ERÖFFNUNG DER RODENER TAGE 2018

Am Freitag, dem 25. Mai 2018, wurden auf dem Marktplatz die diesjährigen

Rodener Tage eröffnet. Unter der Moderation von Hans Werner Strauß und

der Beteiligung der Gäste aus der Politik konnte das Festprogramm gestartet

werden. Schirmherren waren der OB Peter Demmer und die CDU-Generalse-

kretärin Annegret Kramp-Karrenbauer.

DER BRAUCH DES MAIBAUMES

AUTOR: Josef Theobald

Für das Jahr 1225 ist ein Maibaum im Aachener Raum beurkundet. Die
angebrachten grünen Reiser galten als Fruchtbarkeitssymbole. [1]

Nach einer aufgestellten Liste wurden die Jünglinge von einem Maigrafen
aufgerufen und nach der Liebsten befragt. Dann nennt ein anderer Maigraf
den Namen der zugeteilten Jungfrau. [2]

Tradition war, dass vom Verehrer seiner Liebsten in der Nacht zum 1. Mai
eine frisch austreibende Birke, geschmückt mit bunten Bändern, als „Mai-
baum“ vor die Haustür gestellt wurde.

Im Frühling oder Sommer waren die für die Tradition verwendeten Bäume
oft Laubbäume. Teilweise waren es sehr hohe Bäume, denen lediglich eine
kleine grüne Kronenspitze gelassen wurde. Unter der Baumkrone hing ein
mit bunten Streifen geschmückter Kranz oder es waren in der Krone bunte
Stoffstreifen eingeflochten. [1] Unter dem Gesang von Liedern wurde dieser
Baum aufgepflanzt. Am Maimorgen geht der Bursche zu dem ihm zugeteilten
Mädchen, trägt ihr in der Maisprache Sprüche und Grüße vor und empfängt
als Dank einen frischen Maiblumenstrauß. [2] Bei einem Tanz unter dem mit
Bändern geschmückten Maibaum konnten dann die Buben und Mädel „an-
bändeln“. [1]

Jeder Bursche holte sich seine Tänzerin in deren Hause ab, und mit der ihm
zugeteilten Jungfrau an der Hand trat der Jüngling zum Maireigen. Doch war
dieser mit der Abenddämmerung beendet. Vor der Dunkelheit musste jeder
Jüngling sein Maimädchen heimgebracht haben. [2]    

Der mit dem Monat „Mai“ verbundene Begriff des „Maien“ geht auf die Maja,
der römischen Göttin des Wachstums im Frühling, zurück. Maja war in der
römischen Götterwelt die Tochter des für Felder und Wälder zuständigen
Gottes Faunus und die Frau von Vulcanus, dem Gott für das Feuer und
die Schmiedekunst. Maja stand Patin für den Monatsnamen „Mai“. [1]

ANMERKUNGEN
[1] Hans-Peter Ebert, Festtage zum Nachlesen (Hintergründe zu Zeit-
rechnung und Brauchtum), DRW-Verlag, Leinfelden-Echterdingen
2001, die Seiten 79 – 83.
[2] Montanus, Die deutschen Volksfeste, Volksbräuche und deutscher
Volksglaube in Sagen, Märlein und Volksliedern, im Nachdruck der
Ausgabe von 1854 des Georg Olms Verlags, Hildesheim 2006, die
Seite 30.

AUFSTELLUNG DES MAIBAUMES

Unter der Beteiligung der Rodener Vereine wurde am Montag, dem 30. April 2018, mit Unterstützung des
THW erstmals ein gemeinsamer Maibaum aufgestellt. Die Veranstaltung war umrahmt mit musikalischen
Beiträgen und von einem Mundartvortrag. Mehr Bilder auch auf unserer FB-Seite unter diesem LINK:
Über ein "Gefällt mir" würden wir uns freuen.

WO KARL MARX WIRKLICH IRRTE

AUTOR: Josef Theobald

In diesem Jahr wäre Karl Marx 200 Jahre alt geworden. Er lebte von 1818
bis 1883 und gilt bis heute als der geistige Kopf der Arbeiterbewegung des
19. Jahrhunderts. Auf ihn hauptsächlich geht der später propagierte wissen-
schaftliche Sozialismus zurück. In der Zeit des noch bestehenden kommuni-
stischen Blocks galt Marx als der Begründer des Marxismus-Leninismus.

Der aus jüdischen Verhältnissen stammende Marx hatte seine Stationen in
Köln, Paris, Brüssel und London. Sein Großvater Levy Marx (1743-1804)
war in den Städten Saarlouis und Trier als Rabbiner tätig gewesen. Dieser
stammte aus dem böhmischen Postelberg und trug den Namen Mordechai.
Sein Vater Heinrich Marx (1777-1838) konvertierte wegen seines beruflichen
Fortkommens zum evangelischen Glauben und war zuletzt als Justizrat in der
Stadt Trier, dem Sitz der preußischen Bezirksregierung, tätig. Eigentlich hatte
K. Marx eine Hochschullaufbahn angestrebt. Doch die damals judenfeindliche
Atmosphäre hatte dies vereitelt. So machte sich Marx einen Namen als Autor
und Redakteur verschiedener Zeitungen. Im Jahre 1864 war er federführend
an der „Internationalen Arbeiterassoziation“ (I. Internationale) beteiligt. Auch
arbeitete er Im Hintergrund an der Gründung einer Sozialdemokratischen Ar-
beiterpartei (SDAP – Eisenacher) in Deutschland. 1875 beobachtete er sehr
kritisch die Vereinigung in Gotha zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutsch-
lands (SAP).
    
In seinen späten Jahren behauptete Marx, die russische Gemeinde sei in
Europa die einzige noch organische, vorherrschende Form im Landleben
eines ungeheuren Reiches. Das Gemeineigentum an Grund und Boden
biete ihr deshalb die natürliche Basis der kollektiven Aneignung und ihr
historisches Milieu, die Gleichzeitigkeit mit der kapitalistischen Produktion,
bietet ihr fix und fertig dar die materiellen Bedingungen der in großem Maß-
stabe organisierten kollektiven Arbeit. [1]

Zunächst hatte Friedrich Engels diese Meinung in seiner Schrift „Soziales
aus Russland“ geteilt. Die in Westeuropa erstrebte Form des Sozialismus
würde zuerst in Russland eingeführt. Denn damals gab es ja in Russland
Persönlichkeiten, die vor allem das russische Volk sozusagen als das aus-
gewählte Volk des Sozialismus ansahen. Sie begründeten dies besonders
mit dem Gemeindeeigentum an Grund und Boden. [2]

Erst in seinen Spätwerken ging Engels auf Distanz dazu.

Im Nachwort von 1894 zu „Soziales aus Russland“ stellte er fest, dass die
russische Gemeinde zwar Hunderte von Jahren bestanden hatte. Es sei
aber aus ihr nie ein Antrieb hervorgegangen, um selbst eine höhere Form
des Gemeineigentums entwickeln zu können. Die russische Gemeinde
könne nur dann auf eine höhere Stufe gestellt werden, wenn zum einen
das westeuropäische Proletariat über die Bourgeoisie gesiegt und zum
anderen die gesellschaftliche Produktion die kapitalistische ersetzt hätte.
[3]

Wie ist es zu dieser Fehleinschätzung gekommen?

Es waren russische Publizisten im Ausland, wie A. I. Herzen, die ein der-
artiges Bild von der russischen Landgemeinde zeichneten. Lenin sprach
davon, dass dieser 1847 Russland verließ, das revolutionäre Volk nicht
gesehen und den Glauben an dieses Volk nie besaß. Herzen galt als der
Begründer des „russischen“ Sozialismus der „Volkstümlerrichtung“, etwa
mit einer sozial-liberalen Bewegung in Westeuropa vergleichbar. Damals
kämpften die revolutionären Bauern als Besitzer und Kleineigentümer für
die Beseitigung des gutsherrlichen Grundbesitzes bis zur Aufhebung des
Privateigentums am Grund und Boden. Herzen allerdings erblickte in der
Befreiung der Bauern mit Landzuteilung, im Grundbesitz der Dorfgemein-
den und in der bäuerlichen Idee vom „Recht auf Grund und Boden“ den
Sozialismus. [4]  

Die Ausgewählten philosophischen Schriften A. I. Herzens (1812-1870)
wurden erstmals 1949 in der Sowjetunion in deutscher Übersetzung her-
ausgegeben. Herzen gibt hier einen Überblick über das feindliche Lager,
das dem offiziellen Russland gegenüberstand. Das waren allerdings nur
vereinzelte Kämpfer, die in den Kasematten eingesperrt, gefoltert, nach
Sibirien verschickt und durch neue Kämpfer ersetzt wurden. Das macht
wohl die russische Tradition, das Majorat, aus (Seite 513).

Infolge der Industrialisierung Russlands stellte sich zunehmend die Bindung
zur Dorfgemeinde als ein wesentlicher Hemmschuh heraus. So verweigerte
man in Russland dem Bauern den freien Zugang zur Fabrik. Der Bauer hatte
aufgrund der solidarischen Haftung und der Erschwerung des Austritts aus der
Dorfgemeinde nicht, wie in anderen westeuropäischen Ländern, die volle Frei-
heit, sich nun den für ihn vorteilhaftesten Unternehmer auszusuchen, während
es der Unternehmer glänzend verstand, hier den billigsten Arbeiter ausfindig zu
machen. [5]
 
ANMERKUNGEN
[1] Marx – Engels, Werke, Band 19, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1962, die
     Seite 385.
[2] Marx – Engels, Ausgewählte Werke in zwei Bänden, Band II, Dietz
     Verlag, Berlin-Ost 1966, Seite 43.
[3] Marx – Engels, Werke, Band 22, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1963, die
     Seiten 426/27.      
[4] W. I. Lenin, Ausgewählte Werke in drei Bänden, Band I, 7. Auflage,
     Dietz Verlag, Berlin-Ost 1970, Seite 676/77.
[5] W. I. Lenin, Werke, Band 3, Dietz Verlag, Berlin-Ost 1956, die Seite
     539.