DIE SCHWESTERN VERLASSEN DIE PROPSTEY ST. JOSEF

AUTOR: Josef Theobald

Nach nun 84 Jahren verlassen die verbliebenen Schwestern vom Orden
der „Karmelitinnen von der göttlichen Liebe, Dienerinnen Mariä, Mittlerin
aller Gnaden“ die Propstey St. Josef in Taben-Rodt für immer.

Der Schwesternorden der unbeschuhten Karmelitinnen zählt zu den wohl
elitären Orden innerhalb der katholischen Kirche. Dieser Orden geht auf
die Gründung der großen Theresia von Avila (1515-1582) zurück. Mit der
Person „Johannes vom Kreuz“ gründete sie insgesamt 15 Frauen- und 16
Männerklöster. Mit ihren Schriften schuf sie den Höhepunkt der spanischen
Mystik. Als zweite herausragende Ordensfrau in diesem Orden gilt die als
kleine Theresia bezeichnete Theresia von Lisieux (1873-1897). Auf sie geht
die Lehre von der innigen Liebe zu Jesus zurück, die von einer mystischen
Kreuzesnachfolge und einer geistigen Kindschaft geprägt war, die man auch
als Kleinen Weg der geistlichen Armut und Barmherzigkeit bezeichnet, der
menschlicherseits unbedingt auf die Gnade Gottes angewiesen ist. [1]

In besonderer Verehrung bei den Ordensschwestern in Taben stand der
biblische „Josef“ des Neuen Testaments, dessen Namenstag jährlich am
19. März gefeiert wird. Denn nach einer biblischen Überlieferung gelten
„Josef“ und „Maria“ als die Eltern Jesu. Dem Vater „Josef“ wurde der Be-
ruf des Zimmermanns zugeschrieben. Das griechische Wort „tekton“ be-
zeichnet aber im breiteren Sinne einen Arbeiter oder Handwerker, der
einen vorgegebenen Stoff bearbeitet, sei es Holz, sei es Stein oder so-
gar Metall: ein Steinmetz, ein Maurer, ein Bildhauer usw. [2] Denn am
19. März 1931 begannen die Anfänge obiger religiösen Gemeinschaft
in Taben-Rodt. Damals kam Mutter Agnes Maria Betsch mit wenigen
Schwestern aus Dahlem bei Bitburg (Eifel), wo ihr altes Haus zu klein
war, an die Saar. Sie kaufte das alte fränkische Rittergut in Taben, wo
zuvor bis 1928 eine Apfelsektmarke hergestellt wurde. Das Gut erhielt
nunmehr den Namen „Propstey“ und die Schwestern eröffneten hier ein
Kinderheim. Die damalige Mutter hatte sich hauptsächlich von Anfang an
der Erziehung und Bildung sozial schwächerer, besonders hilfsbedürftiger
Kinder und Jugendlicher gewidmet. [3]

Nach dem II. Weltkrieg erlebten in Deutschland die Ordensinternate einen
wahren Boom. Als eine Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts
verstand die katholische Kirche die Forderung nach Zulassung von Konfes-
sionsschulen, in denen der ganze Unterricht und Aufbau der Schule in allen
Fächern unter der Leitung und der mütterlichen Aufsicht der Kirche stehen
sollte, die vom christlichen Geist geprägt war. Hierbei berief man sich auf
das Elternrecht, als ob die Konfessionsschule wesentlich ein Anliegen der
Eltern wäre. [4]

In den Hochzeiten hatte das Internat in Taben-Rodt rund 220 Menschen
beherbergt. Darunter waren 130 Volksschulkinder, 60 Schülerinnen der
Berufsfachschulen für Haushaltung und Kinderpflege, schließlich dann
34 Schwestern und zivile Angestellte. Geprägt war auch die Propstey
von einem hohen Grad an Selbstversorgung. Butter und Brot wurden
selbst im Haus hergestellt und Gemüse ist angebaut worden. So gab
es eigene Kühe, Schweine und Kälber. Zwei Schwestern kümmerten
sich mit Männern aus dem Ort um die Landwirtschaft.

Doch 1990 kam das Ende der Landwirtschaft. Der Grund hierfür lag
darin, dass die Schwestern schon im fortgeschrittenen Alter waren,
wo das Anpacken hier schwer fällt. Die Nachwuchsprobleme wurden
allerdings nicht so wahrgenommen, wie in den anderen Klöstern. Dies
lag darin, dass durch die Strenge des Ordens nur wenige hier hängen
blieben. Allgemein hatten die Schwesternorden mit einer gewachsenen
Säkularisierung zu kämpfen, das eine geänderte Einstellung zu Reich-
tum und Armut bedeutete. Dazu kam die veränderte Sexualmoral bei
Mädchen im Verlauf der Sechziger Jahre. Plötzlich wurde im Ordens-
alltag akzeptiert, dass es im früheren Leben beim Kontakt zum männ-
lichen Geschlecht zu sexuellen Handlungen kommen kann. Da tat sich
der Orden der Karmelitinnen sehr schwer.

Im schulischen Bereich existierte in Taben das Angebot von Förder-
klassen für Kinder ausländischer Familien. Diese kamen meist aus
Polen oder aus dem früheren Jugoslawien.

Die jeweiligen Schulklassen waren auf das Josefs- und Marienhaus
verteilt. Die Jahrgangsstufen 1 – 3 der Heimvolksschule waren im
Josefshaus untergebracht. die übrigen im Marienhaus (4-6, 7-9). Im
1967 fertiggestellten Christkindelhaus war der neue Kindergarten der
Pfarrei St. Quiriacus untergebracht. Das Josefshaus beherbergte eben-
falls die Kinderpflegeschule.

Im Schuldienst tätig waren Sr. Elisabeth und Sr. Gertrudis. Ab Ostern
1968 waren Sr. Agnes als Mutter und Schwester Anna als Heimleiterin
tätig.

Typische Kollektivstrafe der Sechziger Jahre war das Treppenlaufen
und im Einzelfall das Prügeln mit Gummiriemen (Sr. Elia).

Die einzelnen Klassen wurden z. T. abgestellt, um Esskastanien zu
sammeln, um Birkenäste abzumachen, um Heidelbeeren zu brechen
und um Pfifferlinge aufzusammeln.

Ein wesentlicher Grund für den Auszug aus dem Klostergebäude war
die zunehmende Bebauung der Kirchstraße, die bis fast an die Kloster-
mauer heranreichte.

In dem Jahre 1998 übernahmen die Pallottiner den schulischen Betrieb.
Heute ist die Propstey St. Josef eine Jugendhilfe-Einrichtung für Kinder
mit verhaltensbedingten Problemen, also Kinder, die Auffälligkeiten in
der Erziehung aufweisen. Diese Einrichtung ist heute eine Ganztags-
schule mit Schwerpunkt „Berufsorientierung“. Den Schülern soll es
demnach ermöglicht werden, trotzdem einen Hauptschulabschluss
zum Einstieg in das spätere Berufsleben zu schaffen. [3]

ANMERKUNGEN
[1] THEOLOGEN, KETZER, HEILIGE (Kleines Personenlexikon der 
Kirchengeschichte), Herausg.: Manfred Heim, Verlag C. H. Beck, 
München 2001, Seiten 380/81.
[2] Xavier Léon-Dufour, WÖRTERBUCH ZUM NEUEN TESTAMENT,
Kösel-Verlag, München 1977, Seite 446.
[3] Trierischer Volksfreund, „Endgültiger Abschied nach 84 Jahren –
Schwestern verlassen Propstey in Taben-Rodt“, Ausgabe vom 
12. März 2015.
[4] DIE GESELLSCHAFT IN DER BUNDESREPUBLIK (Analysen I),
Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1970, Seiten 110 + 111.