WELTKINDERTAG 2019

Anlässlich des Weltkindertages fand im Kinder-, Jugend- und Fami-
lienhaus in der Lisdorfer Straße am 21. September 2019 das Seifen-
blasenfest statt. Daran hatte sich der RODENA Heimatkundeverein 

e. V. mit einem eigenen Stand beteiligt. Die Kinder durften bei uns
mit Bällen auf Dosen zielen. Als Preis gab es eine Urkunde und je
nach getroffenen Dosen ein Geschenk.
   

DIE ENTWICKLUNG EINER EIGENSTÄNDIGEN DIALEKTIK

AUTOR: Josef Theobald

VORWORT

Bis 1980 erschienen in China im Verlag für fremdsprachige
Literatur verschiedene Einzelwerke sowohl von Karl Marx
und Friedrich Engels als auch von Lenin und Stalin. Einen
Schwerpunkt bildeten die philosophischen Werke Lenins,
die als eine Ergänzung der philosophischen Schriften von
Mao Zedong gelten. In China sah man sich für viele Jahre
in der Tradition des Stalinismus. Aus diesem Grunde sind
auch die entsprechenden Werke als die Antwort auf die in
der Sowjetunion einsetzende revisionistische Entwicklung
zu verstehen. In den Jahren 1972 und 1976 nahmen auch
die philosophischen Spätwerke von F. Engels Eingang in
das Verlagsprogramm.

BEITRAG

Der dialektische Materialismus kennt in der Regel drei
Grundgesetze: die Umwandlung quantitativer Verände-
rungen in qualitative, Einheit und Kampf der Gegensätze
(Identität), Negation der Negation. Mao Zedong hat in den
Dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts in Yan’an seine
Vorarbeiten zu seiner Schrift „Über den Widerspruch“ be-
gonnen, die er in den Fünfziger Jahren abgeschlossen hat.
Besonderes Augenmerk verwandte er insbesondere bei der
Herausstellung von Gegensätzen. Dies sollte in den Folge-
jahren der Auslöser vieler Kampagnen und der Kulturrevo-
lution werden.

So schreibt er: „1. Im Entwicklungsprozess der Dinge setzt
jede der beiden Seiten des jeweiligen Widerspruchs die
Existenz des anderen, ihr entgegengesetzten Seite als
Bedingung ihrer eigenen Existenz voraus, wobei beide
Seiten in einer Einheit koexistieren. 2. Jede der beiden
entgegengesetzten Seiten verwandelt sich unter bestim-
mten Bedingungen in ihr Gegenteil. Eben das heißt Iden-
tität.“ (Ausgewählte Werke, Band I, Seite 396)

In seiner späteren Schrift „Über die richtige Behandlung
der Widersprüche im Volke“ wendet er seine Theorie auf
die sozialistische Gesellschaft seiner Zeit an, in einer Zeit,
als der Ungarnaufstand niedergeschlagen wurde und er den
aufkommenden Gulaschkommunismus verurteilte. So ist zu
lesen: „Viele Menschen geben nicht zu, dass es in der sozia-
listischen Gesellschaft noch Widersprüche gibt, was dazu
führt, dass sie angesichts der Widersprüche in der Gesell-
schaft ängstlich und passiv werden;…“ (Ausgewählte Werke,
Band V, Seite 444) Damals ging es vorrangig um die Behand-
lung der Intelligenz und um die Ausrichtung der Literatur und
Kunst, kurz um die Hundert-Blumen-Bewegung. Die zunächst
liberalere Einstellung wurde nach dem Ungarnaufstand erheblich
verschärft, nachdem entsprechende Strömungen auch in China
Fuß fassen sollten. So existieren zwei Fassungen seiner Schrift.

In der Wissenschaftstheorie ist das zweite Grundgesetz auch als
Dualität bekannt, wo inverse und komplementäre Elemente eine
Rolle spielen. Diese treten als Spiegelungen oder Symmetrien auf.
Der deutsche Philosoph Hegel hat sich als erster mit dieser Proble-
matik befasst, bis Lenin nach Vorarbeiten von Marx und Engels in
eigenständiger Arbeit diese Logik für seine materialistische Kritik
anwandte und hieraus einzelne Grundgesetze herleitete. [1] Der
Chinese Mao Zedong hatte allerdings nach seiner ostasiatischen
Sichtweise das dritte Grundgesetz, also das Bestehen einer Nega-
tion der Negation, für die sozialistische Gesellschaft verworfen. So
heißt es: „Die Einheit der Gegensätze ist das elementarste Gesetz,
das Umschlagen quantitativer in qualitative Veränderungen ist die
Einheit des Gegensatzes von Qualität und Quantität. Die Negation
der Negation gibt es überhaupt nicht.“ (Mao Zedong, Texte, Band
V, Seite 355). „Vielmehr besteht das Wesen dieser asiatischen Na-
turkräfte gerade darin, gar keine Tätigkeit zu äußern und keinen Zu-
stand zu fixieren; sie sind also auch eigentlich gar keine Kräfte, son-
dern nur bloße ruhende Namen für die auffallendsten Naturerschei-
nungen, welche sie nicht einmal erklären, geschweige sonst eine Tä-
tigkeit gegeneinander ausüben;…“ [2]

NACHTRAG

Die Spätschrift von F. Engels mit dem Titel „Dialektik der Natur“
wurde in der Sowjetunion erstmals 1925 herausgegeben. Denn
30 Jahre lange lag das Manuskript in den Archiven der deutschen
Sozialdemokratie verborgen. Lenin war diese Schrift bei der Aus-
arbeitung seiner philosophischen Werke nicht bekannt. Dennoch
ist offiziell die obige Schrift in den Kanon der bestehenden philo-
sophischen Werke des Marxismus-Leninismus eingereiht worden.
Die in den Sechziger Jahren herausgegebenen Versionen hatten
sich an der Sonderausgabe von 1935 (40. Todestag von Engels)
und an der russischen Ausgabe von 1941 orientiert.

Wie später Lenin definiert F. Engels unter dem Hintergrund des
dialektischen Materialismus drei Grundgesetze. Außerdem hatte
sich Engels eingehend mit der Identität und mit der Negation der
Negation beschäftigt, die er als Entwicklung in der Pflanzenwelt
auffasst. Hier der Hinweis auf „Anti-Dühring“. [3] An dieser Stelle
sehen wir vor allem europäische Vorstellungen von den einzelnen
Naturerscheinungen. Abweichend davon gab es traditionelle Vor-
stellungen im ostasiatischen Raum. In der Ära von Deng Xiaoping
wurde diese alte Sichtweise erneut betont, die insbesondere der
Identität, der Einheit und dem Kampf der Gegensätze, einen grö-
ßeren Platz einräumte. Hier stand man schon von Anbeginn in
Opposition zu Stalin, der den Dualismus ablehnte, aber ein ein-
heitliches und unteilbares gesellschaftliches Leben, ausgeprägt
in zwei verschiedenen Formen, der ideellen und der materiellen
Form, propagierte. [4]

ANMERKUNGEN
[1] W. I. Lenin, Werke, Band 38: Philosophische Hefte,
hier vor allem: „Konspekt zu Hegels 'Wissenschaft der
Logik'“, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1968. / W. I. Lenin,
"Materialismus und Empiriokritizismus", Bücherei des
Marxismus-Leninismus, Band 6, 7. Auflage, Dietz Verlag,
Berlin-Ost 1964.
[2] ZEITSCHRIFT FÜR DIE WISSENSCHAFT DES JUDENTUMS,
Redakteur: L. Zunz, 3. Heft, Berlin 1823, Nachdruck
bei Olms Verlag, Hildesheim – New York 1976, Seiten
408 + 409.
[3] Marx – Engels, Werke, Band 20, Dietz Verlag, Berlin-
Ost 1975, die Seiten XXII, 650, 348, 483, 490 + 131.
[4] J. W. Stalin, Werke, Band 1, Dietz Verlag, Berlin-Ost
1950, die Seiten 333/34.

ERGÄNZUNG

Im Deutsch-Chinesischen Handwörterbuch, das 1979 in der Volks-
republik China erschienen ist, heißt es auf der Seite 269: „das Ge-
setz von der Einheit der Gegensätze ist das grundlegende Gesetz
des Universums“.

DIE VIELFALT DES EHRENAMTES

BEGRIFF DES EHRENAMTES

Im Allgemeinen wird unter Ehrenamt jedes altruistische (selbstlose)
Handeln verstanden, bei dem eine Einzelperson oder eine Gruppe frei-
willig und unentgeltlich Arbeit leistet. Ehrenamtliches Engagement
hilft sowohl den Nutznießern als auch den Helfern. Es beginnt dort,
wo die öffentliche Daseinsvorsorge endet. In der Praxis ergänzen sie
sich also beide.

Die ehrenamtliche Tätigkeit kann regelmäßig oder auch sporadisch
erfolgen, wie z. B. im Katastrophenschutz. Mit dem Begriff der Frei-
willigenarbeit (englisch: „volunteering“) werden auch die Dienste im
Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), im Freiwilligen Ökologischen Jahr
(FÖJ) oder im Bundesfreiwilligendienst (BFD) beschrieben. Mit einer
ehrenamtlichen Tätigkeit ist ggf. auch eine Aufwandsentschädigung
verbunden.

BEISPIELE FÜR EHRENÄMTER

– Tätigkeit im Gemeinderat teilweise mit dem Titel „Bürgermeister“,
in kleinen Gemeinden teilweise auch der tatsächliche Bürgermeister,
– Schöffen, Handelsrichter und andere ehrenamtliche Richter, Laien-
richter,
– Schiedsleute,
– gerichtlich bestellte Betreuer,
– Tätigkeit als Diakon im Zweitberuf (teilweise auch nebenberuflich),
Kirchenpfleger, Mitglied der Kirchenverwaltung oder des Pfarrgemein-
derates, Erstkommunions- und Firmkatechet,
– Wahlkonsulin,
– Teilnehmer an Freiwilligendiensten,
– Helfer bei allgemeinen Wahlen und Volkszählungen,
– im Krankenhaus tätige Patientenfürsprecher,
– Mitglieder von Betriebs- und Personalräten, von Mitarbeiterver-
vertretungen und von Jugend- und Ausbildungsvertretungen,
– Mitglieder im Jugendhilfeausschuss oder im Anstaltsbeirat,
– aktive Mitgliedschaft und besondere Führungsaufgaben bei der
Freiwilligen Feuerwehr,
– THW-Helfer und Angehörige des freiwilligen Polizeidienstes,
– beordeter Reservist,
– Delegierte, Vertreter und Referenten der berufsständischen Körper-
schaften.

SOZIALE ABSICHERUNG

Der Gesetzgeber hat darüber hinaus diejenigen Ehrenamtlichen ge-
setzlich pflichtversichert, die für bestimmte öffentlich-recht-
liche Institutionen oder im Interesse der Allgemeinheit tätig
werden.

Für die Versicherung von ehrenamtlich Tätigen gilt, dass durch
Vereins- bzw. Betriebshaftpflichtversicherungen die Schäden er-
satzfähig sind, die auf fahrlässigem Fehlverhalten eines Organs
(Hauptamtliche, Freiwillige) beruhen oder durch einen Dritten
entstanden sind. Nicht versichert sind die durch vorsätzliches
Handeln entstandenen Schäden.

STEUERLICHE FÖRDERUNG

Ehrenamtlich Tätige können eine Aufwandsentschädigung erhalten.
Diese sind im Rahmen bestimmter Grenzen steuerfrei.

Übungsleiterpauschale

Ist jemand nebenberuflich als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher
oder Betreuer tätig, dann sind seine nebenberuflichen Einnahmen
jährlich bis 2.400,– Euro steuerfrei.

Ehrenamtspauschale

Ist jemand in einem Verein in der Funktion als Vorsitzender, als
Schiedsrichter, als Platz- oder Gerätewart oder in der Ausbildung
und Betreuung von Tieren tätig, steht ihm eine Aufwandsentschädigung
in Höhe bis 720,– Euro jährlich zu.

VERGÜNSTIGUNGEN

Ehrenamtlich Tätige können bei den Landkreisen oder beim Regional-
verband Saarbrücken eine Ehrenamtskarte beantragen. Mit der Ehren-
amtskarte erhalten diese attraktive Vergünstigungen bei zahlreichen
öffentlichen und privaten Einrichtungen.

EINSATZGEBIETE

– in kirchlichen Organisationen und Pfarrgemeinden,
– in der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, in der
Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft, in der Wasserwacht, im Arbeiter-
Samariter-Bund, beim Roten Kreuz, in der Johanniter-Unfall-Hilfe, im
Malteser Hilfsdienst und in vergleichbaren Hilfsorganisationen,
– in der Sozialarbeit (z. B. in der offenen Jugendsozialarbeit), bei
Behördenlotsen,
– in der Sterbebegleitung als Hospizhelfer,
– in der Telefonseelsorge und Internetseelsorge,
– bei Besuchsdiensten für benachteiligte, sich in Krisen befindliche
oder eingeschränkte Menschen,
– in der Jugendarbeit bei Jugendverbänden, z. B. beim Deutschen Kinder-
schutzbund,
– als Aktivpate (Kinder-, Lern-, Familien- oder Jobpate),
– als Schülerlotse,
– als Amtsträger oder Vorstand- und Beiratsmitglieder in einem Verein.

RICHTIGE IDEEN ODER RICHTIGES DENKEN

AUTOR: Josef Theobald

VORWORT

Heute geht es um das Gesamtwerk von Mao Zedong (1893-1976)
und seiner Zeit. Habe stets darauf hingewiesen, dass man seine
Person differenziert betrachten muss. Als maßgeblicher Politiker
ist er zwar für Menschenopfer in den verschiedenen Zeitperioden
verantwortlich. Es muss aber auch hier sein Wirken als klassischer
chinesischer Gelehrter anerkannt werden. Viele seiner zahlreichen
Schriften hatten Mitautoren, so dass wir deshalb an einigen Stellen
von einem kollektiven Werk sprechen müssen.

In China gibt es das Sprichwort: „Selbst nach seinem Tod wird der
Tausendfüßler nicht steif.“ Dies bedeutet, dass der Einfluss einer
mächtigen Person über sein Grab hinausreicht. [1] Dies wird im
Westen oft vergessen. Im Osten Asiens gehen die Uhren eben
anders.

BEITRAG

Am 20. 05. 1963 wurde die Schrift Mao Zedongs mit dem Titel
„Woher kommen die richtigen Ideen der Menschen?“ erstmals
veröffentlicht. Diese spielte während der Großen Proletarischen
Kulturrevolution keine unwesentliche Rolle. Die „Worte des Vor-
sitzenden Mao Tsetung“ (ab 1968 erschienen) nehmen hierauf
ausführlich Bezug.

Im Jahre 1950 erschienen in der Sowjetunion die ausgewählten
philosophischen Schriften von W. G. Belinski. In den enthaltenen
Rezensionen heißt es auf der Seite 337: „Wo es keine Idee gibt,
gibt es auch keine Wissenschaft! Kenntnis der Tatsachen ist nur
deshalb wertvoll, weil in den Tatsachen Ideen verborgen liegen;
Tatsachen ohne Ideen sind für Kopf und Gedächtnis wie Müll.
Der Blick des Naturforschers, der die Naturerscheinungen be-
obachtet, entdeckt in ihrer Mannigfaltigkeit allgemeine, unver-
änderliche Gesetze, d. h. Ideen. Da er sich von der Idee leiten
lässt, sieht er in der Klassifizierung der Naturerscheinungen
kein künstliches Hilfsmittel für das Gedächtnis, sondern die
Allmählichkeit der Entwicklung von niederen zu höheren Gat-
tungen, er sieht also Bewegung, Leben.“ Weiter heißt es auf
der Seite 337: „Alles Vernünftige hat seinen Ausgangspunkt
und sein Ziel: die Bewegung ist die Äußerung des Lebens,
das Ziel ist der Sinn des Lebens. Im unmittelbaren Leben
der Menschheit beobachten wir ein Streben nach vernünf-
tigem Bewusstsein, ein Streben, das Unmittelbare zugleich
auch bewusst zu machen, denn die Vernunft kommt da zum
vollen Triumpf, wo das Unmittelbare und das bewusste Da-
sein harmonisch miteinander verschmelzen.“ Diese frühere
Gedankenwelt prägte auch Mao Zedong. „Leben ist nur in
Bewegung möglich; Ruhe ist Tod.“ (Seite 347)

Schon im Jahre 1965 erschien die Schrift „Woher kommt das
richtige Denken der Menschen?“ als die erste deutsche Über-
setzung. Doch der Einfluss von Alfred Kurella (1895-1975), der
obiges Werk ins Deutsche übersetzte, war in den Jahren nach
1963, also mit Beginn der einsetzenden Erziehungsbewegung,
außergewöhnlich groß. Der aus Oberschlesien stammende An-
hänger Stalins galt in der früheren DDR als einer der führenden
Schriftsteller und Kulturfunktionäre. Daher ist durchaus denkbar,
dass zumindest sein Umfeld bis in die heiße Phase der Kulturre-
volution in China anwesend war. Wie schon in früheren Beiträgen
angesprochen, wurden seit Beginn der Erziehungsbewegung die
Geschichte der chinesischen Revolution und der „lange Marsch“
glorifiziert. Durch die ideologischen Auseinandersetzungen mit
der KPdSU sah man sich genötigt, in der Öffentlichkeit sich als
die einzig wahre kommunistische Bewegung zu zeigen, die eine
große kommunistische Tradition und den entsprechenden Rück-
halt in der Bevölkerung hatte. Dabei war wenig von Belang, ob
die historischen Schilderungen auch der Wahrheit entsprachen.

In den Siebziger Jahren gab es durch die moderne Informations-
technologie neue wissenschaftliche Horizonte. Immer mehr Leute
befassten sich mit der Kybernetik. Sozialistische Länder, wie die
Sowjetunion, sahen hier ein willkommenes, aber auch ein großes
Hilfsmittel für die staatliche Planung und Lenkung der Wirtschaft.
In der Broschüre „UdSSR – Wissenschaft“ heißt es auf Seite 33:
„Errungenschaften in der Entwicklung der Kybernetik, der Nach-
richtenmittel, der Informationstechnik ermöglichen es, im zehnten
Fünfjahresplan (1976-1980) die Aufgabe der Schaffung eines ge-
samtstaatlichen Systems der Informationserfassung und Informa-
tionsverarbeitung in der Praxis zu lösen.“ (Verlag der Presseagen-
tur NOWOSTI, Moskau -UdSSR- 1977) Auch in der Volksrepublik
China kamen im militärischen Bereich numerisch-kontrollierte und
Präzisionsmaschinen zum Einsatz. Daher spielten diese Maschinen
bei der Modernisierung der Wirtschaft Chinas keine unbedeutende
Rolle. [2] Hier gab es auch Forschungsschwerpunkte in den Berei-
chen der Informationslehre und in der mathematischen Theorie der
Computerwissenschaft. [3]

Aus diesem Grunde erschienen im Jahre 1965 schließlich zwei unter-
schiedliche Fassungen, die eine im Volksverlag (A) und die andere
im Jugendverlag (B). Von der Art der Übersetzung überzeugender
gilt die Fassung mit dem Titel „Woher kommt das richtige Denken
der Menschen?“. Nur die „philosophischen Monographien“ behielten
die in der Kulturrevolution favorisierte Fassung bei.

Der Hintergrund der Schrift „Woher kommen die richtigen Ideen der
Menschen?“ liegt in der Auseinandersetzung Maos mit Liu Shaoqi.
Ihm ging es hier um eine Kritik an dessen angeblichen bürgerlich-
idealistischen und metaphysischen Auffassungen. Liu kontrollierte
nach Ausbruch der Kulturrevolution während seiner Amtszeit als
Vorsitzender des Staates noch vereinzelte Sparten der Literatur
und Kunst. [4]

Beschäftigt man sich mit der chinesischen Sprache, so fällt das
Wort „sixiang“ ein. Als Substantiv hat es in erster Linie die Be-
deutung von „Sinn, Denken“ und in zweiter Linie von „Gedanke,
Idee“. [5]

Im Vergleich dazu liegt mir eine Arbeit aus der früheren DDR vor,
in der es dementsprechend heißt: „Denken ist ein Bewusstseins-
prozess, der Gedanke ist das Resultat eines solchen Prozesses.
In der Sprache der Informationstheorie übersetzt heißt das: Ge-
danken sind Informationen (Informationen einer besonderen Art!),
Denken selbst aber ist ein Prozess der Aufnahme, Umwandlung
und Speicherung von Informationen.“ [6]

Im Jahre 1982 erschien im Carl Hanser Verlag (München-Wien)
das mehrbändige Werk von Professor Helmut Martin (Ruhr-Uni-
versität Bochum) mit dem Titel „Mao Zedong – Texte“. Im Band
V auf der Seite 160 findet man nun die ursprüngliche Fassung
von 1965 mit dem Titel „Woher kommt das richtige Denken der
Menschen?“. Heutige Sinologen greifen deshalb auf diese Aus-
gabe zurück. Doch existieren im deutschsprachigen Raum noch
Kreise, die an der alternativen Übersetzung aus dem Jahre 1965
und später festhalten möchten, weil sie dem damaligen Zeitgeist
entsprach.

Doch ist aus erkenntnistheoretischer und philologischer Sicht der
letzten Übersetzung Vorrang zu geben.

Am 5. April 1976, also im letzten Jahr der Kulturrevolution, kam es
auf dem Pekinger Tiananmen-Platz zu einer Demonstration gegen
die damalige Viererbande. Die meisten Teilnehmer waren Jugend-
liche und gehörten der Gruppe der Rotgardisten an. Sie sprachen
sich für ein selbständiges Denken aus. Sie sahen ein, dass sie die
verlorene Studienzeit wieder wettmachen mussten. Deshalb waren
sie sehr lernbegierig. [7] Sie unterstützten hier Deng Xiaoping, der
zu Lebzeiten von Liu Shaoqi zu dessen engem Führungsstab zähl-
te. Liu bemängelte ebenfalls die Rückständigkeit der Massen.

ANMERKUNGEN
[1] CHINESISCH-DEUTSCHES LEXIKON DER SPRICHWÖRT-
LICHEN REDENSARTEN, Beijing (China) 1981, Seite 7.
[2] Ma Hong, Neue Strategie für Chinas Wirtschaft,
Verlag für fremdsprachige Literatur, Beijing (China)
1985, Seite 55.
[3] China-Buchreihe, BILDUNG UND WISSENSCHAFT, Verlag
für fremdsprachige Literatur, Beijing (China) 1985,
Seite 145.
[4] DOKUMENTE DES IX. PARTEITAGS DER KOMMUNISTI-
SCHEN PARTEI CHINAS, Verlag für fremdsprachige
Literatur, Beijing (China) 1969, Seite 34.
[5] Chinesisch-deutsches Universalwörterbuch,
Herausgeber: W. Fuchsenberger, Vierter Nach-
druck, Verlag für fremdsprachige Literatur,
Beijing (China) 2012, Seite 989.
[6] Georg Klaus, Kybernetik und Erkenntnistheorie,
5. unveränderte Auflage, Berlin-Ost 1972, Seite 206.
[7] China heute – Vom Jugendlichen zum Pensionären,
Herausgeber: Beijing Rundschau, Beijing (China) 1983,
Seite 41.

SCHLUSSWORT

„Die Erfahrung hat bewiesen, dass in einigen sehr wesentlichen
Fragen der proletarischen Revolution alle Länder unvermeidlich
dasselbe werden durchmachen müssen, was Russland durch-
gemacht hat.“ (W. I. Lenin, Werke, Band 31, Seite 15)