DER SILVESTERTAG

AUTOR: Josef Theobald

Der 31. Dezember – in den evangelischen Gemeinden auch Altjahres-
abend
genannt – ist im liturgischen Kalender der Namenstag des
heiligen Sil
vester, der in den Jahren 314 bis 335 Papst war und
am 31. Dezember
in Rom starb. Unter ihm fand auf Initiative Kaiser
Konstantins dem
Großen (gestorben 337) der grundlegende Friedens-
schluss zwischen dem
Römischen Reich und dem Christentum statt.
Spätere Legenden schrieben
Silvester u. a. die Heilung vom Aussatz
des Kaisers Konstantin dem
Großen und dessen Taufe zu. [1]

Schon im Jahre 354 war Papst Silvester in den römischen Festkalender ein-
gereiht worden. Neben zwei anderen Päpsten genoss er in Rom kirchlichen
Kultus, also in einer Zeit, wo ihr persönliches Andenken noch sehr lebendig
sein musste. [2]

Durch die Kalenderreform Julius Cäsars (100 – 44 v. Chr.) begann das Jahr
regelmäßig am 1. Januar. Unter Papst Liberius (gestorben 366) wurde der
Jahresanfang mit der Geburt Christi gleichgesetzt, die in Rom seit 354 am
25. Dezember, also an Weihnachten, gefeiert wurde. Im 9. Jahrhundert ist
die Bedeutung dieses Festes von der katholischen Kirche bestätigt worden,
indem sie auch den Jahresanfang auf dieses Datum legte. Papst Innozenz
XII. (1615-1700) verlegte dann schließlich 1691 den Neujahrstag auf den 1.
Januar, so dass der 31. Dezember der letzte Tag im Jahr wurde.

Traditionell schließt der Silvesterabend das alte Jahr mit einem Feuer-
werk, mit Böllern und Mitternachtsgottesdiensten ab. Diente der Lärm in
früheren Zeiten unseren heidnischen Vorfahren dazu, böse Geister zu ver-
treiben, ist er heute ein Ausdruck von Vorfreude auf das neue Jahr.

Erhalten hat sich ebenfalls die Tradition, Schmalzgebackenes wie Krapfen,
Berliner Pfannkuchen und Mutzen (= rheinisches Siedegebäck) zu backen
oder einen Punsch zu brauen. Der verbreitete Silvestergruß „Guter Rutsch“
geht vermutlich auf „Rosch ha-Schana“, das hebräische Wort für Neujahr,
zurück. [1]

Seit 1981 ruft das evangelische Hilfswerk „Brot für die Welt“ unter dem
Motto „Brot statt Böller“ zum Jahreswechsel zu Spenden zur Unterstützung
für Projekte zum Kampf gegen den Hunger auf. Obwohl heute rund um den
Globus genug Lebensmittel erzeugt würden, leide jeder achte Mensch an
Hunger. In den Umweltverbänden fordern immer mehr Stimmen aus Grün-
den der Feinstaubbelastung in Großstädten das Verbot des Abfeuerns von
Feuerwerkskörpern in der Silvesternacht. Einige deutsche Großstädte
gehen dazu über, in ihren Teilbezirken den Gebrauch von Feuerwerks-
körpern zu verbieten.

ANMERKUNGEN
[1] Die wichtigsten Feier und Gedenktage (Religiöse und
nationale
Feiertage weltweit), Chronik Bertelsmann, Wis-
sen Media Verlag,
Gütersloh/München 2009, die Seiten 14
+ 15.

[2] Hartmann Grisar, GESCHICHTE ROMS UND DER PÄPSTE IM
MITTELALTER, 1. Band: Rom beim Ausgang der antiken Welt,
Nachdruck im Olms Verlag, Hildesheim-Zürich-New York 1985,
die Seite 306.

DER URSPRUNG VON WEIHNACHTEN

AUTOR: Josef Theobald

Als Jesus Christus aus der Stadt Nazareth in Bethlehem geboren
wurde, gab es noch keine Standesämter und die damit verbundene
Meldepflicht wie heute. Was die Beschneidung eines Knaben in der
Provinz Judäa am achten Tage nach der Geburt oder die Auslösung
des erstgeborenen männlichen Kindes nach dem 31. Tage anging,
gab es hier beim Vater lediglich eine Beweispflicht (parallel Mischna
BECHOROT, VIII,6).

Das heutige Weihnachtsfest hat seinen Ursprung in Rom. Da der
Zeitpunkt der Geburt Jesu durch keine sichere Überlieferung be-
kannt war, wählte man im Gegensatz zum Orient (6. Januar) die
Zeit der Wintersonnenwende, also den 25. Dezember. An diesem
Tag nach dem römischen Kalender wurde das Fest des „Sol novus“
gefeiert. In späterer Zeit entwickelte sich dann hieraus das Fest des
„Natalis invicti“, d. h. der Tag des unbesiegten Sonnengottes. In der
Verbindung mit dem Mithras-Kult verbreitete sich dieser Festtag all-
gemein in der heidnischen Welt. [1]

Die christliche Transformation der Sonnengottfeiern auf die Geburt
Jesu kann sich auf den Propheten Maleachi (Kapitel 3, Vers 20) be-
rufen: Dem Gläubigen „soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit“.
[2]

Im Mittelalter entfaltete sich eine reiche weihnachtliche Volksfrömmig-
keit, so etwa in Gestalt geistlicher Weihnachtsspiele und Umzüge oder
von Dramatisierungen der Krippenszene, wobei – in Esels- und Narren-
festen – auch Facetten älteren Brauchtums fortwirkten, die als zum Teil
exzessives Festspiel kirchlich beargwöhnt und später auch unterbunden
wurden.

In der frühen Neuzeit verlagern sich wesentliche Elemente der Festge-
staltung in den häuslichen Bereich, aus den öffentlichen Krippenspielen
werden Holzkrippen in den Bürgerstuben. [3]

Um das Jahr 1509 soll im elsässischen Schlettstadt ein Christbaum ent-
weder gestanden oder gehangen haben. Später übernehmen schließlich
reiche Bürger aus evangelischen Gebieten den Brauch, ein Zimmer da-
mit zu schmücken. [2] Damit verbunden war die Bescherung der Kinder,
die zwar an die Gaben der Heiligen Drei Könige erinnern sollte, aber nur
durch das Christkind erfolgte. Die Weihnachtsbäume selbst waren mit
Äpfeln, Nüssen und Oblaten behängt worden. [4] Mit den Äpfeln hatte
man an den Baum im Paradies erinnert. Die bunten Glaskugeln heutiger
Christbäume sind die Nachfolger der Äpfel. 1539 soll zum ersten Mal im
Münster zu Straßburg ein Weihnachtsbaum gestanden haben.

Der Weihnachtsbaum wird schließlich im 18. Jahrhundert in gut gestellten
bürgerlichen und adligen Kreisen mit den darunter gelegten Geschenken
zum Mittelpunkt des häuslichen Weihnachtszimmers. [2] Allmählich sind
auch Kerzen an den Baum gekommen. Das Licht der Kerzen stand für
das Licht, das durch die Geburt Christi in die Welt gekommen ist. [4]

Um 1814 wurde durch einen protestantischen Bankier aus Berlin (A.
v. Arnstein) der Weihnachtsbaum in das katholische Wien gebracht.
Im Jahre 1817 stellte die aus dem Rheinland stammende Erzherzogin
Henriette (geb. von Nassau-Weibling) einen Christbaum auf. Damit
wurde der Baum im Hochadel etabliert. Vom Hochadel übernahm
das Bürgertum diese Sitte, weshalb Weihnachtsbäume schon ab
1830 in den bürgerlichen Häusern des deutsch-habsburgischen
Kaiserreiches üblich waren.

Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 ließen adlige Offiziere
festlich geschmückte Weihnachtsbäume in den Unterkünften und La-
zaretten aufstellen. Dadurch wurde der Brauch den einfachen Ständen
bekannt. [2]

Heute ist die weihnachtliche Symbolik fest verankert in Familienritualen
und in häuslichen Festgestaltungen: Licht (Kerzen, Adventskranz, Christ-
baum), Gaben (Geschenke, Weihnachtskarten), biblische und auch nach-
biblische Figuren und Zeichen (Engel, Krippe, Stern). Das Weihnachtsfest
ist heute ein Stück „Familienreligion“ par excellence, in der „Heiligen
Familie“ finden etwaige familiäre Sehnsüchte Resonanz. Als kulturelle
Institution sind Weihnachten und die Weihnachtszeit Ausdruck eines öf-
fentlich werdenden Christentums und ein Element des gesellschaftlichen
Lebens. Dies reicht vom kommerzialisierten Weihnachten mit entsprechen-
dem Schmuck und Beleuchtung über Weihnachtsliteratur und -film als ei-
gene Gattung bis zu den spezifisch weihnachtlichen Spenden- und Hilfs-
aktionen und der zivilreligiösen Weihnachtsansprache des Bundespräsi-
denten.

Im Laufe der Zeit ist auch Weihnachten im kirchlichen Bewusstsein mehr
und mehr auf den Heiligabend bezogen worden, die beiden Weihnachts-
tage werden tendenziell zum Nachklang des Festes.

Die nordisch anmutende Figur des Weihnachtsmannes etwa ist nicht nur
Inbegriff eines kommerzialisierten und pädagogischen Festes, sondern
integriert auch den Mythos vom „wilden Gesellen“, der unheimlich und
gütig in einem ist. [3]

Im Wettbewerb zu den politischen Systemen entwickelten sich gewisse
Eigenheiten heraus. So trat in den Zeiten der Sowjetunion der Begriff
„Weihnachten“ in den Hintergrund und wurde durch die Bezeichnung
„Väterchen Frost“ ersetzt. In der früheren DDR wurden die Weihnachts-
Engel umbenannt in „Jahresendfiguren mit Flügeln“.

Im Westen ist Weihnachten nicht nur das Fest des Schenkens oder des
Beschenktwerdens, besonders in den Familien, im Sinne bloßer Kauf-
mechanismen, geworden, sondern bleibt Anlass, auf das Heil hoffen zu
dürfen, das mit Jesus Christus in die Welt kam, und immer neu darüber
zu jubeln.

Vom Tridentinum (Konzil von Trient) bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil
galt das Fest der Darstellung des Herrn (Mariä Reinigung oder Lichtmess)
am 2. Februar, das ist der vierzigste Tag nach der Geburt Christi, als ein
Abschluss der Weihnachtszeit, wohl deshalb, um eine nach der Osterzeit
entsprechende Zeitdauer zu erzielen. Denn nicht wenige Weihnachts- und
Epiphaniebräuche, wie die Aufstellung von Weihnachtskrippen, erstrecken
sich bis zum 2. Februar. [5]

Bestimmte christliche Freikirchen verlegen die Geburt Christi auf den Zeit-
punkt (Mitte/Ende) September bzw. Anfang Oktober in der vertretenen An-
nahme, dass Johannes der Täufer um die Pfingstzeit (nach der 8. Dienst-
ordnung der Abija-Priester im Jerusalemer Tempel) gezeugt wurde. Dabei
gehen sie hier von einem Geburtszeitpunkt Jesu aus, der 6 Monate später
nach der Geburt des Johannes liegt. [6]

ANMERKUNGEN
[1] Hartmann Grisar, GESCHICHTE ROMS UND DER PÄPSTE
IM MITTELALTER, 1. Band: Rom beim Ausgang der antiken
Welt, Nachdruck bei GEORG OLMS Verlag, Hildesheim usw.
1985, Nr. 508.
Im HANDBUCH DER KIRCHENGESCHICHTE, 1. Teil: Das Alter-
tum, erschienen im Verlag von J. C. B. Mohr, Tübingen
1923, heißt es unter § 37,9: „In Rom … ward die Anse-
tzung der Geburt Christi auf den 25. Dez. wahrschein-
lich schon vor 336 … zum willkommenen Anlass, den heid-
nischen Festen der Saturnalien (17. - 23. Dez.) und Bru-
malien (Wintersonnenwende; Geburtstag des Sol invictus,
25. Dez.) ein christliches Freudenfest an die Seite zu
stellen.“
[2] Hans-Peter Ebert, Festtage zum Nachlesen (Hintergrün-
de zu Zeitrechnung und Brauchtum), DRW-Verlag, Leinfelden-
Echterdingen 2001, Seiten 120 – 142.
[3] TASCHENLEXIKON RELIGION UND THEOLOGIE, Band 3: O-Z,
Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2008, die Seiten
1254 – 1256.
[4] Die wichtigsten Feier- und Gedenktage (Religiöse und
nationale Feiertrage weltweit), Chronik Bertelsmann, Wis-
sen Media Verlag, München/Gütersloh 2009, die Seiten 72 +
73.
[5] Lexikon der Pastoral (Lexikon für Theologie und Kirche
kompakt), Band 2: Kl-Z, Verlag Herder, Freiburg 2002, die
Seiten 1828/29.
[6] Intern (Studien - Bildung - Nachrichten), Jahrgang 13,
die Nr. 12 vom 19. Dezember 2008, Herausgeber in Deutsch-
land: Vereinte Kirche Gottes mit Sitz in Bonn, Seiten 9/10.

ERÖFFNUNG DES 2. RODENER WEIHNACHTSMARKTES

Am Samstag, dem 14. Dezember 2019, wurde auf dem Kirchenvorplatz
der Rodener Weihnachtsmarkt durch Hans Werner Strauß eröffnet. Die
Schirmherrschaft übernahm die Landesministerin Monika Bachmann für
die Ressorts Arbeit, Familie, Soziales, Prävention und Sport.

Bilder auch auf unserer Facebook-Seite unter folgendem LINK:

https://www.facebook.com/RodenaHeimat?ref=hl

Über ein „Gefällt mir“ würden wir uns freuen.

RODENER WEIHNACHTSMARKT 2019

Am Samstag, dem 14. Dezember 2019, und am Sonntag, dem 15. Dezem-
ber 2019, findet vor der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt und im Bereich der
Donatusstraße der 2. Rodener Weihnachtsmarkt statt.

Er beginnt um 11.00 Uhr und endet um 21.00 Uhr, am Sonntag schon um
20.00 Uhr.

30 Stände werden den Weihnachtsmarkt bereichern.

Am Samstag um 16.00 Uhr kommt der Nikolaus für unsere Kleinen.

Geplant ist außerdem ein Kindermalwettbewerb. Die Prämierung ist am
Sonntag um 16.00 Uhr. Erster Preis: 100,– Euro / Jahrgang.

Teilnehmen werden ebenfalls Musiker, Gesangsinterpreten, Holzschnitzer
und Turmbläser. 

Auch der RODENA Heimatkundeverein e. V. wird mit einem eigenen Stand
vertreten sein.

 

DIE VEREHRUNG DES HEILIGEN NIKOLAUS

AUTOR: Josef Theobald

Der Name NIKOLAUS ist vom griechischen Namen „Nikólaos“ abgeleitet
und bedeutet etymologisch „der mit dem Volk siegt“. Dieser Name war in
der griechischen Literatur sehr verbreitet. Im ganzen Neuen Testament
kommt der Name nur einmal vor. Das spricht dafür, dass die Verwendung
dieses Namens ausschließlich den hellenistischen Gruppen in der jungen
Christengemeinde vorbehalten blieb. Jene Gruppen arrangierten sich mit
dem römischen Götter- und Kaiserkult, um ihre gesellschaftliche Stellung
als Christen zu verbessern. (Personen Lexikon zum Neuen Testament,
Verlag Patmos, Düsseldorf 2004, die Seiten 231/32)

Der NIKOLAUS zählt zu den am meist verehrten Heiligen der Christenheit.
Dieser lebte vermutlich von 270 bis 342 und war Landbischof von Myra an
der heutigen türkischen Mittelmeerküste. Um dessen Gestalt ranken sich
zahlreiche Legenden und Wunderberichte, die zunächst in der Ostkirche,
seit dem 8./9. Jahrhundert auch in der Westkirche, Verbreitung fanden. [1]

Dabei sind offensichtlich Begebenheiten aus dem Leben des Abtes
NIKOLAUS von Sion bei Myra und des Bischofs von Pinora, der am
10. Dezember 564 verstorben ist, mit jenen des schon früher leben-
den NIKOLAUS von Myra vermischt worden. [2]

Eine zeitgenössische Lebensbeschreibung fehlt, auch seine Teilnahme
am Konzil von Nizäa wird heute als legendär beurteilt. Das älteste Text-
zeugnis stammt aus dem 6. Jahrhundert: die Legende der wunderbaren
Rettung von drei unschuldig zum Tode verurteilten Feldherrn durch das
Eingreifen des Bischofs.

Begünstigt durch die aus Byzanz stammende Kaiserin Theophanu, der
Gemahlin Kaiser Otto II., hat sich der NIKOLAUS-Kult verstärkt im 10./
11. Jahrhundert auch im Westen verbreitet. Im Jahre 1087 wurden die
Gebeine des NIKOLAUS von Myra in die italienische Hafenstadt Bari
überführt. Deshalb gilt NIKOLAUS als der Patron der Seefahrer. Denn
in der Rettung Schiffbrüchiger liegt hier der Ursprung. [3] Weiterhin ist
der hl. Nikolaus Schutzpatron der Bäcker, der Bauern, der Bierbrauer,
der Schnapsbrenner und der Kaufleute.

Der Reformator Martin Luther lehnte den Nikolaus als Gnadenbringer
in der Weihnachtszeit ab und ersetzte ihn durch den heiligen Christ.
Der Herzog von Mecklenburg schaffte im Jahre 1682 den Nikolaus-
tag einfach ab und stellte die Beibehaltung von Nikolauszeremonien
unter Strafe. So findet man heute in den vorwiegend protestantischen
Gegenden wie im Norden und Osten Deutschlands und in den angel-
sächsischen Ländern den Weihnachtsmann mit einem rotem Mantel
und mit roter Mütze als Gabenbringer zur Weihnachtszeit. [4]

In den Zwanziger Jahren wurde versucht, die NIKOLAUS-Bräuche
in einen Zusammenhang mit der alten germanischen Mythologie zu
bringen. Doch wird dies heute weitgehend verworfen.

Aus der Verschmelzung von Knecht Ruprecht und NIKOLAUS ent-
stand zunächst im 19. Jahrhundert die Figur des Herrn Winter, aus
der sich nun im Zeitraum zwischen 1840 und 1850 der Weihnachts-
mann entwickelte. [3] In Deutschland tritt Knecht Ruprecht im 18.
Jahrhundert als Gehilfe des hl. Nikolaus auf. Am Mittelrhein nennt
man diese dunkle Gestalt Pelznickel, in Österreich Krampus oder
Bartel. [4]

Der Festtag des Heiligen wird am 6. Dezember begangen. Es ist ein
Brauch, am Nikolaustag die Kinder zu beschenken. [2] Bis zum Jahr
1969 war Nikolaustag sogar ein kirchlicher Feiertag, erst Papst Paul
VI. änderte diese Regelung. [4]

Der heilige NIKOLAUS gehört eindeutig zum Personenkreis der „Volks-
heiligen“. Über die Verehrung Verstorbener als Heilige und ebenfalls die
Einführung neuer Heiliger in einer Diözese entschied bis zu einer päpst-
lichen Neuregelung die „vox populi“ bzw. die Genehmigung des Bischofs.
Im Jahre 1234 reservierte Papst Gregor IX. (um 1167-1241) das Privileg
der Heiligsprechung dem apostolischen Stuhl. [5]

Durch die italienische Hafenstadt Bari verbreitete sich die Verehrung
des heiligen Nikolaus als Schutzpatron der Seeleute. Auch im Bereich
der Binnenschifffahrt genoss der heilige Nikolaus großes Ansehen. So
existierten in früheren Jahren noch Schiffsprozessionen zu seinem Ge-
denken auf dem Rhein. Auch das ehemalige in Duisburg-Ruhrort ange
siedelte Schifferkinderheim Nikolausburg für Angehörige der jewei-
ligen Schiffsbesatzungen auf den Binnengewässern ist mittlerweile
Bestandteil der Geschichte.

ANMERKUNGEN
[1] Im Laufe des 4. Jahrhunderts gewannen die
Bischöfe größerer
Städte immer mehr an Einfluss.
Die Synode von Serdica (343)
verbot geradezu, in
Dörfern und kleinen Städten einen Bischof
aufzu-
stellen. Die Synode von Laodicea (um 380) will
die Land-
oder Chorbischöfe durch Periodeuten
(visitatores, circumitores
-Besucher-) ersetzt
wissen, die im Auftrag des Bischofs als ein
fache
Presbyter von der Stadt aus die Landgemeinden seel-
sor
gerich betreuten. (Bihlmeyer – Tüchle, KIRCHEN-
GESCHICHTE,
Erster Teil: Das christliche Altertum,
erschienen im Verlag Fer
dinand Schöningh, Paderborn
1951, § 62,1)

[2] Manfred Becker-Huberti / Helmut Lotta, KATHO-
LISCH (A-Z), Das
Handlexikon, Verlag Herder, Frei-
burg (Breisgau) 2009, Seite 173.

[3] THEOLOGEN, HETZER, HEILIGE (Kleines Personen-
lexikon der
Kirchengeschichte), Verlag C. H. Beck,
München 2001, die Seite
292. / Beiträge zur Ge-
schichte des christlichen Altertums und der
By-
zantinischen Literatur (Festgabe Albert Ehrhard
zum
60. Geburtstag), Nachdruck bei Edition Rodopi,
Amsterdam 1969,
Seiten 392/93.
[4] Die wichtigsten Gedenk- und Feiertage (Religi-
öse und nationale
Feiertage weltweit), Chronik Ber-
telsmann, Wissen Media Verlag,
Gütersloh/München
2009, die Seiten 66 + 67.

[5] Bihlmeyer – Tüchle, KIRCHENGESCHICHTE, Zweiter
Teil:
Das
Mittelalter, Verlag Ferdinand Schöningh,
Paderborn 1948, § 100,3.

 

DIE HOCHZEIT DER DEUTSCHEN BINNENSCHIFFFAHRT

AUTOR: Josef Theobald

In den Sechziger Jahren gab es im Westen Deutschlands zahlreiche
Reedereien. Nicht wenige Montanbetriebe hatten eigene Binnenschiffe
in ihrem Bestand. Es gab damals die Reedereien Harpen, Klöckner, Ha-
niel und Raab Karcher. Im Tankbereich etablierte sich die Firma Dettmer.
Ihre Binnenschiffe hatten im Idealfall eine 3-Mann-Besatzung. Sie bestand
aus dem Schiffsmann, aus dem Matrosen und aus dem Schiffsjungen. Bei
fehlendem Personalbestand wurden die Matrosenfrauen aktiviert, um bei
einzelnen Verrichtungen zu helfen. Auch waren in der wärmeren Jahreszeit
die jeweiligen Familien mit an Bord. Am besten ausgestattet war die Woh-
nung des Schiffsmanns. Es war eine komplette Wohnung im Kleinen. Am
Anfang heizte man noch mit Kohlen. Mit der Zeit wurde die Ausstattung auf
den Schiffen aber immer komfortabler.

Neben den mit Dieselöl betriebenen Motorschiffen gab es auch Schlepp-
schiffe. Diese konnten sich nur mit Hilfe von Schleppern fortbewegen. Im
Laufe der Zeit betrieb man größere Schubverbände, die mehrere Schlepp-
schiffe gleichzeitig transportieren konnten. Auch kamen später Küstenmo-
torschiffe (KüMo) auf, die sowohl see- als auch für den Rheinstrom tauglich
waren. Diese konnten also im Küstenbereich und auf dem Rhein operieren.

Die Ladung war meist abhängig von der Jahreszeit. Im Winter beförderte
man hauptsächlich Kohlen. Im Sommer war es Metallschrott oder Kiessand
aus dem Elsass, der z. B. bis nach Heilbronn befördert wurde. In den
Siebziger Jahren beförderte man auf Schleppschiffen die Schlacke aus
den Kohlengruben im Ruhrpott, die in den Niederlanden zur Deichbefesti-
gung verwendet wurde. In diesen Jahren wollten die Niederländer dem
Meer Land abringen und es für den Bereich des Tourismus öffnen. Es
geht hier um die Provinz Zeeland (deutsch: Seeland). Um in Zukunft
Sturmfluten zu verhindern, wurden ab 1960 die Deltawerke gebaut. Ein
nicht unwesentlicher Nebeneffekt war die Abriegelung der Nordsee von
den kleinen Seitenarmen und Flussmündungen, so dass die Verbindungen
der Provinz mit dem Rest der Niederlande wesentlich verbessert wurden.
Die wirtschaftliche und soziale Struktur der Inseln Zeelands wurde durch
die festen Verbindungen mit dem rückwärtigen Land stark verändert. Die
ehemals abgelegenen Gebiete sind von der Randstad aus nun binnen einer
Stunde zu erreichen. Der Tourismus ist dadurch stark angestiegen.

In den Siebziger Jahren waren allerdings die Küstengebiete noch uner-
schlossen. Weit und breit war kein Mensch zu sehen. Lediglich diejeni-
gen Arbeitskräfte, die im Deichbau tätig waren, waren anzutreffen. Hin-
zu kamen noch einzelne Schiffsbesatzungen, die mit ihren Schiffen an der
Küste zum Löschen anlegten. Deshalb fand man noch unberührte Strände
vor.

Um die soziale und schulische Situation der Schiffsbesatzungen zu ver-
bessern, gründete man schon im Jahre 1856 anlässlich der Goldenen
Hochzeit von Franz und Friederike Haniel das Krankenhaus Hanielstift.
Dazu gesellten sich Schifferheime (Hotels für die Schiffsbesatzungen)
und ab 1866 eine höhere Bürgerschule, aus dem später das Schiffer-
kinderheim Nikolausburg in Duisburg-Ruhrort hervorging.

In den Siebziger Jahren zogen sich schließlich wieder viele große Un-
ternehmen aus der Binnenschifffahrt zurück und überließen es privaten
Schiffseignern, das Frachtgeschäft auf den Binnengewässern weiter zu
betreiben. Auch wurden die kleineren Schiffe durch Schubverbände ver-
drängt. Auch sanken die Frachtraten. Es wurde immer schwieriger, in
der Binnenschifffahrt aus Kostengründen die eingesetzten Schiffe zu
befahren. Deshalb gab es hin und wieder Versuche, die vorhandenen
Schiffe zu verlängern, um dadurch den Frachtraum zu erweitern.