43.
[3] Marx – Engels, Werke, Band 22, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1963, die
     Seiten 426/27.      
[4] W. I. Lenin, Ausgewählte Werke in drei Bänden, Band I, 7. Auflage,
     Dietz Verlag, Berlin-Ost 1970, Seite 676/77.
[5] W. I. Lenin, Werke, Band 3, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1956, die Seite
     539.  
 

VORSTELLUNG „BEAUMARAISER GESCHICHTSBUCH“

Der Verein für Mundart und Geschichte Beaumarais  präsentierte  am Freitag, dem 27. April 2018,
aus Anlass  seines 10-jährigen Bestehens  seine  neue Dorfchronik. Das Buch umfasst 13 Kapitel.
Der Bogen spannte sich von den Vereinsgeschichten über Kriegszeiten, von der Stadtentwicklung
zur Nachkriegszeit bis hin zur Kirchengeschichte einschließlich der ehemaligen jüdischen Gemein-
de. Volker Felten stellte das Buch vor. Michael Hoen  vom  VHVS sprach sein Grußwort. Viele Re-
präsentanten aus der Saarlouiser Kommunalpolitik waren erschienen. Mehr Bilder auch auf unse-
rer Facebook-Seite unter folgendem LINK: 
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DER WIDERSTREIT ZWISCHEN TRADITION UND IDEOLOGIE

AUTOR: Josef Theobald

Im September 1956 besuchte der Generalsekretär der Partei der Arbeit
Albaniens (PdAA) Enver Hoxha (1908-1985) anlässlich des VIII. Partei-
tages der KP Chinas die Volksrepublik China. Ihm viel direkt auf die Art,
wie die Chinesen mit ihren Kadern sprachen und sich ihnen gegenüber
benahmen. Klar erkennbar waren noch die Relikte der Vergangenheit,
als in China für viele Jahrhunderte die Absolutheit der chinesischen Kai-
ser, das feudale System, der Buddhismus und der Konfuzianismus vor-
herrschte. Dies hatte das chinesische Volk nicht nur in einer furchtbaren
wirtschaftlichen Rückständigkeit belassen, sondern auch in seiner Welt-
anschauung, in seinem Benehmen und in seiner Sprechweise einen er-
kennbar sklavischen, unterwürfigen Zug, blindes Vertrauen und widers-
pruchslosen Gehorsam gegenüber Autoritäten jeden Ranges verwurzeln
lassen. [1] Während der Großen Proletarischen Kulturrevolution (1966-
1976) war man zwar bemüht, diese Tendenzen zu bekämpfen, doch ist
in den letzten Jahrzehnten der Trend erkennbar, den alten traditionellen
Gegebenheiten neuen Raum zu schenken.

Hoxha studierte 1930 bis 1934 in Frankreich (Montpellier, Paris) und von
1934 bis 1936 in Brüssel (Belgien) Jura. In Brüssel wurde er Sekretär im
albanischen Konsulat. In Paris war er Mitarbeiter der dort erscheinenden
kommunistischen Tageszeitung „L’Humanité“. [2]  So war Hoxha von den
Verhältnissen in Frankreich stark beeinflusst worden. Im Jahre 1789 brach
hier die Französische Revolution aus, die in Scharen die Adligen, Bischöfe
und Äbte und all jene kleinen Fürsten vertrieb. Französische revolutionäre
Armeen exportierten die Ideen von Freiheit und Gleichheit bis in das Inner-
ste von Deutschland, in das Rheinland. Eine Weiterführung dieser bürger-
lichen Revolution war die in Paris am 28. März 1871 ausgerufene „Pariser
Kommune“. Bedeutende Kommunisten, wie W. I. Lenin in Russland, sahen
sich in dieser Traditionslinie.

Was heute vielfach vergessen ist, bleibt die Tatsache, dass Saarlouis, an der
Ostgrenze zu Deutschland gelegen, ebenso eine Hochburg der Französischen
Revolution war. Angesichts der einsetzenden Expansion Preußens, geschützt
durch ein preußisch-britisches Bündnis, und des französischen Engagements
in Nordamerika kam es 1760 in Frankreich zur unvermeidlichen Katastrophe in
Bezug auf seine überseeischen Ambitionen. Sein Expeditionskorps im Norden
Amerikas musste vor den Briten kapitulieren, in Indien unterlagen seine Truppen
demselben Feind. Von dem einst weltweiten Kolonialbesitz, den abenteuerlustige
Franzosen seit eineinhalb Jahrhunderten erobert hatten, blieben nur noch Trüm-
mer übrig. Die Staatsfinanzen des Königreiches waren von neuem ruiniert. [3]
Da die militärische Festung in Saarlouis auch ein Wirtschaftsfaktor war, beka-
men umgehend die umliegenden Bauernhöfe, Gewerbebetriebe und Händler
die Folgen dieser Krise zu spüren. Dazu kam noch der sich rasch entwickelnde
Nationalismus. Dies bedeutete, dass es auf einmal zum guten Ton gehörte, sich
zunehmend als Deutsche zu fühlen. Begleitet war die Französische Revolution
von der Aufklärung. Erklärtes Ziel war hierbei, gegen Autoritätsglauben, Vorur-
teile und Bevormundung des Menschen anzugehen. Die Vernunft sollte jeden
Menschen zu selbstbewusstem Denken und selbstbestimmtem Handeln leiten.

Wenn man dies berücksichtigt, wird man die Distanz zu jeder Form von Unter-
würfigkeit verstehen müssen. Im Oktober 2009 wurde in der südbadischen Me-
tropole Freiburg (Breisgau) der Hörerclub von Radio China International (CRI)
gegründet. Hier sah man allerdings noch deutlich die Restspuren einer feudalen
Gesellschaft, die Unterwürfigkeit durch die Verbeugung gegenüber Vorgesetzten
und Funktionären der staatlichen Organe.     

ANMERKUNGEN
[1] Enver Hoxha, Die Chruschtschowianer (Erinnerungen), Verlag „8
     Nentori“, Tirana 1980, Seite 278.   
[2] Die Tageszeitung „L’Humanité“ wurde ursprünglich im Jahre 1904
     von J. Jaurès als Organ der Französischen Sozialistischen Partei
     gegründet. Bald nach der Spaltung der Sozialistischen Partei auf
     dem Parteitag in Tours (Dezember 1920) und der Bildung der KP
     Frankreichs wurde die Zeitung deren Organ.
[3] Die große Weltgeschichte, Zeitalter des Absolutismus, Nachdruck
     bei Weltbild, die Seiten 362/63.

DER PALMSONNTAG

AUTOR: Josef Theobald

Der Name „Palmsonntag“ bezieht sich auf den Brauch, an diesem
Sonntag eine Prozession bis in die Nähe einer Auferstehungskirche
zu machen. Dabei werden Palmzweige und auf einer Bahre ein
Kreuz oder ein Evangelienbuch getragen. Palmen wurden schon
seit alters her als heilige Bäume verehrt, im Orient ehrte man sieg-
reiche Soldaten mit Palmzweigen. Das Christentum hat schließlich
die Palmzweige als Symbol des Lebens übernommen.

In Mitteleuropa wurden die Zweige durch Äste von Saalweiden,
Buchsbaum, Wacholder oder durch Haselzweige ersetzt. Im
Volksglauben gibt es zudem die Auffassung, dass die geweihten
Zweige eine magische Wirkung besitzen – sie schützen vor Bösem,
verhindern Krankheiten, Unwetter oder Ungeziefer im Haus. Glück
bringen sollen auch die ersten Frühlingsblumen, die man am Palm-
sonntag pflückt.

Die Palmzweige werden im darauf folgenden Jahr am Aschermitt-
woch verbrannt, um den Gläubigen mit der Asche ein Kreuz auf
die Stirn zu zeichnen.

Als historischen Bezug dient der feierliche Einzug Jesu auf einem
Esel in Jerusalem – ein Akt, der als bewusster Verzicht auf seine
königliche Macht gedeutet wird. In der Bibel wird davon berichtet,
wie das Volk dem Herrn einen begeisterten Empfang bereitete
und grüne Palmzweige vor ihm ausstreute (Matthäus 21,6-9).
Seit dem 8. Jahrhundert wird in Jerusalem dieser Einzug Jesu
mit feierlichen Prozessionen nachgestellt. [1]

Mit dem Palmsonntag beginnt eine Woche vor Ostern die Kar-
woche. In der sich der Prozession anschließenden Messfeier
wird erstmals in der Karwoche die Botschaft vom Leiden und
Sterben Jesu verkündet. [2]

ANMERKUNGEN
[1] Die wichtigsten Feier- und Gedenktage (Religiöse und
     nationale Feiertage weltweit), in Bertelsmann Chronik,
     wissenmedia Verlag, Gütersloh/München 2009, Seite
     24.  
[2] Manfred Becker-Huberti / Ulrich Lota, KATHOLISCH
     (A-Z), Das Handlexikon, Verlag Herder, Freiburg im
     Breisgau 2009, Seite 189.

   

 

KOMMUNISTISCHE STANDARDWERKE AUS CHINA

AUTOR: Josef Theobald

Vielen Leuten in Deutschland ist fast unbekannt, dass auch der Verlag für
fremdsprachige Literatur in Beijing (Peking) Werke des Marxismus-Leninis-
mus in deutscher Sprache herausgab. Dies war bis zu dem Jahre 1980 ein
Nebenzweig des Verlages gewesen. Schon im Jahre 1965 sind von Marx
und Engels das „Manifest der kommunistischen Partei“ und von J. W. Stalin
"Über die Grundlagen des Leninismus" erschienen. Die meisten Titel wurden
ab 1972 herausgegeben. Der letzte broschierte Titel von Lenin „Marx-Engels-
Marxismus“ sollte 1980 diese Ausgabenfolge beenden.
 
Vermutlich konnte oder wollte man nicht mehr die zu entrichtenden Lizenz-
gebühren aufbringen. Anscheinend wurden diese bisher durch ein Kompen-
sationsgeschäft [1] mit dem chinesischen Volksverlag finanziert.
 
Im Jahr 1964 ist in China das Forschungsinstitut für ausländische Literatur
gegründet worden, dass auch die Bereiche sowjetische und osteuropäische
Literatur umfasste. [2]
 
Bei der Herausgabe deutschsprachiger Titel gab es eine Zusammenarbeit mit
dem Dietz Verlag in Berlin-Ost in der früheren DDR.
 
Die vom Verlag für fremdsprachige Literatur herausgegebenen Titel wurden
zunächst durch die Auslandsbuchhandlung „Guoji Shudian“ in Beijing (China)
ins Ausland verbracht. Mitte der Achtziger Jahre übernahm der Verlag „Neuer
Weg“ in Stuttgart (heute: Essen) den Vertrieb. Heute bedient man sich der ei-
gens dafür gegründeten Buchhandlung „People to People“ in Gelsenkirchen.  
Wie ich im letzten Jahr nachweisen konnte, wurden die Ausgewählten Werke
von Mao Zedong (Bände I bis IV) von einem Übersetzerteam an einer  Päda-
gogischen Hochschule in der früheren DDR fertiggestellt. [3] Wegen des da-
maligen Vorwurfs des Revisionismus in  China blieben die Stellenverweise
ohne konkrete Angabe. Vielfach waren hier noch Werksausgaben aus den
Fünfziger Jahren angesprochen. Der Band V, der 1978 in Deutsch erschien,
kann dagegen in der Volksrepublik China selbst übersetzt worden sein, da
die Germanistik in den Siebziger Jahren hier doch bedeutende Fortschritte
machte.
 
Denn erst in den Achtziger Jahren gab es die Neuübersetzungen der Werke
von Marx, Engels, Lenin und Stalin. Also das, was in der früheren DDR An-
fang der Sechziger Jahre begonnen wurde und in den Achtziger Jahren den
Abschluss fand. Wegen der Entstalinisierung ab 1956 blieben allerdings die
Werke Stalins davon ausgenommen. Der Band 13 erschien hier in dem Jahr
1955.
   
Im Februar 1953 wurde in der Volksrepublik China ein Herausgeber- und Ü-
bersetzungsbüro für die Werke von Marx, Engels, Lenin und Stalin vom Zen-
tralkomitee (ZK) der KP Chinas eingesetzt. Zu den von diesem Büro in den
Jahren bis 1988 auf Chinesisch veröffentlichten Werke gehörten 49 Bände
zu den Gesammelten Werken von Marx und Engels. 4 Bände umfassten die
Ausgewählten Werke. Weiterhin wurden 39 Bände der Gesammelten Werke
von Lenin herausgegeben. Die Ausgewählten Werke umfassten 4 Bände. Die
Werke von Stalin wurden in 13 Bänden veröffentlicht.
 
Für die Zeit ab 1990 war eine zweite Auflage der Gesammelten Werke von
Marx und Engels und der Gesammelten Werke von Lenin und Stalin geplant.
[4]
 
Im Dietz Verlag waren es bei den Marx-Engels-Werken 39 Bände und bei den
Werken Lenins ebenfalls 39 Bände. Bei den Ausgewählten Werken gab es je-
doch Unterschiede. Bei Marx und Engels gab es sowohl eine zweibändige als
auch eine sechsbändige Ausgabe. Bei Lenin gab es eine dreibändige und eine
sechsbändige Ausgabe.
 
Für die Zeit ab 2010 war in der Volksrepublik China eine Gesamtausgabe der
Werke von Marx und Engels nach dem Muster der MEGA in Europa geplant.
Dazu wurden auch Mitarbeiter des deutschen Übersetzerteams aus der frü-
heren DDR eingeladen und ebenfalls eingebunden.
 
In der früheren Sowjetunion wurden die ersten Werke Lenins in Deutsch von
den sowjetischen Massenorganisationen herausgegeben, bis man dazu über-
ging, das sowjetische Verlagswesen zu zentralisieren. So gründete man 1939
den Verlag für fremdsprachige Literatur, der sich ab 1963 in Progress Verlag
umbenannte. Hier erschienen in den Siebziger und Achtziger Jahren einbän-
dige Ausgewählte Werke von Marx, Engels und Lenin.
 
ANMERKUNGEN
[1] Mit dem Begriff Kompensationsgeschäft (englisch: offset oder auch: offset
     agreement) werden in der Wirtschaft Handelsabschlüsse bezeichnet, bei
     denen eine Ware oder Dienstleistung nicht ausschließlich mit Geld bezahlt
     werden muss, sondern im Zuge eines Gegengeschäfts ganz oder teilweise
     mit einer anderen Ware oder Dienstleistung beglichen wird.
[2] China-Buchreihe LITERATUR UND KUNST, Verlag für fremdsprachige
     Literatur, Beijing (China) 1985, die Seite 109.
[3] An der Schrift „Über die Diktatur der Volksdemokratie“ (letzter Titel: "Über
     die demokratische Diktatur des Volkes"), die seit 1950 bis 1969 einer stän-
     digen Überarbeitung unterzogen wurde, konnte durch eine Quellenangabe
     im Text nachgewiesen werden, dass es hier ein Übersetzerteam aus der
     früheren DDR gab. Denn der Verweis auf den Band 31 der Werke Lenins
     war hier zu offensichtlich. Es gab hier eine frappierende Übereinstimmung
     mit der 1959 neu übersetzten Ausgabe, die in der Ausgabe von 1961 ein-
     fach übernommen wurde. Auch beim „Manifest der kommunistischen Par-
     tei“ stimmt die Anmerkung (24) mit der Anmerkung (92) des Bandes „22“
     der Marx-Engels-Werke überein.   
[4] Die Geschichte des chinesischen Buches, Verlag für fremdsprachige Li-
     teratur, Beijing (China) 1988, die Seite 143.      
 

WAS BEDEUTET DER BEGRIFF „SOZIALIMPERIALISMUS“?

Angesichts des 50. Jahrestages der Niederschlagung des Prager
Frühlings im August 2018 ein Beitrag passend zu diesem Anlass.

AUTOR: Josef Theobald

In einer Schrift W. I. Lenins von 1916 war zunächst genannt der Personenkreis
der „Sozialimperialisten“, die als Sozialisten in Worten und Imperialisten in der
Tat gekennzeichnet wurden. Sie gehen auf die Fabianer-Sozialisten in England
zurück, die sich ab 1884 aus der Fabian-Society herausgebildet hatten.

Zunächst standen die deutschen Sozialdemokraten im Verdacht, Sozialimperia-
listen zu sein. Später wurden andere sozialistische Parteien dazugerechnet.

Durch die politischen Vorgänge in England stand auch Ramsay MacDonald
(1866-1937) im Verdacht, ein Anhänger des „Fabianer-Sozialismus“ oder des
„Sozialimperialismus“ zu sein. 1919 erweiterte W. I. Lenin die Definition mit
den Worten „Hinüberwachsen des Opportunismus in den Imperialismus“. [1]

Der historische Hintergrund lag in der Zeit des I. Weltkrieges, als zunehmend
sozialistische Parteien in bürgerliche Regierungen eintraten. Obwohl sie in den
Kongressen der II. Sozialistischen Internationale stets ihre Einstellung zum Frie-
den beteuerten, stimmten sie in ihren Ländern den jeweiligen Rüstungsetats, die
ständig anwuchsen, zu.

Weiterhin bestimmend war die Ablenkung von den mit fortschreitender Industria-
lisierung entstehenden inneren Spannungen und Klassengegensätze nach aus-
sen. Darunter fasst man die tendierte oder tatsächlich vollzogene Bindung brei-
ter Volksschichten, besonders auch der Arbeiterschaft, an die bestehende poli-
tische und gesellschaftliche Ordnung. Dazu kommt die Beteiligung an den wirt-
schaftlichen Vorteilen imperialistischer Expansion. Im weitesten Sinne wirkt die
Systemstabilisierung angesichts imperialistischer Tendenzen im Hinblick auf die
wachsende Demokratisierung oder wegen der „sozialen Gefahr“. Auf sozialisti-
scher Seite wurde schon frühzeitig die Absicht herrschender Schichten erkannt,
durch imperialistische Tendenzen innere Spannungen nach außen abzuleiten.
Dabei griff man auf die Fiktion eines die Klasseninteressen übergreifenden, auf
äußere Machterhaltung und Expansion gerichteten Nationalinteresses zurück.
Dadurch sah man ein Mittel, dem Sozialismus ideologisch entgegenzuwirken.
[2]      

Infolge der Niederschlagung des Prager Frühlings im August 1968 wurden die
damalig politisch Verantwortlichen in der Sowjetunion in den Publikationen der
Volksrepublik China ebenfalls „Sozialimperialisten“ genannt. Hier ging es um
die begrenzte Souveränität, die den sozialistischen Bruderländern eingeräumt
wurde (Breschnew-Doktrin). Unterwarf man sich ihr nicht, übte die Sowjetunion
eine „internationale Diktatur“ aus, d. h. eine Diktatur gegen die Völker anderer
Länder, um eine „sozialistische Gemeinschaft“ unter der Herrschaft des neuen
Zarenreiches, nämlich Kolonien des Sozialimperialismus zu bilden. Hierbei ver-
wies man auf die Zeit des I. Weltkrieges, insbesondere auf die Renegaten der II.
Internationale. [3]
    
Ramsay MacDonald nahm den I. Weltkrieg als vollendete Tatsache hin. Er ver-
schrieb sich gangbaren Wegen, wie der Krieg auf dem Verständigungsweg re-
lativ schnell und möglichst hypothekenfrei durch die Völker selbst beendet und
Bedingungen wie Inhalte einer dauerhaften Friedensordnung vereinbart werden
könnten.

MacDonald fürchtete die sich pazifistisch gebende extreme russische Linke unter
Lenin, weil sie die sozialistische Revolution öffentlich diskreditierte und damit der
Kriegspartei in die Hände arbeitete. Auch befürchtete er den Sieg Lenins und die
Aushandlung eines Separatfriedens mit dem dann triumphierenden deutschen Mi-
litarismus. Dies würde weitreichende europäische Neuordnungsvorstellungen, die
ein demokratisches Deutschland voraussetzten, unrealisierbar machen. [4]    

ANMERKUNGEN
[1] W. I. Lenin, Werke, Band 29, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1961, Seite 493.
[2] Hans-Christoph Schröder, Sozialistische Imperialismusdeutung (Studi-
     en zu ihrer Geschichte), Kleine Vandenhoeck-Reihe, Göttingen 1973,
     die Seiten 57/58.  
[3] Dokumente des IX. Parteitages der Kommunistischen Partei Chinas,
     Verlag für fremdsprachige Literatur, Beijing (China) 1969, die Seiten
     101/2.
[4] Friedrich Weckerlein, Streitfall Deutschland (Die britische Linke und
     die „Demokratisierung“ des Deutschen Reiches – 1900-1918), Van-
     denhoeck & Ruprecht, Göttingen 1994, die Seiten 124 + 189.    
 

DAS ZITAT

Die Fabian-Society „predigte und praktizierte (den) Anschluss der Arbeiter
an  die  Liberalen…“ „Die Leute“ der Fabian-Society sind „eine  Clique von
bürgerlichen  ‚Sozialisten‘  gemischten  Kalibers, vom Streber bis zum Ge-
fühlssozialisten und Philanthropen, einig nur in ihrer Angst vor der drohen-
den Herrschaft der Arbeiter.“ (Marx-Engels, Ausgewählte Briefe, Dietz Ver-
lag, Berlin-Ost 1953, die Seiten 539/40)

ABSCHLUSS DER PICOBELLO-AKTION IN SAARLOUIS

Zum Abschluss der Picobello-Aktion in Saarlouis versammelten sich die Teilnehmer in der großen Halle
des Neuen  Betriebshofes. Der Betriebsleiter, der Oberbürgermeister und  der EVS-Direktor  bedankten
sich  für  die  Teilnahme an dieser Aktion. Mehr Bilder  auch  auf  unserer Facebook-Seite unter diesem

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MUSIK AUS LEIDENSCHAFT

Am Sonntag, dem 25. Februar 2018, fand  in der Pfarrkirche  Maria Himmelfahrt  ein Benefizkonzert
anlässlich der Aktion Hoffnung – Lebensmittel für Bedürftige statt. Mitgewirkt haben der Musikverein
Harmonie, der Kirchenchor Cäcilia  und der Männerchor 1864 Roden. Zuständig  für diese Aktion ist
Diakon Franz Hechenblaikner. Mehr Bilder auch auf unserer Facebook-Seite unter diesem LINK:

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VOLLDAMPF AN DER SAAR

AUTOR: Josef Theobald

Die Saarstrecke wurde erst spät elektrifiziert. Dies geschah in zwei Stufen: 1972
ab dem Sommerfahrplan bis Saarhölzbach und 1973 bis Trier. Bis Saarhölzbach
fuhren vor 1972 im Nahverkehr Dampflokomotiven, die auch im Güterverkehr ein-
gesetzt wurden. Im D- und Eilzugverkehr wurden Diesellokomotiven vorbespannt.
Ziemlich bekannt war neben der reinen D-Zugstrecke Saarbrücken – Koblenz die
als D- und Eilzugstrecke verwendete Eifelbahn in Richtung Köln – Münster.

Vor der Saarstrecke ist die Remsbahn 1971 zwischen Schorndorf und Aalen elek-
trifiziert worden. Ein Hintergrund waren hier die Olympischen Spiele 1972 in der
bayerischen Landeshauptstadt München, der nun eine Ausweichstrecke auf der
Strecke Stuttgart – München über Nördlingen – Donauwörth notwendig machte.

Nach dem II. Weltkrieg sahen sich die Bundesrepublik und die DDR damit kon-
frontiert, dass sie in ihrem Bestand Dampflokomotiven hatten, die wegen des in
den Kriegsjahren verwendeten Materials nicht alterungsbeständig und schweiß-
brüchig waren. So rüstete man die vorhandenen Dampflokomotiven um, indem
man neue geschweißte Ersatzkessel, Verbrennungskammern und ebenso Misch-
vorwärmeranlagen einbaute. Die Verbrennungskammerkessel hatten einen höhe-
ren Anteil hochwertiger Strahlungsheizfläche als die Einheitskessel, waren somit
spezifisch höher belastbar und hatten auch eine höhere stündliche Dampfleistung.
[1]

Das Ergebnis war eine erzielte Kohleersparnis, die 20 % erreichen könnte. [2]
Die von der Deutschen Reichsbahn (DR) rekonstruierten Loks (Reko-Loks) hat-
ten eine störungsfreie Laufleistung von 206.000 km und einen Ausbesserungs-
stand, der bei 6,5 % lag. [3]   

Die Reko-Loks der DDR-Reichsbahn nannte man wegen ihrer unerschöpflichen
Kraft und Leistung ebenfalls „schwarze Mustangs“. Sie wurden wegen der Erd-
ölknappheit noch weit bis in die Achtziger Jahre eingesetzt. Oft leisteten sie in
den abgelegenen Regionen Zubringerdienste, wie auf der Strecke nach Berlin
zwischen Wernigerode und Halberstadt. Erst in Halberstadt wurden die Dampf-
lokomotiven durch Diesellokomotiven aus der Baureihe 120 abgelöst.  

Zum Schluss noch eine Anekdote. In den Jahren 1971/72 besuchte ich in der
Stadt Völklingen das Berufsgrundbildungsjahr. Daher benutzte ich nach 07.10
Uhr den dampfbespannten Eilzug in Richtung Saarbrücken. Die Lokführer zu
dieser Zeit waren Vater und Sohn. Der Sohn nahm die Strecke von Bous nach
Völklingen in einer rasanteren Fahrt als der Vater. Beide wurden für die einzie-
henden E-Lokomotiven rechtzeitig umgeschult.   

ANMERKUNGEN
[1] Klaus Vetter (Herausgeber), Alles über die Dampflok, Sconto im GeraMond
     Verlag, München 2007, Seite 47.    
[2] Heitmann-Melcher-von Steuber, Die Lokomotiven der Baureihe 50 und ihr
     Verbleib, LOKRUNDSCHAU Verlag, Gülzow 2008, Seite 151.
[3] wie [1], jedoch die Seite 48.

DER TAIWANER AUFSTAND VOM 28. FEBRUAR 1947

AUTOR: Josef Theobald

Aus den vorliegenden historischen Quellen der Volksrepublik China ist zu
entnehmen, dass die Insel Taiwan schon immer der Ort gewesen war, an
dem im Zuge des Volksbefreiungskrieges die größten Anti-Guomindang-
Aktionen gestartet worden waren. Nach 50 Jahren der japanischen Besa-
tzung hatte 1945 die intensiv patriotische Bevölkerung dort angesichts der
langersehnten Wiedervereinigung mit dem Rest des Landes aufgejubelt
und beträchtliche Illusionen über das Tschiang-Kai-schek-Regime gehegt.
Gegen das Jahr 1947 aber hatten die Unterdrückung und die ungebührlichen
Forderungen der Guomindang sie in die offene Revolte getrieben, die Teil des
Befreiungskampfes des gesamten chinesischen Volkes war. Der Aufstand vom
28. Februar 1947 wurde durch das gnadenlose Massaker an Zehntausenden
von Menschen niedergeschlagen. [1]

Diese Darstellung trifft allerdings nur teilweise zu.

Die Übersetzung der verlotterten Guomindang-Soldateska und anderer ver-
rotteter Guomindang-Reste nach Taiwan sorgte für tiefe Enttäuschung bei
den Taiwanesen. Die Insel Taiwan wurde regelrecht als Repräsentanten
Chinas vereinnahmt. Die Mitglieder der taiwanesischen Oberschicht lebten
als Fremde und Untergetauchte bis in die Siebziger Jahre im eigenen Land.
Denn Taiwan war in den Fünfziger Jahren durch Terror und Repression ge-
prägt. Erst nach dem Gaoxiong-Zwischenfall am 10. Dezember 1979 wurde
der Guomindang-Einparteien-Diktatur das Recht auf politische Opposition
abgetrotzt. Noch 1979 wurde in einem Schauprozess versucht, die auf-
sässige taiwanesische oppositionelle Intelligenz zu unterdrücken. Doch
hatte sich dieser Prozess als untaugliches Instrument gegen die Literaten
auf der Insel erwiesen.

Schon 1945 wurden taiwanesische Soldaten von der Guomindang gegen
die Kommunisten rekrutiert. Deshalb gab es absurde Menschenopfer zum
Ende des Bürgerkrieges. Die Überlebenden galten als „Verräter“ und sind
nach ihrer Rückkehr unter politischen Verdacht gestellt worden. Ihnen wa-
ren allgegenwärtige Guomindang-Spitzel auf den Fersen.

Infolge der militärischen und propagandistischen Erfolge der Kommunisten
liefen viele Guomindang-Divisionen zu den Kommunisten über. Die Soldaten
aus Taiwan waren von den Japanern an modernen Waffen ausgebildet wor-
den und waren für die Kommunisten eine kostbare Kriegsbeute. An der Front
errangen sie zwar den Ruf großer Tapferkeit, fanden aber in großen Zahlen
den Tod. Aus diesem Grunde machten taiwanesische Heerführer der KP-
Führung in Yan’an den Vorschlag, auf den Einsatz taiwanesischer Soldaten
zu verzichten. Stattdessen sollte ihnen eine Spezialausbildung für die an-
stehende Rückeroberung Taiwans gegeben werden. Die KP-Führung hatte
diesem Vorschlag zugestimmt und dann im Taihang-Gebirge begann die ent-
sprechende Ausbildung taiwanesischer Truppen. Aus Misstrauen gegenüber
den taiwanesischen Soldaten entsandten sie Hakka[2]-Kader aus dem Kreis
Meixian in der Provinz Guangdong und Kader aus Fukien, um Spannungen
in der Truppe zwischen Taiwanesen und Hakkas zu schüren und sich auch
dadurch auf diese Weise der Kontrolle über die taiwanesischen Soldaten zu
versichern. Dies sorgte jetzt für erste Anzeichen einer Abwendung vom chi-
nesischen Heimatland.

Rückkehrende Taiwanesen gründeten eine Partisanenarmee. Überlebende
des Massakers vom Februar 1947 schlossen sich nun in der Gegend von
Shuangxi (bei Taibei) und Dahu (bei Miaoli) zur Revolutionären Bewaffneten
Truppe für taiwanesische Unabhängigkeit zusammen. Im Jahre 1967 bemühte
man sich, die Vereinigung für taiwanesische Unabhängigkeit zu gründen, in
der alle im japanischen Exil existierenden Vereinigungen zusammengefasst
werden sollten. Doch kam es zu keiner Einigung bei den bestehenden Exil-
verbänden. Die Gründung des Vereins für ein unabhängiges Taiwan sollte
den Weg für die Gründung einer sozialistischen Partei ebnen. Denn alle Be-
mühungen für die Vorbereitung eines bewaffneten Widerstandes auf Taiwan
waren vergeblich.

In der von Shi Ming (geboren 1941) gegründeten Tangwai-Bewegung setzte
man sich intensiv mit der jüngeren Geschichte Chinas auseinander. Hier gab
es viel Kritik an Mao Zedong (1893-1976) und an den Vätern der kommunisti-
schen Bewegung (Lenin und Stalin). Sie hätten beim Aufbau des Sozialismus
in ihren Ländern die demokratischen Prinzipien völlig missachtet. Mao hätte
in der Orientierung am traditionellen Kaisertum seine Diktatur ausgerichtet.
Dabei wäre es ihm in erster Linie unter dem Vorwand des Sozialismus um
den Aufbau eines persönlichen, faschistischen Systems gegangen. In der
Zeit der Guomindang-Herrschaft auf Taiwan hatte man aufgrund der erfolg-
ten Rückgaben von Hongkong durch England und Macao durch Portugal
Angst, auch Taiwan würde an das Pekinger Regime verkauft. [3]

Am 28. September 1986 wurde die Demokratische Fortschrittspartei (DPP)
gegründet. Sie bestand damals aus drei Fraktionen: Aus der ersten Gruppe
um das Magazin „Formosa“, aus der zweiten Gruppe um das Monatsmagazin
„Die 80-er“ und aus der dritten Gruppe, die aus örtlichen politischen Klans be-
stand, die eine intensive und beständige Schirmherr-Klienten-Beziehung über
Jahre hinweg pflegten. [4]   

ANMERKUNGEN
[1] Israel Epstein, Vom Opiumkrieg bis zur Befreiung, Verlag für fremd-
     sprachige Literatur, Beijing (China) 1985, Seite 257.
[2] Die rund 4 Millionen Hakka stammen aus den Ebenen um den Mittel-
     lauf des Huanghe, von wo sie aus, bedingt durch Hungersnöte, vor
     langer Zeit auswanderten und in den bergigen Gegenden Guang-
     dongs Zuflucht suchten. Die Abkömmlinge wurden von den Ein-
     heimischen „Hakka“ genannt, was so viel wie „Gäste“ oder „Gast-
     familien“ bedeutet. Eine Besonderheit besteht hier in der Bauweise
     ihrer Wohnungen. Um dem Banditentum im Süden Chinas zu be-
     gegnen, bauten sie vielfach 20 m hohe Rundhäuser, die in ihren
     vielen Wohnungen mit 4 bis 6 Etagen mehreren Großfamilien Un-
     terkunft und Schutz bieten konnten. Zum Zwecke der Verteidigung
     wurden in den Berggebieten von Fujian sogar mehrfach benachbarte
     Rundhäuser miteinander verbunden und zu regelrechten Wehrdörfern
     ausgebaut. (Josef Guter, LEXIKON DER GESCHICHTE CHINAS –
     Sieben Jahrtausende im Überblick, Matrix Verlag, Wiesbaden 2004,
     Seite 176)        
[3] Das andere China (Festschrift für Wolfgang Bauer zum 65. Geburtstag),
     Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 1995, die Seiten 639 – 657.
[4] Freies China, 1. Jahrgang, März – April 1989, Nr. 4, Seite 43.  
 

Faasendumzug in Roden Bildergalerie

Bei schönem Wetter traf sich Groß und Klein und feierte Faasend.

Hier noch weitere Bilder vom Umzug, um euch die Stimmung vor Ort zu verdeutlichen.

FASTNACHTSUMZUG IN RODEN

Am Fastnachtsdienstag, dem 13. Februar 2018, fand in Roden der traditionelle Umzug durch die Straßen
Rodens statt. Hier gab es wiederum eine große Beteiligung sowohl aus dem Stadtgebiet als auch aus an-
deren Gemeinden im Saarland. Mehr Bilder auch auf unserer Facebook-Seite unter folgendem LINK:

https://www.facebook.com/RodenaHeimat?ref=hl

Über ein "Gefällt mir" würden wir uns freuen.

 

Faasendumzug in Picard am 10.02.2018

 

 

Trotz des angekündigten Regens kamen viele Besucher um sich den Umzug in Picard nicht entgehen zu lassen.

Die Stimmung war gut, das Wetter hielt.

Wir hoffen Euch mit diesen Bildern einen kleinen Eindruck von der Stimmung vermitteln zu können.

 

DIE NARREN SIND LOS

AUTOR: Josef Theobald

Die Narren sind in vielen Märchen und Sagen erscheinende Gestalten,
die mit den Hofspaßmachern (englisch: „jokers“) in alten Herrscherhöfen
in Verbindung stehen. Diese hatten „Narrenfreiheit“ und durften straflos
die Wahrheit sagen, wenn sie in die Maske von Scherz, Satire und Scha-
bernack gekleidet vorgetragen wurde. Hofnarren trugen groteske Kleider
mit bunten Farben wie der junge Parsifal, ein Narrenzepter und auf dem
Kopf eine mit Schellen besetzte Narrenkappe, was in den Karnevalsko-
stümen der Neuzeit nachgeahmt wird. Der Schalksnarr der Volksbücher
(Eulenspiegel, Ulenspiegel) ist seit dem 16. Jahrhundert populär, und
seine Possen (die Eulenspiegeleien) sind zum Teil sprichwörtlich ge-
worden.

Im Mittelalter wurden Geisteskranke als „Narren“ bezeichnet und mussten
eine kennzeichnende Tracht tragen, den Narrenkittel und die Narrenkappe,
mit Glöckchen versehen. Damit genossen auch sie Narrenfreiheit und kon-
nten für angerichteten Schaden nicht verantwortlich gemacht werden, wie
die Redensart „Der Narr muss sein Abzeichen haben“ überliefert. Die Rede-
wendung „jemanden am Narrenseil führen“ (zum Besten halten) geht auf die
Gepflogenheit zurück, zu Tobsuchtsanfällen neigende Geisteskranke auf die-
se Weise zu fesseln. Die barbarische Ideenverbindung „Spaßmacher – Gei-
steskranker“ konnte erst sehr spät überwunden werden und wirkt bis in die
Gegenwart fort.

Der Ausdruck „Possenreisser“ für Spaßmacher erklärt sich aus der Ableitung
von „bosse“ oder „posse“ (Schnörkel, Beiwerk an Kunstdenkmälern, groteske
Begleitfigur) und „reißen“ (zeichnen). Davon ist auch „possierlich“ (im 16. Jahr-
hundert für „drollig, spassig“) abgeleitet. [1]

Die große Zeit der Hofnarren kommt in den Höfen des 17. und 18. Jahrhunderts,
deren unentbehrliche „Requisiten“ sie werden. So lebte Gabriel Magenbuech als
ehrbarer Handwerksmann mit seiner Frau außerhalb des Schlosses und wurde
nur gelegentlich engagiert, wobei man nach unseren Begriffen teilweise unbe-
schreiblich rohe Späße mit ihm trieb. Aus der Chronik der Zimmerschen Gra-
fen ist uns auch ein Wolf Scherer überliefert, den man Peter Letzkopf nannte.
Dieser geriet unter Mordverdacht und scheint in Rom tatsächlich einen Bettler
umgebracht zu haben; vielleicht geistesgestört endete er wohl als „Landfahrer“.
So hatte der Narr in der frühen Neuzeit viele Gesichter. Er konnte entweder
ein intelligenter Spaßmacher sein, an der Grenze zum Wahnsinn wandeln
oder sich durch eine körperliche Missbildung ergötzen („delektieren“), wie
der Zwerg Perkeo am kurpfälzischen Hof zu Heidelberg. [2]      

Der Karnevalsprinz, auch Fastnachts- oder Faschingsprinz, meist nur „Prinz“
genannt, ist in vielen Regionen das Oberhaupt der Narren in Karneval, Fast-
nacht oder Fasching. Die Analogie zum Adelstitel „Prinz“ ist dabei beabsich-
tigt und äußert sich in den Handlungen bzw. in dem Erscheinungsbild.

Eine historische Äquivalenz findet sich ebenfalls in der Römerzeit. Während
der „Saturnalia“ (in der Spätzeit vom 17. –  23. Dezember) wurde durch ein
Los ein König (Saturnalicus princeps) für die Festzeit bestimmt. [3]  Dieser
war für das Schmausen und Zechen verantwortlich, dem die Gäste eben-
falls Gehorsam schuldeten. [4]  

ANMERKUNGEN
[1] Prof. Dr. Hans Biedermann, LEXIKON DER SYMBOLE, Droemersche
     Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München, als Nachdruck im PALAST
     Verlag, Euskirchen 2008, Seiten 302/3.  
[2] Bernd Roeck, Außenseiter, Randgruppen, Minderheiten (Fremde in
     Deutschland der frühen Neuzeit), Kleine Vandenhoeck-Reihe, Göt-
     tingen 1993, Seiten 79 + 80.
[3] Friedrich Lübker, Reallexikon des klassischen Altertums, Nachdruck
     bei Manuscriptum, Leipzig 2005, Seite 917.
[4] Otto Hiltbrunner, Kleines Lexikon der Antike, Francke Verlag, 6. neu-
     bearbeitete und erweiterte Auflage, Tübingen und Basel 1995, Seite
     518.     

 

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