Archiv der Kategorie: Allgemein

Weckmann – Nikolauspuppe

Als Stutenkerl, auch Weck(en)mann, Krampus, Kiepenkerl, Grättimaa, Grittibänz, Elggermaa oder Dambedei, wird ein Gebildbrot aus Hefeteig bezeichnet.[1] Das Gebäckstück hat die Form eines stilisierten Mannes, da es sich auf den Bischof Nikolaus von Myra und seinen Festtag, den „Nikolaustag“ am 6. Dezember, bezieht. Der Stutenkerl ist ein typisches Adventsgebäck. Es gibt im deutschsprachigen Raum noch weitere Namen dafür. Einer der Oberbegriffe ist Nikolaus, vor allem wenn das Gebildbrot zum Nikolaustag gegessen wird. Im Ruhrgebiet, im Rheinland und in Hessen wird es bereits zu St. Martin gegessen und ist in den Tüten der Kinder beim Martinssingen enthalten.[2]

Verwendet wird ein meist gesüßter Hefeteig (Stuten). Häufig wird das Gebäck mit Rosinen für das Gesicht und die Knopfleiste verziert, bisweilen auch mit Zucker bestäubt, und es bekommt eine Tonpfeife eingesteckt. Früher wurde meist einfacher Brotteig verwendet.

Quelle: Wikipedia

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DIE ZITADELLE VON SAARLAUTERN

AUTOR: Josef Theobald

Im Herbst 1944 wurde die Stadt Saarlautern (Saarlouis) von Hitler zur „Zitadelle
Saarlautern“ erklärt. Beim Näherrücken der Front wurde die Bevölkerung des
Stadtgebietes erneut evakuiert.

Zwischen Dezember 1944 und März 1945 gab es zahlreiche Gefechte zwischen
Deutschen und Amerikanern, bei der die Kontrolle der Stadt mehrfach wechselte.
Ein Artilleriebeschuss zerstörte große Teile der historischen Innenstadt, der Häu-
serkampf tat sein Übriges. Die Luftangriffe der Amerikaner trafen vor allem den
Stadtteil Fraulautern sowie Flächen in der Nähe der Bahnanlagen von Roden.
Denn im Bahnhofsbereich standen schwere Eisenbahngeschütze.

Die US-Panzer versuchten mehrmals den Ellbach zu überqueren. Trotz starker
Gegenwehr deutscher Streitkräfte war man den massiven Angriffen auf Seiten
der US-Amerikaner auf die Dauer nicht gewachsen.

Viele der Angehörigen der 95. Infanteriedivision der US-Army (genannt „Iron Men“)
konnten sich noch an die Details der Kämpfe und an die Orte des Geschehens er-
rinnern. Ihrem besonnenen Einsatz und einer spektakulären Aktion der Einheit ist
zu verdanken, dass trotz erbitterter Häuserkämpfe die für die Festung so wertvolle
Schleusenbrücke vor der Sprengung bewahrt wurde. Die Brücke nach Fraulautern
wurde damals von den deutschen Truppen gesprengt, die alte Saarbrücke von den
Amerikanern eingenommen, die damit auf dem rechten Saarufer einen Brückenkopf
bilden konnten. Viele ihrer Kameraden haben dafür in der Fremde ihr Leben lassen
müssen. Auf deutscher Seite kamen viele Soldaten aus Hessen und Unterfranken
(Bayern).

Im Zuge der Operation „Undertone“ (eine Operation der 7. US-Armee und der 1.
Französischen Armee vom 15. bis zum 24. März 1945) gewannen die Alliierten
endgültig die Oberhand. Zuvor hatte noch das Unternehmen „Nordwind“ vom 31.
Dezember 1944 bis 25. Januar 1945 im Elsass und in Lothringen die militärische
Lage um Saarlouis beeinflusst (es war die letzte Offensive deutscher Streitkräfte
an der Westfront; sie stand in Zusammenhängen mit der Ardennenoffensive).

Nach der endgültigen Eroberung durch die Amerikaner wurde das Saargebiet durch
Frankreich besetzt, das anfänglich auch eine Annexion anstrebte. Als eine der ersten
Amtshandlungen ordnete Regierungspräsident Hans Neureuter am 14. Juli 1945 die
Wiederherstellung des geschichtlich begründeten Namens „Saarlouis“ an, sodass die
Stadt „Saarlautern“ nun wieder den Namen Stadt „Saarlouis“ trug.

NACHTRAG

Die US-Amerikaner verfügten über eine moderne Kriegstechnologie, die sich z. B.
in der Entwicklung moderner Panzer und Flugzeuge widerspiegelte. Auch setzte
man in den ersten Kriegsjahren Phosphorbomben ein. Nach der Entwicklung der
Napalmbombe mit dem Hauptbestandteil Benzin, das mit Hilfe von Zusatzstoffen
geliert worden ist, wurde diese erstmals in der Entscheidungsschlacht um Berlin
eingesetzt. Im Krieg gegen Japan kam diese Waffe neben Flammenwerfern erst-
mals in der Schlacht von Iwojima, einer japanischen Vulkaninsel, die damals von
strategischer Bedeutung war, zum Einsatz. Später ist die Napalmbombe sowohl im
Koreakrieg als auch im Vietnamkrieg eingesetzt worden. Heute gehört die Napalm-
bombe zu den geächteten Waffen nach Artikel 23 der Haager Landkriegsordnung.
Schon im Jahre 1980 wurde durch das Protokoll III der Konvention der Vereinten
Nationen zur Ächtung unmenschlicher Waffen der Einsatz von Brandwaffen gegen
Zivilpersonen verboten.      

 

DAS GEWERBE DER LEINENWEBER

AUTOR: Josef Theobald

Leinenweber verarbeiteten ursprünglich sowohl den gesponnenen Flachs
als auch Hanf zu Leinwand; seit etwa 1500 wurde Hanf hauptsächlich nur
noch für Haustuch, Sack- und Packleinwand, grobe Zeuge wie Segeltuch
und Seilwaren verwendet. Im Gegensatz zur Tuchmacherei (Wollweberei),
die sich doch meist als städtisches Handwerk etablierte, war dagegen die
Leinenweberei lange Zeit im ländlichen Raum als Heimgewerbe verbreitet
und wurde vielfach von hörigen Bauern und Tagelöhnern betrieben. Leinen-
weber war im Mittelalter ein hochgeschätztes Gewebe, aus dem nicht nur
Hemden und Bettzeug, sondern auch Kleider, Waffenröcke, Satteldecken,
Hutbezüge und Paniere verfertigt wurden. [1]

Das Gewerbe der Leinenweberei war ursprünglich ein Nebengewerbe der
Landwirtschaft. Doch mit der steigenden Mannigfaltigkeit und Kunstfertig-
keit der Produktion konnte das bisher betriebene Nebengewerbe nicht
mehr von denselben oder einzelnen Personen ausgeübt werden. So
sonderte sich das Handwerk vom Ackerbau. Mit der Spaltung der Pro-
duktion in zwei große Hauptzweige, Ackerbau und Handwerk, entsteht
die Produktion direkt für den Austausch, die Warenproduktion; mit ihr
der Handel, nicht nur im Innern und an den Stammesgrenzen, sondern
auch schon über See. [2]

Im 18. Jahrhundert nahm das Landhandwerk allgemein zu. Grund dafür
war in erster Linie die Notwendigkeit der Beschäftigung einer wachsen-
den Zahl von Menschen zwecks Bestreitung ihres Unterhalts durch den
Nebenerwerb oder den Übergang zu heimgewerblicher Produktion. Das
Einkommensniveau blieb aber nach wie vor gering. [3]

Die Voraussetzung für die Leineweberei ist der Flachsanbau. Hier bleibt
der größte Teil der Einkünfte entweder bei den Aufkäufern oder bei den
Verpächtern von Boden hängen. Die größeren Flachsaufkäufer richteten
Trockenräume und Pressen ein; sie dingten Arbeiter zum Sortieren und
Schwingen des Flachses. Dabei muss angeführt werden, dass die Bear-
beitung des Flachses besonders viel Arbeitskräfte erforderte. Dies führte
schließlich dazu, dass der Landwirt in der Winterzeit mehr beschäftigt war,
andererseits schaffte dies eine Nachfrage nach Lohnarbeit auf der Seite
der Gutsbesitzer und wohlhabenden Bauern, die Flachs anbauten. [4]  

Typisch für den Vertrieb war hier das Verlagssystem. Dabei traten Kauf-
leute mit kleinen gewerblichen Produzenten in Verbindung. Somit blieb
die Produktion dezentral. Der Absatz der erzeugten Produkte sowie de-
ren Weiterverarbeitung ist zentral erfolgt. Zentral beschafft wurde auch
das Rohmaterial. Diese Entwicklung ergab sich aus der Notwendigkeit,
wachsende und entfernte Märkte zu versorgen.

Die Arbeitstechnik der Leineweberei wurde meist von den Eltern auf ihre
Kinder weitergegeben. Denn im Arbeitsprozess war Kinderarbeit Alltag.
Dadurch wurde eine Steigerung der Produktion erreicht. Diese Arbeits-
weise nennt man auch „proto-industrielle“ Familienwirtschaft, die in den
Zeiten schlechter Preise und geringen Absatzes gezwungenermaßen
und selbstverständlich zur Selbstausbeutung überging. Diese kleinen
gewerblichen Produzenten lebten in Häuslerhäusern auf bäuerlichem
Grund, zum Teil abgesetzt vom Dorf in eigenen Häusern (Hüttchen).
Wohnten sie in den Dörfern, gehörten sie allerdings nicht zur Dorf-
gemeinde. War die Produktion verlagsmäßig organisiert und wurden
vom Verleger Werkzeug und Rohstoffe gestellt, so näherte sich der
Status eines Heimarbeiters dem des lohnabhängigen Manufakturar-
beiters. In der Praxis ist es aber auch vorgekommen, dass ein ge-
werblicher Kleinproduzent doch zu bescheidenem Wohlstand und
zu der Stellung eines Zwischenmeisters im Verlagssystem gekom-
men ist. Zu einem Verleger selbst ist er oft kaum aufgestiegen.

In stadtfernen Gebieten, wo sich dieses Gewerbe verdichtete, hat
diese Bevölkerungsgruppe offensichtlich ein Eigenleben geführt.
Denn man heiratete vorwiegend untereinander und gründete je-
weils wieder eine Spinner- und Weberfamilie. [5]  

Wie das Beispiel der oberösterreichischen Leinenindustrie zeigt, kon-
nte dieser Zweig an der inländischen Textilkonjunktur des späten 18.
Jahrhundert teilhaben, was durch die Freigabe der Leinenweberei auf
dem Lande 1755/73 begünstigt wurde. Der Aufschwung brach aber um
etwa 1800 auf einmal ab, wohl im Zusammenhang mit der plötzlich über-
mächtig gewordenen Konkurrenz der Baumwollindustrie, der die Leinen-
industrie wenig entgegenzusetzen hatte. Ebenfalls gingen während der
napoleonischen Zeit der Überseemarkt und das Westgeschäft zur Gänze
verloren. Leinen, einstmals das wichtigste nicht-landwirtschaftliche Export-
gut der Habsburgermonarchie, wurde im frühen 19. Jahrhundert fast nur
mehr für das Inland erzeugt, wenn es überhaupt auf den Markt kam. [6]
Schon Friedrich Engels wies in seinem Vorwort zur zweiten Auflage der
Schrift „Zur Wohnungsfrage“ darauf hin, dass die Leinenweberei zu der
Zeit, als sie für den Weltmarkt arbeitete, schon soweit durch die Steuern
und Feudallasten erdrückt wurde, dass sie den webenden Bauer nicht
über das sehr niedrige Niveau der übrigen Bauernschaft erhob. [7]

NACHTRAG

In Saarlouis-Roden haben wir eine Leineweberstraße zwischen der
Lindenstraße und der Ellbachstraße. So deutet heute alles darauf
hin, dass sich ursprünglich diese Straße in früheren Jahrhunderten
außerhalb der eigentlichen Besiedlung befand. Nach dem II. Welt-
krieg waren die hier befindlichen Häuser meist vollständig zerstört
und wurden schließlich in den Fünfziger Jahren im Stil der Wieder-
aufbaujahre neu errichtet. Das Haus mit der Nr. 7 hatte fast noch
den alten Stil der Häuslerhäuser. Nach einem erfolgten Umbau ist
der alte Baustil heute leider nur noch zu erahnen.   

ANMERKUNGEN
[1] Quelle: WIKIPEDIA, Stichwort: Leinenweberei.
[2] Marx – Engels, Ausgewählte Werke in zwei Bänden, Band II, Dietz
     Verlag, Berlin-Ost 1966, Seite 287.    
[3] Rudolf Vierhaus, Deutschland im Zeitalter des Absolutismus (Deut-
     sche Geschichte 6), 2. ergänzte Auflage, Kleine Vandenhoeck-Rei-
     he, Göttingen 1984, Seite 38.
[4] W. I. Lenin, Werke, Band 3: Die Entwicklung des Kapitalismus in
     Russland, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1956, Seiten 286/87.
[5] wie [3], jedoch die Seiten 39/40 und 69/70.
[6] Österreichische Geschichte, ÖKONOMIE UND POLITIK, Autor:
     Roman Sandgruber, Verlag Ueberreuter, Wien 1995, Seite 184.
[7] Marx – Engels, Ausgewählte Schriften in zwei Bänden, Band I,
     Dietz Verlag, Berlin-Ost 1966, die Seite 521.
 

Schließungszeit der Stadtbibliothek Saarlouis zum Jahresende

02.12.2016

Von: Georg André

Die Stadtbibliothek Saarlouis ist vom 15.12.2016 bis einschließlich 02.01.2017 aufgrund der Jahresabschlussarbeiten geschlossen.


Bis einschließlich 14. Dezember besteht noch die Möglichkeit, für dieses Jahr aus dem reichhaltigen Angebot der Stadtbibliothek auszuleihen.

Rückgabetermin für die Medien, auch DVDs, die jetzt noch ausgeliehen werden, ist erst im Januar 2017, so dass es auch hier keinen zusätzlichen Stress für die Festtage gibt.

 Kommen Sie noch vorbei!

Öffnungszeiten:
Montag, Dienstag, Mittwoch 10.30 Uhr – 13.00 Uhr & 15.00 Uhr – 17.00 Uhr; Donnerstag 10.30 Uhr-13.00 Uhr & 15.00 Uhr -19.00 Uhr; Freitag 10.30 Uhr – 12.30 Uhr

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Rückblick – Volkstrauertag in Roden

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Zum diesjährigen Volkstrauertag  hatte der Sozialverband VdK Ortsverband  Saarlouis-Roden zu einem Wortgottesdienst in die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt geladen. Danach ging es zum Ehrenfriedhof wo eine Gedenkfeier am Ehrenmal mit Vereinen aus Roden und Gästen aus St. Avold stattfand. Diakon Franz Hechenblaikner segnete die Gräber Bürgermeisterin Marion Jost hielt eine Gedenkrede. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Musikverein Harmonie und dem Männerchohr 1864 Roden.

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FÖRDERVEREIN „DIE RODENER E. V.“ GEGRÜNDET

Der  Förderverein  "DIE RODENER  E. V."  wurde  am  Donnerstag
Abend  gegründet. 1.  Vorsitzender  ist  der  Initiator   der  letzten
Rodener  Tage  Hans Werner  Strauß. Im  März  nächsten  Jahres
wird dann  ein neues Konzept der Rodener Tage 2017 vorgestellt.
Man darf dem Vorstand  des neu gegründeten Vereins alles Gute
und viel Erfolg wünschen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DIE TRADITION DES STROHSTUHLFLECHTENS IN RODEN

AUTOR: Josef Theobald

Erstmals berichtete der Heimatforscher Erich Hewer aus
Roden über das Handwerk des Strohstuhlflechtens, das
dort überwiegend in der Winterstraße, Neu- und Altstraße
und ebenfalls in der Mühlenstraße ausgeübt wurde. Dies
war vorwiegend die Arbeit von Frauen. Freitags wurden
die fertigen Stühle dann abgeliefert. Dies war auch der
Zahltag, an dem ein Mann mit einem Karren erschien,
um die Stühle mit einer fertig geflochtenen Sitzfläche
abzuholen.

Die fleißigen Strohstuhlflechterinnen erhielten als Roh-
produkt gebeizte Stühle, Die Lackierung erfolgte erst
nach dem fertigen Flechten der Sitze. Vor 1925 wurde
das Flechten der Stuhlsitze in Heimarbeit für die Stuhl-
fabrik in Fraulautern betrieben. Doch mit den auf einmal
in Mode kommenden Buchenholzstühlen mit den hoch-
gepressten glatten oder mit Ornamenten versehenen
Sitzen starb diese alte Tradition aus. Die Kundschaft
favorisierte plötzlich stabile Sitzflächen, auf die man
weiche Kissen legen konnte. [1]

Wie war aber dieser Produktionszweig organisiert?

Neben der selbständigen Handwerksarbeit, die sich
in der Manufakturproduktion weiter fortsetzte, gab
es schon erste Ansätze einer Steigerung durch die
maschinelle Industrie. Als Vorbild für eine parallele
Sonderform galt hier das Verlagssystem. wie in den
anderen Regionen Deutschlands (die Handels- und
Gewerbezentren Sachsens, des Rheinlandes oder
der Augsburger Gegend). Die Verleger selbst kamen
entweder aus den Reihen ehemaliger Kaufleute oder
waren Teil wohlhabender Kaufmannsfamilien mit der
Tradition im Groß- und Fernhandel. Nebenbei mischten
auch ehemalige Handwerker und manchmal auch die
Mitglieder der Beamtenbürokratie mit. Diese waren im
Vertrieb relativ homogener Güter, wie Tuche, Bänder,
Uhren, Nadeln, Messer usw. tätig. Für dieses Produk-
tionssystem typisch war hier das Fehlen des bei einem
Großbetrieb vorhandenen großen Fixkapitals. Jenes be-
schriebene System verwandelte allerdings selbständige
Handwerker in häufig scharf ausgebeutete Teilarbeiter.
Denn durch fortschreitende Teilung der Arbeit erhöhte
sich auch die Produktivität. Die Werkzeuge und eben-
so das nötige Arbeitsmaterial stellten die Verleger. Die
dabei eingesetzten Werkzeuge wurden infolge ständiger
Produktionskontrollen in den Häusern der Heimarbeiter
einer kontinuierlichen Verbesserung unterworfen. [2]
Die Heimarbeit oder die Hausindustrie sind Überreste des
Übergangs der bäuerlichen Wirtschaft zur Manufaktur. Vor
allem der Zeitraum zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert
brachte eine weite Verbreitung der ländlichen oder Proto-
Industrie. In dieser Epoche ist z. B. die Textilarbeit zu einer
zusätzlichen Einkommensquelle für bäuerliche Familien ge-
worden. Gewöhnlich lag die zentrale Werkstatt des Handels-
unternehmers in der Stadt oder nicht weit entfernt davon und
bildete dort die kommerzielle Basis des gesamten Heimarbeits-
systems, das weit über das Land verstreut war.

Oft gab es ein Interesse, eine ländliche Hausindustrie in den
Gebieten zu organisieren, wo die Landwirtschaft ärmlich war,
wie etwa in den Berggegenden (z. B. Eifel). Infolge der Erb-
teilungen besaß die ländliche Bevölkerung sehr wenig oder
gar kein Land und musste deshalb Möglichkeiten suchen,
ihr Einkommen aufzubessern oder sich dem Heimgewerbe
zuzuwenden. Ein anderer Faktor war die hohe Bevölkerungs-
dichte, somit die Zahl der Arbeitskräfte relativ groß war und
die Löhne entsprechend niedrig.

Der Niedergang der Arbeitsproduktivität und des landwirt-
schaftlichen Pro-Kopf-Einkommens war der Hauptgrund
für die Suche der bäuerlichen Familien nach alternativen
Tätigkeiten. Diese Formen ländlicher Hausindustrie waren
in einigen Gebieten weiter verbreitet als in anderen. Diese
Gebiete mit ländlichem Gewerbe waren in den folgenden
deutschen Regionen zu finden: im Rheinland, in Westfalen,
in Sachsen und in Schlesien sowie im Osten Polens und in
Russland. [3]     

Im Russland des 19. Jahrhunderts gab es eine Produktion
von Holzlöffeln in Heimarbeit. So gab es Dörfer, die auf das
Abdrechseln oder auf das Lackieren der Löffel spezialisiert
waren. Bei diesen Produktionsverhältnissen konnte man nur
das unbedingt Notwendige verdienen. Durch die gegebenen
Arbeitsbedingungen war eine Trennung von Wohn- und Ar-
beitsraum fast unmöglich. So kam es in den Wohnungen zu
sanitären Missständen mit der Folge, dass nicht selten Berufs-
krankheiten auftraten. Weiterhin waren Formen von Kinderar-
beit ab dem 5. Lebensjahr zu beobachten. In der Arbeitspraxis
bediente man sich den Mittelspersonen, die zum Teil in einer
hierarchischen Stufe das zu bearbeitende Material en gros ü-
bernahmen und dann im Kleinen vergaben. [4] Auch im ost-
europäischen Russland war die Hausarbeit Anhängsel der
Fabrik. In der täglichen Arbeitspraxis bedeutete dies eine
stärkere Konzentration der Produktion und des Kapitals
sowie eine entwickeltere Arbeitsteilung und stellte folglich
dem Entwicklungsgrad nach eine wesentlich höhere Form
des Kapitalismus dar. [5]

Strohstühle, waren (2) Stühle, deren Sitz aus einem Rahmen
und darüber geflochtenem Stroh bestand. [Pierer's Universal-
Lexikon (1857-1865), Stichwort: Strohstühle, Bd. 16, S. 933]
Berufe, wie das Tischlerhandwerk, profitierten vor allem in der
Gründerzeit, und zwar in den Jahren nach dem Deutsch-Fran-
zösischen Krieg (1870/71), von der gegebenen Situation, dass
vor Ort keine überlegene Industriekonkurrenz vorhanden war.
Hinzu kamen das Bevölkerungswachstum und der Bauboom
in den betreffenden Jahren. [6]

Wir wissen heute allerdings, dass nur wenige ländliche Unter-
nehmer die eigentliche Industrialisierung finanzierten (diese
kamen meistens aus der Stadt); die Arbeitskräfte vom Land
gingen nur selten zur Arbeit in die Fabriken, das Heiratsalter
war in der Proto-Industrie nicht anders als in der traditionellen
landwirtschaftlichen Welt, und es fehlte hier außerdem eine
enge Verbindung zwischen der Proto-Industrie und dem Be-
völkerungswachstum. Es war aber nicht ungewöhnlich, dass
die Familien in Gebieten mit traditioneller Landwirtschaft doch
schneller wuchsen als dort, wo es lediglich eine Proto-Industrie
gab. [7]   

In der Zeit der Massenarbeitslosigkeit nach dem I. Weltkrieg
verlagerte sich die Produktion von Strohstühlen nach Frank-
reich, Dort verwendete man zum Flechten das Peddigrohr,
eine Rohrart, die man aus Spanien importierte. Die Kosten
für die Beschaffung dieses Arbeitsmaterials wurden aber
vom Arbeitslohn der Strohstuhlflechter einbehalten. Da-
durch waren die Produktionsbedingungen in Frankreich
günstiger und das neu eingesetzte Peddigrohr entsprach
der damaligen Mode.   

ANMERKUNG  
[1] Geschichte der Kreisstadt Saarlouis, Band 6: Roden, Autor:
     Marc Finkenberg, Herausgeber: Kreisstadt Saarlouis (1997),
     Seiten 157 + 158.
[2] Jürgen Kocka, Unternehmer in der deutschen Industrialisierung,
     Kleine Vandenhoeck-Reihe, Göttingen 1975, Seiten 20 – 22.   
[3] Paolo Malanima, Europäische Wirtschaftsgeschichte (10.-19.
     Jahrhundert), Böhlau Verlag, Wien 2010, Seiten 248, 281/2.
[4] W. I. Lenin, Werke, Band 3: Die Entwicklung des Kapitalismus
     in Russland, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1956, Seiten 395, 408 +
     452/3.       
[5] W. I. Lenin, Werke, Band 2, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1961, die
     Seite 368.
[6] Österreichische Geschichte, ÖKONOMIE UND POLITK, Autor:
     Roman Sandgruber, erschienen im Verlag Carl Ueberrreuter,
     Wien 1995, Seite 256.
[7] wie [3], jedoch die Seite 283.  

WEIHNACHTSFEIER BEIM MÄNNERCHOR

Zu einer Weihnachtsfeier  lud  der Männerchor 1864 Roden in das Karl-Thiel-Haus
ein. Unter der Leitung  von  Chorleiterin  Isabelle Goldmann wartete der Chor mit
verschiedenen Gesangsstücken  passend  zur  Vorweihnachtszeit auf. Außerdem
gab es diverse Vorträge von Weihnachtsgeschichten. Den Höhepunkt bildete der
Besuch  des  hl. Nikolaus, der sowohl  verdiente  Chormitglieder  als auch die an-
wesenden  Kinder  beschenkte. Mehr  Bilder  auch  auf  unserer  Facebook-Seite
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DIE HERKUNFT DER LOSUNG „VERTRAUEN AUF DIE EIGENE KRAFT“

AUTOR: Josef Theobald

In einem früheren Beitrag wurde mit Recht festgestellt, dass die in der Volks-
republik China ab den Sechziger Jahren verwendete Losung „Vertrauen auf
die eigene Kraft“ als Antwort auf die Folgen des Zerwürfnisses zwischen der
Sowjetunion und China von Nordkorea übernommen wurde.

Zuvor hatte J. W. Stalin im Verlauf der Zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts
diese Losung öfters verwendet, indem er auf den Glauben oder das Vertrauen
auf die eigene Kraft verwies. Hier finden sich in seinen Werken einige Beispiele.

In seinem Politischen Rechenschaftsbericht an den XVI. Parteitag äußerte sich
Stalin dahin, dass in der UdSSR der Glauben an die eigenen Kräfte und die Per-
spektive einer weiteren Verbesserung der Lage in der Praxis einhergingen.

Die Erklärung findet sich in seiner Rede zum 12. Jahrestag der Oktoberrevolution
mit dem Titel „Das Jahr des großen Umschwungs“. Damals sah sich die Sowjet-
union einer Finanzblockade ausgesetzt, so dass das Akkumulationsproblem nur
aus eigener Kraft gelöst werden konnte. Um den Aufbau einer Schwerindustrie
aus eigenen Mitteln finanzieren zu können, bedurfte es des Tributes, d. h. die
fehlenden Mittel wurden durch die Bauernschaft aufgebracht, indem diese zum
einen überhöhte Preise für Industriewaren zahlte und zum anderen weniger Geld
für die verkauften landwirtschaftlichen Erzeugnisse bekam. Nur dadurch konnte
ein schnelles Wachstum der Industrie gewährleistet werden. Dafür erhielt die
Bauernschaft die jetzt am dringendst benötigten Traktoren, landwirtschaftlichen
Maschinen und Kunstdünger. [1]

Wie in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland setzte die Sowjetunion
auf eine autarke Wirtschaft. Man wollte von anderen Machtblöcken unabhängig
sein. In Deutschland setzte man dabei auf niedrige Löhne. Außerdem gewährte
man der deutschen Wirtschaft einen großen Spielraum, was die Entscheidungs-
freiheit in unternehmerischen Dingen anging.   
 
Profan gesprochen ist „Glauben“ zunächst auf ein ausdrücklich genanntes per-
sönliches oder sachliches Objekt bezogen, dessen besondere Eigenschaften
im Glaubenden ein Gefühl des Vertrauens hervorruft und damit ein Urteil be-
gründen kann. Das Vertrauen kann sich dann auf die Wahrhaftigkeit und Auf-
richtigkeit einer Person sowie zugleich auf die Wahrheit und Glaubwürdigkeit
ihrer Aussage richten. Aus dem Vertrauen wird dann auch ein Etwas- oder
Sich-Anvertrauen.

Die Unterscheidung zwischen der Aufrichtigkeit einer Person und der Glaub-
würdigkeit ihrer Aussage führt schließlich dazu, dass „Glauben“ zum Ausdruck
eines subjektiven Urteils wird, bei dem der Grad der Überzeugung unterschied-
lich sein kann. Eine Sache kann aus subjektiven Gründen mit dem Gefühl der
inneren Gewissheit für wahr gehalten werden, ohne dass die zum Wissen nö-
tige Erkenntnismöglichkeit vorliegt. „Glauben“ kann die feste Gewissheit be-
deuten, dass ein der Erfahrung nicht zugängliches Objekt tatsächlich existiert
oder – auf die Zukunft bezogen – dass ein bestimmtes Geschehen gewiss ein-
tritt. [2]   

Typisch für die frühen Jahre der Sowjetunion war der Glaube an das politische
System und das Vertrauen der Sowjetbürger in die kommunistische Partei mit
ihren politischen Zielen.

Die Idee von dem „Vertrauen auf die eigene Kraft“ fand Anfang der Sechziger
Jahre Eingang in die offizielle Politik Albaniens, Nordkoreas und Chinas. Erste
Spuren finden sich in den nationalen Befreiungskämpfen während des II. Welt-
krieges. Nach dem Krieg fand es seinen Ausdruck in der Entschlossenheit und
revolutionären Bereitschaft der osteuropäischen Länder, den Sozialismus unter
allen Bedingungen und Umständen durch die Mobilisierung aller menschlichen,
materiellen und finanziellen Quellen aufzubauen. [3]     

Dass die Losung „Vertrauen auf die eigene Kraft“ auf W. I. Lenin zurückgehen
soll, ist schlechthin nicht zu beweisen. In seinem literarischen Nachlass fehlt
hier jeder Hinweis. Denkbar wäre aber eher eine mündliche Überlieferung ein-
zelner Aussprüche, die keinen Eingang in die Werke Lenins gefunden haben.

ANMERKUNG
[1] J. W. Stalin, Werke, Band 12, Dietz-Verlag, Berlin-Ost 1954, die Seiten
     279, 108 + 44.   
[2] J. und W. Grimm, Deutsches Wörterbuch IV,I,4, Leipzig 1949, die Artikel
     „Glaube“ und „Glauben“.
[3] GESCHICHTE DER PARTEI DER ARBEIT ALBANIENS, Verlag „NAIM
     FRASHERI“, Tirana 1971, die Seiten 542 + 708.

 

Deutsch-arabische Führung zur Geschichte von Saarlouis und der Saarregion

24.11.2016

Von: Corinna Bast

Die Kreisstadt Saarlouis und das Projekt „Wir sind einS(aarlouis) – Flüchtlingshilfe konkret“ laden am 03. Dezember 2016 zu einem besonderen historischen Spaziergang durch die Stadt ein. Engagiert führt ein ehrenamtlicher Saarlouiser Bürger während eines ca. zweistündigen Rundgangs von etwa zwei Kilometern Länge durch die Innenstadt entlang der Festungsanlagen.

Die Führung wird in Deutsch, Arabisch und Englisch durchgeführt, so dass auch viele Neubürger schwer verständliche Begriffe nach Übersetzung verstehen können. Wesentliche Meilensteine der Entwicklung von Saarlouis werden angesprochen. Eingebettet ist diese Erkundung in die wechselvolle Geschichte unserer Heimat als ständiger "Zankapfel" deutsch-französischer Feindseligkeiten, die erst vor wenigen Jahrzehnten ihre Beendigung in einem dauerhaften Frieden und gelebter Freundschaft zwischen den beiden Völkern gefunden haben. Weiter geht es entlang ausgewählter Besichtigungspunkte mit der Vorstellung des heutigen modernen Saarlouis als lebenswerter Wohn-, Arbeits- und Freizeitstätte bis hin zu der von ihrem Bergbauerbe und der Stahlindustrie geprägten Umgebung der Kreisstadt, die sich zunehmend als zukunftsorientierte Industrie- und Dienstleistungsregion präsentiert.
Mitzubringen sind Interesse an der Stadt Saarlouis und an deren wechselvoller Geschichte sowie gutes Schuhwerk und witterungsangepasste Bekleidung. Die Führung wird bei jedem Wetter angeboten, und führt bei Regen in das städtische Museum.
Treffpunkt: Bastion VI (Anton-Merziger-Ring/ Nähe Restaurant "Delphi"), 03. Dezember 2016, 14:00 Uhr

Anmeldungen nimmt das Kinder-, Jugend- und Familienhaus in der Lisdorfer Str. 16a bis zum 30. November entgegen. Infos unter Tel. (06831) 443-600.

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Impressionen von der Saar

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Die Quellen der Saar sind am Donon in den Vogesen. Es gibt eine Rote und Weiße Saar die bei Hermellange zusammenfließen. Die Saar mündet bei Konz in die Mosel. Über den Saar-Kohle-Kanal ist sie mit dem RheinMarne Kanal verbunden. 1974 wurde die Saar für die Großschifffahrt ausgebaut.

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Damals – Tiere beim Militär

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Tiere im Militär bezeichnet die Verwendung von Tieren für den Kriegseinsatz. Tiere verschiedener Art spielen seit mindestens 2000 Jahren eine Rolle in der Logistik, im Gefecht, bei der Aufklärung, Spionage und Abwehr. Die Streitkräfte verschiedenster Nationen setzten bzw. setzen immer noch diverse Tierarten in militärischen Auseinandersetzungen ein.

Der römische Dichter Lukrez berichtete im 1. Jahrhundert v. Chr. von Ebern, die in viel früheren Zeiten Kriegselefanten angriffen.[2] Die US-Marine setzt seit dem Vietnamkrieg Meerestiere in ihrem Marine Mammal Programm ein – etwa Seelöwen und Delfine zum Aufspüren von Seeminen.

Es gab immer wieder Einzelfälle, wo Tiere sich im Militär besondere Verdienste erwarben. Typisches Beispiel ist ein syrischer Braunbär, der den polnischen Truppen im Kampf gegen die deutsche Wehrmacht in Süditalien als Munitionsträger diente. Wojtek hatte sogar militärischen Rang und „besaß“ ein Soldbuch.

Pferde brachten noch im Zweiten Weltkrieg Kriegsgerät und Nachschub an die Front, Hunde schüchterten die Gegner ein und überbrachten, wie Brieftauben, Nachrichten. Dies sind die drei wichtigsten, über Jahrhunderte etablierten Tierarten für den Krieg.

Die Kavallerie war neben der Infanterie seit der Antike eine der stärksten militärischen Truppengattungen. Bukephalos, das Streitross Alexanders des Großen, galt als das bekannteste Pferd der Antike. Pferde verkörperten Mobilität, Schnelligkeit und Durchschlagskraft. Sie veränderten militärische Strategien und Taktiken, ähnlich wie später die Panzer und Militärflugzeuge es taten. Um die für den Krieg wichtigen Tiere zu schützen, wurden Rüstungen für Pferde erfunden. Speziell ausgebildete Infanteristen griffen mit Speeren gezielt Pferde an. Bis zur Verbreitung der Handfeuerwaffen kämpften die Reiter meist neben dem Schwert mit Pfeil und Bogen. Es gab Schlachtrösser und Armeepferde. Die Kreuzzüge waren Kriege mit einem massiven Einsatz von organisierten Reiterverbänden – der Kavallerie.

Rinder kamen als Transporttiere zum Einsatz, waren aber wegen ihrer geringeren Wendigkeit im Kriegseinsatz von untergeordneter Bedeutung. In schwer zugänglichen Gebirgsregionen waren die Maultiere in beiden Weltkriegen militärisch wichtig. Eine große Rolle im indischen und nordafrikanischen Raum spielten dagegen Kriegselefanten.

In den Wüsten Nordafrikas und auf der arabischen Halbinsel kamen Kamele zu Einsatz. Für Pferde gab es mobile Veterinärkliniken; man entwickelte gegen den Einsatz von Giftgas Gasmasken für die Tiere.

Im Vorfeld des Ersten Weltkrieges stieg der Bedarf an Pferden im Rahmen der Aufrüstung so stark, dass in ganz Europa ein reger Handel mit Tausenden von Tieren stattfand. Pferde waren Teil der Aufrüstung. Die Zeitschrift Die Woche schrieb in der Ausgabe vom Juni 1913:

Um unsere beritten Truppen, den heutigen Zeitverhältnissen entsprechend, verstärken zu können, muß auch der Pferdebestand des deutschen Heeres vermehrt werden. Soll dies mit Erfolg geschehen, so müßten in Summa 27.000 Pferde beschafft werden, doch will die Heeresverwaltung zunächst nur 17.000 Pferde neu einstellen, von denen 8000 als Reitpferde, 9000 als Zugpferde zu verwenden sind. Durch die weitere Hebung der Landespferdzucht ist vieles zum Glück anders geworden, wenn auch zugegeben werden muß, daß bei dem enormen Pferdverbrauch im Fall eines Krieges der „Nachschub“ sich einigermaßen schwierig gestalten dürfte, weshalb Autoritäten auf diesem Gebiet schon vor Jahren die Bildung einer Kriegsreserve von Militärpferden in Vorschlag brachten.

1917 hatte Großbritannien über eine Million Pferde im Kriegseinsatz. An manchen Tagen kamen 1000 Pferde als Ersatz für verletzte oder getötete Tiere über den Kanal nach Frankreich. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 hatte in Europa nur noch Polen signifikante berittene Truppen.

In den Armeen der Antike und des frühen Mittelalters spielten große Hunde eine Rolle. Sie sollten den Gegner in Angst versetzen. Im Hochmittelalter setzte man Hunde als „Melder“, also für Botengänge ein. Beim zweiten Italienzug Heinrichs V. 1118 soll ein Hund Briefe der belagerten Truppen zu ihren päpstlichen Verbündeten gebracht haben. 1885 begann das preußische Militär mit dem Training von Hunden für Patrouillengänge. Im Ersten Weltkrieg bediente man sich der Polizeihunde und sprach – in der Regel erfolgreich – Hundezüchtervereine an. Zum Einsatz kamen auch Panzerabwehrhunde. In den Nachbarländern gab es kaum Hunde im Kriegseinsatz. Die Belgier nutzten Hunde als Zugtiere für kleinere Lasten.

Wegen der emotionalen Bindung der Hunde an ihren Trainer musste letzterer meist mit in die Schlacht ziehen. Die Tiere verloren wegen des ungewohnten Gefechtslärms häufig die Orientierung. Hunde wurden insbesondere beim Stellungskrieg immer wichtiger, weil sie menschlichen Meldern die Arbeit abnehmen konnten. In einigen Fällen ließ man Hunde Fernsprechleitungen verlegen. Der Erste Weltkrieg verschliss über eine Million Pferde und einige zigtausend Hunde. Meldehunde dienten auch dem Transport von Kriegstauben an einen Ort, von dem sie zurückflogen.

Quelle: Wikipedia

Lukrez: De rerum natura. Lukrez beschreibt die Tiere im Wesentlichen als ungeeignet für den Gefechtseinsatz. Zitat: „Auch versuchte man Stiere im Dienste des Kriegs zu verwenden / Und wildwütende Eber den Feinden entgegen zu schicken. / Ja man sandte dem Heere voraus gar grimmige Löwen, / Welche bewaffnete Wärter und grausame Bändiger führten, / Um sie lenken zu können und fest an der Kette zu halten. / Doch vergeblich! Erhitzt vom beiderseitigen Blutbad / Brachten sie wütend die Reihen von Freund und Feind in Verwirrung, / Hier und da die Mähnen des Haupts die schrecklichen schüttelnd. / Vor dem Gebrüll nun scheuten die Rosse, die Reiter vermochten / Nimmer die Tiere zu halten noch gegen die Feinde zu lenken.“ (aus dem Lateinischen übersetzt von Hermann Diels, 1924)

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