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WACHABLÖSUNG BEI KARO BLAU GOLD
HINTERGRUND DER CHINESISCHEN POLITIK DER OFFENEN TÜR
AUTOR: Josef Theobald
Angesichts der Tatsache, dass in der letzten Zeit zunehmend chinesische
Firmen Anteile an deutschen Unternehmen erwarben, ist ebenfalls von der
deutschen Wirtschaft die Forderung nach einem besseren Marktzugang in
China aufgestellt worden. Weiterhin wurde eine fehlende Gleichbehandlung
von deutschen Unternehmen mit der chinesischen Konkurrenz beanstandet.
Als in der Volksrepublik China der inländische Markt für ausländische Firmen
geöffnet wurde, sahen hier viele Unternehmen große Chancen in einem Land
mit einer großen Bevölkerung und einem enorm großen Potential.
Dabei übersahen sie allerdings das sozialistische Wirtschaftssystem, das nur
durch Marktmechanismen konkurrenzfähig gemacht wurde. Im Jahre 1979 ist
in der Beijing Rundschau ein Artikel erschienen, der den ideologischen Hinter-
grund der chinesischen Öffnungspolitik behandelt. [1]
Der Autor gibt hier in einen Rückblick in die frühen Jahre der Sowjetunion, als
nach dem Bürgerkrieg die Notwendigkeit bestand, die sowjetische Wirtschaft
zu beleben. Es war die Zeit der Neuen Ökonomischen Politik (NÖP), in der
gewisse Formen des Staatskapitalismus zugelassen waren. Die Kommando-
höhen blieben weiter in den Händen der kommunistischen Partei. Außerdem
habe der proletarische Staat den Grund und Boden und alle wichtigsten Teile
der Industrie in seinen Händen.
Schon damals waren lediglich kleinere und mittlere Industriebetriebe in Pacht
zu übernehmen. Eine andere Form waren gemischte Gesellschaften, also die
Gesellschaften, die vom privaten ausländischen Kapital und von einem staat-
lichen Anteil getragen wurden (Gemeinschaftsunternehmen, Joint Venture).
Hier sah man eindeutig einen Nutzen durch das Erlernen der erfolgreichen
Gestaltung des Handels. Schließlich gab es immer die bestehende Option,
im Bedarfsfall eine solche Gesellschaft wieder zu liquidieren, so dass kein
Risiko für den sozialistischen Staat entstand. [2]
schlechte Erfahrungen mit den Kompradoren gemacht. Eine entsprechende
Phobie ist noch heute präsent. Vor allem in den kolonialen Ländern stellten
die Kompradoren die einheimischen Vertreter einer Oberschicht, die nicht
selten eng mit den ausländischen Kolonial- oder Besatzungsmächten zu-
Der englische Parallelbegriff „comprador“ bezeichnet einen selbständigen
Handelsvertreter oder auch den Geschäftsführer einer Handelsvertretung,
der vorwiegend im Auftrag einer ausländischen Gesellschaft, also in einer
Handelscompany, tätig war und auch in der Praxis von dieser Gesellschaft
kontrolliert wurde. Der Ursprung des Wortes „comprador“ entstammt eigent-
lich der portugiesischen Sprache und bezeichnet somit den Vertreter einer
ausländischen Macht. Auch ist dieses Wort dem spätlateinischen Substantiv
„comparator“ entlehnt und geht auf das lateinische Verb „comparare“ zurück
(The Concise Oxford Dictionary of Current English, Oxford New York 1998,
die Seite 273). In K. E. Georges Lateinisch-Deutschem Handwörterbuch ist
unter dem Substantiv „comparator“ ein „Aufkäufer, Ankäufer und Käufer“ zu
verstehen. Daher hat das dazugehörige lateinische Verb „comparare“ hier
den Sinn von „beschaffen, anschaffen, und (durch Kauf) ankaufen“.
War der staatliche Sektor in der Volksrepublik China Mitte der Achtziger Jahre
infolge der Auflösung der Volkskommunen und ab 1997 mit der Schließung un-
rentabler staatlicher Betriebe geschrumpft, ist jedoch seit einigen Jahren dieser
Sektor wieder mit 50 % der gesamten Anlageinvestitionen relativ stabil. [4]
Vor allem westliche Investoren aus den USA und Europa müssen langfristig da-
mit rechnen, dass auf einmal Übernahmeangebote auf Seiten der chinesischen
Konkurrenz gemacht werden. Sollte es hier aber keine Einigung geben, wären
im Einzelfall auch staatlich verordnete Liquidationen denkbar. Für jene Firmen,
die entweder von Japanern oder von Auslandschinesen geführt werden, wären
Ausnahmen durchaus möglich.
Der ost- und südostasiatische Wirtschaftsraum wird für China in den nächsten
Jahren an Bedeutung gewinnen, so dass der zwischenstaatliche Handel hier
erheblich wachsen wird.
Beijing Rundschau, 30 vom 31. Juli !979, die Seiten 12 + 13.
Dietz Verlag, Berlin-Ost 1970, Seite 822.
die Seite 734.
Wiley-VCH Verlag, Weinheim 2011, die Seiten 261 + 241.
DAS ENDE DES KOREAKRIEGES
AUTOR: Josef Theobald
Die Kriegsschuldfrage ist bis heute leider nicht endgültig geklärt. Nach wie
vor beschuldigt der Norden Koreas den Süden wegen des Kriegsbeginns.
Auf der anderen Seite weist der Süden die Schuld weit von sich und nennt
den Norden Koreas als den eigentlich Schuldigen.
Es steht aber zweifelsfrei fest, dass ohne die Hilfe der chinesischen Volks-
freiwilligen der Norden Koreas aufgehört hätte zu existieren.
In einem revolutionären Lied aus der Zeit der Kulturrevolution (1966-1976)
gibt es im Album „Überall in der Welt haben wir Freunde“ den Titel „Große
Freundschaft mit Blut besiegelt“. Dies drückt das besondere Verhältnis der
Volksrepublik China zum Norden Koreas (zur KDVR) aus.
Wie schon einmal darauf hingewiesen, rechneten die USA damals damit,
den Norden Koreas mit einem Schlag und das koreanische Volk mit Hilfe
von modernen Panzern und Flugzeugen bzw. seiner anderen überlegenen
Kriegstechnik zu unterwerfen.
Wie im späteren Vietnamkrieg wurden die Dorffrauen, die mit dem Pflanzen
von Reissetzlingen auf den Reisfeldern beschäftigt waren, aus der Luft mit
Maschinengewehren beschossen. Außerdem wurden unschuldige Kinder
mit Bomben erbarmungslos beworfen. Hier wurde den US-Soldaten auch
besondere Heimtücke unterstellt. [1]
Nachdem nordkoreanische Truppen und chinesische Volksfreiwillige erneut
bis südlich von Seoul vorstießen, erstarrt schließlich dort die Front im Früh-
jahr 1951 an der alten Demarkationslinie (am 38. Breitengrad). [2]
So erklangen ab dem Jahr 1952 von Tag zu Tag immer stärker die Stimmen
von Hunderten Millionen von Menschen in der ganzen Welt, die sowohl eine
Einstellung der Aggression der USA forderten als auch gegen einen Einsatz
chemischer und bakteriologischer Waffen durch die US-Truppen protestierten.
Deshalb waren die USA am 27. Juli 1953 gezwungen, das Waffenstillstands-
abkommen in der militärischen Siedlung Panmunjeom an der Demarkations-
linie infolge der schlecht wiedergutzumachenden militärischen, politischen
und moralischen Niederlage, die ihr an der Koreafront beigebracht wurde,
zu unterzeichnen. Weitere Gründe waren die beharrlichen und geduldigen
Anstrengungen sowohl Koreas als auch Chinas für die Wiederherstellung
des Friedens auf der koreanischen Halbinsel und die öffentliche Meinung
sowie der Druck der der friedliebenden Völker. [1]
Literatur, Pyongyang 1978, die Seiten 338, 352, 405, 429 + 475.
DIE ZITADELLE VON SAARLAUTERN
AUTOR: Josef Theobald
Im Herbst 1944 wurde die Stadt Saarlautern (Saarlouis) von Hitler zur „Zitadelle
Saarlautern“ erklärt. Beim Näherrücken der Front wurde die Bevölkerung des
Stadtgebietes erneut evakuiert.
Zwischen Dezember 1944 und März 1945 gab es zahlreiche Gefechte zwischen
Deutschen und Amerikanern, bei der die Kontrolle der Stadt mehrfach wechselte.
Ein Artilleriebeschuss zerstörte große Teile der historischen Innenstadt, der Häu-
serkampf tat sein Übriges. Die Luftangriffe der Amerikaner trafen vor allem den
Stadtteil Fraulautern sowie Flächen in der Nähe der Bahnanlagen von Roden.
Denn im Bahnhofsbereich standen schwere Eisenbahngeschütze.
Die US-Panzer versuchten mehrmals den Ellbach zu überqueren. Trotz starker
Gegenwehr deutscher Streitkräfte war man den massiven Angriffen auf Seiten
der US-Amerikaner auf die Dauer nicht gewachsen.
Viele der Angehörigen der 95. Infanteriedivision der US-Army (genannt „Iron Men“)
konnten sich noch an die Details der Kämpfe und an die Orte des Geschehens er-
rinnern. Ihrem besonnenen Einsatz und einer spektakulären Aktion der Einheit ist
zu verdanken, dass trotz erbitterter Häuserkämpfe die für die Festung so wertvolle
Schleusenbrücke vor der Sprengung bewahrt wurde. Die Brücke nach Fraulautern
wurde damals von den deutschen Truppen gesprengt, die alte Saarbrücke von den
Amerikanern eingenommen, die damit auf dem rechten Saarufer einen Brückenkopf
bilden konnten. Viele ihrer Kameraden haben dafür in der Fremde ihr Leben lassen
müssen. Auf deutscher Seite kamen viele Soldaten aus Hessen und Unterfranken
(Bayern).
Im Zuge der Operation „Undertone“ (eine Operation der 7. US-Armee und der 1.
Französischen Armee vom 15. bis zum 24. März 1945) gewannen die Alliierten
endgültig die Oberhand. Zuvor hatte noch das Unternehmen „Nordwind“ vom 31.
Dezember 1944 bis 25. Januar 1945 im Elsass und in Lothringen die militärische
Lage um Saarlouis beeinflusst (es war die letzte Offensive deutscher Streitkräfte
an der Westfront; sie stand in Zusammenhängen mit der Ardennenoffensive).
Nach der endgültigen Eroberung durch die Amerikaner wurde das Saargebiet durch
Frankreich besetzt, das anfänglich auch eine Annexion anstrebte. Als eine der ersten
Amtshandlungen ordnete Regierungspräsident Hans Neureuter am 14. Juli 1945 die
Wiederherstellung des geschichtlich begründeten Namens „Saarlouis“ an, sodass die
Stadt „Saarlautern“ nun wieder den Namen Stadt „Saarlouis“ trug.
NACHTRAG
Die US-Amerikaner verfügten über eine moderne Kriegstechnologie, die sich z. B.
in der Entwicklung moderner Panzer und Flugzeuge widerspiegelte. Auch setzte
man in den ersten Kriegsjahren Phosphorbomben ein. Nach der Entwicklung der
Napalmbombe mit dem Hauptbestandteil Benzin, das mit Hilfe von Zusatzstoffen
geliert worden ist, wurde diese erstmals in der Entscheidungsschlacht um Berlin
eingesetzt. Im Krieg gegen Japan kam diese Waffe neben Flammenwerfern erst-
mals in der Schlacht von Iwojima, einer japanischen Vulkaninsel, die damals von
strategischer Bedeutung war, zum Einsatz. Später ist die Napalmbombe sowohl im
Koreakrieg als auch im Vietnamkrieg eingesetzt worden. Heute gehört die Napalm-
bombe zu den geächteten Waffen nach Artikel 23 der Haager Landkriegsordnung.
Schon im Jahre 1980 wurde durch das Protokoll III der Konvention der Vereinten
Nationen zur Ächtung unmenschlicher Waffen der Einsatz von Brandwaffen gegen
Zivilpersonen verboten.
DAS GEWERBE DER LEINENWEBER
AUTOR: Josef Theobald
Leinenweber verarbeiteten ursprünglich sowohl den gesponnenen Flachs
als auch Hanf zu Leinwand; seit etwa 1500 wurde Hanf hauptsächlich nur
noch für Haustuch, Sack- und Packleinwand, grobe Zeuge wie Segeltuch
und Seilwaren verwendet. Im Gegensatz zur Tuchmacherei (Wollweberei),
die sich doch meist als städtisches Handwerk etablierte, war dagegen die
Leinenweberei lange Zeit im ländlichen Raum als Heimgewerbe verbreitet
und wurde vielfach von hörigen Bauern und Tagelöhnern betrieben. Leinen-
weber war im Mittelalter ein hochgeschätztes Gewebe, aus dem nicht nur
Hemden und Bettzeug, sondern auch Kleider, Waffenröcke, Satteldecken,
Hutbezüge und Paniere verfertigt wurden. [1]
Das Gewerbe der Leinenweberei war ursprünglich ein Nebengewerbe der
Landwirtschaft. Doch mit der steigenden Mannigfaltigkeit und Kunstfertig-
keit der Produktion konnte das bisher betriebene Nebengewerbe nicht
mehr von denselben oder einzelnen Personen ausgeübt werden. So
sonderte sich das Handwerk vom Ackerbau. Mit der Spaltung der Pro-
duktion in zwei große Hauptzweige, Ackerbau und Handwerk, entsteht
die Produktion direkt für den Austausch, die Warenproduktion; mit ihr
der Handel, nicht nur im Innern und an den Stammesgrenzen, sondern
auch schon über See. [2]
Im 18. Jahrhundert nahm das Landhandwerk allgemein zu. Grund dafür
war in erster Linie die Notwendigkeit der Beschäftigung einer wachsen-
den Zahl von Menschen zwecks Bestreitung ihres Unterhalts durch den
Nebenerwerb oder den Übergang zu heimgewerblicher Produktion. Das
Einkommensniveau blieb aber nach wie vor gering. [3]
Die Voraussetzung für die Leineweberei ist der Flachsanbau. Hier bleibt
der größte Teil der Einkünfte entweder bei den Aufkäufern oder bei den
Verpächtern von Boden hängen. Die größeren Flachsaufkäufer richteten
Trockenräume und Pressen ein; sie dingten Arbeiter zum Sortieren und
Schwingen des Flachses. Dabei muss angeführt werden, dass die Bear-
beitung des Flachses besonders viel Arbeitskräfte erforderte. Dies führte
schließlich dazu, dass der Landwirt in der Winterzeit mehr beschäftigt war,
andererseits schaffte dies eine Nachfrage nach Lohnarbeit auf der Seite
der Gutsbesitzer und wohlhabenden Bauern, die Flachs anbauten. [4]
Typisch für den Vertrieb war hier das Verlagssystem. Dabei traten Kauf-
leute mit kleinen gewerblichen Produzenten in Verbindung. Somit blieb
die Produktion dezentral. Der Absatz der erzeugten Produkte sowie de-
ren Weiterverarbeitung ist zentral erfolgt. Zentral beschafft wurde auch
das Rohmaterial. Diese Entwicklung ergab sich aus der Notwendigkeit,
wachsende und entfernte Märkte zu versorgen.
Die Arbeitstechnik der Leineweberei wurde meist von den Eltern auf ihre
Kinder weitergegeben. Denn im Arbeitsprozess war Kinderarbeit Alltag.
Dadurch wurde eine Steigerung der Produktion erreicht. Diese Arbeits-
weise nennt man auch „proto-industrielle“ Familienwirtschaft, die in den
Zeiten schlechter Preise und geringen Absatzes gezwungenermaßen
und selbstverständlich zur Selbstausbeutung überging. Diese kleinen
gewerblichen Produzenten lebten in Häuslerhäusern auf bäuerlichem
Grund, zum Teil abgesetzt vom Dorf in eigenen Häusern (Hüttchen).
Wohnten sie in den Dörfern, gehörten sie allerdings nicht zur Dorf-
gemeinde. War die Produktion verlagsmäßig organisiert und wurden
vom Verleger Werkzeug und Rohstoffe gestellt, so näherte sich der
Status eines Heimarbeiters dem des lohnabhängigen Manufakturar-
beiters. In der Praxis ist es aber auch vorgekommen, dass ein ge-
werblicher Kleinproduzent doch zu bescheidenem Wohlstand und
zu der Stellung eines Zwischenmeisters im Verlagssystem gekom-
men ist. Zu einem Verleger selbst ist er oft kaum aufgestiegen.
In stadtfernen Gebieten, wo sich dieses Gewerbe verdichtete, hat
diese Bevölkerungsgruppe offensichtlich ein Eigenleben geführt.
Denn man heiratete vorwiegend untereinander und gründete je-
weils wieder eine Spinner- und Weberfamilie. [5]
Wie das Beispiel der oberösterreichischen Leinenindustrie zeigt, kon-
nte dieser Zweig an der inländischen Textilkonjunktur des späten 18.
Jahrhundert teilhaben, was durch die Freigabe der Leinenweberei auf
dem Lande 1755/73 begünstigt wurde. Der Aufschwung brach aber um
etwa 1800 auf einmal ab, wohl im Zusammenhang mit der plötzlich über-
mächtig gewordenen Konkurrenz der Baumwollindustrie, der die Leinen-
industrie wenig entgegenzusetzen hatte. Ebenfalls gingen während der
napoleonischen Zeit der Überseemarkt und das Westgeschäft zur Gänze
verloren. Leinen, einstmals das wichtigste nicht-landwirtschaftliche Export-
gut der Habsburgermonarchie, wurde im frühen 19. Jahrhundert fast nur
mehr für das Inland erzeugt, wenn es überhaupt auf den Markt kam. [6]
Schon Friedrich Engels wies in seinem Vorwort zur zweiten Auflage der
Schrift „Zur Wohnungsfrage“ darauf hin, dass die Leinenweberei zu der
Zeit, als sie für den Weltmarkt arbeitete, schon soweit durch die Steuern
und Feudallasten erdrückt wurde, dass sie den webenden Bauer nicht
über das sehr niedrige Niveau der übrigen Bauernschaft erhob. [7]
NACHTRAG
In Saarlouis-Roden haben wir eine Leineweberstraße zwischen der
Lindenstraße und der Ellbachstraße. So deutet heute alles darauf
hin, dass sich ursprünglich diese Straße in früheren Jahrhunderten
außerhalb der eigentlichen Besiedlung befand. Nach dem II. Welt-
krieg waren die hier befindlichen Häuser meist vollständig zerstört
und wurden schließlich in den Fünfziger Jahren im Stil der Wieder-
aufbaujahre neu errichtet. Das Haus mit der Nr. 7 hatte fast noch
den alten Stil der Häuslerhäuser. Nach einem erfolgten Umbau ist
der alte Baustil heute leider nur noch zu erahnen.
Verlag, Berlin-Ost 1966, Seite 287.
sche Geschichte 6), 2. ergänzte Auflage, Kleine Vandenhoeck-Rei-
he, Göttingen 1984, Seite 38.
Russland, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1956, Seiten 286/87.
Roman Sandgruber, Verlag Ueberreuter, Wien 1995, Seite 184.
Dietz Verlag, Berlin-Ost 1966, die Seite 521.
ST. BARBARAFEIER IM KARL-THIEL-HAUS
FEIERSTUNDE AM ST. BARBARATAG
FÖRDERVEREIN „DIE RODENER E. V.“ GEGRÜNDET
DIE TRADITION DES STROHSTUHLFLECHTENS IN RODEN
AUTOR: Josef Theobald
Erstmals berichtete der Heimatforscher Erich Hewer aus
Roden über das Handwerk des Strohstuhlflechtens, das
dort überwiegend in der Winterstraße, Neu- und Altstraße
und ebenfalls in der Mühlenstraße ausgeübt wurde. Dies
war vorwiegend die Arbeit von Frauen. Freitags wurden
die fertigen Stühle dann abgeliefert. Dies war auch der
Zahltag, an dem ein Mann mit einem Karren erschien,
um die Stühle mit einer fertig geflochtenen Sitzfläche
abzuholen.
Die fleißigen Strohstuhlflechterinnen erhielten als Roh-
produkt gebeizte Stühle, Die Lackierung erfolgte erst
nach dem fertigen Flechten der Sitze. Vor 1925 wurde
das Flechten der Stuhlsitze in Heimarbeit für die Stuhl-
fabrik in Fraulautern betrieben. Doch mit den auf einmal
in Mode kommenden Buchenholzstühlen mit den hoch-
gepressten glatten oder mit Ornamenten versehenen
Sitzen starb diese alte Tradition aus. Die Kundschaft
favorisierte plötzlich stabile Sitzflächen, auf die man
weiche Kissen legen konnte. [1]
Wie war aber dieser Produktionszweig organisiert?
Neben der selbständigen Handwerksarbeit, die sich
in der Manufakturproduktion weiter fortsetzte, gab
es schon erste Ansätze einer Steigerung durch die
maschinelle Industrie. Als Vorbild für eine parallele
Sonderform galt hier das Verlagssystem. wie in den
anderen Regionen Deutschlands (die Handels- und
Gewerbezentren Sachsens, des Rheinlandes oder
der Augsburger Gegend). Die Verleger selbst kamen
entweder aus den Reihen ehemaliger Kaufleute oder
waren Teil wohlhabender Kaufmannsfamilien mit der
Tradition im Groß- und Fernhandel. Nebenbei mischten
auch ehemalige Handwerker und manchmal auch die
Mitglieder der Beamtenbürokratie mit. Diese waren im
Vertrieb relativ homogener Güter, wie Tuche, Bänder,
Uhren, Nadeln, Messer usw. tätig. Für dieses Produk-
tionssystem typisch war hier das Fehlen des bei einem
Großbetrieb vorhandenen großen Fixkapitals. Jenes be-
schriebene System verwandelte allerdings selbständige
Handwerker in häufig scharf ausgebeutete Teilarbeiter.
Denn durch fortschreitende Teilung der Arbeit erhöhte
sich auch die Produktivität. Die Werkzeuge und eben-
so das nötige Arbeitsmaterial stellten die Verleger. Die
dabei eingesetzten Werkzeuge wurden infolge ständiger
Produktionskontrollen in den Häusern der Heimarbeiter
einer kontinuierlichen Verbesserung unterworfen. [2]
Die Heimarbeit oder die Hausindustrie sind Überreste des
Übergangs der bäuerlichen Wirtschaft zur Manufaktur. Vor
allem der Zeitraum zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert
brachte eine weite Verbreitung der ländlichen oder Proto-
Industrie. In dieser Epoche ist z. B. die Textilarbeit zu einer
zusätzlichen Einkommensquelle für bäuerliche Familien ge-
worden. Gewöhnlich lag die zentrale Werkstatt des Handels-
unternehmers in der Stadt oder nicht weit entfernt davon und
bildete dort die kommerzielle Basis des gesamten Heimarbeits-
systems, das weit über das Land verstreut war.
Oft gab es ein Interesse, eine ländliche Hausindustrie in den
Gebieten zu organisieren, wo die Landwirtschaft ärmlich war,
wie etwa in den Berggegenden (z. B. Eifel). Infolge der Erb-
teilungen besaß die ländliche Bevölkerung sehr wenig oder
gar kein Land und musste deshalb Möglichkeiten suchen,
ihr Einkommen aufzubessern oder sich dem Heimgewerbe
zuzuwenden. Ein anderer Faktor war die hohe Bevölkerungs-
dichte, somit die Zahl der Arbeitskräfte relativ groß war und
die Löhne entsprechend niedrig.
Der Niedergang der Arbeitsproduktivität und des landwirt-
schaftlichen Pro-Kopf-Einkommens war der Hauptgrund
für die Suche der bäuerlichen Familien nach alternativen
Tätigkeiten. Diese Formen ländlicher Hausindustrie waren
in einigen Gebieten weiter verbreitet als in anderen. Diese
Gebiete mit ländlichem Gewerbe waren in den folgenden
deutschen Regionen zu finden: im Rheinland, in Westfalen,
in Sachsen und in Schlesien sowie im Osten Polens und in
Russland. [3]
Im Russland des 19. Jahrhunderts gab es eine Produktion
von Holzlöffeln in Heimarbeit. So gab es Dörfer, die auf das
Abdrechseln oder auf das Lackieren der Löffel spezialisiert
waren. Bei diesen Produktionsverhältnissen konnte man nur
das unbedingt Notwendige verdienen. Durch die gegebenen
Arbeitsbedingungen war eine Trennung von Wohn- und Ar-
beitsraum fast unmöglich. So kam es in den Wohnungen zu
sanitären Missständen mit der Folge, dass nicht selten Berufs-
krankheiten auftraten. Weiterhin waren Formen von Kinderar-
beit ab dem 5. Lebensjahr zu beobachten. In der Arbeitspraxis
bediente man sich den Mittelspersonen, die zum Teil in einer
hierarchischen Stufe das zu bearbeitende Material en gros ü-
bernahmen und dann im Kleinen vergaben. [4] Auch im ost-
europäischen Russland war die Hausarbeit Anhängsel der
Fabrik. In der täglichen Arbeitspraxis bedeutete dies eine
stärkere Konzentration der Produktion und des Kapitals
sowie eine entwickeltere Arbeitsteilung und stellte folglich
dem Entwicklungsgrad nach eine wesentlich höhere Form
des Kapitalismus dar. [5]
Strohstühle, waren (2) Stühle, deren Sitz aus einem Rahmen
und darüber geflochtenem Stroh bestand. [Pierer's Universal-
Lexikon (1857-1865), Stichwort: Strohstühle, Bd. 16, S. 933]
Berufe, wie das Tischlerhandwerk, profitierten vor allem in der
Gründerzeit, und zwar in den Jahren nach dem Deutsch-Fran-
zösischen Krieg (1870/71), von der gegebenen Situation, dass
vor Ort keine überlegene Industriekonkurrenz vorhanden war.
Hinzu kamen das Bevölkerungswachstum und der Bauboom
in den betreffenden Jahren. [6]
Wir wissen heute allerdings, dass nur wenige ländliche Unter-
nehmer die eigentliche Industrialisierung finanzierten (diese
kamen meistens aus der Stadt); die Arbeitskräfte vom Land
gingen nur selten zur Arbeit in die Fabriken, das Heiratsalter
war in der Proto-Industrie nicht anders als in der traditionellen
landwirtschaftlichen Welt, und es fehlte hier außerdem eine
enge Verbindung zwischen der Proto-Industrie und dem Be-
völkerungswachstum. Es war aber nicht ungewöhnlich, dass
die Familien in Gebieten mit traditioneller Landwirtschaft doch
schneller wuchsen als dort, wo es lediglich eine Proto-Industrie
gab. [7]
In der Zeit der Massenarbeitslosigkeit nach dem I. Weltkrieg
verlagerte sich die Produktion von Strohstühlen nach Frank-
reich, Dort verwendete man zum Flechten das Peddigrohr,
eine Rohrart, die man aus Spanien importierte. Die Kosten
für die Beschaffung dieses Arbeitsmaterials wurden aber
vom Arbeitslohn der Strohstuhlflechter einbehalten. Da-
durch waren die Produktionsbedingungen in Frankreich
günstiger und das neu eingesetzte Peddigrohr entsprach
der damaligen Mode.
Marc Finkenberg, Herausgeber: Kreisstadt Saarlouis (1997),
Seiten 157 + 158.
Kleine Vandenhoeck-Reihe, Göttingen 1975, Seiten 20 – 22.
Jahrhundert), Böhlau Verlag, Wien 2010, Seiten 248, 281/2.
[4] W. I. Lenin, Werke, Band 3: Die Entwicklung des Kapitalismus
in Russland, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1956, Seiten 395, 408 +
452/3.
Seite 368.
[6] Österreichische Geschichte, ÖKONOMIE UND POLITK, Autor:
Roman Sandgruber, erschienen im Verlag Carl Ueberrreuter,
Wien 1995, Seite 256.
WEIHNACHTSFEIER BEIM MÄNNERCHOR
DIE HERKUNFT DER LOSUNG „VERTRAUEN AUF DIE EIGENE KRAFT“
AUTOR: Josef Theobald
In einem früheren Beitrag wurde mit Recht festgestellt, dass die in der Volks-
republik China ab den Sechziger Jahren verwendete Losung „Vertrauen auf
die eigene Kraft“ als Antwort auf die Folgen des Zerwürfnisses zwischen der
Sowjetunion und China von Nordkorea übernommen wurde.
Zuvor hatte J. W. Stalin im Verlauf der Zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts
diese Losung öfters verwendet, indem er auf den Glauben oder das Vertrauen
auf die eigene Kraft verwies. Hier finden sich in seinen Werken einige Beispiele.
In seinem Politischen Rechenschaftsbericht an den XVI. Parteitag äußerte sich
Stalin dahin, dass in der UdSSR der Glauben an die eigenen Kräfte und die Per-
spektive einer weiteren Verbesserung der Lage in der Praxis einhergingen.
Die Erklärung findet sich in seiner Rede zum 12. Jahrestag der Oktoberrevolution
mit dem Titel „Das Jahr des großen Umschwungs“. Damals sah sich die Sowjet-
union einer Finanzblockade ausgesetzt, so dass das Akkumulationsproblem nur
aus eigener Kraft gelöst werden konnte. Um den Aufbau einer Schwerindustrie
aus eigenen Mitteln finanzieren zu können, bedurfte es des Tributes, d. h. die
fehlenden Mittel wurden durch die Bauernschaft aufgebracht, indem diese zum
einen überhöhte Preise für Industriewaren zahlte und zum anderen weniger Geld
für die verkauften landwirtschaftlichen Erzeugnisse bekam. Nur dadurch konnte
ein schnelles Wachstum der Industrie gewährleistet werden. Dafür erhielt die
Bauernschaft die jetzt am dringendst benötigten Traktoren, landwirtschaftlichen
Maschinen und Kunstdünger. [1]
Wie in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland setzte die Sowjetunion
auf eine autarke Wirtschaft. Man wollte von anderen Machtblöcken unabhängig
sein. In Deutschland setzte man dabei auf niedrige Löhne. Außerdem gewährte
man der deutschen Wirtschaft einen großen Spielraum, was die Entscheidungs-
freiheit in unternehmerischen Dingen anging.
Profan gesprochen ist „Glauben“ zunächst auf ein ausdrücklich genanntes per-
sönliches oder sachliches Objekt bezogen, dessen besondere Eigenschaften
im Glaubenden ein Gefühl des Vertrauens hervorruft und damit ein Urteil be-
gründen kann. Das Vertrauen kann sich dann auf die Wahrhaftigkeit und Auf-
richtigkeit einer Person sowie zugleich auf die Wahrheit und Glaubwürdigkeit
ihrer Aussage richten. Aus dem Vertrauen wird dann auch ein Etwas- oder
Sich-Anvertrauen.
Die Unterscheidung zwischen der Aufrichtigkeit einer Person und der Glaub-
würdigkeit ihrer Aussage führt schließlich dazu, dass „Glauben“ zum Ausdruck
eines subjektiven Urteils wird, bei dem der Grad der Überzeugung unterschied-
lich sein kann. Eine Sache kann aus subjektiven Gründen mit dem Gefühl der
inneren Gewissheit für wahr gehalten werden, ohne dass die zum Wissen nö-
tige Erkenntnismöglichkeit vorliegt. „Glauben“ kann die feste Gewissheit be-
deuten, dass ein der Erfahrung nicht zugängliches Objekt tatsächlich existiert
oder – auf die Zukunft bezogen – dass ein bestimmtes Geschehen gewiss ein-
tritt. [2]
Typisch für die frühen Jahre der Sowjetunion war der Glaube an das politische
System und das Vertrauen der Sowjetbürger in die kommunistische Partei mit
ihren politischen Zielen.
Die Idee von dem „Vertrauen auf die eigene Kraft“ fand Anfang der Sechziger
Jahre Eingang in die offizielle Politik Albaniens, Nordkoreas und Chinas. Erste
Spuren finden sich in den nationalen Befreiungskämpfen während des II. Welt-
krieges. Nach dem Krieg fand es seinen Ausdruck in der Entschlossenheit und
revolutionären Bereitschaft der osteuropäischen Länder, den Sozialismus unter
allen Bedingungen und Umständen durch die Mobilisierung aller menschlichen,
materiellen und finanziellen Quellen aufzubauen. [3]
Dass die Losung „Vertrauen auf die eigene Kraft“ auf W. I. Lenin zurückgehen
soll, ist schlechthin nicht zu beweisen. In seinem literarischen Nachlass fehlt
hier jeder Hinweis. Denkbar wäre aber eher eine mündliche Überlieferung ein-
zelner Aussprüche, die keinen Eingang in die Werke Lenins gefunden haben.
279, 108 + 44.
„Glaube“ und „Glauben“.
FRASHERI“, Tirana 1971, die Seiten 542 + 708.
DER ZUSAMMENHANG VON POLITIK UND KRIEG
AUTOR: Josef Theobald
VORWORT
Mit dem Angriff Japans an der Brücke Lugouqiao (im Westen
als Marco-Polo-Brücke bezeichnet), südwestlich von Beijing,
am 7. Juli 1937 begann die umfassende Aggression Japans
gegen China und der dadurch ausgelöste Widerstandskrieg.
[1]
In der Guomindang hatten die Militärs einen gewaltigen Ein-
fluss. So waren 1933 von den 1,2 Millionen Mitgliedern der
Partei allein 785.000 Mitglieder, also 62 %, Angehörige der
Streitkräfte. Dies spiegelte sich in den Militärausgaben wie-
der, die bis 1937 am Gesamtbudget einen Anteil von 41 %
hatten. [2] Auch nach Gründung der Volksrepublik China
blieb der Einfluss der Volksbefreiungsarmee (VBA) nicht
unbedeutend. Nicht wenige im September 1955 ernannte
Marschälle hatten politischen Einfluss bis in die Siebziger
Jahre. [3]
Bei diesem Hintergrund sind folgende Ausführungen ent-
sprechend zu verstehen.
BEITRAG
Im broschierten 2. Band der Ausgewählten Werke Mao
Zedongs ist in der Fassung vom Oktober 1968 auf der
Seite 261 dieser Satz zu lesen: „Jeder Kommunist muss
diese Wahrheit begreifen: 'Die politische Macht kommt
aus den Gewehrläufen.'“ Diese Übersetzung entspricht
weitgehend der englischen Fassung, bei der es heißt:
„Every Communist must grasp the truth: 'Political Power
grows out of the barrel of gun.'“
Der englische Ausdruck „grow out of“ ist im Sinne von
„entstehen aus, erwachsen aus“ zu verstehen (Collins
Globalwörterbuch ENGLISCH, Band 1, Seite 557). Auch
verwendet der englische Text den Begriff „barrel of gun“
(gun barrel) nicht im Plural, wie die deutsche Fassung,
sondern im Singular.
Die alte deutsche Fassung, eine Übertragung aus dem
Russischen von Leon Nebenzahl aus dem Jahre 1956,
verwendet die Worte: „Jeder Kommunist muss sich die
Wahrheit einprägen, dass 'das Gewehr die Macht ge-
biert.'“ (Seite 280, Ausgewählte Schriften, Band 2)
Während der Kulturrevolution erschien in China auch
eine Taschenbuchausgabe mit rotem Plastikeinband
mit „sechs“ militärischen Schriften und einem Vorwort
von Lin Biao (1907-1971), der trotz seiner Funktion als
offizieller Nachfolger Maos in Ungnade fiel. Daher auch
der Hinweis auf die Seite 451.
Mit den Jahren ist die neue Fassung aber in aller Munde.
Schon Lenin stellte 1916 in seinem „Militärprogramm der
proletarischen Revolution“ fest: „Es wäre grundfalsch, zu
vergessen, dass jeder Krieg nur die Fortsetzung der Politik
mit andern Mitteln ist;…“ (Werke in zwei Bänden, Band I,
Seite 879) Bezogen auf den Krieg in China, hatte Mao ja
diesen Satz präzisiert. Dieser sei sowohl auf den Wider-
standskampf gegen die japanische Aggression als auch
auf den Bürgerkrieg in China anwendbar. Der Krieg ist
somit immer das letzte Mittel zur Durchsetzung beste-
hender politischer Ziele. In der Definition des Carl von
Clausewitz (1780-1831) hat dabei die Politik das allei-
nige Kommando.
NACHTRAG
Vor kurzem führte ich das berühmte Zitat an: „Jeder Kommunist
muss diese Wahrheit begreifen: 'Die politische Macht kommt aus
den Gewehrläufen.'“ Dabei verwies ich auf Carl von Clausewitz,
der den Satz prägte: „Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der
Politik mit andern Mitteln.“ Lenin entnahm diesen aus dessen
Werk „Vom Kriege“, Erstes Buch. Er wies aber darauf hin, dass
mit „andern Mitteln“ gewaltsame Mittel gemeint seien. Dabei sei
auf die Schrift mit dem Titel „Sozialismus und Krieg“ verwiesen,
die 1974 erstmals in China unter dem Titel „Lenin über Krieg
und Frieden – Drei Artikel“ in Deutsch veröffentlicht wurde.
Auf der Seite 12 ist obiger Satz abgedruckt mit dem Hinweis
auf seine ursprüngliche Quelle.
Außerdem stellt Lenin fest: „Die Marxisten haben diesen Satz
mit Recht stets als theoretische Grundlage ihrer Auffassungen
von der Bedeutung eines jeden konkreten Krieges betrachtet.“
Es gab aber in der Vergangenheit nicht wenige Stimmen, die
diesen Zusammenhang stets in Zweifel ziehen wollten. In der
Schrift „Über den langwierigen Krieg“ zitiert Mao obigen Satz
selbst. Dieser ist sowohl in der neuen Fassung vom Oktober
1968 als auch in der DDR-Fassung aus dem Jahre 1956 zu
finden. Letztere Fassung entspricht der russischen Ausgabe
Anfang der Fünfziger Jahre. [4]
Es wird hier erneut zu sagen sein, dass in den Siebziger
Jahren, laut offiziellem Verzeichnis aus dem Jahre 1972,
die einzelnen Schriften des vierbändigen Werkes Maos
auch in Einzelausgaben zu beziehen waren. Deshalb ist
um Verständnis dafür zu bitten, wenn hier und da einmal
auf diese zurückgegriffen wird.
Nach dem bewaffneten Aufstand in Nanchang, Provinz
Jiangxi, stießen im Januar 1929 Mao Zedong und Zhu
De (1886-1976) mit den von ihnen befehligten Truppen
zusammen und gründeten die revolutionären Stützpunkt-
gebiete Süd-Jiangxi und West-Fujian. Nach und nach ist
die Rote Armee auf 62.000 Mann, in 13 Korps unterteilt,
angewachsen. [5] Zhu war ein Absolvent der Militäraka-
demie von Yunnan in Kumming gewesen. Bereits mit 31
stand er im Generalsrang. Man darf mit Recht davon aus-
gehen, dass von dieser Seite ein wohl nicht unbedeuten-
der Einfluss auf das strategische und taktische Denken
Maos ausgeübt wurde. Außerdem war Zhu in den Zwan-
ziger Jahren in Berlin ansässig und hatte dort Umgang
mit Zhou Enlai (1898-1976). In Moskau war es ihm auf
Empfehlung Zhous möglich, an einer speziell für Asiaten
eingerichteten Hochschule die klassischen Werke des
Marxismus-Leninismus zu studieren, nachdem dieser
in die KP Chinas aufgenommen wurde. [6]
In den Jahren nach Maos Tod wurde stets die Meinung
vertreten, die Werke Maos seien als ein kollektives Werk
unter der Bezeichnung Mao-Zedong-Ideen zu verstehen,
an dessen Verwirklichung das gesamte ZK der Partei mit-
gewirkt habe. Man könne daher die von Mao geäußerten
und publizierten Gedanken nicht ihm allein zuordnen. [7]
Die genannte Schrift „Über den langwierigen Krieg“ ist eben-
falls im Band II der Ausgewählten Werke Maos von der Seite
127 an zu studieren.
Shifeng, Verlag für fremdsprachige Literatur in Beijing
(China) 2003, Seite 206.
der chinesischen Revolution (1911-1949), Richard Lo-
renz (Herausgeber), Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1977,
Seite 231/32.
im Verlag für fremdsprachige Literatur, Beijing (China)
1986, die Seiten 13 + 53.
für fremdsprachige Literatur, Beijing (China) 1969, Seite
274.
Matrix Verlag, Wiesbaden 2004, Seite 621.
Seite 28.
STÄNDE AUF DEM GROSSEN MARKT
DIE DEUTSCHEN FRÜHSOZIALISTEN
AUTOR: Josef Theobald
In Deutschland sind die englischen Frühsozialisten, wie Robert Owen
(1771-1858), weitgehend bekannter.
Auch In Deutschland gab es Frühsozialisten, wie Wilhelm Weitling, ein
uneheliches Kind einer Magd und eines französischen Offiziers. Dieser
lebte von 1808 bis 1871, aber vorwiegend im Exil. Als Damenschneider-
geselle ging er, wie damals üblich, auf Wanderschaft und mied Preußen,
da er eine Einberufung zum aktiven preußischen Heer fürchtete.
In Paris veröffentlichte er im Auftrag des „Bundes der Gerechten“ eine
Schrift mit dem Titel „Die Menschheit wie sie ist und wie sie sein sollte“
(1838). In ihr entwickelte er den Plan einer Gesellschaft, die auf dem
Nebeneinander einer streng gleichheitlichen Grundordnung mit allge-
meiner Arbeitspflicht und Gütergemeinschaft beruhte. [1]
Der „Bund der Gerechten“ war ursprünglich ein deutscher Ableger des
an babouvistischen Erinnerungen anknüpfenden französischen Arbei-
terkommunismus, der sich um die gleiche Zeit in Paris ausbildete. Hier
wurde die Gütergemeinschaft als notwendige Folgerung der Gleichheit
gefordert. Der Babouvismus war eine Richtung des utopischen Gleich-
heitskommunismus, die Ende des 18. Jahrhunderts von dem französi-
schen Revolutionär Gracchus (Francois Noel) Babeuf (1760-1797) und
seinen Anhängern begründet wurde.
Friedrich Engels schrieb im Oktober bis November 1843, dass Weitling
aus Magdeburg stammte. Dieser galt nach seiner Meinung als der Be-
gründer des deutschen Kommunismus. Nach einem längeren Aufent-
halt in Paris emigrierte er in die Schweiz, um dort in einem Schneider-
atelier in Genf zu arbeiten. Dort predigte er seinen Arbeitskollegen sein
Evangelium. Er bildete kommunistische Vereine in allen kleineren und
größeren Städten auf der schweizerischen Seite des Genfer Sees und
gewann die meisten Deutschen, die dort arbeiteten, für seine Ideen.
Nachdem er so den Kern seiner Bewegung in Genf und Umgebung ge-
schaffen hatte, ging er nach Zürich, wo einige seiner Freunde, genau
wie in anderen Städten der Nordschweiz, schon begonnen hatten, auf
die Arbeiter einzuwirken. Er begann nun, seine Partei in diesen Städten
zu organisieren. Unter der Bezeichnung „Gesangvereine“ wurden jene
Vereine zur Erörterung der sozialen Neugestaltung gebildet.
Wegen seiner politischen Aktivitäten geriet Weitling allerdings in die Kon-
frontation mit den Schweizer Behörden. Er wurde in Haft genommen und
seine Schriften nebst Unterlagen wurden beschlagnahmt. Eine gebildete
Kommission offenbarte, dass Weitling als Führer seiner Bewegung galt
und mit ähnlichen deutschen Vereinen in Paris und London in Kontakt
stand. Für die Schweizer Behörden galten diese Gesellschaften als ge-
fährlich und die vertretenen Lehren als utopisch. Die älteren Mitglieder
hatten durch ihre Wanderungen Kontakte nach Deutschland, Ungarn
und Italien.
Weitlings Bewegung konnte sich deshalb so rasch ausbreiten, da die
deutsche Sprache in Paris sehr verbreitet in seinem Geschäftszweig
war. So beherrschten die Schneider aus Norwegen, die in Paris an-
zutreffen waren, gut die deutsche Sprache, aber kein Französisch.
Von den Pariser Gemeinden bestanden 1847 zwei aus Schneidern
und eine aus Möbelschreinern. Nachdem Weitling aus der Schweiz
ausgewiesen wurde, ging er zunächst nach London. Hier wurde sein
Bund internationaler. In seinem Arbeiterverein fanden sich außer den
Deutschen und Schweizern auch Mitglieder aller jener Nationalitäten,
denen die deutsche Sprache vorwiegend als Verständigungsmittel mit
Ausländern diente, also namentlich Skandinavier, Holländer, Ungarn,
Tschechen, Südslaven, auch Russen und Elsässer.
Später nannte man sich in Kommunistischer Arbeiterbildungsverein
um. Hier reifte die Einsicht, dass jede Revolution, um siegreich zu
sein, europäisch sein müsse.
Die Mitglieder all dieser Vereinigungen waren ausschließlich Hand-
werker. Ihnen fehlten Persönlichkeiten, die Kenntnisse in Ökonomie
besaßen. Es ging den Mitgliedern hauptsächlich um die „Gleichheit“,
„Brüderlichkeit“ und „Gerechtigkeit“. [2]
In den späteren Jahren ging Weitling nach einem Zerwürfnis mit Marx
und Engels wie Owen in die USA. Dort gründete er eine Gewerbeaus-
tauschbank und eine kommunistische Siedlung. Als diese zusammen-
brachen, zog er sich gänzlich aus der Politik zurück.
Der Bezugspunkt der frühsozialistischen Lehren war überwiegend
noch eine landwirtschaftlich-handwerkliche Gesellschaft ohne die
spätere wesentlich hochentwickeltere Arbeitsteilung. Erst bei dem
Franzosen Etienne Cabet (1788-1856) und dem Deutschen Weitling,
also um etwa 1840, findet die Technisierung ihren Platz in der Ge-
sellschaftsordnung. [3]
hunderts, Akademie Verlag, Berlin 2002, Seite 441.
Arbeiterbewegung, Band 2: Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts,
Dietz Verlag, Berlin-Ost 1970, die Seiten 104, 105, 190, 192, 193
– 195 + 683.



































