Damals – Aufstellen des Kornkastens

Samstags vor der Donatuskirmes wurde das erste Korn geschnitten und ein Kornkasten aufgestellt. Der Überlieferung nach wurde der Schutzpatron von Roden, der heilige Donatus in einer Prozession über die Rodener Wiesen und Felder getragen als plötzlich ein Gewitter kam. Viele Rodener liefen so schnell sie konnten nach Hause. Pfarrer, Messdiener und die anderen Prozessionsteilnehmer fanden in den Kornkästen Schutz. Diese waren von einem armen Bauer, der viele Kinder hatte und nicht an der Prozession teilnahm, aufgestellt worden. Die Rodener beteten und flehten den heiligen Donatus um Hilfe. Die Kornkästen hielten dem Sturm Stand und wie ein Wunder hörte dieser auf.

Bis in die neunziger Jahre war die Kirmes das Fest in Roden. Sonntagnachmittag strömten die Bewohner Rodens in Scharen auf den Marktplatz um Kirmes zu Feiern und in der Lindenstr. staute sich alles. Die Kirmes erstreckte sich damals vom Marktplatz, durch die Thirionstr. bis zum Cafe Putze. Besonderst beliebt war der „Tunnel der Berg- und Talbahn“. Abgeschirmt von neugierigen Blicken war dies ein beliebter Treffpunkt für alles, was sonst Hausarrest bedeutet hätte. Gott sei Dank haben ich die Zeiten geändert – damals hörten wir immer: Das gehört sich nicht. Heute ist alles normal und niemand regt sich auf!

Rosa-Maria Kiefer-Paulus

POLITISCHE SPANNUNGEN BEIM CHINESISCHEN RUNDFUNK

AUTOR: Josef Theobald

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Deutschen Redaktion von Radio
China International (CRI) kam im Jahre 2010 die Broschüre „Mit Fünfzig auf
dem Weg“ heraus. 1995 erschien im Akademie Verlag der Band „Die DDR
und China (1949-1990)“, der neue Einblicke in die Beziehungen der DDR zur
Volksrepublik China gab. So war die Gründung der Deutschen Redaktion von
Radio Peking ein reines Politikum. Der Arbeitsplan für das Jahr 1959 sah eine
kulturelle Zusammenarbeit zwischen der DDR und China vor. Hier war eine Ko-
operation auf dem Gebiet des Rundfunks vorgesehen. Die DDR entsandte zwei
Redakteure, einen Sprecher und zwei Übersetzer. Ein Mitarbeiter war Gerhard
Lange, der spätere Intendant von Radio DDR. Doch war die Atmosphäre in der
Zeit ihrer Anwesenheit stark vergiftet. Die DDR-Kollegen sahen sich als Steig-
bügelhalter der sowjetischen Interessen in China. Aus diesem Grund war es
von vornherein die Absicht des chinesischen Staatsrates gewesen, auch im
chinesischen Rundfunk völlig auf eigenen Beinen zu stehen. So wurde von
der DDR-Botschaft kritisch beobachtet, dass die Deutsche Redaktion durch
zwei Absolventen aus Leipzig und einige andere Dolmetscher verstärkt wurde
(He Lian, Chen Hanli, Fang Jingqian, Wu Weifang, Zou Fuxing, Dong Lianming).
Auch funktionierten die Spezialisten aus der DDR nicht so, wie sie sollten. Es
gab hier Weigerungen, die Arbeit im Sinne des Auftraggebers zu vollziehen.
Denn es wurden drei sehr wichtige Kommentare gesendet, die vorher von
den deutschen Experten im großen Maße überarbeitet und entstellt wurden.
Hier beschwerten sich die albanischen Genossen umgehend. Ein Anlass war
der 20. Jahrestag der Gründung der Partei der Arbeit Albaniens (PdAA). In sei-
ner Rede ging der Erste Sekretär Enver Hoxha auf die damaligen Beziehungen
zur Sowjetunion ein. Dabei prangerte er die chauvinistische Großmachtpolitik
der Sowjetunion unter Nikita Chruschtschow an. Außerdem warf er der KPdSU
Revisionismus vor. Allerdings betonte er im Nachgang die Gefühle der aufrich-
tigen Freundschaft zu den Brudervölkern der Sowjetunion. [1] Die SED-Ge-
nossen sahen jedoch im Verhalten Albaniens ein Zeichen von Antisowjetis-
mus. Nach der propagierten Ideologie gehörte demnach Albanien dem anti-
sozialistischen Lager an.

Wie kam es zu den Vorbehalten in Albanien?

Die Sowjetunion wollte aus Albanien eine Obstkolonie machen. Rohstoffe,
wie Erdöl, Chrom, Kupfer, Eisennickel und Kohle sollten lediglich aus der
Sowjetunion und anderen Bruderländern importiert werden. Die Seehäfen
Albaniens gewannen plötzlich eine militärstrategische Bedeutung. So wird
schnell klar, dass es in Albanien große Widerstände gegen Chruschtschow
gab. Doch hatte die Sowjetführung relativ wenig Druckmittel.

Die Hauptkräfte des Widerstandes in Albanien im II. Weltkrieg sowohl gegen
den italienischen als auch gegen den deutschen Faschismus lagen bei den
Partisaneneinheiten. Als die Rote Armee in das Gebiet eindrang, stand das
Land mehrheitlich unter der Kontrolle der Partisanenverbände.

Im Balkanland „Bulgarien“ war dies z. B. anders. Hier kam die Freiheit aus
dem Osten. Man musste nun stets der Sowjetunion und der Roten Armee
für die gewonnene Freiheit vom faschistischen Joch dankbar sein.

Gerhard Lange, der für die Überarbeitung der strittigen Beiträge zuständig
war, musste sich schließlich im November 1961 bei der Redaktionsleitung
verantworten. Ihm wurde eine Erklärung vorgelegt, die bestätigt, dass er
die Mitarbeit beim Sender abgelehnt habe. Hierbei ging es im Wesentlichen
um die Redaktionsdisziplin. Trotz der Hinzuziehung des Redakteurs Ho Lien
weigerte sich Lange, die vorgelegte Erklärung zu unterzeichnen.

„Musst du mit fremdem Brot den Hunger stillen,
Musst du auch stumm gehorchen fremdem Willen.“
(Die Schmuckschatulle der Kurtisane, Beijing 1985,
Seite 197)

Was die Frage der friedlichen Koexistenz zwischen den Nationen betraf,
hatte die chinesische Außenpolitik schon früh eigene Vorstellungen.

Anlässlich der afro-asiatischen Konferenz im indonesischen Bandung ent-
wickelten im April 1955 der indische Ministerpräsident Nehru und sein chi-
nesischer Amtskollege Zhou die fünf Grundprinzipien der friedlichen Koexi-
stenz, die die gegenseitige Achtung der territorialen Integrität und Souverä-
nität, den Nichtangriff, die Nichteinmischung in die innerpolitischen Angele-
genheiten des anderen (Landes, „Monroe-Doktrin“), Gleichheit und gegen-
seitiger Nutzen (Vorteil) und friedliche Koexistenz beinhalteten. [2] Schon
im Juni 1949 hatte Mao Zedong in seiner Schrift „Über die demokratische
Diktatur des Volkes“ auf drei Prinzipien bezüglich des Handels und der di-
plomatischen Beziehungen hingewiesen: auf der Grundlage der Gleichbe-
rechtigung, des gegenseitigen Vorteils und der gegenseitigen Achtung der
territorialen Integrität und Souveränität. [3]

Die sowjetische Außenpolitik verfolgte damals in erster Linie einen Ausgleich
zwischen den Supermächten. In dieser Beziehung war es ihr Bestreben, der
atomaren Bedrohung Einhalt zu gebieten. Die chinesische Außenpolitik da-
gegen stellte die Grundbedingungen für bilaterale Beziehungen an die erste
Stelle. Deshalb sind die von der SED gemachten Vorhaltungen lediglich ein-
geschränkt nachvollziehbar.

Ein weiterer strittiger Punkt in den Beziehungen zur SED war die Gründung
der Volkskommunen. Diese sind während der Periode des Großen Sprung
nach vorn in der Volksrepublik China gegründet worden. Der Staatsrat der
DDR unter seinem Vorsitzenden Walter Ulbricht hatte starke Vorbehalte ge-
genüber den Volkskommunen gehabt. Jene sollten sich ebenso in den Span-
nungen beim chinesischen Rundfunk wiederspiegeln.

In den Fünfziger Jahren ging man dazu über, die Landwirtschaftlichen Pro-
duktionsgenossenschaften (LPGs) auf eine höhere Stufe zu bringen. Dies
reichte aber in der Praxis oft nicht aus. So schlossen sich mehrere LPGs
zu Volkskommunen zusammen. Diese bestanden aus einem Drei-Stufen-
System: die Kommune, die Produktionsbrigade und die Produktionsgruppe.
Die Volkskommune betrieb nicht nur Land- und Viehwirtschaft, sondern sie
hatte auch eigene Reparaturwerkstätten für ihre eingesetzten Maschinen.
Neben einer kleinen Landmaschinenproduktion gab es Produktionsstätten
für Phosphatdünger, Spinnereien, Be- und Entwässerungsanlagen, Hoch-
spannungsleitungen mit Transformatoren.

Die Volkskommunen waren nicht nur rein wirtschaftliche Einheiten, sondern
sie verfügten auch über eine eigene Amtsgewalt, die in den früheren Jahren
von Gemeindeverwaltungen ausgeübt wurde. Deshalb bestimmten sie auch
die Kultur- und Bildungsarbeit, die Gesundheitsversorgung, die behördlichen
Angelegenheiten und den öffentlichen Sicherheitsdienst auf dem Lande. Er-
gänzt wurden diese Aufgaben durch ein Volksmilizregiment. [4]

Im Wege der Modernisierung der chinesischen Wirtschaft hatten die Produk-
tionsgruppen die Möglichkeit, sich entsprechend der regionalen Gegebenhei-
ten zu spezialisieren. Dies betraf ebenfalls die Geflügelzucht, den Pilzanbau
und die Tierfuttererzeugung. Allerdings wurde ein Vertragssystem eingeführt,
das den einzelnen Produktionsgruppen mehr Verantwortung abverlangte. Es
zeigte sich aber mit der Zeit, dass die Rolle der Volkskommunen überbewertet
wurde.

Den Hintergrund der Volkskommunen kann man nur im Lichte der damaligen
Weltpolitik verstehen. China strebte nach Autarkie, wie der Slogan „Vertrauen
auf die eigene Kraft“ verrät. Nach dem II. Weltkrieg fand dieser Slogan seinen
Ausdruck in der Entschlossenheit und revolutionären Bereitschaft der osteuro-
päischen wie ostasiatischen Länder, den Sozialismus unter allen Bedingungen
und Umständen durch die Mobilisierung aller menschlichen, materiellen und fi-
nanziellen Quellen aufzubauen.

ANMERKUNGEN
[1] Geschichte der Partei der Arbeit Albaniens, Verlag „Naim Frasheri“,
Tirana 1971, die Seiten 534/35.
[2] Der VIII. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas, Dokumente,
Band I, Verlag für fremdsprachige Literatur, Beijing 1956, Seite 103.
[3] Mao Zedong, Ausgewählte Werke, Band IV, Verlag für fremdsprachige
Literatur, Beijing 1969, Seite 443.
[4] Dschu Li – Tiän Djiä-yün, In einer Volkskommune (Bericht aus Tjiliying),
Verlag für fremdsprachige Literatur, Beijing 1975, die Seiten 12 – 18. 

8. INTERNATIONALES MILITÄRFAHRZEUGTREFFEN

Am Samstag, dem 7. Juli 2018, war  das  Internationale Militärfahrzeugtreffen  auch  für die Öffentlichkeit von Saarlouis zugänglich. Geboten  wurde  neben  den  historischen Militärfahrzeugen  auch  ein  öffentliches Biwak. Der Veranstalter war die Reservistengemeinschaft für historische Militärfahrzeuge im Saarland.

DIE RODENER WINTERSTRASSE ERÖFFNETE DIE KIRMES

Die Nachbarschaftsinitiative  aus  der  Rodener Winterstraße  eröffnete  am Freitag,  dem  6. Juli 2018, die  diesjährige  Kirmessaison. Nach  dem Kirchenkalender  der Pfarrei  Maria Himmelfahrt  wäre  die Donatuskirmes an diesen Tagen  eigentlich  das Highlight  gewesen. In der Winterstraße  bleibt man  weiterhin  durch das Aufhängen des Kirwenhannes dieser Tradition treu.

SOMMERKONZERT AUF DER VAUBANINSEL

Am Sonntag, dem 1. Juli 2018, fand das Sommerkonzert des Standtverbandes der kulturellen Vereine auf der Vaubaninsel statt. Unter der Moderation  von Frau Brigitte Bilz  spielte  der Musikverein Harmonie  aus Roden. Es sang der Kirchenchor Cäcilia der Pfarrei Maria Himmelfahrt, der Hardchor aus Lisdorf und der Sängerbund 1872 aus Fraulautern.

 

DIE ERSTEN GEHVERSUCHE IM BEREICH „JOURNALISTIK“

 

Mitte der Achtziger Jahre wurde in der heutigen 
Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) auf
Anregung des AStA die Zeitschrift RENAISSANCE 
neu gegründet. Ich gehörte damals zu den Grün-
dungsmitgliedern.

Nebenbei war ich redaktionell als Zubringer für
das FREE RADIO FANZINE tätig. Als ehemali-
ger aktiver Kurzwellenhörer war ich aktiv in die 
Free-Radio-Bewegung der Achtziger Jahre ein-
gebunden gewesen.

Wegen dieses Hintergrundes war ich zuletzt der
ständige Vorsitzende der Redaktionskonferenz im
Zusammenhang mit der RENAISSANCE gewesen.
Damals gab es noch einen linken Touch. Es war so-
mit unmöglich, einen Chefredakteur zu bestimmen. 
Damit galt ich automatisch als verantwortlicher Re-
dakteur.

 

TAG DES BERGMANNS 2018

Unter dem Motto „Erlebnis trifft Erinnerung“ fand am Sonntag, dem 24. Juni 2018, der nun  6. Tag des Bergmanns statt. Der Veranstalter  war  der Landesverband  der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine  im Saarland. Der Ort war vor der Repräsentanz der RAG in Ensdorf. Das Highlight war, wie in jedem Jahr, die traditionelle Bergparade.

 

 

DIE GESCHICHTE DES FRAUENHAUSES

AUTOR: Josef Theobald

In den Siebziger Jahren entstanden in zahlreichen Städten im Westen
Deutschlands und anderen westeuropäischen Ländern Zufluchtsstätten
für Frauen mit ihren Kindern, um sie vor Übergriffen ihrer Ehemänner
oder Partner schützen zu können. Hier gingen in der Regel physische
und psychische Misshandlungen voran.

Historisch gesehen gehen die Frauenhäuser auf mittelalterliche Städte-
planungen zurück. Zunächst ist das horizontale Gewerbe in bestimmte
Gassen verbannt worden. Dann sperrte sie man in „Frauenhäuser“ mit
der Auflage, meist auffällige Kleidung zu tragen. So hatten die in die-
sem Gewerbe arbeitenden Frauen in Augsburg einen grünen Streifen
am Schleier zu tragen. In Bern und in Zürich erkannte man sie an den
roten Käppchen. Anderswo waren gelbe Bänder und kurze Mäntel die
entsprechenden Attribute.

Kirchlicherseits verweigerte man ihnen den Empfang der Sakramente.

Das älteste Frauenhaus finden wir in Köln. 1527 wurde damit begonnen,
ein derartiges Gebäude zu erstellen. Denn zuvor waren ja alle Versuche
gescheitert, das damalige Dirnenwesen ohne eine solche Einrichtung auf
bestimmte Bereiche zu beschränken. Nach dem Kaufmann und Chronisten
Hermann von Weinsberg (1518-1597) war dies ein hölzernes Gebäude auf
Steinfundamenten gewesen. Dahinter gab es einen Hof und einen Friedhof.
Auf dem Schieferdach trug es die Stadtwimpel mit den Kronen.

Schon damals wurden die Getränke zu überteuerten Preisen an den Mann
bzw. die Dirnen gebracht. So knöpfte die Wirtin des Hurenwirtshauses, die
Catharina von Lidburgh, ihren Gästen für einen Quart (ca. 1,22 l) Wein 48
Heller ab. Die übrigen Weinwirte verlangten für die gleiche Menge 32 – 34
Heller, höchstens aber 36 Heller.

Waren die Dirnen nicht ortsansässig, dann zogen sie mit den Landsknecht-
truppen oder ab dem Zeitalter des Absolutismus mit den neuen Armeen. In
vielen Fällen lebten sie mit einem Soldaten in eheähnlichen Verhältnissen.
Zuweilen gab es aber auch den Zuverdienst ihrer Partner, nachdem sie die
Rolle eines Zuhälters zu spielen wussten. Da gab es fließende Übergänge.

Schon 1591 gab es Beispiele für Perversionen. Italienische Kunden zahlten
Kölner Huren dafür, dass sie sich z. B. vor einem Liebesakt mit Besenruten
auspeitschen ließen. Dabei richtete sich die Entlohnung nach der erreichten
Befriedigung.

Zum eindeutig-zweideutigen Zeichen der Prostitution wird das tiefe Dekolleté
und das Hinauslehnen aus dem Fenster.

Im Laufe der Jahrhunderte veränderte die Prostitution ihr Gesicht. Im 17. und
18. Jahrhundert gleicht manches Bordell auf den ersten Blick plötzlich einem
bürgerlichen Salon, wo man erst nach einer Tasse Schokolade und mancher-
lei Konversation zur Sache kommt. [1]

Die Einstellung zur Prostitution in Deutschland änderte sich 1891, als ein
Zuhälter mit Namen Heinze wegen Mordes und Zuhälterei angeklagt wur-
de. Dieser Fall wurde zum Anlass genommen, erstmals Gesetze gegen
die Prostitution zu erlassen. Die „lex Heinze“, die 1891 im Reichstag ein-
gebracht wurde, sah verschärfte Strafen für Kuppelei, Zuhälterei u. ä. vor;
sie wurde aber erst nach langwierigen Verhandlungen im Jahre 1900 an-
genommen.

Im Vereinigten Königreich waren die Verhältnisse anders. Hier gab es keine
Sittenpolizei, keine Kontrolle oder ärztliche Untersuchung. Dennoch war die
Macht der Polizei übergroß. Denn es war weiterhin strafbar, ein Bordell (eng-
lisch: „disorderly house“) zu unterhalten. So konnte jedes Haus, wo ein Mädel
wohnt und dementsprechend regelmäßig Besucher empfängt, als ein solches
Haus behandelt werden. Trotz der argen Erpressungen durch die Polizei gab
es für die leichten Mädchen eine relative Freiheit von degradierenden Polizei-
fesseln. Denn sie konnten sich im Vergleich zu den Verhältnissen in Deutsch-
land einen selbständigen und selbstachtenden Charakter bewahren.

In Manchester gab es ganze Kolonien solcher junger Leute – Bourgeois oder
Kommis (kaufmännische Angestellte) -, die mit derartigen Mädels lebten, und
viele waren legitim mit ihnen verheiratet und vertrugen sich mindestens eben-
so gut wie die Bourgeois und Bourgeoisen.

Einzelne so verheiratete Mädel verzogen in andere Städte, wo sie keine „alten
Bekannten“ zu treffen befürchteten. Dort sind sie Teil der respektablen Bürger-
welt und selbst unter den Squires – den dortigen Landjunkern – waren sie ein-
geführt gewesen, ohne dass jemals jemand den geringsten Anstoß an ihnen
bemerkte. [2]

ANMERKUNGEN
[1] Bernd Roeck, Außenseiter, Randgruppen Minderheiten (Fremde im
Deutschland der frühen Neuzeit), erschienen in der Kleinen Vanden-
hoeck-Reihe, Göttingen 1993, Seiten 123/24, 126 – 128.
[2] Marx – Engels, Werke, Band 38, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1968, die
Seiten 552/53 und 652. 

SCHULISCHER WERDEGANG EINES RODENA-REDAKTEURS

AUTOR: Josef Theobald

Nach dem Besuch des Berufsgrundbildungsjahres (BGBJ) in Völklingen
wechselte ich nach den Sommerferien 1972 zur Handelsschule in Saar-
louis, die es als Schulform heute noch gibt. Damals waren wir noch im
heutigen Technisch-gewerblichen und sozialpflegerischen Berufsbildungs-
zentrum (TGSBBZ) in der Zeughausstraße 25 untergebracht. Einmal in
der Woche genossen wir den Schulbetrieb in einem Vorkriegsgebäude
des TGSBBZ (jetzt: Kreissporthalle). Im ersten Halbjahr 1973 hatten wir
samstags in der heutigen Anne-Frank-Schule Unterricht. Mit dem Schul-
jahr 1973/74 erfolgte der Umzug in das neue Schulgebäude im Glacis 22
hinter der St. Elisabeth Klinik.

Daraufhin besuchte ich die Höhere Handelsschule, damals eine Sonder-
form für Absolventen der Handels- und Wirtschaftsschulen. Wegen ihres
Modellcharakters wurde diese Schule vom Land zusätzlich öffentlich ge-
fördert. Eine vergleichbare Schule gab es außer in den Standorten Saar-
louis, Saarbrücken und Homburg nur im Land Berlin. Diese Schulform ist
im Juni 1976 mit Erfolg abgeschlossen worden.

Seiteneingang des TGSBBZ
Eingang der Anne-Frank-Schule

DER CAP-MARKT IN RODEN SCHLIESST ENDE SEPTEMBER

AUTOR: Josef Theobald

Vor zehn Jahren war das CAP-Integrationsprojekt
für Menschen mit Behinderungen optimistisch ge-
startet. Hier gab es die wohlbegründete Hoffnung,
die Schaffung von Arbeitsplätzen für behinderte
Menschen mit der wohnortnahen Versorgung der
Rodener Bevölkerung erfolgreich wirtschaftlich ver-
knüpfen zu können.

Zuletzt wurde versucht, durch einen Lieferservice
die rückläufige Umsatzentwicklung aufzufangen.
Damit sind in den letzten Jahren allein die Hälfte
des Umsatzes erreicht worden.

Trotz der Unterstützung der Kreisstadt Saarlouis
und des SPD-Stadtverbandes konnte die Situation
nicht wesentlich verbessert werden. Nun zog die
Arbeiterwohlfahrt (AWO) die Reißleine.

Woran lag dies?

Man unterlag hier dem Trugschluss, das Mitleid ge-
genüber der behinderten Bevölkerung garantiere
den Bestand des CAP-Marktes. Man unterschätzte
die Wettbewerbssituation im Stadtgebiet von Saar-
louis. Für einen Lebensmittelmarkt sind wichtig
sowohl die Sortimentsbreite als auch die Sorti-
mentstiefe. Bei der Sortimentstiefe lagen hier
erkennbare Defizite vor.

Der vorhergehende MARKANT-Markt in diesem 
Gebäude hatte es sehr gut verstanden, eine groß-
zügige Getränkeabteilung vorzuhalten. Das ist ein
deutliches Beispiel, das einem modernen Markt von
heute das Überleben sichern kann. Dennoch musste 
auch dieser Markt vor einigen Jahren schließen.

ANMERKUNG
Von einem tiefen Sortiment wird gesprochen, 
wenn von einer Produktart verschiedene Va-
rianten angeboten werden, die sich in Aus-
sehen und Material, in der Qualität, Preis-
klasse oder Ausführung unterscheiden. 

DAS BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN

AUTOR: Josef Theobald

In den letzten Jahren kommen immer wieder Forderungen auf, in Deutschland
das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) einzuführen. Zu diesem Thema
gibt es aber Bedenken aus verschiedenen Richtungen.

Aus christlicher Sicht besteht eine Ehre, mit eigenen Händen arbeiten zu dürfen
(1. Thessalonicher 4,11). An anderer Stelle wird der Grundsatz aufgezeigt, dass
wer nicht arbeitet auch nicht essen solle (2. Thessalonicher 3,10). In der „Lehre
der Apostel“ (Didache) wird festgestellt: „Wenn Du etwas durch Deine Hände Ar-
beit erworben hast, dann gib es als Lösegeld für deine Sünden.“ (4,6).

Der Hintergrund lässt sich durch eine Gruppe erklären, in der es eine gemeinsame
Kassenführung gibt. [1]

Im Judentum lehrt die Mischna KIDDUSCHIN: „Stets lerne man seinen Sohn ein
sauberes und leichtes Handwerk, und flehe zu dem, dem der Reichtum und die
Güter gehören, denn es gibt kein Handwerk, mit dem nicht Reichtum und Armut
verbunden wäre. Nicht von dem Gewerbe kommt die Armut, nicht vom Gewerbe
kommt der Reichtum, sondern alles nach seinem Verdienste.“ (XIV,2)

Auch in der Arbeiterklasse wurde der Grundsatz „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht
essen.“ übernommen und erscheint auch in den Klassikern des Marxismus-Leninis-
mus. So schreibt W. I. Lenin in dem Hauptwerk „Staat und Revolution“: ‚„Wer nicht
arbeitet, soll auch nicht essen“, dieses sozialistische Prinzip ist schon verwirklicht;
…‘ [2]

In der katholischen Soziallehre gibt es das Prinzip der „Subsidiarität“. Dieses be-
sagt, dass die gemeinsame Verantwortung für den Einzelnen nicht ausschließt,
sondern sogar fordert, dass zunächst jedem Einzelnen und jeder Gruppe vor-
rangig die Pflicht und das Recht zukommen, ihre eigenen Angelegenheiten in
selbständiger Weise zu regeln. [3] Dieses Prinzip hat auch in evangelischen
Kreisen Eingang gefunden. Im rechtlichen Sinne bedeutet „Subsidiarität“ vor
allem Nachrangigkeit. In den Maastrichter Verträgen ist „Subsidiarität“ expli-
zit als Strukturprinzip der Europäischen Union (EU) formuliert. [4]

Der Philosoph Hegel (1770-1831) definierte den Arbeitsbegriff durch seine
Rede von der „Selbstverwirklichung durch Arbeit“. Karl Marx (1818-1883)
sah in der Arbeit eine Quelle von Werten, weil sie ein Tun für andere ist,
ein zielgerichtetes Umgestalten der Dinge und der eigenen Anlagen. Denn
in der Arbeit würden auch Bewusstsein, Sprache und die gesellschaftlichen
Verhältnisse produziert. Anders gesagt ist die Arbeit der kollektiv gestaltete
Entwicklungsprozess der Menschheit von der Natur zur Kultur. Im Denken
des Liberalismus ist die Arbeit „Selbstverwirklichung“ mit dem Wunsch nach
individueller Autonomie und der Ausweitung der persönlichen Entscheidungs-
macht. So wird Arbeit zum zentralen Lebens- und Gesellschaftswert. [5]

Demnach würde das BGE das gegenwärtige Sozialrecht auf den Kopf stellen.
Denn das Sozialsystem in der Bundesrepublik geht nämlich von einer Umlagen-
finanzierung aus. Spätere Leistungen sind von gegenwärtig gezahlten Beiträgen
abhängig (Generationenvertrag). Eine Alimentation einer trotz Leistungsfähigkeit
untätigen Bevölkerung ist dabei nicht vorgesehen. Gegenwärtig wird in Finnland
das BGE getestet. Erste Ergebnisse scheinen auf den ersten Blick positiv zu sein.
Die Langzeitstudie bleibt aber noch abzuwarten. Der gezahlte Betrag in Höhe von
monatlich 560,– Euro ist aber so gewählt, dass lediglich die Grundbedürfnisse ge-
deckt werden können. So bleibt eine Berufstätigkeit, in welcher Form auch immer,
unerlässlich. In Deutschland sind dagegen höhere Beträge in der Diskussion mit
Zuschlägen für Familien mit Kindern.

ANMERKUNGEN
[1] NEUES HANDBUCH THEOLOGISCHER GRUNDBEGRIFFE, 
Herausgeber: Peter Eicher, Band 1, Kösel Verlag, München 2005, 
Seiten 57 + 73.
[2] W. I. Lenin, Ausgewählte Werke in einem Band, Verlag Progress, 
Moskau 1986, Seite 360.
[3] Lexikon der Pastoral (Lexikon für Theologie und Kirche kompakt), 
Band 1 (A-Ki), Verlag Herder, Freiburg (Breisgau) 2002, Seite 841.
[4] Taschenlexikon: Religion und Theologie, Band 3: O-Z, Vanden-
hoeck & Ruprecht, Göttingen 2008, Seite 1130.
[5] wie [1], jedoch die Seiten 52/53.

 

BESUCHERGRUPPE DES VHVS FUHR ZUR BURG SEDAN

Am Samstag, dem 9. Juni 2018, besuchte eine Gruppe des VHVS die Burg Sedan in der Region Champagne-Ardenne im Nordosten Frankreichs. Um 1424 begann Eberhard II. von Marck-Arenberg mit dem Bau der Burg. Zuvor befand sich dort ein Benediktinerkloster. Im Jahre 1530  wurden  die Festungsmauern des Herrenhauses  durch den Bau  eines Ringwalls  modernisiert  und um die  Geschützwälle ergänzt.

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