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ENERGIESPARMESSE 2016
DIE ERWEITERTE POLYTECHNISCHE OBERSCHULE DER DDR
AUTOR: Josef Theobald
DIE SITUATION IN DER DDR
Das einheitliche sozialistische Bildungssystem der DDR orientierte sich in
erster Linie an den wirtschaftlichen sowie politischen Notwendigkeiten des
sozialistischen Staates. In zweiter Linie nahm es Rücksicht auf die individu-
ellen Interessen, Neigungen und Begabungen.
Eingebunden war die Berufsausbildung in die zehnklassige allgemeinbildende
polytechnische Oberschule, die im Anschluss absolviert werden konnte. Beim
Besuch der Oberstufe konnte gleichzeitig eine Berufsausbildung durchlaufen
werden, die mit der allgemeinen Hochschulreife verbunden war. Ab 1984 ist
die Dauer der Oberstufenbildung auf zwei Jahre begrenzt worden.
Allerdings sind die Anteile von Betrieb und Berufsschule mit unserem System
nicht vergleichbar. Hier überwiegt hauptsächlich die Verschulung.
Die Berufsausbildung übernahmen Lehrfacharbeiter und Lehrmeister. Nach vor-
liegenden Erkenntnissen wurde hier mehr Wert auf die persönliche Eignung des
Ausbilders gelegt als bei uns. Die Lernaufträge wurden in Form von Hausarbeiten
realisiert. Der polytechnische Vorbau der Klassen 7 – 10 in den Oberschulen war
geprägt von einer intensiven berufsvorbereitenden Grundausbildung in mathema-
tischen, naturwissenschaftlichen und technischen Problembereichen sowie durch
die Einführung in die Grundlagen des sozialistischen Wirtschaftssystems. [1]
Die Grundlage des Bildungssystems in der DDR lag also in den polytechnischen
Vorgaben und nicht, wie im Westen Deutschlands, in einer grundlegenden Allge-
meinbildung verbunden mit einer Verwissenschaftlichung mit dem Ziel eines an-
schließenden Studiums an einer Universität oder anderen Hochschule.
In letzter Zeit gibt es in Deutschland erneut Bestrebungen, mit dem G9 wieder
die Verhältnisse zu schaffen, die vor der G8-Reform bestanden haben. Nach
1990, dem Jahr der Wiedervereinigung, glaubten plötzlich die Bildungspolitiker
in Deutschland, das Abitur nach 12 Jahren, wie es in der alten DDR bestanden
hat, einfach auf Westdeutschland übertragen zu können. Die bisherige Praxis
zeigte allerdings, dass einige Schüler und Schülerinnen in der Regel danach
nicht automatisch reif für eine Berufsausbildung oder ein Studium sind. Des-
halb gibt es wieder die Forderung nach einer Rückkehr zu G9.
DIE THEORETISCHEN GRUNDLAGEN
Die Grundlagen für die polytechnische Schulbildung finden sich im zaristischen
Russland. Im Umfeld der russischen Volkstümler, etwa vergleichbar mit unseren
Sozialdemokraten, hatte ein Herr Jushakow, ständiger Mitarbeiter des „Russkoje
Bogatstwo“, einen ersten Plan zu einer allgemeinen obligatorischen Mittelschul-
bildung vorgelegt. Bei den von ihm favorisierten Gymnasialformen stellte er sich
produktive Vereinigungen vor, die den agrarischen und den moralischen Betrieb
miteinander verbanden. Der damalige Hintergrund war der, dass sich die Schüler
selbst den Unterhalt für diese Einrichtungen, vor allem in den Sommermonaten,
verdienten. Deshalb wurde auch hier von einer zehnklassigen Gymnasialfarm
gesprochen.
Nach der Oktoberrevolution in Russland findet sich unter Punkt 9 des Entwurfs
des Programms der KPR (B) erstmals die Forderung nach einer Verwirklichung
der unentgeltlichen und obligatorischen allgemeinen und polytechnischen Bildung
für alle Kinder beiderlei Geschlechts bis zum 16. Lebensjahr, die eine Verbindung
zwischen Unterricht und gesellschaftlich produktiver Arbeit der Kinder herstellt.
Im Jahre 1920 gab W. I. Lenin erstmals einen Überblick, wie der polytechnische
Unterricht aussehen soll. Wegen der äußerst schwierigen Lage der jungen Sow-
jetunion sah er die Notwendigkeit einer Verschmelzung des polytechnischen Un-
terrichts mit den technischen Berufsschulen. Hier seien jedoch die allgemeinbil-
denden Fächer auszubauen mit Kenntnissen der allgemeinen Geschichte, der
Geschichte der Revolutionen, der Oktoberrevolution, der Geografie usw. Zum
entsprechenden Unterricht gehöre der Besuch eines Elektrizitätswerkes mit ei-
ner Reihe von Vorlesungen mit einschlägigen Experimenten in diesem Werk,
verbunden mit einer Reihe praktischer Arbeiten. In den Schulen sollten außer-
dem kleine Museen mit Modellen von Dampfschiffen und Eisenbahnzügen ein-
gerichtet werden. Für einen Kommunisten notwendig hält er das Grundwissen
über Elektrizität, über die Anwendung der Elektrizität im Maschinenbau und in
der chemischen Industrie.
In seiner Schrift „Die Aufgaben der Jugendverbände“ setzte er sich allerdings
für eine Straffung des Fächerangebots an den Schulen ein. In Ablehnung der
alten Schule sah er doch die Notwendigkeit menschlicher Kenntnisse, die aber
vom Standpunkt der modernen Bildung unerlässlich seien.
Im Jahre 1921 wurden erstmals konkrete Altersangaben genannt. So wurde von
einer polytechnischen Bildung bis zum 17. Lebensjahr gesprochen mit dem An-
schluss einer breiten Entwicklung der beruflichen Ausbildung vom 17. Lebens-
jahr an im Zusammenhang mit den allgemeinen polytechnischen Kenntnissen.
[2]
DIE REZEPTION IN DEN ANDEREN SOZIALISTISCHEN LÄNDERN
Die polytechnische Bildung ist nach dem II. Weltkrieg in Osteuropa und -asien
weitgehend übernommen worden und wurde lediglich den spezifischen Eigen-
heiten der jeweiligen Länder angepasst.
Nach 1956 kam es aber im Zusammenhang mit der Entstalinisierung zu einer
kritischen Auseinandersetzung mit dem Sowjetsystem. Zwar wurde z. B. in der
Volksrepublik Albanien eingeräumt, dass die Sowjetschule eine wertvolle Hilfe
für die albanische Volksbildung gewesen war. Doch stellte sich später heraus,
dass sie aber auch viele Züge der bürgerlichen Pädagogik bewahrt hat, infolge-
dessen auch ihre schlechten Seiten. [3]
-methoden unter den damaligen historischen Bedingungen doch ihre durchaus
positive Seite gehabt, zugleich allerdings auch ihre negative, z. B. durch schiere
Nachahmung ohne Beziehung zur chinesischen Wirklichkeit, Trennung der Natur-
wissenschaften vom Ingenieurwesen, zu kleine und starre Aufteilung von Fach-
richtungen und Streichung des Englischen im Lehrplan. [4]
ANMERKUNGEN
Verlag Girardet, Essen 1982, die Seiten 51 – 55.
Berlin-Ost 1961, Seiten 13, 14, 16, 282, 326 – 328, 351/52 + 358.
Tirana (Albanien) 1971, Seite 687.
chige Literatur, Beijing (China) 1985, die Seiten 16 + 17.
HERBSTKONZERT DES MUSIKVEREINS HARMONIE
DIE INTEGRATION AUSLÄNDISCHER FRAUEN IN DEUTSCHLAND
AUTOR: Josef Theobald
Die beste Integration von Frauen vollzieht sich durch den Beruf. Mehrfach
wurde auf das Beispiel während der Neuen Ökonomischen Politik (NÖP)
in der Sowjetunion hingewiesen. Hierzu gibt es keine Alternative. Gerade
die derzeitige Diskussion in Deutschland konnte keine echte Alternative
an den Tag bringen.
Die bestmögliche Integration ist möglich bei Frauen mit einem christlichen
Hintergrund. Warum? Die Antwort liegt in den gleichen Werten, die uns im
Christentum verbinden. In Deutschland wird dies meist missverstanden, als
ob man bei anderen Religionsgemeinschaften keine Integrationschance sähe.
Nach der Machtergreifung der Kommunisten in Bulgarien wurde festgestellt,
dass es gerade bei bulgarischen Frauen mit einem islamischen Hintergrund
eine geistige Finsternis und ein kulturelles Elend gab. Die Schuld hierfür lag
nicht bei ihnen, sondern im Erbe ihrer Vergangenheit. [1]
Zur Zeit der Bauernbewegung in Hunan zeigte sich ein ähnliches Problem.
Aufgrund des feudal-patriarchalischen Gesellschaftssystems existierten in
China vier Gewalten: die politische Gewalt, die Sippengewalt, die religiöse
Gewalt und die Gattengewalt. Besonders die Frauen waren Opfer dieses
Gewaltsystems. [2] Deshalb gab es in den Folgejahren in China gewaltige
Anstrengungen, etwas an dieser Lage zu ändern.
Unsere Gesellschaft sollte sich gerade den Frauen mit einem islamischen
Hintergrund annehmen. Man sollte durch eine Aufklärungsbewegung den
Frauen beibringen, dass sie Grundrechte haben und sich von den Fesseln
des unterdrückenden Systems befreien können. Es sollte hier ein Normal-
fall werden, wenn Frauen aus dem Familienverband ausbrechen und den
eigenen Weg gehen. In Deutschland sollten wir derartige Wünsche unter-
stützen. Auch sollte es kein Tabu sein, wenn alle Formen von Gattenge-
walt bekämpft werden. Männern, die sich in Deutschland als Pascha auf-
führen, sollte ein Wahlrecht gegeben werden, entweder passen sie sich
unseren deutschen Verhältnissen an oder sie kehren unserem Land den
Rücken. Dies ist vielleicht etwas provokant. Aber aus langer Sicht wird es
hier keine andere Lösung geben können. Dies schließt auch Personen ein,
die in Deutschland eine Kinderehe befürworten.
Bei dem heute heiß diskutierten Thema „Verschleierung“ sollte man ähnlich
vorgehen, auch wenn Frauen dabei Probleme haben. Denn nicht selten ist
das Gefühl da, man wolle ihnen eine gewisse Kleidervorschrift aufzwingen.
Verlag, Berlin-Ost 1958, Seite 493.
Literatur, Beijing (China) 1968, Seiten 45 + 46.
AM RANDE DES SOMMERKONZERTES
DAS PROBLEM DER KRIEGSOPFER NACH DEM LETZTEN KRIEG
AUTOR: Josef Theobald
Nach dem Potsdamer Abkommen vom 2. August 1945 war sicherzustellen,
dass die NSDAP mit all ihren angeschlossenen Gliederungen zu vernichten
ist. Auch war dafür zu sorgen, dass in Zukunft derartige Parteiorganisationen
in keiner Form wieder auferstehen können (III. Deutschland, A, III).
Dem zur Folge ließen die vom Alliierten Kontrollrat erlassenen Gesetze keinen
Spielraum für die Schaffung einer funktionierenden Versorgungsverwaltung. Im
anderen Fall konnten nun keine Organisationen gegründet werden, die das Wort
„Kriegs“-beschädigte im Namen führten. Ein Zusammenschluss war nur als ein
Verband möglich, der unter der Sammelbezeichnung „Körperbehinderte“ auftrat.
So konnten nur durch ein Zusammengehen mit den Zivilbeschädigten die Kriegs-
opfer zu einer Organisation gelangen.
Schon im November 1946 konnte in der britischen Zone der „Reichsbund der
Kriegs- und Zivilbeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen“ in Hamburg
gegründet werden, der damals die vielen zerstreuten Gruppen zu einer einheit-
lichen Organisation zusammenfasste.
Im Süden Deutschlands wurde im November 1946 der „Verband der Körper-
behinderten, Arbeitsinvaliden und der Hinterbliebenen in Bayern e. V.“ in der
Landeshauptstadt München gegründet, der die Keimzelle des späteren VdK-
Deutschland werden sollte.
Trotzdem war der Aufbau einer neuen Versorgungsverwaltung holprig. Schuld
war hier die anfängliche Opfer-/Täter-Diskussion. Nach Ansicht der alliierten
Militärregierung konnte es für die Kriegsbeschädigten keine Sonderstellung
gegenüber den Opfern der Arbeit und Invalidenrentnern geben.
So war es zunächst möglich, den Kreis der Kriegsopfer in die Rentenversicherung
hinsichtlich Invalidität und Berufsunfähigkeit zu integrieren. Hier kamen aber der
Personenkreis der Leichtbeschädigten sowie ein Teil der Witwen leider nicht in
den Genuss einer Rente.
Auf deutschen Vorschlag wurde daher im Mai 1947 die Anwendung der Unfall-
versicherungsgesetzgebung angeordnet, das einen großen Fortschritt brachte,
sodass nunmehr Leichtbeschädigte und bisher unversorgte Witwen Zugang zu
einer Rente hatten.
Erst im Dezember 1950 kam es mit der Verkündung des Bundesversorgungs-
gesetzes zur Schaffung eines einheitlichen deutschen Versorgungsrechts. Aus
der finanziellen Situation des Bundes geschuldet wurde die Versorgungsrente
in Grund- und Ausgleichsrente aufgeteilt. Die Zahlung der Ausgleichsrente war
je nach Erwerbsminderungsgrad von einer bestimmten Einkommensgrenze ab-
hängig gemacht worden.
Im Saarland galt bis zur Rückgliederung das alte Reichsversorgungsgesetz vom
Mai 1920, das gegenüber dem Bundesversorgungsgesetz leistungsmäßig besser
ausgestattet war.
Bis in die Neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts gab es eine rege Diskussion
über das Thema „Opfer und Täter“. Heute ist man einhellig der Meinung, dass
Täter auch gleichzeitig Opfer sein können. Vor allem im Bereich der Bündnis-
grünen ist Mitte der Neunziger Jahre die Diskussion aufgeflammt, indem alle
Soldaten Mörder seien. Hier haben die Opferverbände durch ihre Vertreter
klar gemacht, dass im II. Weltkrieg die Soldaten aufgrund der bestandenen
Zwangsverpflichtung zum Wehrdienst gleichzeitig auch Opfer des Krieges
gewesen sind. Daher ist die einseitige Verurteilung der Soldaten als „Mörder“
schlechthin nicht gerechtfertigt.
Als Quelle für diesen Beitrag gilt das Büchlein von Wolf Donner mit dem Titel
„Die sozial- und staatspolitische Tätigkeit der Kriegsopferverbände (Ein Bei-
trag zur Verbandsdiskussion)“, das 1960 bei Duncker & Humblot (Berlin) er-
schienen ist.
Über die Geschichte des saarländischen Kriegsopferverbandes, heute: Sozial-
verband VdK Saarland, informiert dieser Link zu seiner Webseite:
http://www.vdk.de/saarland/pages/der_vdk_saarland/64888/geschichte
90 JAHRE SPD-ORTSVEREIN FRAULAUTERN
DIE DEUTSCHE WIEDERVEREINIGUNG
AUTOR: Josef Theobald
Unter Erich Honecker (1912-1994) hatte sich die frühere DDR stark verändert.
Löhne und Renten wurden erhöht und auch der Wohnungsbau wurde forciert.
Die Kehrseite der Medaille war allerdings, dass hier die entsprechenden volks-
wirtschaftlichen Kapazitäten fehlten. Zudem verschlangen die Verwaltung und
der aufgeblähte Sicherheits- und Kontrollapparat Unsummen.
Durch die wirtschaftlichen Probleme in der Sowjetunion wurden mit der Zeit die
ökonomischen Bedingungen in der DDR verschärft. Die Erdöllieferungen aus
der Sowjetunion wurden teurer und die eingeführten Steinkohlenmengen sind
stark eingeschränkt worden. Allein die ineffiziente Braunkohle war verfügbar.
Angeregt durch die Vorgänge in der Sowjetunion bildeten sich in der DDR diverse
Gruppen, die mehr Freiheit und Aufklärung über die DDR-Verhältnisse forderten.
Michael Gorbatschow hatte in der Sowjetunion versucht, die sowjetische Wirtschaft
umzugestalten (Perestroika). Denn ein Kennzeichen der Sowjetwirtschaft war die
starke Bürokratisierung, die in der Praxis einen erfolgreichen Ausbau verhinderte.
Als Absolvent der Moskauer Funkuniversität bekam ich aus Moskau die Zeitschrift
„Sozialismus: Theorie und Praxis“, die sich eingehend mit dem Sozialismus in der
Sowjetunion befasste. Gorbatschow wollte den sozialistischen Wettbewerb wieder
ankurbeln. Sehr populär war damals Lenins Schrift „Wie soll man den Wettbewerb
organisieren?“. Gefragt war wieder die Arbeit des Organisators. "Ihm war aufgege-
geben zu begreifen, dass es auf die Praxis ankommt, dass gerade jener geschicht-
liche Augenblick eingetreten ist, wo die Theorie in die Praxis umgesetzt wird, durch
die Praxis belebt, durch die Praxis korrigiert, durch die Praxis erprobt wird,…“ (Aus-
gewählte Werke in drei Bänden, Band II, Seite 592) Doch der bürokratische Apparat
in der Sowjetunion war nicht mehr zu reformieren.
Zu den Feiern des 40. Jahrestages der Gründung der DDR besuchte Gorbatschow
selbst die DDR. Er warnte Honecker davor, die Signale zu übersehen. Auf ihn geht
der Spruch zurück: „Wer zu spät kommt, bestraft das Leben.“ Dieser wird zum Leit-
spruch der Wendehälse nach der Wiedervereinigung.
Am 9. Oktober 1989 war das Ende der DDR erkennbar. In Leipzig zogen mehr als
70.000 Menschen friedlich über den Innenstadt-Ring und skandierten: „Wir sind das
Volk!“ Die schwerbewaffneten Sicherheitsorgane mussten angesichts der schieren
Masse der Demonstranten kapitulieren und sich schließlich zurückziehen.
Am 18. Oktober 1989 war Erich Honecker zum Rücktritt gezwungen worden. Egon
Krenz kündigte in einer Fernsehrede eine „Wende“ an, mit der die SED wieder das
Geschehen in der Tagespolitik der DDR bestimmten wollte. So ging man erste Re-
formen an, wie die Schaffung von Reiseerleichterungen für Westberlin. Die zweite
Entscheidung war die Öffnung der Berliner Mauer. Nach weiteren Reformen, die
eine führende Rolle der SED in der DDR durch eine Verfassungsreform verneinte,
kam es in der SED zur Selbstauflösung der vorhergehenden Gremien. Nach der
Neuwahl der Volkskammer am 6. Mai 1990 kam es zu einem starken Block neuer
konservativer demokratischer Parteien, der sich „Allianz für Deutschland“ nannte.
Somit war die alte SED-Herrschaft endgültig gebrochen. Die Nachfolgepartei PDS
errang dennoch 16 Prozent. Bis zur Wiedervereinigung im Oktober war der CDU-
Spitzenkandidat Lothar de Maiziere Chef einer Regierungskoalition von Allianz
für Deutschland, Liberalen und SPD.
Unter Federführung von Bundeskanzler Helmut Kohl begannen die Verhandlungen
für eine deutsche Wiedervereinigung. Grundlage war ein von ihm erstelltes Zehn-
Punkte-Programm, das er am 28. November 1989 dem deutschen Bundestag vor-
legte. Ein Ziel war die Schaffung konföderativer Strukturen zwischen beiden deut-
schen Staaten. Am Ende des langen Weges sollte ein gesamtdeutscher Bundes-
staat entstehen.
Dies alles konnte allerdings nur verwirklicht werden, wenn ein Friedensvertrag mit
den ehemaligen Siegermächten des II. Weltkriegs unterzeichnet war. Deshalb gab
es zunächst in den entsprechenden Hauptstädten Bedenken gegen eine Wiederver-
einigung. Besonders in Großbritannien und Frankreich war die Besorgnis groß, dass
nunmehr ein mächtiges Deutschland entstehen könnte. Nachdem aber Gorbatschow
am 10. Februar 1990 in Moskau grünes Licht gab, indem er eine Entscheidung der
Deutschen respektieren würde, in Zukunft in einem Staat zu leben, kamen die diplo-
matischen Bemühungen wieder in Bewegung. Denn man erkannte, dass eine Ver-
hinderungsstrategie riskanter sei als die Beteiligung an der Gestaltung des Unver-
meidlichen. Nachdem Kohl bezüglich der europäischen Integration weitgehende
Konzessionen machte, blieben keine Hürden mehr bestehen. Die so genannten
Zwei-plus-Vier-Gespräche von NATO und Warschauer Pakt mit beiden Teilen
Deutschlands brachten hier am 12. September 1990 den Durchbruch.
Nach der Vereinbarung einer Währungsunion am 18. Mai 1990 und der Unter-
zeichnung des Einigungsvertrages am 20. September 1990 waren die Grund-
lagen geschaffen zum Beitritt der DDR zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990.
(BROCKHAUS, Weltgeschichte seit der Aufklärung, Seiten 453 – 456)
SOUVENIRS VON RADIO BEIJING
VERTRAUEN IST GUT, KONTROLLE IST BESSER
AUTOR: Josef Theobald
Viele kennen die Redensart: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“
Einige Leute meinen, dieser Spruch ginge auf W. I. Lenin zurück. In
seinen Werken findet sich allerdings kein ähnlicher Satz. In seiner
Schrift „Über Abenteurertum“ spricht er lediglich davon, dass man
nicht aufs Wort glauben, sondern auf strengste prüfen solle. [1]
Der Ausdruck der „gegenseitigen Kontrolle“ findet sich also nur bei
Stalin. So schreibt dieser: „(Das gegenseitige Vertrauen) kann nur
hergestellt werden, wie Lenin sagt, durch die ‚gegenseitige Kontrolle‘
der Parteimitglieder und Parteilosen, durch die gegenseitige Kontrolle
im Prozess der tagtäglichen praktischen Arbeit.“ [2]
WELTKINDERTAG IN SAARLOUIS
MOSKAU VOR 35 JAHREN
RADIO PRAG AUF DER MITTELWELLE
AUTOR: Josef Theobald
Durch einen reinen Zufall hatte ich einmal Kontakt zu einem alten DKP-Mitglied,
das während des letzten Krieges als Mitglied der KPD in einem KZ untergebracht
war. Er gehörte zu den Leuten, die nach der Zulassung der DKP wieder Mitglied
einer kommunistischen Partei wurden. Der Hintergrund war der Fehler bei RADIO
PRAG Ende der Siebziger bis Anfang der Achtziger Jahre, die Post an eine andere
Person geschickt zu haben, für die sie eigentlich nicht gedacht war. Im Rahmen der
HÖRERTRIBÜNE wurden hier Zuschriften aus der Bundesrepublik und der früheren
DDR bearbeitet. Deshalb war mir der Tenor der Zuschriften aus der DDR sehr gut
bekannt. Sehr stark war der Glaube an den Frieden und den sozialen Fortschritt
vertreten. Allein vom Sozialismus ginge der Frieden aus. Dagegen vom westlichen
Kapitalismus ginge eine wesentliche Kriegsgefahr in alle Welt aus. Damals schwer
zu vermitteln waren die Kehrseite der Breschnew-Doktrin (Stichwort: Prager Frühling)
und einige militärische Abenteuer, wie in Afghanistan. Kontrovers behandelt wurden
die neue Wirtschaftspolitik Chinas, die Öffnungspolitik eingeschlossen, verbunden
mit den entsprechenden Problemen und ebenfalls die neue außenpolitische Rolle
Chinas nach der Kulturrevolution.
Während der Weimarer Republik (1918-1933) begannen am 19. März 1920 im
Ruhrgebiet radikale, vorwiegend kommunistische Führer eine bewaffnete Revo-
lution. Die von den Aufständischen organisierte „Rote Armee“ war, die bis zu
50.000 Mann zählte, war die eindrucksvollste militärische Macht, die jemals
von einer revolutionären Bewegung in Deutschland geschaffen worden war.
Aber am 2. April 1920 begannen die Reichswehrtruppen, die Ruhr zurück-
zuerobern. Es folgten Wochen erbitterter und schrecklicher Kämpfe. Unter
den Regierungstruppen wurden einige berüchtigte Einheiten der Brigade
Ehrhardt von den Generälen unverfroren eingesetzt. [1] Im Mai 1933 wurde
die KPD durch die Nationalsozialisten zerschlagen. Das Parteivermögen ist
eingezogen worden. Nach der Zeit der Inhaftierung der Parteimitglieder oder
der Überstellung in die Konzentrationslager (KZ) [etwa 150.000 Genossen wa-
ren davon betroffen] konnte die KPD im Westen Deutschlands wieder Fuß fas-
sen. Ende 1945 zählte man wieder in den Westzonen 130.000 Mitglieder.
Infolge des „kalten Krieges“ wurde im August 1956 die KPD wieder durch das
Bundesverfassungsgericht verboten. Aufgrund von Geheimverhandlungen ist
aber im September 1968 die DKP in Frankfurt (Main) gegründet worden. Schon
im November 1971 zählte sie wieder 33.000 Mitglieder. [2] Sie musste sich aber
den politischen Gegebenheiten in der Bundesrepublik anpassen und weitgehend
auf den Klassenkampf verzichten. Stattdessen legte sie ihren Schwerpunkt auf
den Frieden, demokratischen Fortschritt und auf den Sozialismus. Im Rahmen
der deutschlandweiten Friedensbewegung sah sie plötzlich ihre eigentliche Be-
stimmung und war nicht selten an vorderster Front tätig (Stichwort: der Krefelder
Appell vom November 1980). Wegen der finanziellen Abhängigkeit von der SED
in der früheren DDR und einer entsprechenden Ausrichtung der Parteiführung ist
es nicht selten zu Austritten gekommen.
Ihre öffentlichen Auftritte waren nicht nur bei Demonstrationen zu beobachten,
sondern auch bei diversen Verbrauchermessen, bei denen nichtkommerzielle
Aussteller zugelassen waren.
In den Siebziger Jahren gab es in der DKP den Versuch, sich klassisch bürger-
lichen Kreisen zu öffnen. So traten plötzlich bei den Kommunalwahlen Meister
aus dem Bereich des Handwerks als Kandidaten auf. Doch blieb das Ergebnis
unter dem erwünschten Ziel.
Heute ist die DKP Teil der sozialistischen Linken.
Nach vorliegenden Erkenntnissen des Landesamtes für Verfassungsschutz hat
die DKP im Saarland deutlich weniger als 200 Mitglieder. Einen kommunalpoliti-
schen Schwerpunkt bildet hier die Stadt „Püttlingen“. Als zweite kommunistische
Partei ist die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) zu nennen,
die im Landesverband „Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland“ eingegliedert ist.
Sie steht fest in der Tradition der chinesischen „Rotgardisten“ und orientiert sich
speziell sowohl am Lebenswerk Stalins und als auch an den Mao-Zedong-Ideen.
Der Schwerpunkt ihrer Aktionen liegt auf dem Saarbrücker Stadtteil „Malstatt“.
des Imperialismus (1871-1945), R. Oldenbourg Verlag, München 1971,
Seiten 367/68.
-Ost 1983, Seiten 180 + 494.
EINE ALTE KITA-TRADITION GEHT ZU ENDE
Mit dem Umzug der Kita „Arche Noah“ im nächsten
Jahr geht in Roden eine alte Kita-Tradition zu Ende.
Viele Jahre bestand in der Pfarrei Maria Himmelfahrt
ein eigener Kindergarten. Nach der 1. Rückgliederung
im Jahre 1935 war dieser auf dem ehemaligen Gelände
des früheren Schwesternhauses angesiedelt. Nach dem
II. Weltkrieg gab es einen Neubau. Im Jahre 2017 wird das
neue Kita-Zentrum auf dem Gelände von Christkönig fertig-
gestellt sein und es wird die alte Kita umziehen.









































