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DER DEUTSCHE BERGARBEITERSTREIK VOM MAI 1889
AUTOR: Josef Theobald
Die erste deutsche Streikbewegung fand am 4. Mai 1889 im Gelsenkirchener
Bergwerks- und Industriegebiet statt. Dieser Bergbaubezirk gehörte zu den
nördlichen westfälischen Kohlenfeldern, zu einem Bezirk, in dem jährlich 45
Millionen Tonnen Kohle gefördert wurden und der noch nicht halb entwickelt
war. Hier wurde die Kohle aus einer Tiefe von 500 Yard (ca. 460 m) gefördert.
Diese Bergarbeiter, bis zu diesem Zeitpunkt gute Untertanen, patriotisch, ge-
horsam und religiös, die die besten Soldaten für die Infanterie des 7. Armee-
korps stellten, sind jetzt durch die neue kapitalistische Unterdrückung vollkom-
men aufgerüttelt worden. Nachdem die Zechen, meistens im Besitz von Aktien-
gesellschaften, enorme Dividenden auszahlten, wurden dagegen die Reallöhne
der Arbeiter ständig weiter herabgedrückt. So wurde der nominelle wöchentliche
Lohn zwar aufrechterhalten, in einigen Fällen sogar scheinbar erhöht, indem man
die Arbeiter zwang, in erheblicher Überzeit zu arbeiten. Denn anstatt in einer Acht-
stundenschicht arbeiteten diese 12 – 16 Stunden. Dadurch ergaben sich faktisch
wöchentlich 9 – 12 Schichten.
Der Reallohnverlust ergab sich aus dem Betrug durch das meist unterbliebene
Anschreiben der tatsächlich pro Tag geförderten Kohlenmenge. Ganze Loren-
ladungen wurden nicht angeschrieben mit der Begründung, es handele sich
um schlechte Kohle oder die Lore sei nicht richtig gefüllt. Denn seit dem ver-
gangenen Winter hatten die Arbeiter mehrmals erklärt, dass sie nun streiken
würden, wenn keine Änderung eintrete. Aber ohne Erfolg. Schließlich streikten
sie, nachdem sie ihre Absicht bekannt gemacht hatten. Den Zechenbesitzern
wurde vorgeworfen zu lügen, wenn sie das Gegenteil behaupteten.
Durch die Intervention der liberalen Opposition, die im Parlament einen Sitz
nach dem anderen zugunsten der Sozialdemokratie verloren hatte, war ein
Kompromiss zustande gekommen und die Arbeit wurde dann wieder aufge-
nommen. Doch im selben Augenblick, als die Arbeiter wieder in den Gruben
waren, brachen die Zechenbesitzer erneut ihr Versprechen, indem einige der
Streikführer entlassen wurden, obwohl das getroffene Übereinkommen allen
ihre alten Arbeitsplätze sicherte. Außerdem weigerten sie sich, sich wegen
der Gestaltung der Arbeitszeit zu verständigen. Der Streik drohte somit er-
neut auszubrechen.
Zu den herausragenden Streikforderungen zählten die Erhöhung des Arbeits-
lohnes, der Achtstundentag und die Anerkennung der Arbeitsausschüsse.
Dieser begonnene Bergarbeiterstreik weitete sich aus. So wurde auch in den
sächsischen Kohlenfeldern mit 10.000 Kumpeln und in den zwei schlesischen
Kohlenfeldern mit 20.000 Kumpeln, die noch weiter östlich lagen, gestreikt. In
Deutschland streikten somit in den letzten drei Wochen mindestens 120.000
Kumpel.
Vom 12. – 16. Mai wurde auch im damaligen Saargebiet zunächst in einzelnen
Bergwerken gestreikt. Am 23. Mai waren es schon bereits 12.000 Streikende.
Band 3: Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, Dietz Verlag, Berlin-Ost
1980, die Seiten 693/94 + 968/69.
SOMMERFEST IN DER KLEINGARTENANLAGE
DIE WESTDEUTSCHE AUSSENPOLITIK IN DER NACHKRIEGSZEIT
AUTOR: Josef Theobald
VORWORT
Die junge Bonner Republik wollte so schnell wie möglich in ihrer Außenpolitik
weitgehend souverän werden. Im Rahmen der Pariser Verträge, zu dem auch
der Deutschlandvertrag gehörte, die im Oktober 1954 unterzeichnet wurden,
konnte dieses Vorhaben gelingen. Aufgrund der Hallstein-Doktrin gab man
sich nach außen als alleiniger Vertreter Deutschlands aus. Die frühere DDR
war im deutschen Sprachgebrauch als Ostzone in aller Munde. Dort waren
die Russen. Deshalb war es für die ostdeutsche Außenpolitik relativ schwierig,
außerhalb des Sowjetblocks Fuß zu fassen. Dazu kommt noch, dass sie auch
weniger Spielraum in ihren Entscheidungen hatte. Denn die Außenpolitik war
im Einklang mit der sowjetischen Außenpolitik zu gestalten.
BEITRAG
Nach dem Krieg suchte die von Bundeskanzler Konrad Adenauer (1876-1967)
geführte Bundesregierung nach Wegen, um eine Westintegration oder -bindung
zu erreichen. Dies war in der jungen Bundesrepublik weitgehend Konsens. Nur
der Weg dorthin war allerdings stark umstritten (Stichwort: Wiederbewaffnung).
Im Rahmen der propagierten Truman-Doktrin wollten die USA freien Völkern
beistehen, die sich der angestrebten Unterwerfung durch bewaffnete Minder-
heiten oder durch äußeren Druck widersetzten. Unmittelbares Ziel war dabei
ursprünglich, eine Zustimmung für die Militär- und Wirtschaftshilfe zugunsten
der Türkei sowie antikommunistischer Kräfte im griechischen Bürgerkrieg zu
erhalten.
Es ging also in der Realität vordringlich darum, den Einfluss kommunistischer
Staaten zurückzudrängen. Dies markierte den Beginn des „kalten Krieges“.
Im Verbund mit den USA hatten England und Frankreich über die UdSSR,
China und die volksdemokratischen Länder Osteuropas die ökonomische
Blockade verhängt, nur weil sie sich nicht dem Marshallplan-System ange-
schlossen hatten. [1] Weiterhin sprach man in den östlichen Medien von
einer wirtschaftlichen, politischen und ideologischen Versklavung Europas
und der ganzen Welt und von einer Einschränkung der nationalen Lebens-
interessen der gewaltigen Mehrheit der Völker und der Welt. Dies stelle ein
Diktat durch die habgierigen imperialistischen Bestrebungen der Finanzoli-
garchie und durch die Furcht vor einem Erstarken des Sozialismus und der
Volksdemokratie in der Welt dar. [2] Aufgrund der gewaltigen Macht des US-
Dollars und durch die Gewährung von Krediten an die europäischen Staaten
müssten diese zugunsten der Herrschaft des amerikanischen Imperialismus
in Westeuropa auf ihre ökonomische und politische Unabhängigkeit verzich-
ten. Schließlich sei aus dem westdeutschen Sozialdemokraten Kurt Schu-
macher (1895-1952) ein gehorsames Werkzeug gemacht worden, das vor
nichts haltmache, wenn es darum ginge, gegen die Sowjetunion und die
neuen Demokratien zu hetzen und sie zu verleumden. [3]
Mit der Wiederbewaffnung Westdeutschlands ist die Bundesrepublik in den
Schatten des US-Imperialismus gestellt worden. Die Anhänger der Bonner
Republik wurden als Revanchisten abgestempelt. Die US-Imperialisten seien
nunmehr verantwortlich für einen gefährlichen Kriegsherd im Zentrum Europas.
Weiterhin vollführten sie provokatorische und subversive Tätigkeiten gegen die
sozialistischen Länder von Westberlin aus. [4]
Hier muss aber darauf hingewiesen werden, dass die Bundeswehr eine reine
Defensivarmee ist. Ihre Bewaffnung ist für einen Angriffskrieg unzureichend
ausgerüstet. Gerade die Folgen der Bundeswehrreform zeigten doch die be-
stehenden Schwächen auf, die nur mit Hilfe einer grundsätzlichen Diskussion
über die Form des auszuübenden Wehrdienstes und die wehrtechnische Aus-
stattung bei Auslandseinsätzen gelöst werden kann.
Anfang der Sechziger Jahre wurde der westdeutschen Regierung eine Be-
teiligung an härteren, anderen Mitteln der „Durchdringung“ im algerischen
Bürgerkrieg vorgehalten. So seien allein 3 Milliarden Mark von der Bundes-
republik mitfinanziert worden. Auch wurden 30.000 junge Westdeutsche an-
gesprochen, also 70 % des Mannschaftsstandes der französischen Fremden-
legion in diesem Gebiet, von denen bereits 8.500 gefallen seien. Angesichts
des Aufbaus eines atomaren Schutzschirms durch Frankreich beteiligten sich
ebenfalls westdeutsche Firmen an den Atombombenversuchen in der Sahara
mit westdeutschem Kapital und entsprechenden Spezialisten. Die Krönung
war der Vorwurf in Richtung des damaligen Verteidigungsministers Franz
Josef Strauß (1915-1988) und seiner Generale Speidel und Heusinger, die
häufig Algerien und andere Teile Nordafrikas bereisten auf der Suche nach
Stützpunkten für die westdeutsche NATO-Wehrmacht. [5] Viele Jahre später
war er allerdings wieder willkommen, als er der zahlungsunfähigen DDR mit
westdeutschen Krediten half. Strauß ist lediglich vorzuwerfen. dass er sich
über den erklärten Verzicht der Bundesrepublik auf den Einsatz von Atom-
waffen hinwegsetzen wollte.
Mitte der Sechziger Jahre wird in den östlichen Medien plötzlich von einem
westdeutschen Militarismus gesprochen, der sich unter der aktiven Schirm-
herrschaft des US-Imperialismus zu einem neuen Kriegsherd in Europa ent-
wickle. [6] Hier muss klar und deutlich gesagt werden, dass die frühere DDR
nicht nur reguläre Streitkräfte, wie die Nationale Volksarmee (NVA), besaß,
sondern auch paramilitärische Kampfgruppen der Arbeiterklasse (Betriebs-
kampfgruppen), auf die man im Ernstfall zurückgreifen konnte. Denn nicht
umsonst galt die DDR im Westen als der typische militaristische Staat.
Was Algerien betraf, war dies die reinste Heuchelei. Denn die sowjetische
Außenpolitik unter Chruschtschow sah die nationale Befreiungsbewegung
in diesem Land als eine interne Angelegenheit Frankreichs an. Erst als der
Sieg des algerischen Volkes in seinem Befreiungs- oder Widerstandskrieg
gegen die französische Aggression von vornherein feststand, und schließ-
lich Frankreich sich mit Algeriens Unabhängigkeit einverstanden erklären
musste, verkündete sie in aller Eile ihre Anerkennung. Trotzdem brüsteten
sich die Führer der KPdSU mit ihren befreundeten Vasallen noch mit ihrer
Schande und behaupteten, dass auch der Sieg, den das algerische Volk
mit seinem Blut bezahlte, ihrer Politik der „friedlichen Koexistenz“ zugute
geschrieben werden muss. [7] Zu dieser Zeit, als die genannte Broschüre
herausgegeben wurde, ging man noch von einer Zwei-Lager-Theorie aus
und schlug die westeuropäischen Länder Nordamerika zu. Infolge des in
Vietnam tobenden Krieges wurde vom chinesischen Blickwinkel aus eine
Drei-Lager-Theorie entwickelt, die die westeuropäischen Staaten von den
USA löste. Diese widersprach der herkömmlichen Theorie und wurde zu
einem Kritikpunkt innerhalb der kommunistischen Weltbewegung.
Verlag für fremdsprachige Literatur, Beijing (China) 1972, Seite 35.
Verlag, Berlin-Ost 1958, die Seiten 604 + 605.
[3] Georgi Dimitroff, Ausgewählte Werke, Band 3 (1946-1949), Sofia
Press, Sofia (Bulgarien) 1976, Seiten 170/71.
Literatur, Pyongyang (KDVR) 1977, Seite 221.
Imperialismus und China 1937), Akademie Verlag, Berlin-Ost 1961,
die Seiten 13 + 14.
[6] wie [4], jedoch Band IV, Seite 389.
mentar zum offenen Brief des ZK der KPdSU), im Verlag für fremd-
sprachige Literatur, Beijing (China) 1963, Seite 16.
PFARRFEST BEI ST. JOHANNES
MIDSUMMER FESTIVAL IN SCHRECKLING
SOMMERFEST DES VDK-STADTVERBANDES
GESANGVEREIN LIEDERKRANZ LÄDT EIN
AUSSTELLUNG VON GLASSKULPTUREN
RADIO TAIWAN INTERNATIONAL – DIE DEUTSCHEN ANFÄNGE
AUTOR: Josef Theobald
VORWORT
Die ersten regierungseigenen Sendestationen Chinas wurden 1927 in
Peking (Beijing) und Tientsin (Tianjin) errichtet. Im Jahre 1928 wurde
die Central Broadcasting Station (kurz: CBS) vom Zentralen Exekutiv
Komitee der Kuomintang (Guomindang) ins Leben gerufen. Zunächst
nutzte man für den Sendestart einen 500-W-Sender von der Western
Electric. Diese Technologie wurde ersetzt im zweiten Jahr durch einen
75-kW-Sender von Telefunken. Als 1937 die Nationalregierung nach
Nanking (Nanjing) umzog, wurde die Zentralstation zerlegt und die
Technik und die Ausrüstung in das Innere des Landes verlegt.
Für Sendungen nach Amerika, Europa und ins übrige Ausland wurde
als Kurzwellendienst die Chinese International Broadcasting Station
(kurz: CIBS) ins Leben gerufen, die unter den Bezeichnungen XGOX
oder XGOY auftrat. Nachrichten, Kommentare, Beiträge und andere
Programmpunkte wurden von dieser Kurzwellenstation in Chinesisch
und in Fremdsprachen gesendet. Zu den verwendeten Fremdsprachen
der Chinese International Broadcasting Station gehörten Englisch (Haupt-
sprache), Japanisch, Russisch, Burmesisch, Malaysisch, Niederländisch,
Thailändisch, die Sprachen Indochinas, Indisch, Koreanisch, Französisch
und Spanisch. [1]
BEITRAG
Am 9. Oktober 1986 tönte es zum ersten Mal offiziell aus den Laut-
sprechern unzähliger Radios in aller Welt: „Hier ist die Stimme des
Freien Chinas aus Taipei, Taiwan, Republik China.“ [2]
Am 10. Oktober feiert man alljährlich auf der chinesischen Insel Taiwan
den Doppelzehnten in Erinnerung an die Ausrufung der provisorischen
Republik am 1. Januar 1912 durch Sun Yat-sen und an den Wuchang-
Aufstand vom 10. Oktober 1911. [3]
Nach dem Abkommen von Kairo im Jahre 1943 wird die Insel Taiwan
im Oktober 1945 von der Guomindang- (Kuomintang-) Regierung als
Provinz Taiwan wieder China angegliedert. Im Dezember 1949 setzt
die nationalchinesische Regierung unter Tschiang Kai-schek auf der
Flucht vor den kommunistischen Truppen auf die Insel Taiwan über.
Mit ihr kamen 1,5 Millionen Parteianhänger auf die Insel. [4]
Ende des Jahres 1925 spaltete sich die Guomindang in einen rechten
und in einen linken Flügel. Tschiang Kai-schek war der Repräsentant
des rechten Flügels, der im November 1925 in den Westbergen der
Stadt Beijing eine Konferenz abhielt, die eine bis heute andauernde
Spaltung der Guomindang manifestierte. [5] Tschiang war schon zu
dieser Zeit ein erklärter Antikommunist gewesen und war während
der japanischen Aggression widerwillig zu einer Koalitionsregierung
mit den Kommunisten zu bewegen.
Taiwan zählt heute zu den kleinen Tigerstaaten des Fernen Ostens,
die seit den Siebziger Jahren enormen Aufschwung verzeichneten.
Taiwan verfügt über eine breite Palette an industrieller Produktion,
von Schiffen über Autos zu Fahrrädern, von Maschinen über Phar-
mazeutika zu Halbleitern und Notebooks. Letztere werden für alle
internationalen Produzenten als so genannte Rohprodukte erzeugt.
[6] Traditionell gibt es gute Wirtschaftskontakte zur Bundesrepublik
Deutschland als einer seiner größten Handelspartner.
Aus diesem Grunde gab es ein begründetes Interesse an deutsch-
sprachigen Sendungen aus Taiwan. Zunächst nannte man sich ja
STIMME DES FREIEN CHINA, ein Name, der in den Dreißiger
Jahren schon verwendet wurde. Damals zur Zeit der japanischen
Aggression gegen China ging es um handfeste Propaganda. Ab
Januar 1998 trat man als RADIO TAIPEI INTERNATIONAL auf.
Seit 2003 ist man als RADIO TAIWAN INTERNATIONAL bei den
Hörern ein Begriff.
In den ersten Jahren der deutschsprachigen Sendungen war man
noch ein Regierungssender. Heute ist man schließlich Teil einer
öffentlich-rechtlichen Anstalt.
Schon früh lehnte sich das deutschsprachige Programm an das
englischsprachige Pendant an, sowohl vom Inhalt als auch von
der Form her. So war die Sendestruktur, mit Ausnahme bei den
Sondersendungen, stets die Gleiche. So waren in den ersten 20
Minuten Nachrichten zu hören, getrennt nach In- und Auslands-
meldungen, dann der Kommentar und etwas Musik. Die darauf-
folgenden 20 Minuten waren wiederum der chinesischen Musik
gewidmet. Hierbei unterschied man die Popmusik von der tradi-
tionellen klassischen Musik. Des weitern kamen das chinesische
Volksgut bzw. Campus- bzw. Studentenlieder zur Sprache. Mit-
geliefert wurden jeweilige Informationen über das gespielte Mu-
sikstück (Biografie des Sängers, Inhalt des Stückes sowie nette
Gegebenheiten am Rande).
Den Schluss der Sendung bildeten Informationen über die Kultur
und Wirtschaft Chinas. Auch Tipps für künftige Touristen durften
nicht fehlen. [2]
Die Deutsche Redaktion ist relativ klein. Die Mehrzahl besteht
aus freien Mitarbeitern. Heutige Leiterin ist Chiu Bihui, von der
Insel Taiwan stammend, die schon als Kind eine von deutschen
Missionaren geführte Schule besuchte. Neben ihr ist Uta Rind-
fleisch-Wu, eine der heute noch tätigen Redakteurinnen, Teil
des Teams (Kochstudio). Erster Radiosprecher war noch Mit-
glied der niederländischen Redaktion, nämlich Ido Welenga.
Heute strahlt RADIO TAIWAN INTERNATIONAL sein Programm
in 13 Sprachen und Dialekten aus. Dabei erreicht die Station eine
Gesamtzahl von 2.200 Stunden in der Woche.
Für die Sendungen nach Europa verwendete man zunächst die
Sendeanlagen von FAMILY RADIO (WYFR) in Okeechobee in
Florida (USA). Ab 1999 greift man auf Sender in Großbritannien
zurück. Heute zusätzlich auf Kurzwellensender in Frankreich.
Noch dieser Hinweis: Auf Taiwan wird noch heute YALE statt
PINYIN als phonetische Umschrift verwendet. [7] Damit setzt
man sich bis heute vom kommunistischen Festland ab.
CHINA-HANDBOOK (1937-1943), The Macmillan Company, New
York 1943, die Seite 278.
(Voice of Free China) von Heinz Krämer, Nr. 21/86, Seiten 7 + 8.
2003, Seite 194.
Seite 223.
DAS SCHWIERIGE DEUTSCH-POLNISCHE VERHÄLTNIS
AUTOR: Josef Theobald
Besonders nach dem II. Weltkrieg war das deutsch-polnische Verhältnis
stark belastet. Die polnische Bourgeoisie, die in den Nachkriegsjahren
noch großen Einfluss hatte, schürte vor allem nationalistische Gefühle
und scheute sich nicht, gegenüber der Sowjetunion chauvinistische Ab-
sichten zu offerieren. Vor allem Wladislaw Gomulka (1905-1982) ist in
Polen wegen seiner nationalistischen Auffassungen auffällig geworden.
So trat er für die wahre Unabhängigkeit Polens ein. [1]
In den polnischen Quellen der Siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts
begegnet uns Polen als einheitlicher Nationalitätenstaat ohne eine
wirkliche Existenz nationaler Minderheiten, wenn man die Ukrainer
außer Acht lässt. In diesem Zusammenhang verneinte man eine in
diesem Gebiet vorherrschende deutsche Kultur. Spätestens mit dem
Abschluss des Warschauer Vertrages am 7. Dezember 1970 war für
Polen jedes Argument früherer deutscher Besiedlung vom Tisch, das
man als Relikt revisionistischer Handlungen aus der Zeit der früheren
Adenauer-Regierung ansah.
Nach dem II. Weltkrieg ist im Rahmen des Potsdamer Abkommens
ein altes Kohlenrevier von Deutschland abgetrennt worden. Hier ist
es vor allem Oberschlesien (polnisch: „Gorny Slask“). [2]
Ab 1772, im Rahmen der ersten Teilung Polens durch Preußen, Öster-
reich und Russland, wurden große Teile von Westpreußen und Posen
germanisiert, indem man Land aus den Staatsdomänen an deutsche
Kolonisten verkaufte oder verlieh, die deutschen Kapitalisten bei der
Errichtung von Fabriken in jenen Landstrichen unterstützte und leider
sehr oft auch äußerst despotische Maßnahmen gegen die polnischen
Bewohner des Landes ergriff. Hätte man aber der polnischen Bevölke-
rung ausgedehnte Gebiete im Osten überlassen, so hätten sie über den
Westen eher ein vernünftiges Wort mit sich reden lassen können. Riga
und Mitau wären ihnen schließlich ebenso wichtig erschienen wie Danzig
und Elbing.
Die Bedeutung des deutschen Elements in den slawischen Grenzgebieten,
die mit dem Wachstum der Städte, des Handels und der Industrie zunahm,
steigerte sich noch, als es sich zeigte, dass fast alles, was zur geistigen
Kultur gehört, aus Deutschland eingeführt werden musste; nach dem
deutschen Kaufmann und Handwerker begann der deutsche Geistliche,
der deutsche Schulmeister, der deutsche Gelehrte sich auf slawischem
Boden niederzulassen.
Einen großen Einfluss auf die sozialistische Propaganda unter den Arbeitern
hatten die im Jahre 1844 stattfindenden Aufstände schlesischer Weber in den
großen Dörfern Langenbielau und Peterswaldau. Diese wurden schließlich
durch das Militär niedergeschlagen. [3] Meines Wissens waren aber diese
rein deutsche Ansiedlungen. Von Polen ist hier nirgends die Rede.
Dies war im deutsch-polnischen Verhältnis stets ein Manko gewesen. In
den letzten Jahren hat sich das deutsch-polnische Verhältnis wesentlich
gebessert. Man räumt zunehmend die Fehler in der Vergangenheit ein.
Eine große Belastung im bilateralen Verhältnis bleibt die Zeit des II. Welt-
krieges. In Polen geht man von 6 Millionen Menschen aus, die als Tote
Opfer der deutschen Okkupation wurden. Dazu kommen Millionen von
Menschen, die ihre gesamte Habe verloren und ausgesiedelt wurden.
Millionen wurden als Zwangsarbeiter zur Sklavenarbeit gezwungen. [2]
durch die deutsche Wehrmacht. Dies kann niemand bestreiten. Nicht zu
bestreiten ist ebenfalls der Missbrauch des polnischen Gebietes für den
Aufbau von Vernichtungslagern. Die größten und zahlreichsten Konzen-
trationslager (KZ) befanden sich auf polnischem Territorium.
ANMERKUNGEN
(Albanien) 1980, die Seiten 323, 327 + 329.
INTERPRESS, Warschau (Polen) 1977.
[3] Karl Marx – Friedrich Engels, Über Deutschland und die deutsche
Arbeiterbewegung, Band 2 (Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts),
Dietz Verlag, Berlin-Ost 1970, die Seiten 399, 428/9 + 676.
NACHTRAG
Unter der sozial-liberalen Bundesregierung mit Willy Brandt als Bundes-
kanzler kam es zu Verhandlungen mit der Volksrepublik Polen mit dem
Ziel, die gegenseitigen Beziehungen zu normalisieren. Dabei kam es zu
einem Vertrag mit Polen vom 7. Dezember 1970, der eine definitive An-
erkennung der Westgrenze, der Oder-Neiße-Linie, beinhaltete. Weiterhin
wurde in diesem Zusammenhang vereinbart, gegeneinander keinerlei Ge-
bietsansprüche zu haben und solche auch in Zukunft nicht zu erheben. So
spielte man auf die bisherige Bonner Politik an, die von einer Unteilbarkeit
der Grenzen Deutschlands ausging. Dies wurde in Polen als eine revisio-
nistische Forderung betrachtet, die von der Fiktion ausging, dass weiter-
hin von einem juristischen Fortbestehen des Deutschen Reiches in den
Grenzen vom 31. Dezember 1937 auszugehen wäre.
SOMMERFEST DER INKLUSION
DIE HERKUNFT DER SAARLÄNDISCHEN GRUBENNAMEN
AUTOR: Josef Theobald
Grube Itzenplitz
Standort: Heiligenwald (Ortsteil von Schiffweiler)
Der Name der Grube geht auf den Grafen Heinrich August Friedrich
von Itzenplitz zurück, der von 1799 bis 1883 lebte. Er stammte aus
Groß Behnitz bei Nauen. Zunächst war er von 1845 bis 1848 Regie-
rungspräsident von Arnsberg, dann seit 1862 Minister der Landwirt-
schaft und schließlich von 1862 bis 1873 Handelsminister.
Grube Camphausen
Standort: Fischbach-Camphausen (Ortsteil von Qierschied)
Der Name der Grube geht auf den preußischen Staatsmann Ludolf
Camphausen zurück, der von 1803 bis 1890 lebte. Er stammte aus
Hünshoven (Kreis Heinsberg). Zunächst war er Bankier in Aachen,
dann seit 1847 liberales Mitglied des Vereinigten Landtags, schließ-
lich ab Ende März 1848 drei Monate Ministerpräsident, darauf ein
Bevollmächtigter Preußens bei der deutschen Zentralgewalt. Von
1849 bis 1851 war er ein Mitglied der preußischen Ersten Kammer,
später des Herrenhauses, seitdem lebte er zurückgezogen.
Grube Von der Heydt
Standort: zwischen dem Saarbrücker Distrikt Rastpfuhl im Süden und
der Gemeinde Riegelsberg im Norden
Der Name der Grube geht auf den Freiherrn August von der Heydt
zurück, der von 1801 bis 1874 lebte. Er stammte aus Elberfeld. Zu-
nächst war er Bankier, dann von 1848 bis 1862 Minister für Handel,
Gewerbe und öffentliche Arbeiten, dann wieder von 1866 bis 1869
Finanzminister. [1]
Dem Grafen von der Heydt wird nachgesagt, dass er durch Oppen-
heim (1819-1880), Ökonom und Politiker, wegen dem Handel mit
den Saarbrücker Kohlenwerken sich in den Sechziger Jahren des
19. Jahrhunderts für die Beschaffung finanzieller Mittel einsetzte,
damit ein Anschluss an die Staatsbahn möglich würde. [2]
Grube Duhamel
Standort: Gemeinde Ensdorf
Der Name der Grube geht auf den Bergbauingenieur Jean Baptist
Duhamel (1767-1847) zurück, der von 1806 bis 1813 der Direktor
der Bergschule in der damaligen Gemeinde Geislautern war. Zu-
vor war dieser von 1795 bis 1796 nach seiner Promovierung ein
Professor für Bergbau an der L’Ecole des Mines à L‘Hotel de Mouchy
in Paris gewesen. Im Jahre 1810 schuf er den Saargrubenatlas als Er-
gebnis einer systematischen Bodenerkundung. Dieser Atlas gilt noch
heute als ein kartographisches Standardwerk. [3]
nierter Nachdruck, Mannheim 2000, Seiten 305, 801 und 884.
wegung, Band 3, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1980, die Seite 265.
DIE TRADITIONELLE HEIMARBEIT IN UNSERER REGION
AUTOR: Josef Theobald
Manufaktur.
Neben der selbständigen Handwerksarbeit, die sich in der Manufaktur-
produktion weiter fortsetzte, gab es schon erste Ansätze einer Steige-
rung durch die maschinelle Industrie. Als das Vorbild für eine parallele
Sonderform galt hier das Verlagssystem. wie in den anderen Regionen
Deutschlands (die Handels- und Gewerbezentren Sachsens, des Rhein-
landes oder der Augsburger Gegend). Die Verleger selbst kamen entwe-
der aus den Reihen ehemaliger Kaufleute oder waren Teil wohlhabender
Kaufmannsfamilien mit der Tradition im Groß- und Fernhandel. Nebenbei
mischten auch ehemalige Handwerker und manchmal auch die Mitglieder
der lokalen Beamtenbürokratie mit. Diese waren im Vertrieb relativ homo-
gener Güter, wie Tuche, Bänder, Uhren, Nadeln, Messer usw. tätig. Für
diese Art der Produktion typisch war hier das Fehlen des bei einem Groß-
betrieb vorhandenen großen Fixkapitals. Jenes beschriebene System ver-
wandelte allerdings selbständige Handwerker in häufig scharf ausgebeutete
Teilarbeiter. Denn durch fortschreitende Teilung der Arbeit erhöhte sich auch
die Produktivität. Die Werkzeuge und ebenso das nötige Arbeitsmaterial stell-
ten die Verleger. Die dabei eingesetzten Werkzeuge wurden infolge ständiger
Produktionskontrollen in den Häusern der Heimarbeiter einer kontinuierlichen
Verbesserung unterworfen. [1]
mit Gartenbau oder kleiner Ackerindustrie, die breite Grundlage der jungen
Großindustrie Deutschlands. Im Westen Deutschlands sind die Arbeiter vor-
wiegend Eigentümer ihrer Heimstätten. Diese Verbindung der Hausindustrie
mit Garten- und Feldbau, und daher mit gesicherter Wohnung, finden wir ja
nicht nur überall, wo Handweberei noch ankämpft gegen den mechanischen
Webstuhl: am Niederrhein und in Westfalen, im sächsischen Erzgebirge und
in Schlesien. Wir finden sie überall, wo Hausindustrie irgendeiner Art sich als
ländliches Gewerbe eingedrängt hat, z. B. im Thüringer Wald und in der Rhön.
Infolge der Tabakmonopol-Verhandlungen stellte sich heraus, wie sehr auch
schon die manuelle Zigarrenfabrikation (Zigarrenmacherei) als Form der länd-
lichen Hausarbeit betrieben wird. Wo irgendein Notstand unter den Kleinbauern
eintritt, wie in dem Jahre 1882 in der Eifel, da erhob die bürgerliche Presse so-
fort den Ruf nach Einführung einer passenden Hausindustrie als dem einzigen
Hilfsmittel. Die Eifelregion ist eine hügelige Landschaft mit großen Torfmooren
und ausgedehntem Ödland. Die Bodenverhältnisse sind für die Landwirtschaft
weniger geeignet. Der vorhandene Boden wurde von kleinen, technisch rück-
ständigen Bauernwirtschaften bearbeitet. Es kam regelmäßig zu periodischen
Missernten, die die Kleinbauern in große Not stürzten. In dem oben genannten
Zeitpunkt gab es erneut mehrere Missernten und durch das Fallen der Preise
für landwirtschaftliche Erzeugnisse kam es zu einer Hungersnot unter den Be-
So drängt die wachsende Notlage der deutschen Parzellenbauern wie die all-
gemeine Lage der deutschen Industrie zu einer immer weiteren Ausdehnung
der ländlichen Hausindustrie. Es wurde dies eine Erscheinung, die Deutsch-
land eigentümlich war. Im benachbarten Frankreich fand man ähnliche Ver-
hältnisse nur ganz selten. Sie bildeten hier eine Ausnahme. [2]
NACHTRAG
Durch die Weltausstellung 1884 in New Orleans (USA) wurden deutsche
Waren auf dem Weltmarkt bekannt. Zum Schutz der englischen Industrie
erließ man 1887 den „Merchandise Marks Act“, das die heimische Industrie
vor unliebsamer Konkurrenz schützen sollte. Die Folge war allerdings, dass
die inländischen Käufer nun die wirklichen Bezugsquellen der Importeure er-
fuhren. So wurden die Waren „Made in Germany“ plötzlich wegen ihrer guten
Verarbeitung weltweit bekannt und gewannen auch einen erheblich größeren
Absatz. [3]
Doch wurden diese Produkte meist im Rahmen hausindustrieller Strukturen
produziert. Hier waren die gezahlten Löhne relativ niedrig. Aber die Arbeiter
mussten hier jeden Akkordlohn hinnehmen, weil sie sonst nichts erhielten
und auch nicht allein vom Produkt ihres Landbaus leben konnten. Weiterhin
waren sie wegen des betriebenen Landbaus und dem damit verbundenen
Grundbesitz an ihren Wohnort gefesselt und hinderte sie daher daran, sich
nach einer anderen Beschäftigung umzusehen. Und hierin lag der Grund,
warum Deutschland in einer ganzen Reihe von kleinen Artikeln auf dem
Weltmarkt konkurrenzfähig wurde. Durch einen niedrigen Arbeitslohn er-
zielte man eine höhere Gewinnspanne, die bei einer Überproduktion den
ausländischen Käufer fast gar nicht belastete.
Dies hatte eine Auswirkung auf die Löhne der städtischen und auch groß-
städtischen Arbeiter. So war in der Praxis der Preis der Arbeit unter den
Wert der Arbeitskraft gefallen. In den Städten hatte auch die schlechte
Bezahlung in der Hausindustrie das alte Handwerk verdrängt und das
allgemeine Lohnniveau abgesenkt.
Dies hatte zur Folge, dass die von diesen Verhältnissen profitierende
Groß- und Kleinbürgerschaft von der ländlichen Industrie und von den
hausbesitzenden Arbeitern schwärmte und bei ländlichen Notständen
in der Einführung der Hausindustrie das einzige Heilmittel sah.
So wurde die Hausindustrie die breite Grundlage des deutschen Aus-
fuhrhandels und damit der ganzen Großindustrie.
Vor allem hatte darunter der Kleinbauer zu leiden, der in der jüngeren
Vergangenheit das Opfer einer Zerstörung der alten Marktverfassung
und des Flurzwanges wurde. Da er dabei zusätzlich dem Kreditwucher
anheimgefallen war, wurde er der modernen Hausindustrie gewaltsam
zugetrieben. Denn die Hypothekenzinsen konnten meist nur aus dem
Arbeitslohn der industriellen Bauern bestritten werden und nicht aus
dem Bodenertrag. Mit der Ausdehnung der Hausindustrie wurde eine
Bauerngegend nach und nach in die industrielle Bewegung der Gegen-
wart hineingerissen. Es war diese Revolutionierung der Landdistrikte,
durch die sich die industrielle Revolution in Deutschland über ein weit
größeres Gebiet ausbreitete als in England und Frankreich. Die verhält-
nismäßig niedrige Stufe unserer Industrie war also der eigentliche Aus-
löser, die ihre Ausdehnung in die Breite umso nötiger machte.
Dies begünstigte in Deutschland die revolutionäre Arbeiterbewegung. In
Deutschland wurden im Gegensatz zu Frankreich zuerst die Bezirke der
großen Industrie, die Manufakturen und die Hausindustrie erobert; die
Hauptstadt Berlin kam erst zu einem späteren Zeitpunkt an die Reihe.
Daraus entwickelte sich die Situation, dass die ländliche Hausindustrie
und die Manufaktur in ihrer Ausdehnung zum entscheidenden Produk-
tionszweig in Deutschland wurden. Damit wurde das deutsche Bauern-
wesen mehr und mehr revolutioniert und ist selbst nur zu einer Vorstufe
einer weiteren Umwälzung geworden. [4]
Kleine Vandenhoeck-Reihe, Göttingen 1975, Seiten 20 – 22.
Dietz Verlag, Berlin-Ost 1966, die Seiten 520 und 690.
Darmstadt 1972, Seite 117.
STÄDTEPARTNERSCHAFT ZWISCHEN SAARLOUIS UND EISENHÜTTENSTADT
AUTOR: Josef Theobald
Anlässlich des Besuchs des damaligen Ministerpräsidenten des Saarlandes,
Oskar Lafontaine, in der DDR im November 1985 und nach dem Treffen mit
dem Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker wurde vereinbart, dass sich die
DDR gegenüber der Bundesrepublik weiter öffnet. In den deutsch-deutschen
Beziehungen ist ein Tauwetter entstanden. Dies hatte aber den Grund in der
schlechten wirtschaftlichen Lage der damaligen DDR. Die Saarlouiser Stadt-
väter liebäugelten zunächst mit Halberstadt im Harz. Doch wurde in den er-
folgten Verhandlungen die brandenburgische Stadt „Eisenhüttenstadt“ favo-
risiert. Damals munkelte man, dass hierfür der Grund in der erwarteten Re-
publikflucht der Grenzbewohner läge, die unweit von der deutsch-deutschen
Grenze ihr Zuhause hatten. Dies war bei Eisenhüttenstadt nicht zu befürchten.
So unterzeichneten am 19. September 1986 die Oberbürgermeister den
Partnerschaftsvertrag zwischen Saarlouis und Eisenhüttenstadt, Manfred
Henrich und Manfred Sader. Als einer der Drahtzieher im Hintergrund gilt
Heinz Blatter, als ehemaliges DKP-Mitglied und Fraktionsvorsitzender der
Grünen im Saarlouiser Stadtrat.
Die ehemalige Stalinstadt entstand 1950 zunächst auf dem Reißbrett. Sie
war als Schlaf- und Wohnstätte des naheliegenden Eisenhüttenwerkes ge-
plant gewesen. Das in den Sechziger Jahren ausgebaute VEB Eisen- und
Hüttenkombinat Ost, heute EKO Stahl GmbH, gewann mit dem wachsenden
Bedarf von Stahlprodukten an Bedeutung.
Mit der Veränderung der Wirtschaftspolitik in der Sowjetunion sah man die
im Kapitalismus vorherrschende Kombination, also eine Vereinigung der
verschiedenen Industriezweige zu einem einzigen Unternehmen, als die
neue Leitlinie in der sozialistischen Ökonomie an. Man glaubte, dass das
sozialistische System die aus dem Kapitalismus herrührenden Nachteile
dieser Konfiguration ausgleichen würde.
Die Versorgung mit Rohstoffen erfolgte aus den ukrainischen Eisenerzgruben
und aus den polnischen, ehemals oberschlesischen, Kohlegruben.
Doch die DDR-Wirtschaft hatte die gleichen Probleme wie die Sowjetwirtschaft:
fehlende Effizienz und Vergeudung von Ressourcen. Dadurch war einfach der
im Staatshaushalt der DDR vorgesehene Anteil für die Subventionierung des
täglichen Bedarfs und die damit verbundenen sozialen Errungenschaften nicht
mehr finanzierbar. Man musste sich daher auf Kosten des Westens verschulden.
Nach dem Fall der Mauer oder nach der DDR-Lesart „nach dem Abriss des anti-
faschistischen Schutzwalls“ und nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik
eröffneten sich andere Dimensionen. So gehört heute EKO Stahl zum interna-
tionalen ArcelorMittal-Konzern.
NACHTRAG
„Eisenhüttenstadt“ ist eine Stadt am Westufer der mittleren Oder, südlich von
Frankfurt (Oder), der ehemaligen Bezirkshauptstadt, Teil des heutigen Bundes-
landes „Brandenburg“, entstand 1961 durch die Vereinigung der Stadt Fürsten-
berg (Oder) und der Gemeinde Schönfließ mit der 1950 bis 1953 ausgebauten
Wohnstadt „Stalinstadt“ des seit 1950 errichteten späteren Eisenhüttenkombi-
nats Ost der DDR. Nach der nach dem XX. Parteitag der KPdSU einsetzenden
Entstalinisierung wurde die Stadt in „Eisenhüttenstadt“ gemäß dem Kombinat
unbenannt. Im Jahre 1986 hatte „Eisenhüttenstadt“ 52.000 Einwohner. Der Be-
zirk Frankfurt (Oder) zählte 711.000 Einwohner. Quelle: Haack Kleiner Altlas.






























