FAMILIENABEND BEIM SÄNGERBUND 1872 FRAULAUTERN

Zu einem Familienabend lud der Sängerbund 1872 Fraulautern in das Vereinshaus Fraulautern ein. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Martin Labitzke wurde ein abwechslungsreiches Programm mit dem Auftritt des Chores, mit den diversen Soloauftritten (Akkordeon, Gedichte) und Kabarettstückchen geboten. Der Höhepunkt war allerdings die Ehrung der 25-, 40- und 50-jährigen Mitgliedschaft im Verein. Mehr Bilder auch auf unserer Facebook-Seite unter folgendem LINK: https://www.facebook.com/RodenaHeimat?ref=hl

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DIE SAARGEGEND WÄHREND DES DREISSIGJÄHRIGEN KRIEGES

AUTOR: Josef Theobald

Allein für die damalige Stadt Wallerfangen wurde nach dem Vergleich der Steuer-
listen (1618 und 1638) ein Rückgang der Bevölkerung um 60 % festgestellt. Der
Grund für die Entvölkerung unseres Raumes liegt allein nicht nur auf den hier an-
zutreffenden direkten Kriegseinwirkungen, sondern ist vor allem auf die seit 1635
zu beobachtende jahrelang anhaltende Unterernährung, auf Seuchen, auf eine in
dieser Zeit zu registrierende Abwanderungsbereitschaft und schließlich auf die für
Kriegszeiten üblichen Rekrutierungen zurückzuführen.

Für das Herzogtum Lothringen ist hier der Ausbruch der Pest in den Jahren 1630
bis 1637 im Besonderen zu nennen.

Der Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion hatte mehrere Ursachen. Zum
einen sorgte die Verknappung der Arbeitskräfte infolge der direkten Kriegsverluste
oder der Seuchen und zum andern die Aussaugung des Landes infolge der durch
die Gesetze des Krieges bedingten Einquartierungen für diesen Zustand. Dazu
kam noch eine Requirierung des Zugviehes, des Saatgutes und auch der unreifen
grünen Halmfrüchte, sowie die Drangsalierung der meist militärisch ungeschützten
Landbevölkerung. Dies brachte zeitweise die Feldarbeit zum Erliegen und schränkte
sie in den übrigen Zeiten, insbesondere in den Jahren 1635 und 1651, stark ein. So
kam es zu einer andauernden Hungersnot, die immer neue Opfer forderte. Die Not
steigerte sich derart, dass mitunter die Bevölkerung Nachbarorte überfiel, wie z. B.
die Bürger von Saarbrücken im August 1641 das Dorf Roden. Aufzeichnungen aus
dem Kloster Wadgassen berichten sogar von einem Fall von Kannibalismus in dem
heutigen Ortsteil Werbeln [1].

Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) ist kaum ein Dorf unbehelligt geblieben.
Zahlreiche Dörfer lagen in Schutt und Asche und wurden erst nach Jahren wieder so
wie vorher besiedelt. Die landwirtschaftlich nutzbare Fläche hatte sich infolge der in
den Vorjahren unterbliebenen Feldbestellung mit dem Resultat des Vordringens der
Bewaldung erheblich verringert.

Aufgrund von Vergleichszahlen (1590 und 1667) bezüglich der Anzahl der Familien,
Haushaltungen und Feuerstätten der Vor- und Nachkriegszeit miteinander, ergeben
sich für das Amt Siersberg im Herzogtum Lothringen Verluste in Höhe von 72,8 %.

Dabei wäre anzumerken, dass die Angaben der Steuerlisten mit gewisser Vorsicht
aufzunehmen sind, weil sich in den ersten Nachkriegsjahren die Bevölkerung bei
der Aufstellung der Steuerlisten gerne der Registrierung entzog, so dass der real
vorhandene Bevölkerungsstand etwas höher gewesen sein dürfte, als es die aus
der ersten Zeit der Wiederingangsetzung einer geordneten fiskalischen Verwaltung
vorzufindenden Quellen widerspiegeln.

Fest steht aber, dass die Zahl derjenigen, die bei Kampfhandlungen oder unter den
Quälereien der entmenschlichten Soldateska den Tod fanden, geringer war, als die
Opfer der anhaltenden Unterernährung und der auftretenden Seuchen. Weiterhin
trugen auch die Rekrutierung der jüngeren männlichen Bevölkerung und eine fort-
dauernde Abwanderung zum Bevölkerungsrückgang bei. [2]

Die Epidemien wurden durch die vielen Truppenbewegungen begünstigt und das
System des Einflüchtens führte zu jenen zusammengedrängten Menschenmengen
in den festen Plätzen, die den Seuchen die besten Angriffsflächen boten. So waren
die von den Bevölkerungsverlusten am schwersten betroffen die Gebiete in einem
Streifen von Nordosten nach dem Südwesten des Reiches hin, von Mecklenburg
und Pommern über Thüringen in den pfälzischen und württembergischen Raum.
Zwischen und neben ihnen liegen die Gebiete mit 30 % – 50 % Bevölkerungsver-
lust: Brandenburg, Magdeburg, Hessen, Franken, Bayern, Schwaben, Elsaß und
Lothringen. Dagegen blieben die österreichischen Erblande des Kaisers weithin
verschont [3], so dass aus Tiroler Gebieten und aus dem Kanton Zürich in der
Schweiz Umsiedler in das katholische Lothringen überführt werden konnten.
Der Kanton Zürich gehörte noch im 14. Jahrhundert zu Österreich, sollte sich
aber später immer mehr der Schweizer Eidgenossenschaft, vor allem nach der
Züricher Mordnacht vom 23. 02. 1350, annähern. Nachdem 1656 Zürich in dem
Verein mit Bern den Glaubenskrieg erneuerte, um ein Übergewicht der von den
Katholiken bewohnten Orte zu verhindern [4], entschlossen sich einige Familien
aus diesen Gebieten ebenfalls, in das katholische Lothringen überzusiedeln.

Nun stellt sich die Frage, wohin denn die Familien während des Dreißigjährigen
Krieges abgewandert sind. Eine Erklärung gibt die Geschichte Rumäniens. So
finden wir hier die Siebenbürger Sachsen, die sich seit dem 12. Jahrhundert auf
dem Gebiet des heutigen Siebenbürgens ansiedelten. Dazu kamen später noch
die Banater Schwaben, die von der Österreichischen Hofkammer seit dem Ende
des 17. Jahrhunderts aus verschiedenen Teilen Süddeutschlands und aus Teilen
Lothringens in die nach den Türkenkriegen teilweise entvölkerte und verwüstete
Pannonische Tiefebene entlang der Militärgrenze angesiedelt wurden. [5] Das
Siedlungsgebiet war im Westen des heutigen Rumäniens, vor allem südlich von
Marosch. Die überwiegende Mehrheit lebt im Kreis Timis, ein bedeutender Teil
im Kreis Arad und nur wenige im Kreis Caras-Severin. Die verbreitetste Mundart
ist das Rhein- und Moselfränkische. Die Bewohner stammen meist aus der Rhein-
pfalz, aus dem Gebiet von Elsass-Lothringen und zum Teil aus dem Schwarzwald.
[6]

ANMERKUNGEN
[1] Geschichtliche Landeskunde des Saarlandes, Band 1, Minerva-Verlag Thinnes
& Nolte, Saarbrücken 1978, Seite 264.
[2] Geschichtliche Landeskunde des Saarlandes, Band 2, erschienen im Selbst-
verlag des Historischen Vereins für die Saargegend e. V., Saarbrücken 1977,
Seiten 504 und 505.
[3] Gerhard Schormann, Der Dreißigjährige Krieg, Kleine Vandenhoeck-Reihe,
Vandenhoeck & Rupprecht, 3. Auflage, Göttingen 2004, Seiten 119 + 120.
[4] Meyersches Konversationslexikon von 1905, Band 20, Seite 1023/24.
[5] WIKIPEDIA: Banater Schwaben.
[6] Monica Barcan / Adalbert Millitz, Die deutsche Nationalität in Rumänien,
Kriterion Verlag, Bukarest 1977, Seiten 46 + 47.

56. KREISSCHÜTZENTAG IN SAARLOUIS

Am Sonntag, dem 7. Oktober 2018,  fand im Pieper-Festzelt der 56. Kreisschützentag statt. Nach einem feierlichen Einzug  der teilnehmenden Schützenvereine aus den Landkreisen Saarlouis und Merzig fand die Inthronisierung des Königshauses statt. Mehr Bilder auch unter diesem LINK:

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DIE MODERNISIERUNG DER CHINESISCHEN WIRTSCHAFT

AUTOR: Josef Theobald

VORWORT

In den Jahren der Großen Proletarischen Kulturrevolution (1966-1976) hatte
sich der Lebensstandard des chinesischen Volkes drastisch verschlechtert.
In dieser Zeit gab es fast keine Lohnerhöhungen. Im Jahre 1976 sank der
Durchschnittslohn um 4,9 %. Dennoch nahm die Bevölkerungszahl in den
Städten ständig zu. Allerdings blieb der Städtebau, der Bau von Wohnungen,
von Schulen und Krankenhäusern weit hinter der Bevölkerungsentwicklung.
Viele Produkte der Leicht- und Textilindustrie waren minderwertig und teuer,
zudem mangelte es an einem tiefen Sortiment. Die Versorgung mit Nahrungs-
mitteln war sehr knapp bemessen. Das Handels- und Dienstleistungsnetz war
völlig unzureichend. Die Stadtbevölkerung hatte große Schwierigkeiten, ihre
tägliche Lebensweise zu bewerkstelligen (CHINAS SOZIALISTISCHE WIRT-
SCHAFT – Ein Abriss der Geschichte -1949-1984-, Seite 425).

Typisch für die Wohnverhältnisse in China waren die „Ohrhäuser“. Darin waren
Schlafzimmer oder Nebenräume, wie Küche, Bad, Klosetts, untergebracht. Die
Ausmaße der Schlafräume waren durch den Bau der Schlafstatt , des „Kang“,
festgelegt. Dieser Kang ist ein 1,20 m breites Bett, das bei Tag zum Sitzen und
als Unterhaltungsecke verwendet wird. Man stellt kleine Tischchen darauf, die
als Armstützen oder als Teetische dienen. Diese Bettstatt, 45 cm hoch, ist aus
Ziegeln mit Feuerzügen gemauert, also ein richtiger Ofen, der vom Zimmer aus
oder von außen her mit Briketts in Kugelform geheizt wird (M. Schütte-Lihotzky,
Millionenstädte Chinas – Bilder- und Reisetagebuch einer Architektin, Seite 49)

So wird es verständlich, dass sich die Chinesen nach einem besseren Leben
sehnten. Vor dem Sturz der Viererbande wurde eine Politik der allgemeinen
Armut gepredigt. Mit der Rückkehr von Deng Xiaoping in die Politik wurden
wieder die vormals gescheiterten Versuche einer Modernisierung der Wirt-
schaft Chinas aufgenommen. Dennoch gab es im Zentralkomitee der KP
Chinas immer noch Leute, die den früheren Einflüssen von Lin Biao und
der Viererbande anhingen und durch Gerüchte oder durch das verleumde-
rische Gerede den neu eingeschlagenen Weg als Abweichung attackierten
(Ausgewählte Schriften -1975-1982-, die Seiten 194/95).

Daher beriefen sich die Anhänger der Reformen auf Friedrich Engels, der
im Jahre 1890 an Otto v. Boenigk folgende Zeilen schrieb: „Die sogenannte
‚sozialistische Gesellschaft‘ ist nach meiner Ansicht nicht ein für allemal fer-
tiges Ding, sondern, wie alle andern Gesellschaftszustände, als in fortwäh-
render Verändrung und Umbildung begriffen zu fassen.“ (die Werke, Band
37, Seite 447)

BEITRAG

Mao Zedong verweist 1957 in seiner Schrift „Über die richtige Behandlung der
Widersprüche im Volke“ darauf hin, dass die grundlegenden Widersprüche in
der sozialistischen Gesellschaft noch immer die zwischen den Produktionsver-
hältnissen und den Produktivkräften sind (Einzelausgabe Seite 22). Deshalb
betrieb man eine relativ starke Kollektivierung in allen Bereichen. Doch stellte
sich schnell heraus, dass man sich in einer Sackgasse befand. So legte Zhou
Enlai schon 1964 in seinem Bericht über die Tätigkeit der Regierung vor dem
III. Nationalen Volkskongress ein überarbeitetes Programm vor, das bis Ende
2000 die Industrie, die Landwirtschaft, die Landesverteidigung, die Wissenschaft
und Technik modernisieren wollte, mit dem Ziel, China volkswirtschaftlich in die
vorderste Reihe der Welt zu stellen. Leider wurde dieses Vorhaben in den nun
folgenden Jahren durch die ideologischen Auseinandersetzungen in China selbst
torpediert. Zwar ist dieses Ziel nicht mehr ganz aufgegeben worden. Doch erst
nach dem Tode Maos ging man daran, die alte Politik der vier Modernisierungen
der chinesischen Wirtschaft zum vorrangigen Thema zu machen.

Die Volksrepublik China hatte viele Jahre das Erbe einer vorwiegend landwirt-
schaftlichen Struktur. Die Industrie war somit äußerst schwach entwickelt. Als
erstes wurde nach dem sowjetischen Vorbild der Sektor der Schwerindustrie
ausgebaut. So produzierte man 1972 23 Millionen Tonnen Stahl. Da konnte
man gleich zur Entwicklung des Maschinenbaus übergehen. Doch zeigte sich,
dass die Schwerindustrie im Gegensatz zur Leichtindustrie zu dominant war.
Deshalb sollte die Leichtindustrie jetzt im größeren Maße als bisher ausgebaut
werden. Dadurch wollte man vor allem die Armut im Land bekämpfen, indem
man die Exportorientierung vorantrieb. Mit Hilfe von westlichen Firmen wurden
Gemeinschaftsunternehmen gebildet, die zum einen das menschliche Potential
an Arbeitskräften nutzen und zum anderen die Möglichkeiten zur Beschaffung
westlicher Devisen ausschöpfen konnten. Da hatten beide einen Nutzen. So
lernten die Chinesen auch das westliche Know-how kennen und konnten letzt-
endlich bestehende Rückstände wieder wettmachen.

Mit dem Beginn der wirtschaftlichen Öffnungspolitik sah man in den Werken Le-
nins Anhaltspunkte für das notwendige Handeln. So war hier von einer Überle-
genheit des Sozialismus gegenüber dem Kapitalismus die Rede, indem im So-
zialismus die „Hebung der Produktivität der Arbeit“ (Steigerung der Arbeitspro-
duktivität) angestrebt wurde (W. I. Lenin, „Die nächsten Aufgaben der Sowjet-
macht“). Damit war in der Praxis also verbunden die Vergrößerung der Produk-
tenmenge und die Hebung der Produktionskräfte der Gesellschaft in gewaltigem
Umfang (gewaltige Steigerung der Produktivkräfte der Gesellschaft – W. I. Lenin,
„Über die Rolle und die Aufgaben der Gewerkschaften“).

Hua Guofeng übernahm nach dem Tode Maos auch die Führung in der KP
Chinas. In seine Zeit fallen die Bemühungen, die Wirtschaft Chinas aus eige-
nen Kräften zu modernisieren. Dabei wollte er die bisherigen Erfahrungen im
Wirtschaftsaufbau in die Form einer Kampagne bringen und diese entsprechend
zur Triebkraft für spätere Aufgaben machen. Erst unter dem Einfluss von Deng
Xiaoping ist es zu einer gravierenden Änderung in der Politik gekommen.

Von nun an galten folgende Prinzipien:

– Man stützt sich fortan auf die eigene Kraft. In diesem Sinne wird ein unabhängi-
ges und vollständiges Wirtschaftssystem aufgebaut.

– Die Entwicklung der Landwirtschaft genießt Priorität.

– Die vielfältige technische Struktur wird akzeptiert und einer sukzessiven Vervoll-
kommnung unterzogen.

– Das Schwergewicht wird auf die erweiterte Reproduktion und auf die Ausnutzung
des vorhandenen Potentials der Betriebe gelegt.

– Verschiedene Wirtschaftsformen sollen gleichzeitig im Nebeneinander existieren.
Dabei gilt das sozialistische Gemeineigentum als Grundlage.

– Unter der einheitlichen Führung und dem Staatsplan werden die Selbstentschei-
dungsrechte der lokalen Behörden und Betriebe nach den Gesichtspunkten des
Managements erweitert.

– Eine sozialistische geistige Zivilisation wird aufgebaut, die den Sinn für Disziplin
stärken und damit die aus dem Ideal des Kommunismus hervorgehenden guten
Verhaltensweisen fördern soll.

Quelle:
Beijing Rundschau – Spezialserien (China heute), Modernisierung – der
chinesische Weg, Beijing (China) 1983, das Kapitel: Wesen und Beson-
derheiten, Seite 17.

Bei der Modernisierung der Wirtschaft Chinas wollte man von der eigenen Realität
ausgehen, die in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen zusammenfassen und
einen selbständigen Weg gehen, damit das Vorhaben von den chinesischen Beson-
derheiten geprägt bleibt.

Man sah es zwar als selbstverständlich an, dass man nach der fortgeschrittenen,
ausländischen Technologie Ausschau hält und dabei auf ausländische Geldmittel
zurückgreift. Doch wollte man hier auf der Grundlage der Gleichberechtigung und
des gegenseitigen Nutzens agieren und auf dieser Basis den wirtschaftlichen und
technischen Austausch erweitern in dem Bestreben, die Modernisierung dadurch
zu beschleunigen. Dabei sah man die ausländische Hilfe als sekundär an.

Das damals in China anzutreffende unterschiedliche Niveau der Produktivkräfte
und die sich daraus ergebene vielfältige technische Struktur verlangten unvermeid-
lich nach diversen Wirtschaftsformen und Betriebsverwaltungen. Dabei sollte aber
für lange Zeit die bisherige Eigentumsstruktur, die auf dem sozialistischen Gemein-
eigentum beruht, in einem ziemlich langen Zeitraum beibehalten werden, ergänzt
durch andere verschiedene Wirtschaftsformen. Dadurch würden die in China be-
stehenden Betriebsverwaltungen flexibler und vielseitiger.

Den Durchbruch stellte in den Städten die Zulassung von Genossenschaftsbetrieben
verschiedenster Art dar, die besonders mit der Beteiligung von Investitionen Einzel-
ner entwickelt wurden. Dabei dachte man an das Prinzip der Freiwilligkeit und des
gegenseitigen Nutzens und nicht an die Zwangskollektivierung, wie in früheren Jah-
ren geschehen.

In der letzten Konsequenz aller Überlegungen strebte man Gemeinschaftsunterneh-
mungen (Joint Venture) sowohl mit chinesischer als auch ausländischer Investitions-
beteiligung und andere vereinigte Betriebe an, in denen verschiedene Eigentumsfor-
men etwas locker verbunden sind. Zur Beruhigung einer Reihe von Skeptikern hat
man darauf hingewiesen, dass die zur damaligen Zeit vorzufindende sozialistische
Natur in China dadurch nicht beeinträchtigt und auch in künftigen Zeiten keineswegs
negativ beeinflusst würde.

DIE HOSPITÄLER IM MITTELALTER UND IN DER NEUZEIT

AUTOR: Josef Theobald

Als Beispiel für das Hospitalwesen im Rheinland kann die Bischofs- und
Hansestadt Münster gelten. Hier hatte sich im Gegensatz zu den meisten
Städten die Armenfürsorge dezentral entwickelt. Um 1550 gab es dort 13
Armenhäuser. Zwei von ihnen standen als Zwölfmännerhäuser unter der
Aufsicht des Domkapitels. In ihnen wurden Diener und Knechte der Dom-
herren bzw. der Höfe des Domkapitels aufgenommen. Die anderen Häu-
ser, unter ihnen das erstmals 1176 erwähnte Magdalenen-Hospital und
das nach 1350 gegründete Armenhaus „Zur Aa“, die jeweils 33 Personen
aufnehmen konnten, hatten insgesamt eine Aufnahmekapazität von ca.
190 Personen, die nicht (mehr) arbeitsfähig waren. Daneben gab es die
offene Armenfürsorge („Almosenkörbe“, „Speckpfründe“) in den einzelnen
Kirchspielen, das Gasthaus für durchreisende Fremde, das vor der Stadt
gelegene Leprosenhaus „Kinderhaus“ sowie vier Elende, die im Bedarfs-
fall für die an Pest erkrankte Münsteraner Einwohner sowie schließlich für
Durchreisende geöffnet wurden.

Voraussetzung für die unentgeltliche Aufnahme auf Lebenszeit waren so-
wohl eigene Verdienste zugunsten ihrer Heimatstadt als auch die Stiftung
des Nachlasses zugunsten des Hospitals zu ihrem Seelenheil. Eine zweite
Aufnahmeform war die allgemein bekannte Verpfründung, bei der ein ein-
gezahlter Betrag die Kammer und die Verpflegung bis zum Tode sicherte.
Eine dritte Möglichkeit bestand darin, zunächst als Gastmeister zu arbei-
ten, eine Summe einzuzahlen und danach zu entscheiden, ob man im
Hause wohnen bleiben wolle. Zog man aus, so erhielt man für seine ge-
leistete Arbeit eine Rente. Zudem war viertens eine vorübergehende Auf-
nahme nachweisbar, die mit einer gestifteten Erbrente abgegolten wurde.

Aufgenommen wurden bedürftige arme Personen, die sich nicht mehr mit
ihrer Arbeit ernähren konnten, keinen anderen Trost hatten und so krank
waren, dass sie nur mit Krücken an den Türen guter Leute um Brot betteln
konnten. Für den Stifter des Hospitals wurde stets gebetet. Auch hatten die
Armen dem Provisor (Verwalter) Gehorsam und Friedfertigkeit zu schwören.
Bei erfolgter Gesundung sowie bei ungebührlichem Verhalten mussten sie
das Hospital wieder verlassen. In jedem Fall bestand ein Anfallsrecht des
Hospitals auf den Nachlass des verstorbenen Armen. Dazu kamen Arbeits-
verrichtungen für das Hospital. Im Magdalenen-Hospital waren diese ange-
siedelt beispielsweise in der Schlachtung, beim Brauen und bei Gartenar-
beiten. Aus dem Armenhaus „Zum Busch“ in Münster ist bekannt, dass die
untergebrachten Hausbewohnerinnen mit der Herstellung von Kerzen für
den Bedarf der benachbarten Martinskirche betraut waren. [1]

Die Verwaltung eines Spitals hatte eine Laienbruderschaft, an deren Spitze
ein von den Brüdern gewählter Spitalmeister (magister hospitalis) stand. Sie
lebten nach der Augustinerregel und nach vom Bischof erlassenen Konstitu-
tionen. Außerdem waren u. a. Bader im pflegerischen Bereich tätig. An der
Spitze aller stand eine Spitalmeisterin, die für den Großhaushalt, für die ver-
sorgende Garten-, Vieh- und Landwirtschaft sowie für die seelsorgerliche Be-
treuung, einschließlich für einen eingesetzten Schulmeister, zuständig war.
In Saarlouis herrschte eine niederdeutsche Tradition vor, die man aus
Flandern importierte. Hier ging man dazu über, wie in anderen Städten
ein Gesundheitswesen unter kommunaler Aufsicht aufzubauen. [2]

Im Gebäude des alten Canisianum, ursprünglich nach der Gründung der
Stadt eine Kirche mit Kloster der Augustinereremiten des Wallerfanger
Konvents, wurde nach der Französischen Revolution in preußischer Zeit
1840 ein neues Hospital errichtet, das nach einer Verlegung des Städti-
schen Krankenhauses im Jahre 1929 wieder als Anwesen eines Jesu-
itenordens diente. Ergänzend hinzu kam die Ansiedlung der Borromäe-
rinnen aus Nancy durch einen Vertrag aus dem Jahre 1810, die hier ein
„Hospice de Charité de Sarrelouis“ errichteten. Dazu kam in den Jahren
von 1833 – 1846 eine Mädchenschule, die von der Oberin Xavier Rudler
geleitet wurde. Nach der Gründung einer Krankenpflegeeinrichtung in der
Bierstraße zog man 1841 in die Augustinerstraße um. Das Hospital wurde
hier ausgebaut und 1867 durch ein Männerkrankenhaus erweitert. Neben
der Krankenpflege kam es 1859 zum Betrieb einer Höheren Töchterschule.
Ein Jahr später kam eine Waisenschule hinzu. 1890 schenkte dann Delphin
Motte dem Orden ein weiteres Gebäude, in dem dieser ein „Mägdeheim“,
eine Industrieschule und eine Kinderbewahrschule errichtete. Die Kinder-
bewahrschule zog 1908 in einen neuen Gebäudetrakt in der Augustiner-
straße; das Krankenhaus wechselte in die Räumlichkeiten des heutigen
DRK-Krankenhauses. Nach der Aufgabe verschiedener Einrichtungen
verließen allerdings die Schwestern 1939 Saarlouis. Seit 1848 leiten
die Borromäerinnen das St. Nikolaus-Hospital in Wallerfangen.

1875 kamen die Franziskanerinnen von Waldbreitbach nach Saarlouis
und gründeten hier an Ostern 1902 die heutige St. Elisabeth-Klinik. [3]

ANMERKUNGEN
[1] Gisela Drossbach (Herausgeberin), HOSPITÄLER IN MITTELALTER 
UND FRÜHERER NEUZEIT (Frankreich, Deutschland und Italien. Ei-
ne vergleichende Geschichte), R. Oldenbourg Verlag, München 2007,
Seiten 25 – 39.
[2] wie [1], jedoch die Seiten 53 + 258.
[3] Quelle: WIKIPEDIA, Webseite der Kreisstadt Saarlouis und des Ma-
rienhaus Klinikums Saarlouis-Dillingen (Unsere Geschichte).