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AUTOR: Josef Theobald
VORWORT
Im Jahre 1947 wurde in der syrischen Hauptstadt Damaskus die pan-
arabische Baath-Partei gegründet. Ihr vorrangiges Ziel war es, die ge-
samte arabische Region von der Fremdherrschaft zu befreien sowie
die politische und wirtschaftliche Vereinigung aller arabischen Länder
zu verwirklichen. In der Republik Irak kam die Baath-Partei 1968 durch
einen Staatsstreich an die Macht. Mit den Jahren entwickelten sich sehr
enge Beziehungen zur Sowjetunion, die hier die ideale Möglichkeit sah,
dem Einfluss des Westens Einhalt zu gebieten.
BEITRAG
Bei den Recherchen zu den Anfängen von CRI kam ich auch zum
Radiosprechertourismus.
Mitte Januar 1985 sendete nach neunjähriger Unterbrechung wieder
RADIO DAMASKUS in Deutsch auf der Kurzwelle. So berichteten im
Jahre 1985 darüber u. a. der KURIER der ADDX und kurzwelle aktuell.
Der KURIER nennt die Sprecherinnen auch beim Namen: Gabriele und
Carmen. Hermann Jäger stellte dabei fest, dass diese vorher genannten
Damen wegen des sächsischen Dialektes aus dem Gebiet der damaligen
DDR kämen.
Schon ab September 1968 war ein deutschsprachiges Programm auf der
Kurzwelle zu empfangen. Durch die schwache Senderleistung war aber
der Empfang erschwert. Ein Grund dafür waren die schon damals über-
füllten Kurzwellenbänder.
In den Sechziger Jahren wurde das Programm in Deutsch mit Hilfe der
früheren DDR aufgebaut. Denn man hatte sich insbesondere im Mittleren
Osten sehr stark engagiert. Die Sprecherinnen waren durch ihren typisch
sächsischen Akzent als DDR-Bürger gut zu identifizieren.
Für den Start des deutschen Programmes von RADIO PEKING im April
1960 wurden Rundfunkleute aus der damaligen DDR verpflichtet. Dabei
stellt er Parallelen zu RADIO DAMASKUS und RADIO BAGDAD her. [1]
In dem Jubiläumsbuch zum 50. Geburtstag des deutschen Programmes
von CRI gibt es auf der Seite 19 einen klaren Hinweis, dass zur Zeit der
Aufnahme dieses Dienstes sechs DDR-Bürger hier tätig waren. Genannt
seien hier u. a. eine Frau Eller. Später gesellte sich ein Herr Lange hinzu,
der später Intendant von Radio DDR wurde. Gegen Ende der Siebziger
Jahre konnten beide wieder China und ihre früheren Kollegen besuchen.
Heute ist es erstaunlich, dass die Kontakte zu den früheren Mitarbeitern
aus der DDR noch so gut sind, waren sie doch darauf trainiert, vor allem
für ihren Dienstherrn nützliche Meldungen zu verbreiten. Dies war ja vor
allem ab dem Jahre 1960 der Fall, als es zu wachsenden Spannungen
mit der Sowjetunion kam, nachdem sich das kommunistische China
allmählich, aber dennoch relativ spät, auf die Seite der Weltrevolution
stellte und die Sowjetunion unter Chruschtschow mit den Versuchen
einer Annäherung an Jugoslawien und an den Westen zu kritisieren
begann. Denn die wichtigen Kommentare zu dieser Zeit wurden von
den deutschen Mitarbeitern einfach aus DDR-Sicht bearbeitet. Hier-
bei verkannten sie, dass die Volksrepublik China nunmehr auch die
politische Meinung der albanischen Genossen teilte. [2]
Angesichts des 90. Jahrestages der Gründung der KP Chinas im Juli
2011 musste leider beobachtet werden, dass ehemalige Werkzeuge
des DDR-Regimes wieder in China zu hohem Ansehen gekommen
waren. Dies sorgte hier im Westen Deutschlands für große Besorgnis.
Die Volksrepublik China sollte endlich akzeptieren, dass mit dem Bei-
tritt der früheren DDR zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober
1990 ein Schlussstrich gezogen worden ist. Seitdem fehlt eine nach
altem Vorbild bestehende sozialistische Verbundenheit. Auch entfällt
jetzt der Vergleich zum großen sozialistischen Bruder.
Mit der Wahl eines ehemaligen DDR-Bürgerrechtlers für das Amt des
Bundespräsidenten gibt es eine neue Sichtweise, was die ehemalige
DDR angeht. Durch seine langjährige frühere Tätigkeit in einer nach
ihm benannten Behörde distanzierte sich dieser klar von den früheren
Verhältnissen im Hinblick auf die Bespitzelung der DDR-Bürger. Dies
sollte auch für China Anlass sein zu erkennen, dass es in Deutschland
den breiten Konsens in der Distanz zum alten DDR-Regime gibt.
Nach dem Abschluss der Ostverträge hatte man in Westdeutschland
gedacht, jetzt würden friedliche Zeiten einkehren. In dieser Zeit gab
es auch diverse Friedensappelle, die den eingenommenen Stand-
punkt angeblich bestätigten. Man hatte aber dabei übersehen, dass
das Wort „Frieden“ in der kommunistischen Terminologie „einen sol-
chen Zustand in einer Konfliktsituation (bedeutet), wo zu allen Mitteln,
außer dem des offenen Krieges, gegriffen wird“. (S. Possony, A Cen-
tury of Conflict, Chicago 1953, Seite 413) Seit der Zeit, wo J. Andropow
als KGB-Chef in die Lubjanka übergesiedelt war, bestand sein Haupt-
ziel darin, diese Mittel anzuwenden. Im Grunde genommen führte er
einen unerklärten Krieg mit anderen (terroristischen) Mitteln. (nach
Garri Tabatschnik, Stalins Erben (Der Abstieg der Sowjetmacht),
Ullstein Verlag, Berlin 1992, Seite 220)
AUTOR: Josef Theobald
VORWORT
Anlässlich der Ermordung des italienischen Ministerpräsidenten Aldo Moro
(1916-1978) durch die Roten Brigaden äußerte sich damals die chinesische
Regierung offiziell dahingehend, dass sie individuelle terroristische Akte wie
Entführung und Mord weder befürworte noch unterstütze. In der Tradition der
Weltrevolution stehend vertrete man hingegen die Meinung, dass der revolu-
tionäre Kampf ein Kampf der Massen sei, und schließlich der Sieg nur dann
errungen werden könne, wenn die Massen mobilisiert würden und man sich
auf sie stützen könne. Die Marxisten bekämpften seit jeher den individuellen
Terrorismus und seien ebenfalls der Auffassung, dass er dem revolutionären
Kampf der der Massen schade. [1]
BEITRAG
Bekanntlich liegen die Ursprünge der sich nennenden RAF (Rote Armee
Fraktion) in der Studentenbewegung der Sechziger Jahre. Doch bildete
man hier eine Randgruppe, die sich zum einzigen Ziel setzte, mit Hilfe
des bewaffneten Kampfes in dem damaligen Westteil Deutschlands eine
revolutionäre Massenbewegung ins Leben zu rufen. Doch fehlte in diesen
Jahren der Rückhalt in der Bevölkerung.
Im Vokabular der RAF finden sich auch Auszüge aus den Worten des
Vorsitzenden Mao, die aber oft aus dem Zusammenhang gerissen wa-
ren. Denn diese sind nur im historischen Kontext zu verstehen. Der da-
damalige politische Gegner der KP Chinas war die Guomindang unter
ihrem bekannten Führer Tschiang Kai-schek. In seinen diktatorischen
Bestrebungen und in seiner antikommunistischen Haltung galt ihm der
deutsche Nationalsozialist Adolf Hitler als Vorbild. [2] Gegen Ende der
Zwanziger Jahre sind 310.000 Revolutionäre, darunter 26.000 aus den
Reihen der KP Chinas, seinen Repressionen zum Opfer gefallen. In der
Zeit der Kulturrevolution reduzierte man die unterschiedlichen Arten von
Widersprüchen auf den Gegensatz zwischen „uns“ (den Anhängern der
Kulturrevolution) und dem Feind (der Personenkreis um Liu Shaoqi, die
Anhänger des chinesischen Chruschtschow). [3]
Die maoistische Bewegung in Westdeutschland wird meist mit der Stu-
dentenbewegung in der Zeit der APO (Außerparlamentarischen Oppo-
sition) in den Sechzigern in Verbindung gebracht. Doch ist diese Sicht
leider zu einseitig. In Wirklichkeit liegen aber diese Wurzeln in einer vom
Stalinismus geprägten Protestbewegung gegen die Absicht einer moskau-
treuen Gruppierung, nach dem KPD-Verbot vom August 1956 auf dem Ge-
biet der alten Bundesrepublik eine neue KP nach dem Vorbild der SED in
der früheren DDR aufzubauen (die DKP). Allerdings bekannt wurden diese
mit Rotchina sympathisierenden und mit der DKP rivalisierenden Parteien
hauptsächlich erst durch die Studenten.
Einen breiten Konsens gab es aber bei der Ablehnung von Gewalt mittels
Waffen zur Durchsetzung politischer Ziele. Hierfür gab es mehrere Gründe:
Zum ersten lehnte W. I. Lenin selbst den individuellen Terror in Form von
Attentaten in seiner Schrift „Der 'linke Radikalismus', die Kinderkrankheit
im Kommunismus“ aus Gründen der Zweckmäßigkeit ab (in Ausgewählte
Werke in einem Band, Verlag Progress, Moskau 1986, Seite 575). In der
Schrift „Was tun?“ verglich Lenin den Terrorismus mit der Spontaneität
der leidenschaftlichsten Empörung der Intellektuellen, die es nicht ver-
standen oder nicht die Möglichkeit hatten, die revolutionäre Arbeit mit
der Arbeiterbewegung zu einem Ganzen zu verbinden (Ausgewählte
Werke in drei Bänden, Band I, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1970, Seite
208).
Zum zweiten hatte man in der Parteigeschichte Chinas eigene Erfahrungen
mit dem Terror. So wurden unter dem Einfluss der Linie des linksradikalen
Abenteurertums von Li Lisan infolge der japanischen Übermacht Bomben-
anschläge gegen die Anführer des Gegners verübt, seine Herrschaftsgebiete
in Flammen gesetzt und die projapanischen Elemente und Nationalverräter
ins Jenseits befördert. Somit wurde diese Theorie des bewaffneten Kampfes
als eine Abart des Terrorismus bezeichnet (Kim Il Sungs Erinnerungen „Mit
dem Jahrhundert 2“, Pyongyang 1992, Seite 354). Einen weiteren Hinweis
finden wir in den Werken von Kim Il Sung. So wird im Band 1 auf der Seite
18 von linksradikalen Losungen gesprochen, die die Massen dazu aufhetzten,
sämtliche Gutsbesitzer und Kapitalisten niederzuschlagen, ohne die Rücksicht
darauf, ob sie projapanisch oder antijapanisch waren. In einigen Gebieten sind
sogar Getreideschober wahllos in Brand gesteckt worden, nur weil ihre Eigen-
tümer als Gutsbesitzer oder Großbauen bezeichnet wurden, und es wurde der
linksorientierte Fehler begangen. auch Schwankende, die man durchaus gewin-
nen konnte, als Helfershelfer abzustempeln, zu liquidieren usw. Im Mai 1930 be-
rief die Propagandaabteilung der Kommunistischen Internationale (Komintern) in
Chabarowsk eine Konferenz ein, bei der beschlossen wurde, dass alle die in der
Mandschurei lebenden koreanischen Kommunisten in die KP Chinas übertreten
und als deren Mitglieder wirken sollten (Seite 67). So gab es schon damals eine
enge Zusammenarbeit zwischen beiden Volksgruppen, die spätere Ereignisse
erklären sollten.
Als drittes stellte Mao Zedong fest, dass es im Krieg auch eine Gesamtsituation
gäbe, die sich schließlich aus einzelnen Teilen zusammensetze. So wären bei
den strategischen Problemen auch die Beziehungen zwischen Front und Hinter-
land zu berücksichtigen (Ausgewählte militärische Schriften, Beijing 1969, Seite
16). [4] Meines Wissens gab es zwar bei der RAF eine „Rote Hilfe“. Angesichts
der wachsenden Fahndungserfolge der westdeutschen Sicherheitsbehörden
und der kritischen Öffentlichkeit konnte aber der bewaffnete Terror in der bis-
herigen Form nicht mehr weiter aufrechterhalten werden. So gab es bei der 2.
Generation einen teilweisen Exodus in die ehemalige DDR.
RANDBEMERKUNG
Leider gibt es in den chinesischen Quellen lediglich Andeutungen oder Um-
schreibungen in der Sprache der Partei-Ideologie. Nur in nordkoreanischen
Quellen gibt es eindeutige Hinweise auf linksorientierte Ausschreitungen in
den von den Japanern besetzten Gebieten. Dies liegt oft daran, dass die
Hauptaktivitäten der KP Chinas meist nicht im NO Chinas lagen. In diese
Gebiete flohen vorwiegend Koreaner, da sie in ihrer Heimat starker Unter-
drückung ausgesetzt waren. Das nur von sehr wenigen Staaten anerkannte
MANDSCHUKO wurde als eigenständiges Kaiserreich von den Mandschuren
verwaltet, unterlag aber einer direkten Kontrolle des japanischen Militärs. Des-
halb war das Leben für viele Koreaner hier angenehmer.
AUTOR: Josef Theobald
Vor einiger Zeit kam im Fernsehkanal ARTE eine zweiteilige Serie über
den letzten Kaiser von China. Besonders dieses Thema erregt seit An-
fang der Sechziger Jahre die Gemüter im In- und Ausland. Die tragische
Rolle als Kindkaiser bis zur Restauration der Monarchie in dem japanisch
besetzten „Mandschuguo“ bewirkten, dass er als Kriegsgefangener zur
Umerziehung vorgesehen war und sich nach einer Sonderamnestie als
vorbildlicher Bürger des neuen China auszeichnete. Nicht zu bestreiten
sind zwar seine Verbindungen und vielfachen Verstrickungen mit dem
japanischen Besatzungsregime. Doch muss aber seine eher kindliche
Art, mit alltäglichen Problemen umzugehen, berücksichtigt werden. Er
hatte als Kind zwar einen britischen Hauslehrer haben dürfen, aber es
fehlte ihm jede Erziehung zur Selbständigkeit, wie es einst im britischen
Königshaus für den legitimen Thronfolger üblich war, und zwar in Form
einer Internatserziehung.
In der Autobiographie von Pu Yi ist ersichtlich, dass er zur Guomindang
unter Tschiang Kai-schek und zu den Kommunisten auf Distanz ging. Er
hatte lediglich Kontakte zu Semionow, einem Führer weißrussischer Ein-
heiten, die im Grenzgebiet zur Sowjetunion operierten. Diese genannten
weißgardistischen Banditen liefen zu den Japanern über und bedrohten
die Sicherheit der damaligen Sowjetunion. Das war ein entscheidender
Grund für die Rote Arme, Pu Yi nach dem Einmarsch in die Mandschurei
festzusetzen.
Trotzdem hatte er es geschafft, sich dem chinesischen Volk dienlich zu
machen. So schrieb Mao Zedong: „Die Elemente der Bourgeoisie und
die aus der alten Gesellschaft stammende Intelligenz sind in überwie-
gender Mehrheit patriotisch gesinnt. Sie sind bereit, dem täglich mehr
aufblühenden sozialistischen Vaterland zu dienen, und sie wissen, dass
sie sich auf niemand stützen und keiner lichten Zukunft entgegensehen
können, wenn sie sich vom Sozialismus und von den unter der Führung
der Kommunistischen Partei stehenden Werktätigen abwenden.“ (Über
die richtige Behandlung der Widersprüche im Volke, Seite 61) Schon
Stalin stellte fest: „Es wäre dumm und unvernünftig, heute beinahe in
jedem Spezialisten und Ingenieur der alten Schule einen noch nicht
ertappten Verbrecher und Schädling zu sehen.“ (die Werke, Band 31,
Seite 65)
Was den praktischen Umgang mit Kriegsverbrechern angeht, können
wir eine alte chinesische sprichwörtliche Redensart heranziehen. Hier
heißt es folglich: „Wirft ein Metzger sein Schlächtermesser fort, so wird
er gleich ein Buddha.“ (Chinesisch-Deutsches Lexikon der sprichwörtli-
chen Redensarten, Beijing 1981, Seite 73) So war man offiziell in China
der Meinung gewesen, dass der Mensch gewandelt werden könne. Auch
sah man bei Pu Yi als schwerwiegend vor allem die Fehler in der Epoche
von „Mandschuguo“ an, als er hier die Monarchie zur Restauration verhalf.
Bis gar zu seinem Lebensende werden ihn diese Erlebnisse verfolgen. So
erschien etwa neun Monate vor seinem Tod eine „edle Frau“, die einfach
behauptete, sie sei von ihm im ehemaligen Palast des Marionettenkaisers
unterdrückt worden. Es war die Zeit der Kulturrevolution. Jede Aktion sollte
den Kampf gegen alles Bürgerliche charakterisieren. So wäre es nicht ver-
wunderlich gewesen, wenn diese Dame von Rotgardisten dazu engagiert
worden wäre, um Pu Yi zu kränken und zu schikanieren. Denn zu dieser
Zeit war das Mittel der Denunziation durchaus an der Tagesordnung. Pu
Yi starb am 19. Oktober 1967 während dieser wohl chaotischen Jahre.
Früher schrieb der Autor einmal, dass Mao die Kulturrevolution selbst in-
szenierte. Denn er erhoffte sich dadurch die Rückkehr zur Macht. Doch
die bösen Geister, die er rief, wurde er nicht mehr los. Diese versuchten
mehrmals, ihn gewaltsam zu beerben. Sie glaubten, mit ihm ein leichtes
Spiel zu haben, nur weil er schon ein alter und auch gebrochener Mann
war. Doch sie hatten die Umstände der Zeit unterschätzt. Sie boten kei-
nen Raum für die alten Rezepte.
Nach der Entlassung aus dem Kriegsverbrechergefängnis in Fushun im
Dezember 1959 arbeitete Pu Yi im Beijinger Botanischen Garten. Später
ist er im Büro für Geschichtsforschung im Bereich der Politischen Konsul-
tativkonferenz des Chinesischen Volkes (PKKCV) tätig gewesen. Insbe-
sondere ihm und seinen Angehörigen ist es zu verdanken, dass wir heute
über die ehemaligen Vorgänge in der Verbotenen Stadt so gut informiert
sind. Er starb im Alter von 60 Jahren infolge eines Nierenkrebses.
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Im westlichen Nachbarland Frankreich begannen die Sendungen
auf der Kurzwelle am 6. Mai 1931, aber zunächst nur in französi-
scher Sprache. Das war der Tag, an dem in Paris die „Exposition
Coloniale“ eröffnet wurde. Der neue Kurzwellensender erhielt so-
dann auch prompt den Namen „Poste Coloniale“, wobei „poste“
hier für den Sender steht. [1]
Seit den Tagen Napoleons war das Ansehen Frankreichs unter
den Völkern nicht mehr so groß gewesen wie zu dieser Zeit. In
Afrika und Asien beherrschte Frankreich ein großes Kolonial-
reich, dessen Existenz ja zunehmend in das Bewusstsein der
Franzosen rückte und sie mit einigem Stolz erfüllte. Aber noch
bedeutender war aber die glanzvolle internationale Kolonialaus-
stellung. Sechs Monate lang strömten die Franzosen aus Paris
und aus der Provinz in den Bois de Vincennes und bewunderten
dort die Nachbildung des Tempels von Angkor, bestaunten den
marokkanischen und madagassischen Pavillon und ließen sich
trunken machen von Bildern, in denen sich Exotismus und Stolz
auf ein großes zivilisatorisches Werk ineinander verwoben. [2]
Die neue Sendestation begann mit zwei Sendern von 12 und
15 kW. Vom Start weg sendete der französische Dienst an 13
von 24 Stunden. Lediglich kurze Nachrichten in Englisch und
Spanisch wurden eingeblendet. Mit Beginn des Jahres 1935
sendete man schon alle 24 Stunden und man nahm ein regel-
mäßiges umfangreicheres Fremdsprachenprogramm auf, so
auch in Deutsch. Am 1. Mai 1938 wurde ein 25 kW-Sender in
Betrieb genommen. Der Kurzwellensender nannte sich nun
„Paris Mondiale“, das in etwa „Weltsender Paris“ bedeutet.
Bei Kriegsausbruch 1939 war für „Paris Mondiale“ gerade
ein erster Sender von 100 kW in Betrieb gegangen. Dieser
stand in Allouis, für viele Jahre die Zentrale der Kurzwellen-
sendungen aus Frankreich. Beim Zusammenbruch Frank-
reichs im Juni 1940 wurde allerdings dieser Sender wieder
zerstört. Am 1. Juni 1945 wurden gleich 20 Sprachen auf-
genommen. Darunter auch wieder in Deutsch.
Im Jahre 1973 wurden die ersten 500 kW-Sender in Betrieb
genommen. Jedoch wurden die Sprachdienste von vierzehn
allmählich auf vier reduziert. Die Sendungen in Deutsch hät-
te es auch auf einmal erwischt. Doch eine Artikelserie in der
„Neuen Züricher Zeitung“ hatte die Streichung verhindert. In
diesem Zusammenhang wurde auf das Ansehen der „grande
nation“ verwiesen, die durch die geplante Streichung im Hin-
blick auf den Ost-West-Konflikt einen Schaden erlitten hätte.
In den Achtziger Jahren wurde das Steuer herumgeworfen.
Zug um Zug wurden die Fremdsprachenprogramme wieder
ausgebaut. Programme in Russisch, Serbisch und Polnisch,
in Portugiesisch und Creolisch gehörten wieder zum selbst-
verständlichen Sprachenangebot des Auslandsdienstes. In
Monsinéry (Guayana) fand RADIO FRANCE INTERNATIO-
NALE Platz für eine mächtige Relaisstation für den amerika-
nischen Raum. Die Anmietung von „Radio Africa Nr. 1“ im
afrikanischen Gabun trug die Signale aus dem „Maison de
la Radio“ in die afrikanische Welt.
Ebenso über den starken Mittelwellensender in Straßburg wur-
den Sendungen in Deutsch ausgestrahlt, wie auch schon vor
dem Krieg. Zumindest südlich der Mainlinie war diese Station
zu empfangen. Diese bildete eine sichere Quelle für die Nach-
richten aus Paris. [1]
Bis 1995 folgte der Aufbau der Sprachdienste in Chinesisch,
Vietnamesisch und Persisch. Seit 1993 sendete man auch in
laotischer Sprache, in Khmer und auf Türkisch.
Am 23. März 2006 aber wurden die Sendungen auf der Kurz-
welle für Europa eingestellt. Im Jahre 2009 wird aufgrund ei-
nes massiven Stellenabbaus bei RADIO FRANCE auch die
deutsche Fremdsprachenredaktion aufgegeben. [3]
Seit dem 19. Dezember 2009 strahlt RFI seine Sendungen in
deutscher Sprache nicht mehr aus. Am 29. Januar 2010 ist die
Webseite der Deutschen Redaktion eingestellt worden. [4]
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